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27.04.2016 | Brandschutz | Im Fokus | Onlineartikel

Mineralischer Brandschutzputz für WDV-Systeme

Autor:
Christoph Berger
2:30 Min. Lesedauer

Wissenschaftler des Fraunhofer Umsicht haben für Dämmplatten einen neuentwickelten Brandschutzputz getestet.

Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) weisen laut dem Kapitel "Außen- und Innenputze, Sonderputze, Wärmedämmputze und Wärmedämm-Verbundsysteme" im Springer Fachbuch "Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 2" eine ganze Reihe von Vorteilen auf, die sich über Jahrzehnte bewährt haben: "Verbesserung des Wärmeschutzes und des Regenschutzes der Außenbauteile, Verhinderung von Wärmebrücken, keine Tauwasserbildung im Inneren der Außenwand und auf der raumseitigen Oberfläche, Entkopplung des Außenputzes von der tragenden Konstruktion, dadurch rissefreie Fassaden auch bei Altbauten, Plattenbauten und Holzfachwerkbauten." Allerdings dürfen WDVS auch nur dann verwendet werden, wenn sie bauaufsichtlich zugelassen sind. Und zum Thema Brandschutz heißt es in dem Kapitel, dass das Brandverhalten von WDV-Systemen in der jeweiligen allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung angegeben ist, Einzelheiten seien den jeweiligen Landesbauordnungen und WDVS-Zulassungsbescheiden zu entnehmen. Die Autoren weisen jedoch auf Brandriegel als mögliche Brandschutzmaßnahmen bei WDVS mit Polystyrol-Hartschaum hin, damit sich Brände nicht allzu schnell ausbreiten können.

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Das Fraunhofer Umsicht hat nun einen neuartigen Brandschutzputz auf seine Eignung im Einsatz an WDVS hin untersucht. Dabei handelt es sich um einen mineralischen Brandschutzputz auf Perlitbasis nach DIN 4102 mit einer geringen Dichte und Wärmeleitfähigkeit und dem Namen "Branelit Plus".

Brandversuche mit 1.100 Grad Celsius

Für die Branduntersuchungen haben die Wissenschaftler den neuen Brandschutzputz in zwei aufgebrachten Putzstärken untersucht und jeweils mit unertüchtigten WDV-Fassadenelementen verglichen. Hierbei wurde auf eine Polystyrolbasis mit Armierungsgewebe und drei Millimeter Kratzputz jeweils eine 2,0 und 3,5 cm dicke Schicht des Brandschutzputzes aufgetragen. In den Brandversuchen wurde die Oberfläche des Systems punktuell mit einer Temperatur von 1.100 Grad Celsius durch einen Gasbrenner belastet. Eine Temperaturmessstelle wurde rückseitig, am Übergang Putz/Polystyrol positioniert. Dabei wurden deutliche Unterschiede im Temperaturverlauf der verschieden aufgebauten Fassadenelemente festgestellt.

Bereits nach einer Minute wurde beim unertüchtigten WDVS die Glasübergangstemperatur von Polystyrol, die bei 100 Grad Celsius liegt, überschritten und somit die mechanische Festigkeit des Materials deutlich beeinträchtigt. Nach zwei Minuten Brandzeit ist der Schmelzpunkt von Polystyrol (240 °C) erreicht. Das Material in der WDV-Fassade schmolz und sammelte sich hinter dem Kratzputz und dem Armierungsgewebe an. Im Gegensatz dazu zeigt die gleiche WDV-Fassade, diesmal mit dem neuen Brandschutzputz versehen, einen vollständig veränderten Temperaturverlauf. Nach einer Beanspruchungsdauer von 20 Minuten lagen die Temperaturen des Polystyrolmaterials bei 42 Grad Celsius (3,5 cm Brandschutzputz) und bei 92 Grad Celsius. Diese Temperaturen beeinflussen die mechanische Festigkeit des Polystyrol-Hartschaums nur vernachlässigbar.

Erhöhte Widerstandsfähigkeit

Nach 60 Minuten Temperturbeanspruchung wurde beim 3,5 Zentimeter starken Brandschutz eine Polystyroltemperatur von 80 Grad Celsius und beim 2,0 cm stark aufgebrachtem Brandschutzputz eine Temperatur von 130 Grad Celsius gemessen. Somit ermöglicht das ermöglicht das getestete im Vergleich zu unbehandelten WDVS eine erhöhte Widerstandsfähigkeit im Brandfall. 

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