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09.10.2018 | Carsharing | Nachricht | Onlineartikel

Die Elektromobilität kommt aus der Deckung

Autor:
Andreas Burkert

Auf dem 1. elect! ATZ-Kongress Electrified Mobility zeichnet sich ein klares Bekenntnis zur Elektromobilität ab. OEMs wie auch die Zulieferer haben die Notwendigkeit der Mobilitätswende erkannt und präsentieren in Stuttgart teils faszinierende Entwicklungen.

Der People Mover ist eine erste, faszinierende Antwort auf die Frage nach der Mobilität der Zukunft. Zumindest im urbanen Umfeld soll diese Art des autonom, rein elektrisch fahrenden Automobils die Mobilität nachhaltig prägen. Und zwar innerhalb des kommenden Jahrzehnts, erklärt Dr. Dirk Kesselgruber. In seiner Position als Leiter des Unternehmensbereichs Fahrwerksysteme der Sparte Automotive bei der Schaeffler-Gruppe präsentiert er auf dem 1. elect! ATZ-Kongress Electrified Mobility die Vorteile des modularen Fahrzeugkonzepts. Noch vor wenigen Jahren war solch eine Position eines Unternehmens, das sich auf den Antriebsstrang für die verbrennungsmotorische Mobilität spezialisiert hat, ungewöhnlich. 

Doch anlässlich der Konferenz, die am 8. und 9. Oktober 2018 in der Stuttgarter Messe stattfand und auf der Experten verschiedener Branchen die Elektromobilität in den Mittelpunkt ihrer Vorträge rückten, wurde klar, dass die Automobilbranche in all ihren Prozessen umdenken muss. Immerhin werden mittlerweile viele nervös, wenn sie daran denken, dass ein batterieelektrisch angetriebenes Fahrzeug (BEV) bis zu 90 % weniger Komponenten aufweist als ein herkömmliches Automobil mit Verbrennungsmotor. Auch deshalb gibt Kesselgruber zu, dass es für ihn heute eine Herausforderung ist, "einen Kongress über Elektromobilität als Fahrwerkexperte zu starten“. Doch nur zu gut weiß er, dass die Elektromobilität aus der Deckung kommt.

Das 30-40-30-Szenario verändert die Mobilität

Zwar hat diese Entwicklung bei den derzeit geringen Zulassungszahlen von BEVs noch keine spürbaren Auswirkungen auf die Umsätze der OEMs und deren Zulieferer. Doch die Prognosen von McKinsey, die Patrick Schaufuss, Associate Partner, dem Auditorium präsentiert, zeigen, dass sich das Geschäftsmodell innerhalb weniger Jahren gravierend ändern wird. Bis zum Jahr 2030, so Schaufuss, wird das batterieelektrische Automobil in Europa einen Marktanteil von annähernd 30 % erreichen. Die Zahlen erstaunen an diesem Tag kaum einen mehr. Nahezu alle sind sich einig, dass die Elektromobilität den individuellen Verkehr bereits in naher Zukunft wesentlich prägen wird.

Thomas Pfund von Schaeffler spricht in diesem Zusammenhang von einem 30-40-30-Szenario. So sind seiner Ansicht nach am Ende des kommenden Jahrzehnts nur noch 30 % der Fahrzeuge mit einem Verbrennungsmotor unterwegs, 30 % rein elektrisch und 40 % werden mit einem Hybrid-System angetrieben. Für Schaeffler ist dies eine Chance, auch den 48-V-Antrieb zu positionieren. In seinem Vortrag über flexible Integrationskonzepte für elektrifizierte Antriebsstränge stellt er im Detail ein Hybridmodul vor, das auf kleinstem Bauraum das Übertragen sehr hoher Drehmomente von bis zu 800 Nm ermöglicht.

Mehr als 260 neue BEV-Modelle bis 2024

Noch beeindruckender als dieser Wert ist die Anzahl der BEV-Modelle, die zwischen 2019 und 2024 von den Automobilherstellern auf den Markt gebracht werden. Dann stehen dem Verbraucher mehr als 260 Fahrzeugmodelle zur Auswahl. Und die sind laut Professor Dr. Hans-Christian Reuss, Research Institute of Automotive Engineering and Vehicle Engines Stuttgart (FKFS), von größter Bedeutung, die Klimaschutzziele zu erreichen. "Die gelingt nur mit der Elektrifizierung des Antriebsstrangs“, erzählt Reus, der die Konferenz als wissenschaftlicher Leiter zusammen mit Dr. Johannes Lieb, Herausgeber der ATZ, MTZ und ATZelektronik, eröffnet und später mit Markus Schöttle, dem stellvertretenden Chefredakteur der ATZelektronik, durch die zweitägige Konferenz führt. 

Damit die Elektromobilität nicht nur lokal emissionsfrei funktioniert, muss seiner Ansicht nach der "dafür notwendige Energiebedarf mit regenerativen Energien gedeckt werden“. Dem stimmen alle zu, wohlwissend, dass dies neben dem Aufbau einer Ladeinfrastruktur eine der wesentlichen Herausforderungen ist. Doch glaubt man den Worten von Benjamin Rinner, der für das finnische Unternehmen Fortum Charge & Drive auf der elect! in seinem Referat die Erfolgsfaktoren für das Betreiben von Ladeinfrastruktur in Norwegen auflistet, so wäre auch das für Deutschland in kurzer Zeit möglich. So rückt ein anderes Thema in den Fokus der Konferenz.

Deutschlands Chancen beim Energiespeicher

Die Energieversorgung an Bord eines Elektrofahrzeugs fordert derzeit die gesamte Automobilbranche heraus. Die Frage nach einer deutschen wie auch europäischen Zellfertigung wird dabei immer lauter. Ob dies allerdings gelingt, ist fraglich. Die asiatische Konkurrenz scheint derzeit zu übermächtig, die Investitionen in die richtige Zellchemie hoch und riskant, wie Markus Hackmann Geschäftsführer, P3 Group, erklärt. Und dennoch hat Europa Chancen, beim elektrischen Energiespeicher mitzureden. Denn etablierte Batteriezellenproduzenten wagen den Schritt nach Europa.

So hat sich etwa Northvolt in Schweden etabliert, LG Chem in Polen und Samsung SDI in Ungarn. Aber damit sind nur die derzeit größten Unternehmen genannt. Bis 2028 will zudem Terra E rund 28 GWh in Deutschland produzieren, und natürlich CATL, die in Erfurt mit einer Kapazität von 6 GWh an den Start gehen. Die Chinesen haben sich erst vor kurzem gegründet und wollen den Markt nicht allein den Mitbewerben Samsung und Panasonic überlassen, wie Matthias Zentgraf, Europa-Chef von CATL am Rande seines Vortrags erzählt. Die Versorgung mit Batteriezellen dürfte damit für das erwartete Wachstum am Markt für Elektrofahrzeuge gesichert sein.

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