Skip to main content
main-content

12.03.2018 | Börsengang | Im Fokus | Onlineartikel

Immer weniger Börsengänge deutscher Unternehmen

Autor:
Michael Fuchs

Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat ein überaus starkes Jahr hinter sich und damit seinen langjährigen Aufwärtstrend fortgesetzt. Eigentlich optimale Voraussetzungen für neue Börsengänge. Doch deutsche Unternehmen zeigen wenig Neigung, den Schritt auf das Börsenparkett zu wagen.

Die Entwicklung spricht für sich: Nur 89 Unternehmen, davon 57 aus Deutschland, sind von Anfang 2010 bis Dezember 2017 in Deutschland an die Börse gegangen, wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) in einer aktuellen gemeinsamen Studie von Berenberg, Deutscher Bank, Deutscher Börse und Goldman Sachs feststellt, die auf einer Umfrage bei kleinen und mittelgroßen börsennotierten Unternehmen sowie bei Experten aus Industrie, Handel und dem Finanzsektor beruht. Zum Vergleich: Rund 139 Firmen wagten alleine von 2005 bis 2007 den Gang auf das Börsenparkett. Ein internationaler Trend ist das nicht. In den USA und anderen Ländern ist die Bereitschaft zur Eigenkapitalbeschaffung über die Börse weit höher. 

Unternehmen kehren der Börse den Rücken

Aber nicht nur das. Auch die börsennotierten Unternehmen sind auf dem Rückzug. Waren Anfang 2010 noch 605 deutsche Unternehmen im Prime und General Standard der Deutschen Börse notiert, lag die Zahl im Dezember 2017 nur noch bei 407. Die Gründe sind zahlreich: Viele Unternehmen führen trotz solider Geschäftsentwicklung auf dem Kurszettel ein Nischendasein, werden von Analysten links liegen gelassen und sind für Investoren entsprechend schwer einzuschätzen. So bemängeln 40 Prozent der Unternehmen, die für die DAI-Studie befragt wurden, das zu geringe Interesse institutioneller Investoren und halten zugleich die Beobachtung durch Analysten für unzureichend.

Hinzu kommt die Öffentlichkeitsarbeit kleiner und mittlerer Unternehmen. Anders als Dax-Konzerne nutzen "nur wenige kleine bis mittlere Unternehmen und Institutionen die vielfältigen Möglichkeiten einer professionellen Unternehmenskommunikation", erklärt der Springer-Autor Marco Hillmann im Kapitel "Unternehmenskommunikation" (S. 18) des Buchs "Das 1x1 der Unternehmenskommunikation". Die Folge: Kapitalbeschaffung bleibt schwierig, während die Kosten für eine Börsennotierung belasten.

Bürokratische Hürden sind zu hoch

Die für die Studie befragten Kapitalmarktexperten kritisieren die hohen finanziellen Belastungen. Mehr als 40 Prozent der Teilnehmer sind der Meinung, "dass die hohe Regulierungsdichte für Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von bis zu 200 Millionen Euro eine Hürde beim Börsengang bzw. bei der Börsennotiz darstellt." (DAI, S.19). Die Politik ist daher gefordert. "Die steuerlichen Rahmenbedingungen für Investitionen in KMUs müssen verbessert werden", verlangt Hauke Stars, Mitglied des Vorstands der Deutschen Börse. "Nur so werden wir  langfristig mehr Börsengänge sehen und innovative Unternehmen in Deutschland bleiben."

Aktienkultur verbesserungswürdig

Ein weiterer Grund ist die chronische Abneigung der Deutschen gegenüber Aktien. Gelingt es, hier etwas zu ändern, könnten sich auch die Rahmenbedingungen für Börsengänge verbessern. "Länder wie die USA, Großbritannien oder Schweden zeigen, dass eine stärkere Aktienorientierung in der Altersvorsorge sich positiv auf die Aktienkultur insgesamt auswirkt", stellt Wolfgang Fink, Co-Chief Executive Officer Germany, Austria bei der US-Investmentbank Goldman Sachs, fest. "Hier zeigt die Erfahrung, dass eine höhere Aktienquote auch die heimische Nachfrage bei Börsengängen ankurbeln würde." Denn gerade kleine und mittelgroße Unternehmen sind häufig auf die "Gelder einheimischer Investoren" angewiesen, so Henning Gebhardt, Mitglied der erweiterten Geschäftsführung bei Berenberg. Für Anleger und Unternehmen wäre das eine Win-Win-Situation, denn Aktien gehören in ein ausgewogenes Portfolio und sind "grundsätzlich eine solide Basis für einen langfristigen Vermögensaufbau“, heißt es im Kapitel Langristige Geldanlage: Aktien, Anleihen,Genussscheine und Kunst" des Buchs "Geldanlage und Steuer 2018" von Philipp Karl Maximilian Lindmayer und Hans-Ulrich Dietz (S.112). 

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

01.02.2018 | Aktie | Im Fokus | Onlineartikel

Trotz Dax-Rekord schauen deutsche Anleger lieber zu

10.01.2018 | Börsengang | Infografik | Onlineartikel

Börsengänge in Deutschland sollen 2018 boomen

20.10.2017 | Börsengang | Nachricht | Onlineartikel

Deutsche Börse mit Auswahl-Index für KMU

Premium Partner

micromNeuer InhaltNeuer InhaltNeuer InhaltPluta LogoNeuer Inhalt

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Blockchain-Effekte im Banking und im Wealth Management

Es steht fest, dass Blockchain-Technologie die Welt verändern wird. Weit weniger klar ist, wie genau dies passiert. Ein englischsprachiges Whitepaper des Fintech-Unternehmens Avaloq untersucht, welche Einsatzszenarien es im Banking und in der Vermögensverwaltung geben könnte – „Blockchain: Plausibility within Banking and Wealth Management“. Einige dieser plausiblen Einsatzszenarien haben sogar das Potenzial für eine massive Disruption. Ein bereits existierendes Beispiel liefert der Initial Coin Offering-Markt: ICO statt IPO.
Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise