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26.05.2023 | Blockchain | Schwerpunkt | Online-Artikel

Web3 macht Banken schneller und effizienter

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

4:30 Min. Lesedauer

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DLT und Blockchain verstärken den Druck auf etablierte Banken, offenbart eine aktuelle Bain-Studie. Um als Intermediäre weiterhin relevant zu bleiben, müssen die Institute die Vorteile von Web3 nutzen - etwa im Transaction Banking, dem Wealth Management oder dem außerbörslichen Kapitalmarktgeschäft.

"Die technologische Entwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem alte Gewohnheiten durch effizientere Methoden zur Erreichung von Zielen ersetzt werden. Die Vorteile ständiger Innovation sind zahlreich und ermöglichen es der Menschheit, sich weiterzuentwickeln und den Lebensstandard zu erhöhen", schreiben Thomas K. Birrer, Dennis Amstutz und Patrick Wenger im "Praxishandbuch Decentralized Finance" auf Seite 33. "Fast ein Jahrzehnt nach den Anfängen des Web 1.0 begann die Entwicklung des Web 2.0 mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke. Das Auftauchen von Websites wie Facebook, Twitter, Youtube oder Google zwang die Unternehmen dazu, ihre Geschäftsmodelle neu zu erfinden", führen die Springer-Autoren aus. 

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Centralized and Decentralized Finance: Coexistence or Convergence?

The financial crisis of 2007–2008 revealed that centralized finance (CeFi), which relies on large, interconnected financial institutions, is easily destabilized. Since the crisis, significant regulatory tightening, monetary easing, and new competitors (e.g., fintechs) have created significant pressure on profit margins and CeFi business models. Recently, a new form of financial intermediation that functions independently of centralized intermediaries has emerged, namely decentralized finance (DeFi). DeFi relies on public, permissionless blockchains and uses so-called smart contracts to perform financial services such as borrowing, lending, and trading in a transparent and automated fashion. This paper gives an overview of DeFi and discusses its advantages and disadvantages compared to CeFi. In it, we analyze different scenarios pertaining to the future paths of CeFi and DeFi, and conclude that a convergence scenario is the most likely.

Auch Finanzinstitute weltweit setzen sich seither intensiver mit den zugrunde liegenden Technologien auseinander. Auch wenn einige Banken sowie Infrastrukturanbieter zunehmend in die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) einsteigen und sich an Pilotprojekten auf europäischer Ebene beteiligen, sind Vorreiter in anderen Ländern zum Teil schon deutlich weiter. Sie nutzen Blockchains für das Hypothekengeschäft, die Abwicklung börslicher und außerbörslicher Handelsgeschäfte sowie Token für Echtzeitzahlungen, heißt es in der Studie "Web3 Experiments Start to Take Hold in Banking" der Beratungsgesellschaft Bain & Company, für weltweit rund 100 Bankmanager befragt wurden. 

Fintechs und Bigtechs erobern Bankdomänen

Der Aufstieg des Web 3.0, das sich heute in einer Entwicklungsphase befindet, bringt eine verbesserte und vor allem dezentralisierte Version des Internets, die dem Einzelnen durch die Blockchain-Technologie die Macht zurückgibt. Die Implementierungen, die durch die zugrundeliegende Technologie eingesetzt werden, sind dafür verantwortlich, eine direkte Verbindung zwischen den Verbrauchern zu schaffen, ohne die Notwendigkeit eines alten Finanzintermediärs, der eine Peer-to-Peer-Kultur anwendet, die in der vorangegangenen Webphase fehlte. Im Gegensatz zum Web 2.0 stellt dies eine Belastung für große Unternehmen dar, die auf Nutzerinteraktionen angewiesen sind, um profitabel zu bleiben, und stellt ihre Existenz während der Entwicklung eines erlaubnisfreien Internets in Frage", berichten Birrer, Amstutz und Wenger (Seite 35).

Weltweit erkennen Banken immer mehr, wie disruptiv Web3-Technologien sind, erklärt Studienautor Stephan Erni. "Gerade Fintechs und Techkonzerne können mit neuen Geschäftsmodellen angestammte Domänen der Kreditinstitute erobern." Darauf müssten diese reagieren und ihre traditionelle Funktion als Intermediäre weiterentwickeln. "Das Web3 wird das Bankgeschäft wesentlich schneller und günstiger machen und zudem den Wettbewerb um die Kundenschnittstelle intensivieren", ergänzt der Web3-Experte für die EMEA-Region.

Web3 senkt operative Kosten

Sechs von zehn (60 Prozent) Bankexperten sind der Auffassung, dass Web3-Technologien zu disruptiven Veränderungen in ihrer Branche führen werden, auch wenn es noch offene Fragen rund um die Regulierung, die technische Infrastruktur sowie die Einbindung in Risiko- und Compliance-Systeme gibt. Sie gehen davon aus, dass ihre operativen Kosten bei durchgängigem Einsatz entsprechender Anwendungen langfristig um durchschnittlich 15 bis 25 Prozent sinken. 

Der Grund sei eine automatisierte und sofortige Abwicklung von Transaktionen. Aber auch die damit verbundene Möglichkeit, Gegenparteirisiken und somit Kapitalanforderungen maßgeblich zu reduzieren, sowie nachgelagerten Aktivitäten (Post-Trade) zu verschlanken, werden ebenfalls als Vorteile genannt. Die Nutzung eindeutiger Eigentumsrechte sowie Effizienzgewinne bei der Identifikation der Kundschaft durch die Verwendung einer Digital Identity sind weitere Hebel.

Blockchain vereinfacht Transaktionen

"Das Merkmal der Dezentralisierung scheint für den Finanzsektor äußerst vorteilhaft zu sein, da es Institutionen, die mit einer Blockchain-Architektur arbeiten, ermöglicht, alle Transaktionen aufzuzeichnen, die Transparenz zu erhöhen und einen Single Point of Failure zu vermeiden", fassten die Springer-Autoren auf Seite 41 zusammen. Das derzeitige Bankensystem basiert auf Tausenden von einzelnen Konten, die jede Bank führt und die miteinander abgeglichen werden müssen. "Eine Blockchain übernimmt diese Funktion und gleicht die entsprechenden Konten automatisch ab."

Darüber hinaus bringe der Open-Source-Charakter der Blockchain eine Reihe weiterer Vorteile mit sich. "Da die meisten Finanzinstitute bei der Durchführung einer einzigen Transaktion auf mehrere Gegenparteien angewiesen sind, kann dies durch den Einsatz einer Blockchain gemildert werden, bei der die Unternehmen von minimalen Abwicklungskosten profitieren können, da die Beteiligung Dritter erheblich reduziert wird", erklären Birrer, Amstutz und Wenger.

Bei der Kalkulation möglicher Kostenvorteile müsse allerdings berücksichtigt werden, dass in der Übergangsphase eine parallele Infrastruktur erforderlich sei, erläutert Nikola Glusac, Leiter der Praxisgruppe Banken in der DACH-Region. Außerdem könne der Wettbewerbsdruck dazu führen, dass die Banken mittel- und langfristig die erreichten Einsparungen an ihre Kundschaft weitergeben müssen. 

Schneller, effizienter und transparenter

Die Branche erhofft sich der Bain-Studie zufolge von den Web3-Technologien mehr Geschwindigkeit, Effizienz und Transparenz. Besonders davon profitieren werden laut der befragten Bankmanager künftig das Transaction Banking, das Wealth und Asset Management sowie das außerbörsliche Kapitalmarktgeschäft rund um Private Equity, Private Debt und Immobilien. In diesen Geschäftsfeldern sei der Nutzen für Finanzdienstleister und ihre Kundschaft damit besonders hoch. Gleichzeitig seien die Umsetzungshürden vergleichsweise niedrig.

"Angesichts der hohen Relevanz vermögender Privatkundinnen und -kunden sollten sich Wealth und Asset Manager frühzeitig mit Web3-Technologien auseinandersetzen und sich mit innovativen Lösungen von der Konkurrenz absetzen", betont Glusac mit Blick auf den deutschen Markt. "Chancen gibt es aber auch im Zahlungsverkehr und Firmenkundengeschäft, gerade in Anbetracht der Vielzahl an grenzüberschreitenden Transaktionen."

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