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06.07.2016 | Bodenschutz | Im Fokus | Onlineartikel

Böden der Alpen sind in Gefahr

Autor:
Julia Ehl

Untersuchungen an der TU München zeigen, der bereits erfolgte Humusverlust in Wäldern der Bayerischen Alpen ist signifikant. Ursache ist der Klimawandel. Waldmanagement muss entgegenwirken.

Jedes auf dem Festland abgelagerte Sediment verwittert früher oder später an der Oberfläche zu einem Boden mit Humus, auf dem Pflanzen wachsen. Die Vegetation vermindert die weitere Erosion, da die Pflanzen den Aufprall der fallenden Tropfen dämpfen und die Kraft des fließenden Wassers verringern. Andererseits erweitern ihre Wurzeln kleine Risse zu Klüften, wohingegen bei der Verrottung der Pflanzen Humussäuren entstehen, die eine chemische Verwitterung begünstigen. Wenn die schützende Pflanzendecke verschwindet, etwa durch Feuer oder Ernte, kann die Erosion drastisch zunehmen.", schreibt Martin Redfern im Buchkapitel "Formung der Landschaften", erschienen im Buch "50 Schlüsselideen Erde".

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2014 | OriginalPaper | Buchkapitel

Formung der Landschaften

Jeder Stein könnte seine eigene Geschichte erzählen. Aber nicht nur die Gesteine, sondern auch die Landschaften, in denen sie vorkommen, können das — Geschichten von den abtragenden Kräften, die insgesamt die uns umgebenden Landschaften formen. Die p


Die Ursachen für die Verminderung der Humusschicht um durchschnittlich 14 Prozent in den vergangenen 30 Jahren in den bayerischen Alpen waren weder Feuer noch Ernte sondern die Erhöhung der durchschnittlichen Lufttemperatur im Sommer, d.h. der Klimawandel. Dies belegen Wissenschaftler an der Technischen Universität München am Lehrstuhl für Bodenkunde und veröffentlichten die Ergebnisse in Nature Geoscience, DOI: 10.1038/NGEO2732. Unter Leitung von Professor Jörg Prietzel wurde in zwei unterschiedlichen Gebieten die Entwicklung der Böden untersucht. Trotz der Auswahl von unterschiedlichen Untersuchungsgebieten und unterschiedlichen Herangehensweisen fiel das Ergebnis nahezu identisch aus.

Gebirgsböden verlieren viel Humus innerhalb von 30 Jahren

Das erste Untersuchungsgebiet umfasste eine Fläche von 4.500 Quadratkilometern in den Bayerischen Alpen. Dort wurde die Entwicklung aller wesentlichen Wald- und Bodentypen zwischen den Jahren 1986 und 2011 analysiert. In einer zweiten Untersuchung wurden die Böden in typischen Gebirgsfichtenwälder im Berchtesgadener Land mit einer Fläche von 600 Quadratkilometern ausgewertet. Der betrachtete Zeitraum begann hier bereits 10 Jahre früher.

Der durchschnittliche Humusverlust in den Waldböden lag bei rund 14 Prozent. Am stärksten fiel der Humusverlust mit knapp einem Drittel in Böden aus Kalk- und Dolomitgestein aus. Beide Untersuchungsgebiete wurden im betrachteten Zeitraum nicht forstwirtschaftlich genutzt. Wetteraufzeichnungen belegen aber, dass in den Bayerischen Alpen und besonders im Berchtesgadener Land die mittlere Lufttemperatur im Sommer stark angestiegen ist. Die Wissenschaftler sehen daher darin eine wesentliche Ursache für den zunehmenden Humusabbau.

Ist der Humus noch zu retten?

In der Studie wird darauf hingewiesen, dem klimabedingten Verlust an Humus kann durch humusförderndes Waldmanagement entgegengewirkt werden. Es müssen vor allem auch gegen Trockenheit und Starkregen stabile Gebirgswälder mit einer Mischung aus unterschiedliche alten Bäumen und verschiedenen Baumarten entwickelt werden. Die Bäume liefern selbst kontinuierlich humusbildende Streustoffe aus Blättern, Nadeln, Wurzeln und Reisig. Darüber hinaus bewahren sie auch in heißen Sommern ein konstant kühles Klima, das den Humusabbau durch Bodenmikroorganismen verlangsamt. Ziel muss es sein die Humusschicht sogar aufzubauen, stellen die Wissenschaftler fest.

Bei Extremwetterlagen ist die Humusschicht zwingend erforderlich. Sie kann durch ihre gute Speicherfähigkeit Hochwasser bei Starkregenereignissen mildern und bei Trockenperioden Pflanzen länger mit Wasser und Nährstoffen versorgen. Wichtig ist aber auch die Eigenschaft der Böden zu erhalten Kohlendioxid zu speichern. Diese Eigenschaft lässt bei wärmeren Verhältnissen nach. Mit der Bedeutung kohlenstoffreicher Böden wird sich auch in Niedersachsen beschäftigt. Hintergründe beschreiben Lena Hübsch und Heinrich Höper in ihrem Fachartikel "Bedeutung kohlenstoffreicher Böden für die Freisetzung von Treibhausgasen in Niedersachsen", erschienen in Ausgabe 06/2014 in der Fachzeitschrift Wasser und Abfall.

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