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Über dieses Buch

Europa mit seinen vielfältigen und spezifischen Kulturstandards ist wirtschaftlich einer der größten Handelspartner der Welt. Viele internationale Unternehmen sind bereits auf europäischem Boden aktiv oder möchten auf diesem Markt präsent sein.

Die damit verbundenen Anforderungen an die persönlichen interkulturellen Handlungskompetenzen sind stark gestiegen und wachsen immer noch.

Dieses Buch ist an der Geschäftswirklichkeit internationaler Fach- und Führungskräfte ausgerichtet. Es gibt aktuelle Handlungsempfehlungen und zeigt die Veränderungen sowie Hintergründe des interkulturellen Verhaltens auf dem europäischen Parkett auf.

Durch die zahlreichen und intensiven Expertenbefragungen profitieren die Leser auch in der dritten, durchgesehenen Auflage von den Erfahrungen hochrangiger Wirtschaftsprofis.

Dargestellt werden Umgangsformen bei den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands: Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Russland, Schweden, Schweiz, Spanien, Türkei und Tschechische Republik.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Frankreich – gallisch, temperamentvoll und extrovertiert

„Viel Geld und wenig Kinder, hoher Konsum und lange Freizeit, ausgeprägtes Prestigedenken und die Angst um die Gesundheitsvorsorge“ charakterisieren die Franzosen heute. Die Beschaulichkeit und Ausgeglichenheit, die wir traditionell von Frankreich gewohnt waren, unterliegt völlig dem Wandel. Beispielsweise werden die ominösen Tafelrunden nach wie vor gepflegt, aber die Geschäftsessen dauern keine Stunden mehr, sondern nehmen kürzere Formen an. Das Leben konzentriert sich in der Stadt und weniger auf dem Land. Frankreich hat sich zu einer Konsumgesellschaft gewandelt.

Frankreich ist das flächenmäßig größte Land in Westeuropa, was bedeutet, dass das Verhalten der Franzosen eine Kombination aus lateinischen und nordeuropäischen Verhaltensweisen ist. Franzosen haben charakteristische kulturelle Verhaltensnormen, die manchmal widersprüchlich erscheinen. Beispielsweise denken Franzosen rational analytisch. Gleichzeitig können sie Schlussfolgerungen sowie Denkprozesse mit einer explosiven Emotionalität und Leidenschaft zum Ausdruck bringen. Franzosen positionieren sich durch ihre expressive Redensart, viele Worte und mit kartesianischem Denkvermögen.

Sie sind infolge des hohen Bildungsniveaus in der Lage, Umstände schnell zu erfassen, und besitzen eine sehr ausgeprägte Auffassungsgabe. Auf der anderen Seite legen sie aber oftmals wegen ihrer rigiden Hierarchien und strengen Unternehmensstrukturen Entscheidungen lahm. Trotz der Forderung nach

égalité

ist Frankreich eine der am stärksten hierarchisch geordneten Kulturen. Fraternisierung mit Untergebenen ist nicht an der Tagesordnung.

Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter

Großbritannien – gentlemanly

Es gibt kein Land in Europa, das so außergewöhnlich zahlreiche Verhaltensformen und Regeln kennt wie Großbritannien. Die Ursache liegt in der Unterschiedlichkeit der Landesteile England, Schottland und Wales.

An einem entscheidenden Grundsatz halten alle britischen Landesteile fest –

der Vorliebe zur Tradition

. Was ist das Erfolgsrezept für den brillanten britischen Bilderbuchrasen?

Die traditionelle tausendjährige Kultivierung!

Die sorgsam gepflegte Tradition und die britische Kontinuität spiegeln sich in den geschäftlichen Verhaltensnormen, den traditionellen Universitäten in

Cambridge

und

Oxford

sowie in den Parlamentseröffnungen wider.

Dieses Kapitel behandelt erfolgreiche Umgangsformen mit Kunden, Mitarbeitern, Vorgesetzten und Team-Kollegen aus Großbritannien. Trotz der zahlreichen Unterschiede von Land zu Land und der verschiedenen Gesellschaftsklassen gibt es eine bestimmende Ober- undMittelschicht, die die britische Form maßgeblich beeinflusst.

Eliteschulen wie beispielsweise

Eton public schools

und Universitäten wie in Oxford und Cambridge unterstützen die gesellschaftliche Elitebildung. Dort haben Kinder die Gelegenheit, ein Beziehungsgeflecht für das spätere Leben aufzubauen, das

Old boys network

. Für den Geschäftserfolg in Großbritannien sollte man sich Klarheit über dieses Beziehungsgeflecht verschaffen. Die aristokratische, anglikanische und monarchische Tradition betont die Wichtigkeit der gesellschaftlichen Beziehungen, die mit der Klasse verbunden ist und damit, welche Persönlichkeit man ist und welche man kennt.

Auf die Einhaltung bestimmter Rituale, Bekleidungsvorschriften und Verhaltensregeln, die oft mehrere Jahrhunderte alt sind, wird großer Wert gelegt.

Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter

Königreich der Niederlande – ein Land mit Konsens

„Gott schuf die Erde, aber der Niederländer machte die Niederlande.“ Die Niederlande sind das dichtbesiedelste Land in Europa. Ein Fünftel des Landes wurde durch Dämme, Deiche und Schutzwälle dem Meer abgerungen und dazu gewonnen. Das Bewusstsein, kein Risiko mit der Natur eingehen zu wollen und die Überzeugung, dass das Land, die Gesellschaft und die Wirtschaft durch enormen Arbeitseinsatz und viel Engagement verändert werden können, zeichnet die Niederländer ganz besonders aus.

Der offizielle Name des Landes lautet

„Königreich der Niederlande“

und nicht

„Holland“

. Holland ist die Bezeichnung für den westlichen Teil der Niederlande, in dem die großen Städte wie Amsterdam, Rotterdam und Den Haag liegen. Als

„Randstad Holland“

oder auch

„Randstad“

bezeichnet man den Städtekomplex am Westrand der Niederlande: Rotterdam, Leiden, Haarlem, Amsterdam und Utrecht.

Die Niederländer gelten als sehr pragmatisch, praktisch, effizient, nicht wertend und gut organisiert.

Die Niederlande können viele sehr namhafte multinationale Unternehmen wie beispielsweise Royal Dutch Shell (Öl), Aegon (Versicherungen), Ahold (Nahrungsmittelverkaufskette), Philips (Elektronik), ABN-Amro, ING (Bankwesen), Unilever (Hersteller von Nahrungsmitteln, von Eiskreme bis Seife) und Akzo (Chemieindustrie) vorweisen. Außerdem ist die Amsterdamer Börse die älteste Börse der Welt und gehört zu den zehn besten Spitzenmärkten für Wertpapiere. Die Niederlande verfügen über Erdgas, aber sonst kaum über Ressourcen. Das Land lebt vom Handel und von der Verarbeitung importierter Rohstoffe. Es ist Weltexporteur Nummer eins in Sachen Pflanzen und Blumen. Nach Luxemburg sprechen die Niederländer die meisten Sprachen in der EU und sind international ausgerichtet.

Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter

Italien – bella figura!

Bella figura

, was so viel heißt wie

„eine gute Figur abgeben“

oder

„einen guten Eindruck machen“

. Es signifiziert die italienische Variante des Gesichtwahrens.

Bella figura

verlangt, dass man sich immer korrekt und formell darstellt. Es wird alltäglich sehr viel Energie darauf verwandt, das eigentliche Leben zu verschönern und so angenehm wie möglich zu gestalten. Ehre und persönlicher Stolz sind wichtig.

Bella figura

bedeutet außerdem, sich gegenüber der Familie, den Freunden und den engen Nachbarn stets korrekt zu verhalten, um Loyalität zu beweisen. Diese Einstellung wird stärker, je weiter man in den Süden Italiens kommt. Der entscheidende Faktor für das menschliche Handeln sind die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb und zwischen Familien. Letzten Endes ist die Gruppenorientierung in Sizilien der wichtigste Bestandteil aller zwischenmenschlichen Beziehungen. Wen man kennt, ist wichtig. Wie man angesehen wird, entscheidet darüber, wie man behandelt wird.

„When in Rome, do as the Romans do!“

Diese goldene Regel sollte von allen Ausländern beherzigt werden.Wertschätzung gegenüber Italienern wird auch dadurch zum Ausdruck gebracht, dass man sich den italienischen Verhaltensweisen weitestgehend anpasst. Zugegeben, es ist manchmal schwierig, sich den regionalen Gebräuchen der Mailänder, Römer und Sizilianer wegen der enormen kulturellen Vielfalt anzupassen.

„Campanilismo“

, übersetzt Lokalpatriotismus, wird in Italien sehr groß geschrieben.

„Rispetto“

,

Rücksichtnahme

und

„onore“

,

Ehre

, sind aber für das italienische Geschäfts- und Privatleben immer äußerst sensible Themen. Rücksichtnahme ist wie in Deutschland wichtiger als Floskeln. Italiener ziehen ein Gespräch einem Schriftwechsel vor und haben einen starken Sinn für zwischenmenschliche Beziehungen.

Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter

Österreich – das Land der Titel

Österreich zeichnet sich durch traditionsbewusste, höfliche und aufgeschlossene Bewohner aus. Das Geschäfts- und Privatleben kennt durch die besonderen Anredegepflogenheiten, die konservative Kleidung und das aktuelle Begrüßungszeremoniell seine eigenen Regeln. Österreich ist das Land der Titel! Man legt sehr großen Wert auf tadellose Manieren und auf die korrekte Verwendung von Titeln, vor allem bei öffentlichen Stellen und Behörden.

Österreich zählte bis 1918 zu den Großmächten Europas. Die jahrhundertlange Vormachtstellung inMittel-Ost-Europa hat die HauptstadtWien zu einer der glanzvollen Metropolen des Kontinents gemacht. Der Schmelztiegel des Vielvölkerstaates der Habsburger-Monarchie, Österreich-Ungarn, bildete den Nährboden für zahlreiche kulturelle Groß- und Pionierleistungen, auf die man noch heute besonders stolz ist. In Österreich gedeihte eine Aristokratie mit einem pompösen Lebensstil, die die europäischen Sitten für drei Jahrhunderte bestimmte.

Während man im Kampf gegen die Türken erfolgreich dieselben vor den Toren Wiens halten konnte, schuf ein Koch aus Wien zum Fest des österreichischen Sieges das

croissant

. Er wählte dafür das Symbol des Islam, den aufgehenden Halbmond.

In Österreich gelten mit wenigen Ausnahmen die gleichen Verhaltensregeln wie in Deutschland. Das vorliegende Kapitel beschreibt diese spezifischen österreichischen Varianten der Umgangsformen. Das Pendant zum deutschen Knigge bildet der österreichische

„Elmayer“

.

Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter

Spanien – das iberische Land von Sancho Pansa und Don Quijote

Die beiden Symbolfiguren stellen in ihrer Person die Charaktere der Spanier dar.

Bodenständig

und

träumerisch

. Das Nationalbewusstsein der Spanier ist sehr ausgeprägt.

Die spanische Bevölkerung ist sehr extrovertiert und statusbewusst. Dazu gehört auch, dass Orden oder Ehrenzeichen als Statussymbole im Vergleich zu Deutschland oft getragen werden. Durch die regionale und föderale Gliederung Spaniens variieren nicht nur die Sprachen, sondern auch die Umgangsformen. In Kastilien, dem Kernland von Spanien, herrschen andere Verhaltensformen wie zum Beispiel in Andalusien vor. Galizier, Basken, Katalanen unterscheiden sich in ihrer Tradition und Sprache. Schon für die alten Römer war Spanien ein Potpourri von Kulturen.

Galizier

sind eher pragmatisch und manchmal auch melancholisch. Sie ähneln sehr stark den Nordeuropäern. Die

Aragonier

sind für ihr enormes Durchsetzungsvermögen bekannt. Die

Basken

sind sehr geschäftstüchtig. Die

Katalanen

haben mit den Franzosen gemeinsam, dass sie sehr effektiv arbeiten und wirtschaften. Die Bevölkerung in Katalonien, der Gegend um Barcelona, ist von ihrer romanischen Charakteristik etwas zurückhaltender.

Kastilier

haben ein eloquentes Erscheinungsbild. Die

asturische

Bevölkerung hat ein sehr großes Selbstbewusstsein. In

Andalusien

ist man redselig und hält Termine häufig nicht ein.

Eigenschaften wie

Lebenslust

und

Jovialität

, machen Spanier generell sympathisch.

Die Bedeutung der spanischen Sprache im Welthandel ist enorm. Spanisch ist nach Englisch die zweitwichtigste Sprache derWelt. Selbst in den Vereinigten Staaten wird sehr viel Spanisch gesprochen.

Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter

Schweiz – Understatement und Präzision

In der Schweiz, einer Konföderation von 26 Kantonen, polarisieren sich vier Gesellschaften. Jede hat ihre eigene Sprache, hat ihre eigenen kulturellen Ursprünge. Die Kantone teilen sich auf in die deutschsprachige Nord- und Zentralschweiz, in die französischsprachige Westschweiz und die italienischsprachige Südschweiz. Die Mehrheit der Bevölkerung wird von der deutschen Kultur und der deutschen Sprache beeinflusst. An nächster Stelle steht das Französische, an dritter das Italienische im südlichen Tessin. Und an vierter Stelle steht eine kleine einheimische Kultur in derMitte der Ostschweiz – das Romanische. In jeder Region spricht man einen Dialekt der entsprechenden Muttersprache, der für Deutsche, Franzosen und Italiener verständlich ist. Das Schweizerdeutsch, genannt

Schwyzer-dütsch

, ist ein stark ausgeprägter Dialekt, der manchmal für einen Deutschen nur schwer zu verstehen ist.

Die Topographie der Schweiz erklärt die Schweizer Verhaltensweisen und den Schweizer Charakter. Als es noch keine Laptops und kein Internet gab, haben die gewaltigen alpinen Bergketten Kontakte unter den Bewohnern erschwert oder gar verhindert. Manchen Ausländern erscheinen daher die Schweizer heute noch als standhaft gegen äußere Einflüsse und manchmal auch nicht leicht zugänglich. Die Berge schützten die Schweizer auch nach außen in den Kriegen mit Hannibal und mit Napoléon. Nach diesen Kriegen erklärte sich die Schweiz für neutral und sicherte sich eine Freiheit, in der sich die schweizerischen Charaktereigenschaften entfalten konnten. Der Wiener Kongress 1814/1815 erkannte die Bedeutung der Neutralität des Alpenstaates in Europa an.

Schokolade, Finanzen und die pünktlichsten Uhren der Welt

, Produkte, die wir automatisch mit der Schweiz in Verbindung bringen. Produkte und Dienstleistungen von

höchster Qualität und Präzision

– eben eine schweizerische Leistung. Aber kein Land für Schnäppchenjäger!

Die zeitgemäßen Umgangsformen in der Schweiz entsprechen im Wesentlichen dem kulturellen Verhalten in der Bundesrepublik Deutschland. Es werden nachfolgend die schweizerischen Besonderheiten erläutert und diejenigen Verhaltensregeln, die in der Schweiz eine größere Bedeutung einnehmen als in Deutschland.

Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter

Polen – Tradition und Galanterie

Die Tradition wird in der Bevölkerung täglich und mit Inbrunst aufrechterhalten. Polen ist vom Katholizismus geprägt. Die gesellschaftlichen und beruflichen Rangfolgen, die Verwendung von Titeln, das höfische Verhalten Damen gegenüber, der Handkuss und die Verbeugung bei der Begrüßung zeugen von der Galanterie Polens.

Der Adel als Vorbild hat in der polnischen Vergangenheit eine ritterliche und romantische Lebensart begründet. Bevor der polnische Adel vor dem kommunistischen Regime emigrierte, orientierte man sich sehr an den Gepflogenheiten von französischen und englischen Adelshäusern. Die Gleichmacherei und der Vereinheitlichungsgedanke der kommunistischen Regierung konnte sich, was die Verhaltensnormen anbetrifft, nicht durchsetzen.

Charmantes Verhalten und Ehrgedanken sind heute noch sehr lebendige Begriffe, die nach wie vor im Blut eines Polen liegen

.

Nach außen wirken Polen hart und unerbittlich, nach innen sind sie aber bodenständig und stark an familiäre Werte gebunden. Nicht nur in der Familie zählen

Herzlichkeit und Mitgefühl

, sondern auch im Geschäftskontakt gegenüber loyalen Ausländern und Fremden. Die Familienmitglieder eines Clans unterstützen sich gegenseitig und verhelfen sich in bessere Positionen. Die Polen gelten bei ihren sozialen und geschäftlichen Interaktionen als stolz, eigensinnig, anpassungsfähig und kompromissbereit.

Mit Österreich besteht eine identische Lebensweise. Der Handkuss ist immer noch aktuell und Ausdruck einer besonderen Galanterie. Polen sind sehr gebildet und erweisen sich als sehr geschichtskundig. Sie sind sehr höflich und kontaktfreudig. Die ältere Generation versteht sehr gut Deutsch.

Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter

Tschechische Republik – slawisch oder germanisch?

Tschechen sind ethnisch eher Slawen zuzuordnen, während die tschechische Geschichte eher mit der deutschen und österreichischen verwoben ist. Die Habsburger haben Tschechien von der späten Renaissance über den Barock bis ins 20. Jahrhundert regiert. Ein sehr geschätzter tschechischer Intellektueller des 20. Jahrhundert, Josef Pekař, schrieb:

„Die kulturelle Entwicklung im tschechischen Land war eine kosmopolitische, europäische Anstrengung.“

Pohoda

, was so viel heißt wie das behagliche Leben, ist ein vielsagendes Wort für Familie, Wohlbefinden, Leichtigkeit, Wertschätzung und für die einfachen Dinge des Lebens.

Die Tschechen sind im Allgemeinen gut erzogen und besitzen einen Sinn für Kultur. Bescheidenheit und Takt bestimmen ihr Verhalten. Die

Begrüßung ist Ausdruck der Ehre

. Die althergebrachte Förmlichkeit und Ritterlichkeit wird von den Tschechen heute noch praktiziert, allerdings mit Abstrichen und nicht so konsequent wie die Polen. Aufgrund der gemeinsamen Vergangenheit von Österreich-Ungarn sind die Verhaltensformen in Tschechien jener von Österreich auffallend ähnlich.

Sie haben einen unerbittlichen Drang nach einem besseren Leben und arbeiten dafür hart. Außerdem haben sie einen starken und tief verwurzelten

Nationalstolz

. Die Umgangsformen der Slowakei sind denen der Tschechischen Republik sehr ähnlich. Aufgrund der gemeinsamen Vergangenheit im Kulturraum von Österreich-Ungarn ist die Lebensweise in Tschechien und der Slowakei fast identisch.

Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter

Schweden – natürlich und geschäftig

„Lycka till!“

heißt,

„Viel Glück!“

, was in Schweden im Verhältnis zu Deutschland wesentlich öfter gewünscht wird. Die Schweden gelten als ehrgeizig, ordentlich, kompetent, unkompliziert und sehr natürlich.

Seine Kultur, seine Sprache und seine Bevölkerung zu beschreiben, fällt bei diesem Land nicht schwer. Schweden ist eines der homogensten Länder der Welt, da es ethnisch sehr lange homogen war. 1939 waren die

Sami

die einzige größere klar abgegrenzte Minderheit im Land. Heute haben ungefähr zwanzig Prozent der Bevölkerung eine Verbindung, durch Geburtsorte außerhalb Schwedens, nach außen.

Schweden ist ein neutrales Land und gehört keiner militärischen Allianz an. Schweden vermeiden Konfrontationen und haben eine Abneigung gegenüber auffälligem oder gar aufdringlichem Verhalten.

Schwedens hoch ausgebildeten Arbeitskräfte, die ausgezeichnete Infrastruktur und die exportorientierte Wirtschaft verleihen diesem Land ein sehr hohesMaß an Attraktivität für Investitionen aus dem Ausland. Eindeutige Pluspunkte sind die niedrige Körperschaftssteuer und der relativ leichte Zugang zu Kapital. Deutschland, die USA, Finnland und Großbritannien sind die größten Investoren. Schweden ist Standort von vielen multinationalen Unternehmen wie

SKF, Volvo, Saab, Akzo Nobel, H&M, Scania, Axel Johnson, Electrolux und Ikea.

Laut der Europäischen Kommission ist Schweden das innovativste EU-Land. Immer häufiger gilt Schweden bei internationalen Unternehmen als Testmarkt für neue Produkte und Dienstleistungen. Der schwedische Markt scheint sensibel für Trends zu sein.

Schweden produziert qualitativ sehr hochwertige Waren und liefert seine Produkte zuverlässig sowie pünktlich. Seine Bewohner zeigen ein hohes Maß an integrem Auftreten und beweisen untadelige Manieren.

Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter

Russland – Vatersname und Geschäftsrituale

In Russland haben der korrekte Umgang mit Menschen, das Aussehen, die Kleidung und

das richtige Benehmen im Geschäfts- und Gesellschaftsleben eine außerordentlich große Bedeutung.

Seine eigenen negativen Emotionen zu beherrschen, zeugt von guten Manieren. Das Lächeln ist das beste Mittel, um Ärgernisse zu besiegen.

Zu Zeiten des letzten Zaren Nikolaij II. hatte man nach der französischen Etikette gelebt und sehr viel französisch gesprochen. Der Zar wurde damals gezwungen, das Land zu verlassen und nach Frankreich zu flüchten. Ziel war es, die Europaorientierung zu unterbinden, um dem Kommunismus eine Chance zu geben. Von da an starb die französische Etikette im heutigen Russland.

Folgende Prämissen gelten für Russland, Teile von Weißrussland sowie für die Ukraine:

Russland befindet sich – nach der Auflösung der Sowjetunion – gegenwärtig immer noch in einer umwälzenden Veränderung, was zur Folge hat, dass sich das Verhalten der Russen gegenüber ausländischen Besuchern in gleichem Maße stark wandelt. In den Zeiten des Kommunismus war das Verhalten der russischen Bevölkerung sehr stark von großer Distanz, Abwehrhaltung und Misstrauen gegenüber Fremden geprägt. Seit der Bildung der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) 1991 verhalten sich Russen deutlich weltoffener. Folglich ist zu beobachten, dass auch west- und mitteleuropäische Umgangsformen Einzug halten.

Die russischen Umgangsformen gleichen sich unaufhaltsam immer stärker an die

westliche

Art an. In den Metropolen St. Petersburg, Minsk, Kiew, Odessa und Moskau beobachtet man Verhaltensweisen, die nicht mehr dem klassischen Bild des Kommunismus und der sowjetischen Ideologie zuzuschreiben sind.

Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter

Türkei – Respekt, Ehre und Ansehen

Die Türkei ist ein Land mit starken politischen und wirtschaftlichen Gegensätzen. Man findet eine moderne demokratische Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft mit einem in der Bevölkerung tief verwurzeltem Islam, ausgeprägtem Nationalstolz und noch traditionellen Lebensformen. Die Westorientierung gilt als Staatsprogramm der Türkei. Der Beitritt zur Europäischen Union wird als Krönung des Atatürkschen Reformwerks angesehen. Seit dem 3. Oktober 2005 nimmt die EU Beitrittsverhandlungen mit der Türkei auf. Die Türkei befindet sich zu 3 Prozent in Europa, „Thrazien“, und zu 97 Prozent in Kleinasien, „Anatolien“.

1923 schuf

Mustafa Kemal Atatürk

den Staat „Republik der Türkei“, leitete die Kulturrevolution ein, beispielsweise die europäische Gesetzgebung, deutsches Handelsrecht, Abschaffung des Islam als Staatsreligion, lateinisches Alphabet, Frauenstimmrecht usw. Europa wird als leuchtendes Vorbild für die Entwicklung des Landes angesehen.

Die ausländischen Direktinvestitionen nehmen stark zu. Zwischen 2002 und 2006 hat sich ihr Wert verdreifacht, die Zahl der Unternehmen hat sich verdoppelt. Die EU und insbesondere Deutschland sind die wichtigsten Wirtschaftspartner der Türkei. In Istanbul befindet sich die zweitgrößte Shopping-Mall der Welt, nach der „Mall-of-America“, das Einkaufszentrum

Cehavir

, eröffnet 2005 in

Şişli

. Hier befinden sich die Dubai-Towers mit zwei 300 m hohen Türmen. Sichtbare Zeichen der Internationalität in der Stadtsilhouette von Istanbul.

Die Türkei ist ein säkularer Staat, wobei der Großteil der Bevölkerung dem islamischen Glauben (90 Prozent) angehört. Obwohl dem Islam in der türkischen Verfassung keine staatstragende Funktion zukommt, ist in der letzten Zeit ein Wiederaufleben tiefer Religiosität zu beobachten. Der Islam ist nicht Staatsreligion,

Laizismus

oder

Kemalismus

von Kemal Atatürk. Neben Türken gibt es auch Minderheiten kurdischer, griechischer und armenischer Abstammung.

Der Ausbruch zweier Wirtschaftskrisen in den Jahren 2000 und 2001 verursachte Kündigungswellen bei Firmen und staatlichen Einrichtungen. Durch einen strengen Reformkurs ist es gelungen, wieder ein Wirtschaftswachstum zu erzielen. Die Inflationsrate – Anfang 2002 noch bei 70 Prozent – konnte sukzessive gesenkt werden und lag Ende 2006 nur noch bei 9,3 Prozent. Auch wenn das Ziel eines EU-Beitritts noch in weiter Ferne liegt, sofern es überhaupt dazu kommen sollte, für Ankara gilt die Devise:

Der Weg ist wichtiger als das Ziel!

Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter

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