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13.05.2020 | Blockchain | Im Fokus | Onlineartikel

Mit digitalen Wertpapieren Finanzierungslücken schließen

Autor:
Barbara Bocks
3 Min. Lesedauer

Mit Förderprogrammen und Hilfspaketen sorgen der Staat und die KfW für mehr Liquidität in der mittelständischen Wirtschaft. Doch die Aussichten bleiben düster. Es gibt allerdings einen neuen Weg, an Kapital zu gelangen, der gerade für KMU besonders interessant ist. 

Eigentlich verfügen die meisten deutschen Mittelständler über einen soliden Eigenkapitalpuffer für den Notfall. Aber trotzdem hat die aktuelle Corona-Pandemie dazu geführt, dass jeder fünfte deutsche mittelständische Betrieb staatliche Förderkredite beantragen musste. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der DZ Bank im April unter mehr als 1.000 Inhabern und Geschäftsführern kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) hervor, die am 11. Mai veröffentlicht wurde.

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Auswahlprozess für den Blockchain-Einsatz

Die Blockchain-Technologie steht derzeit verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit. Neben dem Einsatz als Kryptowährung wird der Einsatz dieser relativ jungen Technologie auch in Unternehmen betrachtet. Die dadurch entstehenden Angebote können etablierte Unternehmen herausfordern, bspw. durch Effizienzsteigerung oder neue Geschäftsmodelle. 

Kapitalmarkt bietet kaum Alternativen für kleine Mittelständler

Danach kommen nur KMU aus der Agrarbranche, der Elektroindustrie und aus dem Baugewerbe laut der Studie bisher weitgehend ohne staatliche Förderung aus. Auch die Kapitalmärkte leiden unter dem Corona-Virus und sind für kleinere Mittelständler ebenfalls kein geeigneter Weg, um sich neues Kapital zu beschaffen. "Traditionellerweise sind konventionelle Aktien- und Anleihe-Emissionen für Mittelständler uninteressant oder nicht realisierbar gewesen, da sie teuer und aufwendig sind", sagt Sven Buschke, Senior Manager Financial Services Industry am Deloitte Blockchain Institute, gegenüber springerprofessional.de.

"Auch wenn Mittelständlern die Vorteile beispielsweise von Mezzanine-Kapital durchaus bewusst waren, schreckten sie die hohen Gebühren für Rechtsberater und Investmentbanken in der Regel ab", so Buschke weiter. Diese berechnen für ihre Beratungsleistungen laut des Experten "einen hohen einstelligen Prozentsatz des Emissionsvolumens". Vertreter von mittelständischen Unternehmen könnten daher aktuell aber darüber nachdenken, digitale Wertpapiere auf Blockchain-Basis zu emittieren. Das lohne sich unter anderem auf Kostenseite.

Niedrigere Kosten durch Blockchain-Emission

"Die Blockchain-Technologie, auf der digitale Wertpapiere basieren, machen einige der bei klassischen Emissionen benötigten Intermediäre obsolet oder in geringerem Umfang erforderlich, was sich direkt auf die Kosten auswirkt", erklärt Buschke. Die Kosten bei Bitbond, der ersten emittierten digitalen Anleihe, lagen laut des Experten bei 0,6 Prozent des Emissionsvolumens. "Für Emissionen unter acht Millionen Euro ergeben sich weitere Vorteile: Hier ist kein klassischer Wertpapierprospekt von Nöten, sondern es genügt ein so genanntes dreiseitiges Wertpapier-Informationsblatt", so Buschke weiter. 

Weitere Vorteile durch die Blockchain-Technologie ergeben sich in der Governance: So genannte Smart Contracts, also selbstausführende Verträge, ermöglichen:

  • ein digitales Investorenregister, 
  • automatisierte Reportings 
  • und automatisierte Corporate Action, wie die Kuponzahlung an die Anleger.

Hausbanken können bei der Finanzierung beraten

Für Hausbanken stellt dieses neue Finanzierungsmittel aus Sicht des Experten "nicht unbedingt eine Konkurrenz dar, können sie doch weiterhin bei digitalen Emission beraten und durch breiter diversifizierte Kunden ihre eigenen Kreditrisiken reduzieren". Nach Ansichten mehrerer befragten Experten fehlt es den Mitarbeitern in Kreditinstituten allerdings sehr oft an einem umfassenden Verständnis der Blockchain-Technologie. 

Das schreiben auch die Springer-Autoren Jan Heinrich Beinke, Stefan Tönnissen, Julia Samuel und Frank Teuteberg in dem Buch "Blockchain" (Seite 142). Ein entsprechendes Know-how über die Blockchain-Technologie ist aus Sicht der Autoren allerdings relevant, um das Potenzial der Technologie zu erfassen und deren Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle der Banken zu erkennen. Grundsätzlich bestehe aus Sicht vieler Experten die Gefahr, dass die Geldhäuser sich zu spät mit der Blockchain-Technologie auseinandersetzen und die sich ergebenden Chancen nicht nutzen.

2,3 Millionen Euro Kapital über digitales Wertpapier

Erste Unternehmen wie die französische Systemgastronomiekette L’Osteria SE und der Fußballclub Karlsruher SC haben sich bereits in das Terrain der digitalen Mittelstandsfinanzierung vorgewagt. Gemeinsam mit der Banking-Plattform Kapilendo hat L’Osteria Anfang des Jahres 2020 laut Medienberichten über ein digitales Wertpapier knapp 2,3 Millionen von Investoren eingesammelt. Diese erhalten dafür im Gegenzug einen Kupon in Höhe von 6,25 Prozent über eine Laufzeit von drei Jahren.

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