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26.09.2017 | Bonität | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Banken von Netzwerken profitieren

Autor:
Eva-Susanne Krah

Der Finanzsektor nutzt soziale Medien bislang nur für Marketing und Vertrieb. Im Kreditgeschäft befi€nden sich viele Banken und Sparkassen hingegen noch in der Beobachtungsphase. 

Ein Fintech wertet zwar Kundenporta€le bereits zur Bonitätsanalyse aus, doch solche Drittdaten sind oftmals nicht verlässlich, schreibt die freie Journalistin Anja Kühner im Titelbeitrag der September-Ausgabe 2017 von Bankmagazin. Denn nicht jedes Profil der Nutzer sozialer Netzwerke, etwa bei Facebook, hält in der Realität, was es virtuell verspricht, sondern wird nicht selten mit geschönten oder gar falschen Daten der Nutzer aufgehübscht, um etwa für ein Scoring der Banken besser dazustehen. 

Manipulierte Nutzerprofile

Einer Studie der Technischen Universität (TU) Chemnitz zufolge würde ein Drittel der deutschen Facebook-Nutzer beispielsweise Profile manipulieren, um die eigene Kreditwürdigkeit zu verbessern. "Die Mehrheit schreckt vor Manipulationen ihrer Facebook-Seiten derzeit noch zurück, aber zwischen 30 bis 40 Prozent der Probanden würden solche Maßnahmen durchführen", sagt Friedrich Tießen, Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre der TU Chemnitz. Kühner beschreibt gängige Methoden von Nutzern, um das eigene Bonitätsprofil zu verbessern. So 

  • posten sie beispielsweise Fotos gezielter, 
  • passen Verlinkungen strategisch an und 
  • überprüfen Markierungen genauer, 
  • geben Seiten mit Karriere- und Bildungsinhalten mehr Likes,  
  • stellen gezielt Freundschaftsanfragen bei Personen, deren guter Leumund bei einer Kreditanalyse Pluspunkte bringen könnte, und
  • löschen unpassende Freunde aus der eigenen Kontaktliste

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01.09.2017 | Titel | Ausgabe 9/2017

Wie Banken von Netzwerken profitieren

Der Finanzsektor nutzt soziale Medien bislang nur für Marketing und Vertrieb. Im Kreditgeschäft befinden sich viele Banken und Sparkassen hingegen noch in der Beobachtungsphase. 

Kreditinstitute oder Online-Kreditmarktplätze wappnen sich mit unterschiedlichen Strategien, um bonitätsrelevante Daten zu generieren. So wertet der Online-Kreditmarktplatz Creditshelf vor der Darlehensvergabe möglichst viele Daten aus und bittet Kunden, alle Informationen zu nennen, die relevant sein könnten. Die Informationen haben laut dem Unternehmen jedoch weniger Einfluss auf die Konditionen, sondern sind nur ein Baustein im Bonitätsrating, das für die Kreditbewilligung erstellt wird. 

Relevant sind beispielsweise Nutzerdaten aus Job-Netzwerken wie Xing und Linkedin. Für Plattformen wie Creditshelf sind dabei unterschiedliche Daten interessant. Dazu gehören beispielsweise Hinweise, die eine Plausibilitätsanalyse zur Betrugsprävention unterstützen. Doch auch wer kein Profil in einem sozialen Netzwerk hat, weist sich damit nicht unbedingt als besonders vertrauenserweckend aus, wenn sein sonstiges Verhalten davon abweicht. Auch ein fehlendes Social-Media-Profil könne aufschlussreich sein. 

Der Onlinehandel ist laut Kühner Vorreiter bei Plausibitätsabfragen. Shopbetreiber verknüpfen laut Kühner schon lange Informationen von Konsumenten, etwa über das Betriebssystem, mit dem auf den Webshop zugegriffen wird, den Browserverlauf, die Suchanfragen und das bisherige Kaufverhalten des Kunden. 

Immer mehr Datenabfragen

Für Kreditinstitute rückt das Thema Datenabfrage zunehmend in den Mittelpunkt, weil sie immer mehr Bonitätsanalysen erstellen müssen, nicht zuletzt aufgrund der Konditionsanfragen. Das zeigt das steigende Volumen die Suchanfragen bei der Schufa: 2016 erhielt die Auskunftei 22,9 Millionen Anfragen zu Konditionen, im Vorjahr waren es noch 19,5 Millionen. Zudem sind Kreditwürdigkeitsprüfungen im Rahmen des Kreditmanagements von Banken und Leasinggesellschaften ein wesentlicher Teil, führen Michael Munsch und Marcel Munsch an. Sie werde auch in einschlägigen Normen und Gesetzen explizit gefordert, argumentieren die Autoren im Springer-Buchkapitel "Prüfung der Kapitaldienstfähigkeit im gewerblichen Retail-Geschäft unter besonderer Berücksichtigung von Scoring-/Ratingsystemen". 

Dabei sind die gängigen Verfahren der Bonitätsanalysen für Kreditinstitute durchaus mit Vorsicht zu genießen, gibt Springer-Autor Ottmar Schneck im Buch "Deutsches und europäisches Bank- und Kapitalmarktrecht" zu Bedenken. Das Motto, was nicht messbar sei, scheine auch nicht zu existieren, führe "bei Bonitätsmessungen regelmäßig zu sogenannten Alpha- und Betafehlern und damit falschen Kredit- und Anlageentscheidungen", so Schneck.

Mobile Daten werden zum Schatz

In einigen Entwicklungsländern werden laut Kühner beispielsweise vor einer Kreditvergabe auch automatisiert Mobilfunkdaten ausgewertet. So erfährt das Geldhaus nicht nur, in welchem Umfeld sich eine Person bewegt. Auch Rückschlüsse auf soziale Kontakte und die Zuverlässigkeit seiner Kunden sind möglich. Die Auswertung der Standortdaten über Smartphones, die häufig automatisch aktiviert sind, könnte künftig auch für Kreditentscheidungen in Deutschland interessant sein, glaubt Kühner.

Kompakt
  • Für Marketing und Vertrieb sowie für Risikoprüfung und Compliance im Finanzsektor geht kein Weg an Onlinekanälen vorbei.
  • Neben Banken und Institutsgruppen, die das Prinzip der sozialen Netzwerke verstanden haben, gibt es noch einige Häuser, die an ihrer Reaktionszeit und der Tonalität ihrer Posts arbeiten müssen
  • Bei einer Nutzung von Social Media im Kreditgeschäft sollten Geldhäuser beachten, dass Darlehensnehmer mit manipulierten Profilen eine bessere Bonität simulieren könnten. 
  • Kreditinstitute und Ratingagenturen können sich vor Betrug schützen, indem sie Onlinedaten miteinander verknüpfen sowie auf Konsistenz prüfen.
Quelle: Bankmagazin, Ausgabe 9 | 2017

Der insgesamt wachsende Druck auf Banken und Versicherer wirkt sich auch auf die Unternehmenskommunikation und das Marketing aus. In soziale Netzwerke fließen im Rahmen der Marketingmaßnahmen von Geldhäusern immer mehr Budget und personelle Ressourcen, denn "viele Unternehmen setzen auf Content Marketing und erhoffen sich dadurch die Steigerung ihrer Conversionsraten", weiß Torsten Schwarz, Inhaber von Absolit Marketing. Ein Beispiel ist die Deutsche Bank. Sie setze in ihrer Strategie etwa auf "Content first" beziehungsweise das "Primat der relevanten Inhalte", schreibt Kühner. Mit Video-Formaten spielt das Kreditinstitut auf Youtube beispielsweise Wirtschafts- und Finanzthemen aus, setzt digitale Innovationsthemen oder hat ökonomische Megatrends und Entwicklungen an den globalen Märkten zum Thema. Auf diese Weise sollen Kunden zur Interaktion mit der Bank animiert werden. Ein weiterer Schwerpunkt von Social-Media-Postings sind Geldanlage und Altersvorsorge, aber auch mobile Finanzdienstleistungen.    

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