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04.01.2017 | Car-to-X | Im Fokus | Onlineartikel

Watson bringt künstliche Intelligenz ins Auto

Autor:
Sven Eisenkrämer
5 Min. Lesedauer

Computer mit kognitiven Fähigkeiten sind die Zukunft – auch in Fahrzeugen. Die Menschen erwarten künftig intelligente Systeme im Auto. Hersteller und IT-Konzerne forschen gemeinsam an Lösungen.

Dr. Watson – wer kennt ihn nicht? Ein Arzt, pragmatisch, gebildet, immer in der zweiten Reihe stehend und genauer betrachtet eigentlich mit der wichtigste Part in den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle. Dr. Watson ist Sherlock Holmes‘ ständiger Begleiter und Freund in den Romanen. Er dient als Vermittler für den Leser, berichtet ihm über den genialen Ermittler. Watson zeichnet all das auf, auf dem die Schlussfolgerungen des Detektivs basieren.

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Und hier gibt es einige Parallelen zu einem anderen, zurzeit vielbeachteten Watson: Watson IoT, der potenziell intelligenten Software des IT-Konzerns IBM. Das Programm ist das aktuell bekannteste im Bereich der künstlichen Intelligenz. Eigentliches Ziel von Watson ist, eine semantische Suchmaschine zu schaffen, die auf der Erkennung natürlicher Sprache basiert und passende Antworten auf gestellte Frage ebenso in natürlicher Sprache wiedergibt. Watson soll zum treuen Begleiter im Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) werden, einem intelligenten Helfer, der immer die richtige Antwort parat hat und mit Menschen und Geräten kommuniziert.

200 Millionen US-Dollar für Münchner IoT-Center

Okay, IBM sagt, Watson sei nach Thomas J. Watson, einem der ersten Präsidenten von IBM benannt, nicht nach der Kunstfigur. Wie auch immer. "Watson verändert die Art, wie Menschen mit ihrer Umwelt interagieren – sei es an ihrem Arbeitsplatz, zu Hause oder auf der Straße", sagt Harriet Green, bei IBM weltweit für den Bereich Watson IoT verantwortlich. Und wie diese Interaktion in verschiedenen Lebensbereichen umgesetzt werden kann, dazu wird geforscht. IBM hat in München das weltweit erste Watson IoT Center errichtet und kürzlich angekündigt, insgesamt rund 200 Millionen US-Dollar dort zu investieren, um daraus "eine der weltweit modernsten Einrichtungen für die kooperative Zusammenarbeit mit Partnern und Kunden zu machen", wie der Konzern in einer Mitteilung schreibt. Eins der ersten Unternehmen, die in diesem Forschungszentrum mit IBM zusammenarbeiten, ist BMW. Der Münchner Autobauer platziert ein Ingenieurteam im Watson IoT Center, das gemeinsam mit Forschern, Entwicklern und Beratern von IBM herausfinden will, wie auf Cognitive Computing basierende Assistentzsysteme für Fahrzeuge verbessert werden können.

Watson soll im BMW i8 getestet werden

Mit Hilfe der Machine-Learning-Fähigkeiten des Programms sollen Fahrzeuge Präferenzen und Gewohnheiten ihrer Fahrer erkennen und lernen, den Fahrzeugführer zu unterstützen. Zudem sollen Bedienungsanleitungen zum Fahrzeug in Watson eingespeist werden. Auf eine Frage in natürlicher Sprache soll das System dann eine entsprechende Antwort in natürlicher Sprache geben – oder gleich das Fahrzeug die gewünschten Einstellungen vornehmen lassen. Die neuen Applikationen, die BMW zunächst in dialogfähigen Interfaces in Fahrzeugen des Typs i8 testen will, sollen zudem Wetterdaten und Echtzeit-Verkehrs- und Fahrzeuginformationen liefern.

Ein Kraftfahrzeug kann nicht mehr schlicht und einfach im Hinblick auf die Fahrzeugtechnik und dann im Hinblick auf den Fahrer entwickelt und optimiert werden. Das Fahren wird zunehmend auf mehrere Instanzen verteilt. Die Instanzen, die am verteilten Fahren beteiligt sind, beschränken sich nicht auf das Fahrzeug. Sie befinden sich als Relais, Funkstationen, Satelliten und Verkehrssteuerungssysteme in der Umwelt des Fahrzeugs. Als erste Konsequenz für die Entwicklung eines intelligenten Mobilitätssystems folgt daraus: In Zukunft kommt es weniger darauf an, die einzelnen Bereiche, wie Fahrerverhalten, Fahrzeugsteuerung oder Telekommunikation zu optimieren. Vielmehr müssen die Interaktivitäten zwischen Fahrer, Fahrzeug und Umwelt in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken." Springer-Autor Werner Rammert, Soziologie- und Technikforscher, in seinem Buchkapitel "Die Zukunft der künstlichen Intelligenz: verkörpert – verteilt – hybrid" (in "Technik – Handeln – Wissen", Seite 238).

IBM-Umfrage zur Beziehung zwischen Menschen und Autos

Das IBM Institute for Business Value hat in der neuen Studie "A new relationship – people and cars" mehr als 16.000 Fahrzeugnutzer in 16 Ländern zu ihrem Verhältnis zu Fahrzeugen und zur Zukunft der Mobilität in zehn Jahren befragt. Demnach erwarten die Konsumenten, dass Autos beispielsweise immer mehr in der Lage sein werden, sich selbstständig mit ihrer Umwelt und anderen Fahrzeugen zu vernetzen und bessere Eigendiagnosen zu stellen. Fahrzeuge sollen für sich selbst und sogar andere Autos Problemlösungen ohne Menschliche Hilfe umsetzen können. Zu ihren persönlichen Vorlieben befragt, was ein selbstbestimmendes Fahrzeug (Self-Enabling Vehicle, SEV) einmal bieten sollte, geben 59 Prozent der Umfrageteilnehmer an, an diesen Selbstheilungs-Funktionen "sehr interessiert" zu sein. 55 Prozent hoffen auf eine Selbstvernetzung der Fahrzeuge, sie sollen mit ihrer Umwelt und anderen Fahrzeugen kommunizieren. Selbstlernende Autos, die mit kognitiven Fähigkeiten den Fahrer und die Umwelt besser verstehen und damit auch fundierte Vorschläge machen können, erwarten 54 Prozent der mehr als 16.000 Befragten. Ebenfalls 54 Prozent gehen davon aus, dass Fahrzeuge bald komplett autonom unterwegs sein werden. 51 Prozent der Konsumenrten prognostizieren und wünschen sich eine eigenständige Konfiguration der Fahrzeuge, die sich automatisch den persönlichen Präferenzen der Fahrer anpassen. 49 Prozent der Antwortenden sind an der Selbstintegration künftiger Autos sehr interessiert, sie sollen zu einem integralen Bestandteil des IoT werden und Daten mit ihrem Ökosystem teilen können.


Weltweit ist das Interesse an SEV zur persönlichen Nutzung laut Studie jedenfalls größer als an alternativen Mobilitätsservices wie Car-Sharing oder On-Demand-Ride-Sharing oder multimodaler Mobilität. In den Wachstumsmärkten der Welt, wie Indien, ostasiatischen Ländern aber auch Russland, Brasilien oder Mexico legen übrigens deutlich mehr Menschen Priorität auf innovative Mobilitätslösungen. In den "erwachsenen Märkten" wie Europa, Nordamerika und Australien ist man zurückhaltender.

Autofahrer erwarten also ein persönlicheres Fahrerlebnis, egal in welcher Art. Und dabei kann eigentlich nur Cognitive Computing helfen. Betrachtet man diese Umfrageergebnisse, ist es nur konsequent, dass sich Automobilhersteller intensiv mit der Integration von intelligenten Systemen beschäftigen.

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