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22.03.2018 | Boden | Im Fokus | Onlineartikel

Mikroplastik als neuer Risikofaktor für Böden

Autor:
Matthias Schwincke

Die weltweite Mikroplastik-Forschung konzentriert sich aktuell auf die Meere. Warum eigentlich? Wie eine Studie zeigt, könnten die winzigen Plastikteilchen an Land sogar noch schädlicher wirken.

Schätzungsweise rund ein Drittel aller weltweiten Plastikabfälle landet in Böden oder Binnengewässern. Dort zerfällt ein Großteil zu winzigen Teilchen von weniger als fünf Millimetern Größe. Die Entstehung und Verbreitung dieses sogenannten Mikroplastik sowie seine Auswirkungen auf Lebewesen wird derzeit weltweit umfassend erforscht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Binnengewässern und Meeren. 

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Mikroplastik in der aquatischen Umwelt

Etwa 10 % des jährlich produzierten Mikroplastiks gelangen in die aquatische Umwelt, akkumulieren sich dort und bergen eine Bedrohung für die Lebewesen. Doch was genau passiert eigentlich mit dem Mikroplastik, sobald es ins Wasser gelangt? 

Laut einer neuen Studie von Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität von Berlin ist diese Perspektive vermutlich zu eng. Ein wichtiger Grund: die Belastung durch Mikroplastik an Land ist möglicherweise sogar weit größer als in den Meeren.

Pionierstudie zu Mikroplastik in Böden

Die vom IGB und der FU Berlin initiierte Untersuchung mit dem Titel "Microplastics as an emerging thereat to terrestrial ecosystems" basiert auf einer Auswertung von knapp einhundert derzeit verfügbaren Einzelstudien zum Thema Mikroplastik in terrestrischen Ökosystemen. Einige Erkenntnisse des fünfköpfigen Forschungsteams:

  • Die Verschmutzung durch Mikroplastik ist an Land - je nach Umgebung - schätzungsweise um das vier- bis 23-fache höher als in den Meeren.
  • Ein wichtiger Faktor für die terrestrische Verbreitung von Mikroplastik ist Abwasser. 80 bis 90 Prozent der darin enthaltenen Partikel, etwa Kleiderfasern, verbleiben im Klärschlamm. Dieser wird häufig als Düngemittel für Felder verwendet. So landen jährlich viele Tausend Tonnen Mikroplastik auf den Böden.
  • Mikroplastik kann mit der Bodenfauna interagieren. So bauen etwa Regenwürmer ihre Höhlen anders, wenn sich Mikroplastikteile im Boden befinden. Dies verändert sowohl die Körperfunktionen des Regenwurmes als auch die Bodenbeschaffenheit.
  • Die Anhäufung von Mikroplastik dürfte bereits bei allen Landlebewesen verbreitet sein, auch bei solchen, die ihre Nahrung nicht "einnehmen". Selbst in Hefen und Faserpilzen lassen sich winzige Plastikteile nachweisen.
  • Die für Mikroplastik typische Kombination von physikalischen und chemischen Auswirkungen kann den Aufbau und die Beschaffenheit von Böden verändern mit möglicherweise gravierenden Folgen für den Wasserkreislauf und die Ökosystem-Dienstleistungen von terrestrischen Systemen.

Neue Forschungsaufgabe mit Dringlichkeitsfaktor

Das Fazit der Studie: Die Ein- und Aufnahme kleiner und kleinster Plastikteile könnte sich als neuer Langzeit-Stressfaktor für die Umwelt erweisen. Einige Tier- und Pflanzenarten dürften bereits heute unter einem starken Anpassungsdruck stehen. Für genauere Aussagen besteht allerdings noch ein umfassender Forschungsbedarf. Dieser richtet sich vor allem auf die Verteilung von Mikroplastik in Böden, die Untersuchung von natürlichen und anthropogenen Prozessen zum Verhalten der Plastikteilchen sowie die Verbesserung von Methoden zur quantitativen und qualitativen Erfassung von Mikroplastik in terrestrischen Systemen. Eine Einführung in die vielfältigen Stoffkreisläufe in Böden und deren komplexe Interaktionen bietet der Springer-Autor Dr. Frank-Michael Lange im Buchkapitel Kleine Bodenkunde für Techniker und Ingenieure.

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Faszination Meeresforschung

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