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22.03.2016 | Brückenbau | Im Fokus | Onlineartikel

Sanierungsprojekt erhält Deutschen Brückenbaupreis

Autor:
Christoph Berger

Die Kochertalbrücke und der Donausteg Deggendorf sind die Preisträger des Deutschen Brückenbaupreises 2016. Mit der Auszeichnung der ersteren zählt erstmals ein Sanierungsprojekt zu den Gewinnern.

„Da hatte ich einen anderen Tipp, lag leider daneben“, war die vielfache Reaktion im Audimax der TU Dresden, nachdem die Preisträger des zum sechsten Mal vergebenen Brückenbaupreises in den Kategorien „Straßen- und Eisenbahnbrücken“ und „Fuß- und Radwegbrücken“ bekanntgegeben worden waren. Und tatsächlich wird es auch der Jury nicht leichtgefallen sein, einen Gewinner aus den insgesamt sechs nominierten Projekten zu benennen, die allesamt ihren ganz eigenen Reiz haben.

Dass in der Kategorie der „Straßen- und Eisenbrücken“ jedoch erstmals ein Sanierungsprojekt die Auszeichnung erhalten würde, dafür lagen die Chancen vergleichsweise hoch. So ging es doch sowohl bei der Eisenbahnhochbrücke Rendsburg über den Nord-Ostsee-Kanal als auch bei der Kochertalbrücke im Zuge der A 6 bei Geislingen in Baden-Württemberg in zwei der drei nominierten Projekte um Instandsetzungen und Ertüchtigungen. Nur bei der Eisenbahnüberführung Grubentalbrücke handelte es sich um einen Neubau.

Nutzung vorhandener Bausubstanz

Im Springer-Fachbuch „Handbuch Brücken“ heißt es im Kapitel „Brückeninstandsetzung und -sanierung“, dass unter Instandsetzung oder Sanierung die Summe aller Maßnahmen verstanden wird, „durch die bekannte Mängel und Schäden so beseitigt werden, dass sowohl die Dauerhaftigkeit als auch die Zuverlässigkeit der Brücke wieder voll hergestellt sind. Im Gegensatz dazu versteht man unter Brückenverstärkung die Summe aller Maßnahmen, welche zur Erhöhung der vorhandenen Tragfähigkeit einer Brückenkonstruktion – auch bedingt durch eine Nutzungsänderung – dient.“

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Brückeninstandsetzung und -sanierung


Schließlich erhielt die Kochertalbrücke den Preis mit der Begründung: „Die Ertüchtigung der Kochertalbrücke erhält den Deutschen Brückenbaupreis 2016, weil dank der dabei realisierten geistig-kreativen Ingenieurleistungen die Nutzbarkeit vorhandener Bausubstanz nachhaltig verlängert werden konnte. Die Instandsetzung dieser Ikone der Ingenieurbaukunst tilgt nicht nur die Spuren aus 35 Jahren Autoverkehr, sondern verbessert die Standsicherheit und Dauerhaftigkeit der Brücke über den Ursprungszustand hinaus. Damit sei die gelungene Sanierung wegweisend für die anstehenden Aufgaben im Brückenbau.“

Umsetzung in semiintegraler Bauweise

Was hatten die Ingenieure gemacht? Die höchste Talbrücke Deutschlands ist eine Spannbetonkonstruktion, die in den 70er-Jahren des 20. Jahrhundert gebaut wurde. Die Ingenieure setzten sich intensiv mit der Statik und den bautechnischen Grundlagen der Brücke auseinander. Außerdem betrachteten sie die Baustoffeigenschaften. So konnten sie schließlich die „stillen Reserven“ der Brücke mobilisieren – in Rechnungen flossen Erkenntnisse ein, die zum Zeitpunkt des Baus noch nicht vorlagen. Mit gezielten und substanzschonenden Verstärkungsmaßnahmen wurde die Brücke an die heutigen Anforderungen anpasst. Verstärkt wurden beispielsweise die Hohlkastenstege und die Bodenplatte im Bereich der Auflager. Überhaupt war der Austausch der Lager eine der großen Herausforderungen in dem Projekt – wegen des Gewichts, der Höhe, in der die Arbeiten zu verrichten waren und weil die Arbeiten unter laufendem Verkehr ausgeführt werden mussten.


Mit der 455 Meter langen Fuß- und Radwegbrücke über zwei Donauarme bei Deggendorf zeichnete die Jury ein Bauwerk aus, das sich dank seiner scheinbar schwebenden, filigranen Stahlfachwerkkonstruktion als gelungenes Pendant neben der benachbarten Eisenbahnbrücke behaupten kann. Die spannungsvolle Konstruktion hat einen hohen Erlebniswert sowohl für Nutzer als auch Betrachter. Darüber hinaus würdigt die Jury die Umsetzung in semiintegraler Bauweise, die zu einer wartungsarmen Konstruktion führt, und die durchgehend bemerkenswerte Qualität aller Details der Brücke. Nominiert waren in dieser Kategorie außerdem noch die Leibnizbrücke Eberswalde und die Campusbrücke Würzburg.

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