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Über dieses Buch

Informieren Sie sich in diesem Buch über die öffentliche Meinungsbildung in der hypervernetzten Gesellschaft

Dieses Buch zeigt den Einfluss informationstechnischer Erfindungen und Innovationen, wie Radio, TV und Internet, auf die öffentliche Meinung sowie auf das politische Handeln. Diese Medien und die entsprechenden Medienpraktiken nehmen heute eine wichtige Rolle in den teils jungen Demokratien Europas und Nordamerikas ein. Damit wird das informationelle Vertrauen zur zentralen Frage der Politik. Weder der Begriff noch das Phänomen „Fake News“ sind neu. Daher geht das Buch der Frage nach, welche Rolle die alten und nicht mehr ganz so neuen Medien bei der öffentlichen Meinungsbildung spielen und ob es strukturelle Veränderungen in diesem Bereich gibt. Denn: Wenn wir die Entstehung der öffentlichen Meinung verstehen wollen, müssen wir uns auf den Boulevard begeben, auf die sprichwörtliche Straße, auf den Bürgersteig.
Der transdisziplinäre Blick in Ullrichs Buch erlaubt es dem Leser, die eingesetzte Technik im gesellschaftlichen Kontext zu verstehen. Technische Sachverhalte werden einfach, aber dennoch detailliert in Bezug zu politischen und sozialen Themen gesetzt.
Ein Sachbuch für alle, die sich für neue Medien, Ethik und Politik interessieren.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Vorbemerkung

Zusammenfassung
Der Boulevard ist eine breite Straße für alle Verkehrsteilnehmer. Etymologisch geht der Begriff auf das mittelhochdeutsche Wort für Bollwerk zurück und tatsächlich entstanden die Boulevards in den Städten an den Stellen, an denen einst Mauern oder andere Abwehreinrichtungen standen. In Paris und anderen Städten Europas des 18. Jahrhunderts wurde der Boulevard von Fußgängern bevölkert, das öffentliche Leben der Moderne fand auf den Straßen statt.
Stefan Ullrich

Kapitel 2. Berlin, Straße des 17. Juni

Zusammenfassung
Dieses Buch behandelt eine Art Zwischenwelt, die Anteile in der kontinuierlich-haptischen Welt besitzt und eine diskretisiert-berechenbare Dimension aufweist. Es geht ganz allgemein um die Digitalisierung und die Besonderheit informationstechnischer Systeme sowie die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser neuen Kulturtechnik. Zugegeben, dieses Thema füllt ganze Bibliotheken. Nun ja, vielleicht keine Library of Congress, aber dieses Thema könnte durchaus Klosterbibliotheken füllen, wenn diese nicht schon ganz andere Bestände aufweisen würden.
Stefan Ullrich

Kapitel 3. Öffentlichkeit

Zusammenfassung
In diesem Kapitel befinden sich die öffentlichen Räume der Stadt und die virtual spaces des Internets unter dem gleichen Metapherndach, wohl wissend, dass wir eine Trennung zwar zu Analysezwecken vornehmen können, diese aber im tatsächlich zu beobachtenden urbanen Leben nicht als absolut wahrnehmen. Der Aspekt der Vernetzung ist zentral für den modernen Menschen, ja, die Lebenswelt des Menschen war schon immer zu einem hohen Grad von Netzen und Vernetzung geprägt, man denke nur an cursus publicus, Aquädukt, Kanalisation, Eisenbahn, Elektrizität, Telegraphie, Datennetze und dergleichen mehr. Wenn wir also mit Manuel Castells von einer „network society“ sprechen, so meinen wir damit einerseits, dass die moderne Lebensweise ohne Vernetzung nicht mehr zu denken ist und andererseits, dass sich inzwischen Metropolregionen gebildet haben, die nach den Prinzipien eines dezentralen Netzes organisiert sind, ganz anders als die klassischen Städte in den Jahrhunderten zuvor.
Stefan Ullrich

Kapitel 4. Techniken der Aufklärung

Zusammenfassung
Unter Technik soll in dieser Arbeit nicht nur die Gesamtheit der technischen Artefakte oder Systeme verstanden werden, sondern auch Handwerk, Handwerkskunst und sogar Geisteshaltungen, Gedankenketten sowie Algorithmen – ganz wie es die Etymologie des griechischen Wortes „techne“ verrät. Technik befreit den vorausdenkenden Menschen aus naturgegebenen Notwendigkeiten und Zwängen in einer Weise, die bereits in der Antike ungeheuer wirkte. Bürgerinnen und Bürger mussten schon immer über Besitz und Reichtum verfügen, um überhaupt als solche wahrgenommen zu werden. Im Jahre 10 n. B. (nach Bitcoin) ist jedoch eine andere Währung wichtiger geworden als Gold und Edelsteine: Daten.
Stefan Ullrich

Kapitel 5. Die elektrisierte Welt

Zusammenfassung
Die Möglichkeit, Licht und Wärme nach Lust und Laune zu erzeugen, befähigt den Menschen, seine Umgebung nach seinem Willen zu gestalten. Durch das elektrische Licht der Fabriken war der Mensch nicht länger an die Tageseinteilung durch die Sonne gebunden. Selbst in der Nachtschicht drehten sich die Räder der hell erleuchteten, elektrisch betriebenen Maschine. Der elektrische Strom ist heutzutage nicht nur Lichtbringer und Massenbeweger, sondern gerade auch Informationsträger. Damit der Strom fließen kann, benötigt er Leitungen. Gigantische Unterseekabel wurden zwischen Europa und dem nordamerikanischen Kontinent gelegt, die Welt wurde nicht nur verkabelt, sondern vernetzt und elektrisiert.
Stefan Ullrich

Kapitel 6. Revolutionsmedien

Zusammenfassung
Bereits ein Teleskop kann als Revolutionsmedium betrachtet werden, immerhin brachte es dogmatische Vorstellungen der herrschenden Klasse zum Einsturz. Politische Aktivisten der letzten Jahrhunderte haben sich schon immer der modernen Medien bedient, nutzten Flugblätter oder Piratensender und nutzen nun eben partizipative Internetmedien. Nicht jeder, der ein Flugblatt druckt, ist ein politischer Aktivist (man denke nur an die Flugblätter im Briefkasten). Ebenso wenig ist jeder Nutzer von social media in politischer Absicht unterwegs. Es ist verkürzend, falsch und gefährlich von „Revolutionsmedien“ zu sprechen, wie es die etablierten Medien in Bezug auf den so genannten „Arabischen Frühling“ taten. Die Medien und ihre Betreiber sind nicht auf der Seite der Revolutionäre, sondern auf der der Geldgeber. Die sich anonym wähnenden kritischen politischen Aktivisten können einem repressiven Staat auf dem Silbertablett serviert werden – komplett mit Adresse, momentanem Aufenthaltsort und Gruppenbeziehungen.
Stefan Ullrich

Kapitel 7. Die algorithmisierte Gesellschaft

Zusammenfassung
Zählen ist etwas sehr Elementares für den Menschen und viele Tiere. Das Wort Digitalisierung gibt einen Hinweis darauf, welche Hilfsmittel für das Zählen geradezu prädestiniert waren: die Finger der beiden Hände des Menschen. Die alten Pythagoräer beschworen ihr Mantra: „Alles ist Zahl“, wobei sie wohl eher an Geometrie dachten als an die uns umgebende Umwelt. Die Informatiker als neue Pythagoräer beschränken sich hingegen nicht auf abstrakte Objekte der Mathematik, in der Welt des Digitalen erscheint alles zählbar, alles berechenbar, alles modellierbar. Es ist also streng genommen nicht die Digitalisierung, sondern die Algorithmisierung, die unsere Lebenswelt so fundamental prägt, dass wir in Anlehnung an den Begriff der Gutenberg-Galaxis nun die Turing-Galaxis ausrufen sollten.
Stefan Ullrich

Kapitel 8. Die Wahrheit auf dem Boulevard Digital

Zusammenfassung
Im Jahre 1910 öffnete das Mundaneum in Brüssel seine Pforten. Es sollte ein Museum des Weltwissens sein, das neue Zentrum einer großen Weltstadt, so wünschten es sich die Visionäre Paul Otlet und Henri La Fontaine. Um das Wissen der Welt entsprechend aufbereiten und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen zu können, entwickelten Otlet und La Fontaine eine spezielle Klassifikation mit besonderem Fokus auf Maschinenlesbarkeit der Dokumentationen von Bibliotheksbeständen. Das Mammut-Projekt „Aufklärung“ besitzt ein wesentliches Element: Die Volksaufklärung, die Aufklärung des Boulevards. Die Herausforderung schlechthin ist, die gefühlte Hilflosigkeit und Machtlosigkeit angesichts der Krisen und Herausforderungen unserer Zeit in einer konstruktiven Art und Weise zu thematisieren. Es gilt, die Gestaltungsmacht und damit die Verantwortung des Menschen zu betonen und sich nicht hilf- und wehrlos der postulierten oder tatsächlichen digitalen Alternativlosigkeit zu ergeben.
Stefan Ullrich
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