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11.05.2020 | Change Management | Im Fokus | Onlineartikel

Transformation braucht unentwegt Change Management

3:30 Min. Lesedauer

Autor: Sascha Lindner, Leiter Change Management bei Horváth & Partners

Gehen Mensch und Technik Hand in Hand,  gelingt die digitale Transformation, ist sich Gastautor Sascha Lindner sicher. Da virtuelle Zusammenarbeit und agile Arbeitsweisen in der Corona-Krise an Bedeutung gewinnen, wird Change Management dabei zum Erfolgsfaktor.

Es gibt vier Bereiche, in denen Unternehmen sich schwertun, die soziale Seite in den Mittelpunkt der Transformation zu stellen. Um diese Beobachtungen zu validieren, hat Horváth & Partners mehr als 60 Mitarbeiter (77 Prozent) und Führungskräfte (23 Prozent) aus verschiedenen Industrien und Unternehmensbereichen zu Change Management, Befähigung, agilen Arbeitsweisen und Führung befragt.

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Change Management – Wo stehen Unternehmen?

Zunächst wurde gefragt, inwiefern das strategische Veränderungsmanagement die digitale Transformation begleitet. Die Ergebnisse zeigen, dass 46 Prozent der Befragten in ihren digitalen Transformationen eine aktive Change-Management-Begleitung betreiben. Im Vergleich zur Studie von 2014 hat sich dieser Wert um 14 Prozent verringert. Gleichzeitig geben 68 Prozent der Befragten an, dass ihr Unternehmen ein dezidiertes Change-Management-Team aufgebaut hat, das gebündelt Veränderungsmanagement-Tätigkeiten vorantreibt. 

Doch trotz zentraler Einheiten kam die Hilfe offenbar nicht bei den Betroffenen an. Bei allen Zentralisierungsambitionen darf nicht vergessen werden, das Change eine kontinuierliche Führungsaufgabe ist. Laut der Studienteilnehmer sind sich allerdings nur fünf Prozent der Führungskräfte ihrer Rolle und Verantwortung für die aktive Einbindung von Mitarbeitern bei Veränderungen voll und ganz bewusst.

Change Manager sollten daher ihren Elfenbeinturm verlassen und Mitarbeiter mit Formaten wie dialogfördernden Marktplätzen, News Blogs oder persönlichen Coachings auf dem Shopfloor kommunikativ in die digitale Transformation einbinden.

Agile Arbeitsweise – Buzzword oder Realität?

Im digitalen Umfeld bergen agile Arbeitsweisen gerade in operativen Funktionsbereichen Potenziale für eine reaktionsfähigere und kundenorientiertere Organisation. Obwohl die Vorteile vielfach nachgewiesen sind, zeigt die Studie, dass Unternehmen in Bezug auf agile Organisationseinheiten zwar auf dem richtigen Weg sind, aber größtenteils noch in den Kinderschuhen stecken:

  • 60 Prozent der Befragten sagen, agile Methoden werden vereinzelt oder gar nicht eingesetzt.
  • Selbstorganisierte Teams existieren in über 40 Prozent der Unternehmen.
  • Leistungsbeurteilungen werden bei 63 Prozent der Befragten nicht auf Teamerfolge ausgerichtet.
  • Den Mehrwert von agilen Organisationsstrukturen und Arbeitsweisen können nur zwölf Prozent der Führungskräfte eindeutig vermitteln.

Es zeigt sich, dass die ungemütlichen Steuerungs-, Vergütungs- und Organisationsdesign-Themen nicht vergessen werden sollten, auch wenn die agile Transformationen natürlich hauptsächlich einen Kulturwandel erfordert. 

Befähigung – Frontaler Unterricht oder interaktive Lernerfahrung?

Fast jede Veränderung erfordert den Erwerb neuer Fähigkeiten – so auch die digitale Transformation. Doch inwieweit existieren standardisierte Entwicklungspfade noch als Lernangebote? Und haben virtuelle Lösungen bereits Einzug in die Weiterbildungskanäle gefunden? Die Studienteilnehmer geben an, dass im Durchschnitt 38 Prozent ihrer Schulungsangebote in digitaler Form vorliegen. Ihr verfügbares Lernangebot haben 67 Prozent der Befragten als "modulares Lernangebot mit individuellen Lösungen" charakterisiert. Die beste Lernarchitektur reicht aber nicht aus, wenn Inhalte nicht den aktuellen Anforderungen entsprechen. Nur acht Prozent der Unternehmen bieten etwa Weiterbildungen für Change-Management-Kompetenzen an. 65 Prozent haben auch Methodenkompetenzen und 50 Prozent Weiterbildungen in interaktive Fähigkeiten im Angebeot.

Doch der er Schüssel zur ganzheitlichen Förderung der Talentreserven liegt zumeist in modularen Lernangeboten und einem Mix aus digitalen und analogen Formaten.

Warum Führungskräfte auch Coaches sein müssen

Die Digitalisierung bietet Führungskräften einerseits die Chance, mit ihren Mitarbeitern transparenter, effizienter und direkter zu kooperieren. Andererseits stehen sie dadurch vor neuen Herausforderungen. Laut unserer Studie sind dies:

  1. Eine klare Vision zu vermitteln,
  2. sie eigene Verantwortung abzugeben,
  3. für eine neue Idee zu motivieren,
  4. eine Vorbildrolle zu übernehmen,
  5. sich neues Wissen anzueignen.

Der Studie zufolge liegt die Stärke der Führungskräfte vor allem in der Zusammenarbeit auf Augenhöhe und der Förderung von selbstorganisiertem Arbeiten. Das zeigt, dass Führungskräfte bereits Teile erfolgreicher digitaler uns sie das Potenzial ihres Teams einbinden und eine klare Vision aufzeigen, aber ohne den genauen Weg dorthin bereits vorzugeben.

Die digitale Transformation ist nicht nur ein Wandel in der Systemlandschaft, sondern bedarf vor allem einer aktiven Begleitung der sozialen Seite durch professionelles Change Management. Ganz nach dem Motto: Der Mensch sollte immer im Mittelpunkt der digitalen Transformation stehen.

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