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17.09.2021 | Business Analytics | Im Fokus | Onlineartikel

Analytics-Methoden sind bei Bankprozessen selten

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
4 Min. Lesedauer

Deutsche Banken müssen effizienter werden und Kosten sparen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Schlüssel dazu liegt in der Anwendung innovativer Analysemethoden im Prozessmanagement, so eine Studie. Doch für viele Insitute ist das noch Neuland.

Dass viele Potenziale im Prozessmanagement schlummern, dessen sind sich die Institute bewusst. Doch die aktuelle Studie "Prozessmanagement & Analytics" der Beratungsgesellschaften Bearing Point und BPM & O zeigt, dass nützliche Analytics-Methoden wie beispielsweise Process Mining bislang eher selten operativ eingesetzt werden. Für die Erhebung wurden mehr als 330 Experten von Banken vorwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Ende 2020 nach dem Stellenwert des Prozessmanagements in ihrer Organisation online befragt. Vorgängerstudien gab es 2012, 2015 und 2017. 

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Digitaler Wandel und Effizienzsteigerung noch vor Regulatorik

Wie ein Vergleich zu den vorangegangenen Umfragen verdeutlicht, gibt es Unterschiede in der Bewertung des Prozessmanagements und den damit verknüpften Zielen. Als zentrale Treiber geben die Befragten aktuell

  1. die digitale Transformation (47 Prozent), 
  2. Effizienzsteigerungsprojekte (44 Prozent) sowie 
  3. gesetzliche Anforderungen (38 Prozent) an. 

2017 stand die Regulierung des Finanzsektors noch an erster Stelle. Fast ein Drittel (32 Prozent) der Teilnehmenden gab zudem an, stark oder sogar sehr stark von der Pandemie betroffen zu sein. 

Covid-19-Pandemie erhöht den Kostendruck der Banken

Die aufgrund der Covid-19-Pandemie beschlossene und mehrfach verlängerte Aussetzung der Insolvenzpflicht bis Ende April 2021 hat zwar eine Insolvenzwelle in dieser Zeit vermieden, ist aber zugleich für eine Verschleppung zahlreicher Unternehmenspleiten verantwortlich. Daher sind die deutschen Finanzinstitute schon seit Längerem hinsichtlich eines Anstiegs der Kreditausfälle besorgt", heißt es hierzu im Bankmagazin-Beitrag "Bedrohen Kreditausfälle die deutschen Banken?" (Ausgabe 7-8 | 2021).

Allerdings rechnen die Autoren Michael Michael und Philipp Beckmann nicht mit einer branchengefährdenden Krise. Das bedeute aber nicht, dass es nicht einzelne Institute besonders hart treffen kann. Das gelte vor allem für solche Häuser, die bereits vor der Krise zu kämpfen hatten. "Um aber dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein, müssen die deutschen Geldhäuser ihre Kosten drastisch senken", lautet ihre Empfehlung.

So stehen laut Umfrage Kostensenkungen sowie Automatisierung und Standardisierung von Arbeitsweisen und Prozessen als wichtigste Transformations- und Projektziele bei den Bankmanagern auf der Agenda. 

Prozessmanagement senkt häufig keine Kosten

"Banken stehen nicht erst seit der Corona-Pandemie unter enormem Effizienz- und Kostendruck", betont auch Theodor Schabicki, Partner bei Bearing Point. Das zwinge die Institute, noch genauer auf die Prozesse und damit auf Verbesserungs- und Einsparpotenziale zu schauen. Seit der Untersuchung 2017 sind viele Institute mit Veränderungen im Prozessmanagements zufrieden - zumindest in bestimmten Bereichen. 

Dazu gehört vor allem die Erfüllung von Compliance-Anforderungen und regulatorischen Vorgaben mit 65 Prozent. Eine verbesserte Transparenz sowie die Automatisierung von Prozessen erreichen jeweils 50 Prozent der befragten Banken. Dagegen sind nur 38 Prozent mit der Entwicklung ihrer prozessorientierten Organisation zufrieden. Und gerade einmal 29 Prozent sparen mit ihrem Prozessmanagement Kosten.

Nutzwertmessung im Prozessmanagement uneinheitlich

Zwar geben 71 Prozent der untersuchten Banken an, regelmäßig den Nutzen ihres Prozessmanagements zu messen - etwa über das Prozess- oder das Unternehmenscontrolling, Kennzahlen oder mittels spezieller Software. Allerdings messen immerhin 15 Prozent den Nutzen gar nicht und 14 Prozent haben keine Informationen darüber. "Doch obwohl die Banken um den Nutzen und das Potenzial des Prozessmanagements wissen, wendet nur ein kleiner Teil der Finanzinstitute Methoden wie beispielsweise das Process Mining derzeit operativ an. Dabei ist das Potenzial für Prozessmessungen vielfältig und insbesondere längerfristig strategisch bedeutsam", erläutert Schabicki. 

Process Mining setzt auf den Ereignisprotokollen der Prozessausführungen in den unterschiedlichen von einem Unternehmen genutzten IT-Systemen auf und gibt damit Einblicke in die realen Abläufe von Prozessen: Jede Aktivität in einem transaktionalen IT-System führt zu einem Eintrag in ein Ereignisprotokoll, auch Logfile genannt, dessen Parameter für die spätere Analyse der tatsächlichen Prozessausführungen zur Verfügung stehen. Angenommen wird, dass die Ereignisprotokolle der Ausführungen auch die zeitliche Abfolge der Prozessschritte wiedergeben. Auf Grundlage der zahlreichen Prozessdaten lassen sich Schwächen und Ineffizienzen in Prozessen ermitteln. Unternehmen können Abweichungen zu angenommenen Prozessabläufen erkennen, überwachen und verbessern", erklären Stephan Kress und Stefan Tönnissen die Methode in der Zeitschrift "Controlling & Management Review" (Ausgabe 3 | 2021). 

Banken sind beim Process Mining noch in der Findungsphase

Dass die Branche diese Methode kennt, belegt auch die Umfrage. 79 Prozent der Unternehmen aus dem Bereich Banking und Capital Markets befassen sich bereits mit Process Mining. Dabei stehen die meisten befragten Institute aber noch ganz am Anfang. Erste Marktanalysen führen 38 Prozent der Banken durch. Ein Fünftel (21 Prozent) vergleicht bereits entsprechende Softwareanbieter. Im Stadium der Softwareprüfung befinden sich erst 15 Prozent der Institute. Gerade einmal drei Prozent verfügen über erste Erfahrungen in der operativen Anwendung. Und noch keines der befragten Geldhäuser hat ein Projekt in der Pilotphase. 

Dabei versprechen sich die Bankenscheider durch diese Methode der Prozessanalyse durchaus Potenziale in unterschiedlichen Bereichen: 

  • Compliance (31 Prozent), 
  • Konto (28 Prozent), 
  • Risk (28 Prozent), 
  • Kredit (25 Prozent) und 
  • IT (25 Prozent).

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