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18.11.2021 | Blockchain | Kolumne | Onlineartikel

Ökonomie der Blockchain erklärt die langsame Verbreitung

Autor:
Sven Schweickhardt
3:30 Min. Lesedauer

Etliche Unternehmen, auch im Finanzbereich, haben bereits Erfahrungen mit der Blockchain-Technologie gesammelt. Häufig verlassen die Projekte aber nicht das Prototypstadium. Eine Ursache liegt in der Ökonomie der Blockchain.

Viele Experten sehen in der Blockchain-Technologie, die eine Variante der Distributed Ledger Technology darstellt, eine Revolution unseres Wirtschaftssystems. Bis auf Kryptowährungen fehlt bislang jedoch ein großes Anwendungsfeld. Unternehmen, die sich die Frage stellen, ob sie die Blockchain in ihre Wertschöpfung einbeziehen sollten, brauchen aber einen klaren Kriterienkatalog, anhand dessen sie die Eignung dieser Technologie bewerten können 

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Zukunftstechnologie besteht Realitätscheck

Die Blockchain gilt als zentraler Hebel für die Entwicklung der Finanzindustrie. Häufig wird das virtuelle Verschlüsselungsverfahren mit Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum in Verbindung gebracht. Doch die Anwendungsgebiete der Geldhäuser gehen bereits weit darüber hinaus.

Blockchain verzahnt Ökonomie und IT

Das Revolutionäre der Blockchain-Technologie liegt klar in der auf viele Anwender distribuierten Datenhaltung bei gleichzeitiger Schaffung von Vertrauen in ebendiese. Ein Kernpunkt bei Datenbanken ist die Frage, wer für die Pflege der Daten verantwortlich ist. Bei zentralen Datenbanken übernimmt eine Institution oder Intermediär, die bei den Teilnehmern Vertrauen genießt, die Datenpflege und besitzt alle Schreibrechte. 

Bei einer Blockchain gibt es allerdings keine zentrale Institution, so dass die Schreibrechte auf eine Vielzahl von Anwendern verteilt wird, wovon mutmaßlich nicht alle vertrauenswürdig sind. Um dennoch eine valide Datenhaltung zu garantieren, werden Sicherheitsmechanismen in Form von privaten und öffentlichen Schlüsseln (Schutz bei Initiierung der Transaktion) sowie Konsensmechanismen (Schutz vor nachträglicher Veränderung der Daten) verwendet. Aufgrund dieser beiden Schutzmechanismen gilt die Blockchain als sehr sicher und wenig anfällig gegenüber Manipulation.

Während das Konzept von privaten und öffentlichen Schlüsseln lange bekannt ist, wird seit Entstehung der Blockchain-Technologie hohes Augenmerk auf die Funktionsweise von Konsensmechanismen gelegt. Der beispielsweise von Bitcoin verwendete Konsensmechanismus Proof of Work zeichnet sich IT-technisch durch fortgeschrittene kryptographische Verfahren, bei gleichzeitig starken ökonomischen Anreizen zu vertrauensvoller und ehrlicher Datenhaltung aus. Da diese Art des Konsensmechanismus aufgrund hohem Energieverbrauch stark kritisiert wird, stehen bereits seit längerem auch alternative Konsensmechanismen (z.B. Proof of Stake) zur Verfügung.

Drei Anwendungsbereiche sprechen für die Blockchain

Im Kern ergeben sich aus heutiger Sicht vor allem drei Anwendungsfelder für die Blockchain, die letztlich alle aus den hohen Sicherheitseigenschaften der Blockchain resultieren:

Disintermediation: Bei der Blockchain werden Transaktionen von Nutzer zu Nutzer durchgeführt (Peer-to-Peer), ohne zwischengeschaltetem Intermediär. Unternehmen sollten also dann die Verwendung von Blockchains in Betracht ziehen, wenn entweder der Intermediär sehr teuer ist (zum Beispiel Dienstleister für den internationalen Zahlungsverkehr) oder kein vertrauensvoller Intermediär existiert (zum Beispiel sogenannte rechtsfreie Räume).

Digitale Assets: Völlig neu durch die Einführung der Blockchain-Technologie ist die Tatsache, dass die einfache Vervielfältigung von digitalen Informationen verhindert werden kann. Damit können Daten erstmalig Werte sicher dokumentieren beziehungsweise selbst Werte darstellen (zum Beispiel digitale Kunst/NFT). Die Blockchain kann so unter anderem als Werteregister genutzt werden, wo Eigentumsverhältnisse (auch anteilig) dokumentiert und auf günstige Weise gemäß Angebot und Nachfrage gehandelt werden können (zum Beispiel Immobilien-, Unternehmensanteile oder ähnliches).

Smart Contracts: Schließlich kann die Blockchain-Technologie dazu genutzt werden, dass Bedingungen definiert und schließlich programmiert werden, bei deren Vorliegen Transaktionen und/oder Rechtsfolgen automatisch konstituiert werden (zum Beispiel bei Nicht-Zahlung von Leasingraten ist der durch Leasing finanzierte LKW nicht mehr nutzbar). 

Blockchain oft zentraler Datenhaltung unterlegen

Die langsame Verbreitung der Blockchain-Technologie könnte daraus resultieren, dass die oben genannten drei wichtigen Anwendungsfelder in der Praxis oftmals nur eine untergeordnete Rolle spielen. Intermediation ist heutzutage aufgrund hohen Wettbewerbes der Intermediäre oftmals günstig und rechtsfreie Räume existieren kaum. Assets können auch durch Verbriefung dokumentiert und handelbar gemacht werden. Außerdem muss bei digital dokumentierten, aber real existierenden Assets, die Existenz und Beschaffenheit dokumentiert werden, sogenannte On-/Off-Chain-Schnittstelle (zum Beispiel Zustand einer Immobilie). Schließlich kann auch das Anwendungsfeld der Smart Contracts obsolet sein, wenn auch auf herkömmliche Weise günstig und schnell Verträge geschlossen werden können.

Unter Effizienzgesichtspunkten ist eine Blockchain der zentralen Datenhaltung typischerweise unterlegen, da die Sicherstellung korrekter Daten bei einer Vielzahl an Nutzern (Blockchain) einen ungleich höheren Aufwand verursacht als bei einer zentralen Datenhaltung durch einen einzigen (oder wenigen) Intermediär(en). Im Ergebnis sollten Unternehmen also genau prüfen, in welchem der drei angesprochenen Anwendungsfelder wirklich Überlegenheit der Blockchain besteht bzw. wie/ob diese tatsächlich geschaffen werden kann.

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