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Über dieses Buch

Essays und kritische Texte zur Herausbildung und Verbreitung der Themen und Fragestellungen der Moderne in der Zeit zwischen 1904 und 2014. In den Beiträgen zu Bauten, Architekten und Diskussionen wird in sieben Zeitabschnitten die Entwicklung der Moderne im letzten Jahrhundert lebendig. Hilpert ist den meisten Akteuren persönlich begegnet, seine Beiträge präsentieren oft unbekannt gebliebene Forschungsergebnisse, die seit 30 Jahren in verschiedensten Zeitschriften publiziert worden sind. Sie ergänzen die zahlreichen Buchpublikationen, in denen er die Arbeiten von Le Corbusier, Bruno Taut, Walter Gropius, Mies van der Rohe sowie zur Nachkriegsmoderne einem internationalen Publikum nahebrachte.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung

Wer sich mit Architektur und Städtebau befasst, der wird sehr schnell feststellen, dass es inzwischen zwar eine Vielzahl von Detailstudien zur Moderne seit den 1920er-Jahren gibt (insbesondere zu Bauhaus, Mies van der Rohe und Le Corbusier). Dass es auch reich bebilderte Einzelarbeiten zur Moderne der Nachkriegszeit gibt, man hingegen kaum etwas findet zum Zusammenhang beider.
Thilo Hilpert

1904–1920 Die Metropole

1910 gab es sechs Metropolen mit jeweils mehr als zwei Millionen Einwohnern: London, New York, Paris, Chicago, Wien und Berlin. Innerhalb von fünfzig Jahren war im Deutschen Reich die Anzahl der Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern von sechs auf vierzig Städte gewachsen. Ein Viertel der Einwohner lebte 1908 in Großstädten. Mit der Verstädterung breitete sich die Architektur der Moderne aus. Die Garage in der Rue de Ponthieu in Paris, 1906 von Auguste Perret gebaut, wurde leider in jüngster Zeit abgerissen. Sie gilt als ästhetisches, konstruktives und soziales Paradigma der beginnenden Moderne.
Thilo Hilpert

1920–1936 Die Funktionelle Stadt

Die Funktionelle Stadt hieß der 4. Kongress der CIAM im Jahr 1933. Die Großstadt war zum Thema der Architektur geworden. 1928 hatten sich Architekten der Moderne aus ganz Europa zusammengeschlossen und nannten ihre Vereinigung „Internationale Kongresse für Neues Bauen“ oder einfach nur „Architecture Moderne“ (CIAM). In parallelen Bewegungen um die Zeitschrift „Esprit Nouveau“ in Paris, das Bauhaus und die Siedlungen in Deutschland hatten sie nach 1920 gemeinsame Prinzipien für neue Formen von Architektur, Städtebau und Design gesucht. Doch sie beschränkten sich nicht allein auf den architektonischen Ausdruck einer neuen Technik, sondern suchten nach neuen Formen von Politik und Lebensweise.
Thilo Hilpert

1936–1952 The International Style

Der International Style wird meist mit den zwanziger Jahren identifiziert. Die Internationalisierung der Moderne hat sich jedoch erst in den dreißiger Jahren durchgesetzt. The International Style hieß eine Ausstellung, mit der Philip Johnson 1932 die moderne Architektur in die USA bringen wollte. Die Entwicklung vollzog sich zweigeteilt: In Europa scheiterte der Versuch des Faschismus, moderne Technik und reaktionäre Politik zu verbinden. Ebenfalls scheiterte der stalinistische Stil beim Versuch seiner Ausbreitung. Die Moderne siegte auf dem amerikanischen Kontinent. New York war 1950 neben Tokyo die erste Megastadt mit mehr als 10 Millionen Einwohnern.
Thilo Hilpert

1952–1968 Growth and Change

Die fünfziger und sechziger Jahre sind von Zukunftsoptimismus durchdrungen.
Die allgemeine Elektrifizierung verspricht den Beginn eines „Zweiten Maschinenzeitalters“ (Reyner Banham). 1960 werden auf Autobahnen zum ersten Mal mehr Privatfahrzeuge als Geschäftsfahrzeuge gezählt. Die ersten Großsiedlungen – Gropius-Stadt, Märkisches Viertel, Toulouse-le-Mirail – werden ab 1962 geplant. Für Deutschland spezifisch wird die ungeheuere Intensität des Bauens bei gleichzeitiger Unmöglichkeit, persönlich an die ehemals führende Baukultur der 1920er-Jahre anzuknüpfen (keine Personen, keine Bauten, keine Bücher). Es gibt auch keine Verflechtung mit den CIAM mehr. Der X. Kongress der CIAM 1956 in Dubrovnik findet ohne Beteiligung von Walter Gropius und Le Corbusier statt. Der Name des Kongresses – Growth and Change, Cluster and Mobility – verspricht eine widersprüchliche Erfolgsbilanz. Die jungen Architekten beginnen in „clustern“ zu denken und haben sich von den Volumen der Klassischen Moderne gelöst. Die Avantgarde rechnet mit den Wirkungen einer technisierten Umwelt und nennt sich „architecture mobile“. Wirkungen bleiben, im Unterschied zur neuen architektonischen Großmacht Japan, in Deutschland bis in die siebziger Jahre punktuell.
Thilo Hilpert

1968–1984 Die Architektur der Stadt

Die Architektur der Stadt gehört zur Politisierung der Künste nach 1967. Der Titel geht auf ein Buch von Aldo Rossi – „L’Architettura della Città“ (1966) – zurück. Die Architekturtheorie der „architettura razionale“ formuliert einen Bruch mit der funktionalistischen Doktrin und ihren technizistischen Utopien. Sie fordert, dass sich jede neue Architektur in den Kontext der alten Stadt einzufügen habe. Aber auch, dass die ganze Stadt als Architektur verstanden werden müsse. Die Stadt ist ein gesellschaftlicher Raum.
Damit wird die vorindustrielle Stadt nicht allein als Idol festgehalten, sondern als normatives Modell für jede Neuplanung gesetzt. Die Triennale 1973 in Mailand weitet den Begriff der Moderne um viele vergessene Beispiele aus. Die „Revision der Moderne“ aber, die 1984 die mit Gründung des Deutschen Architekturmuseums zum Ziel erklärt wird, kommt zu spät. Schon seit 1989 ist der Direktor Heinrich Klotz mit der Gründung des ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie) beschäftigt, das eine Synthese von Bauhaus und Computer verspricht.
Thilo Hilpert

1984–2000 Intelligent City

Die intelligente Stadt war das erklärte Ziel in der Stadtutopie der 1970er-Jahre für eine Kybernetische Stadt, die aus interaktiven, selbstregulierten Räumen bestehen sollte. Sie markiert das Eindringen des Computers in die Stadt und die Herausbildung von Umweltsystemen, die aus materiellem Raum und immateriellen Steuerungen bestehen sollen. Die formalen Möglichkeiten weiten sich dramatisch. Architekturstile verlieren ihre symbolische Relevanz und werden vielfältig. Zugleich wird Architektur als Medium bewusst – kommunikative Räume, handlungsrelevante Raumgestaltung. Die Grünräume werden zum Bestandteil der Architektur selbst. Archaische Techniken z. B. der Fortbewegung gewinnen ein neues Recht.
Wo die Stadt nach Modellen einer fordistischen Funktionstheorie modelliert wurde (monofunktionale Zonen, Autostraßen, Ampeln), bleibt die Anwendung der Informationstechnik dumpf – virtuelle Ersatzräume. Dort aber, wo die neuen Medien auf einer Architektur kommunikativer Räume und selbstregulierender Systeme aufbaut, entsteht die intelligente Stadt.
Thilo Hilpert

2000–2016 Blue Planet

Während zu Anfang des Jahrhunderts nicht einmal eine Handvoll Städte – London, Paris, Berlin – Millionenstädte waren, gibt es zu Ende des Jahrhunderts mindestens 400 Städte von der Größe der alten Metropolen. Zugleich hat sich das Zentrum der Urbanisierung nach Asien verlagert. Ökonomen sprechen vom „urbanen Zeitalter“ (auf das die Architekten schlecht vorbereitet sind). Die Stadt, die ein Ausnahmefall war, wird zum typischen Problemfall menschlicher Besiedlung. Die Architektur der Moderne ist eine Reaktion auf die Verstädterung überall auf der Welt. Die Stadtutopien der Moderne sind keine Gedankenspiele über ideales menschliches Leben, sondern Ideen für die Zukunft der Stadt. Vielleicht heißt diese Zukunft – nicht Globalisierung der Stadt sondern vernetztes Denken; jedenfalls ist sie komplizierter als die Parole vom globalen Denken und lokalen Handeln.
Thilo Hilpert

Backmatter

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