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Über dieses Buch

Der Brexit bildet eine historische Zäsur, dessen Wurzeln siebzig Jahre zurückreichen. Seine Folgen werden lange nachwirken. Die Entscheidung Englands für den Brexit hat die dort schwelende EU-Debatte nicht gelöscht, sondern erst richtig entfacht und das Land unversöhnlicher gespalten als je zuvor. Die angeblichen Vorteile des Brexit bleiben vage, seine ökonomischen Probleme sind hingegen konkret. Die EU ihrerseits steht vor einer existentiellen Krise.

Der Mythos der Unumkehrbarkeit und der Anspruch, das manifest destiny Europas zu verkörpern, sind dahin. Die EU verliert ein wichtiges, leistungsfähiges und wirtschaftlich starkes Mitglied. Der Autor, selbst jahrelang als Diplomat an der Deutschen Botschaft in London tätig, zeigt in diesem Buch eingängig auf, wie es zum Volksentscheid für den Brexit kommen konnte und wie das Ergebnis zu bewerten ist. Welche Ansätze verfolgt Theresa May mit ihrem Kabinett, um das Votum der Wähler umzusetzen? Welche Zukunftsperspektiven ergeben sich daraus für das Vereinigte Königreich? Welche Folgen könnte dessen Ausscheiden für die EU insgesamt, insbesondere aber für Deutschland haben?

Die Antworten auf diese Fragen bilden die Grundlage für die spannenden und anschaulich gestalteten Analysen und Diagnosen des Autors. Das Buch ist der erste Ansatz, den Brexit umfassend als historisches Ereignis in allen seinen unterschiedlichen Aspekten zu begreifen. Es beruht auf wissenschaftlicher Forschung sowie auf umfangreichen Recherchen, persönlichen Interviews und direkten Kontakten aus seiner Zeit als Diplomat. Niemand, der sich für den Brexit und seine Folgen interessiert, kommt an diesem Buch vorbei!

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Fremd in Europa: In Europe, but not of Europe

Die Argumente, die 2016 die Referendumskampagne beherrscht haben, gehen weit zurück. Sie finden sich ansatzweise bei Winston Churchill gleich nach dem Zweiten Weltkrieg und treten dann immer deutlicher hervor, je enger sich die kontinentalen sechs Gründerstaaten der EU zusammenschließen. Bedenken gegen Souveränitätsverluste, Verteidigung nationaler Selbständigkeit und einer selbstbestimmten Handelspolitik und die Weigerung, sich einer supranationalen Instanz unterzuordnen finden sich bereits 1961, als Großbritannien seinen ersten Beitrittsantrag stellte. Damals taucht auch schon das unkritische Vertrauen in das Urteilsvermögen des einfachen Volkes auf, das dann zu den EU-Referenden geführt hat. Der Beitritt vollzog sich unter ungünstigen Umständen: Die EWG hatte in wichtigen Fragen bereits Fakten geschaffen, die britischen Interessen zuwider liefen und Großbritannien befand sich in einer tiefen Wirtschaftskrise, die von der zeitgleichen Ölkrise verschärft wurde.
Rudolf G. Adam

Kapitel 2. Der Weg zum Brexit – David Cameron im Kampf gegen die EU und die eigene Partei

David Cameron wollte mithilfe des EU-Referendums den Riss in seiner eigenen Partei heilen. Er geriet durch Wahlerfolge von UKIP unter Druck. Nachdem er das Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands überraschend deutlich gewonnen hatte, wählte der für das EU-Referendum die gleiche Strategie der Einschüchterung und Verunsicherung. Er schürte Erwartungen, die er immer weniger erfüllen konnte. Er blieb mit seinen Reformideen in der EU isoliert.
Rudolf G. Adam

Kapitel 3. Brexit bedeutet Brexit – Theresa May und die Quadratur des Kreises

Theresa May steht als Nachfolgerin von David Cameron vor der Aufgabe, das Referendumsergebnis zu interpretieren und in konkrete politische Entscheidungen umzusetzen. Cameron hatte untersagt, für diesen Fall Eventualplanungen vorzubereiten. May muss ein ausgewogenes Kabinett bilden und klare Zielvorstellungen sowie ein taktisches Konzept für die Verhandlungen mit der EU entwickeln. Sie legt sich vorschnell auf einen harten Brexit fest. Im März 2017 löst sie den Austrittsprozess aus. In vorgezogenen Neuwahlen verliert sie ihre bisherige Mehrheit. Erst im Sommer 2018 legt sie in Chequers ein hybrides Austrittskonzept vor. Die Brexit-Diskussion wird danach chaotischer und konfuser. Der Widerstand in den eigenen Reihen wächst, die Opposition lehnt den im November ausgehandelten Austrittsvertrag ab.
Rudolf G. Adam

Kapitel 4. Der Brexit und seine Folgen

Der Brexit stellt Großbritannien und die EU vor existenzielle Fragen. Er wird Großbritannien tiefgreifender und langfristiger verändern als der Zweite Weltkrieg. Er ist das Ergebnis einer weit in der Geschichte zurückreichenden Entfremdung. Der Brexit vereint höchst unterschiedliche soziale und politische Strömungen.
Rudolf G. Adam

Kapitel 5. Ausblick

Der Brexit wird noch lange Wogen schlagen. Das Referendum hat sein wichtigstes Ziel verfehlt, nämlich Einmütigkeit über die EU in Großbritannien zu schaffen. Die Mehrheit war zu knapp. Vermutlich wird es ein drittes EU-Referendum geben – aber erst nach Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Es macht erst Sinn, wenn sich eine klare, dauerhafte Mehrheit zuverlässig abzeichnet. Bis dahin allerdings kann sich der Meinungskampf weiter zuspitzen. Die EU ist gut beraten, Großbritannien die Tür für eine Rückkehr möglichst weit offen zu halten. Sie sollte die Zwischenzeit nutzen, um sich selbst prinzipiellen Fragen nach ihrer raison d’être zu stellen.
Rudolf G. Adam

Backmatter

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