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2021 | Buch

China im Blickpunkt des 21. Jahrhunderts

Impulsgeber für Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft

herausgegeben von: Tobias Loitsch

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Über dieses Buch

China hat in den vergangenen Jahren eine atemberaubende Entwicklung erlebt. Trotzdem ist das China-Bild besonders in der westlichen Welt von Vorstellungen und Klischees geprägt. Verstehen wir die chinesische Gesellschaft, die Menschen und die Wirtschaft wirklich? Wie konnte es China gelingen, so einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg zu schaffen?
Das zukünftige wirtschaftliche Zentrum der Welt sind nicht mehr der Atlantik und Europa. Die Zukunft wird sich um den Pazifik abspielen. Die Chinas Regierung wappnet sich für dieses kommende Zeitalter im 21. Jahrhundert. Wir in Europa und der EU sollten das besser auch tun. Dazu müssten wir uns aber darüber einig sein, was wir eigentlich wollen.
Dieses Buch soll mit verschiedenen Sichtweisen dazu beitragen ein Verständnis zu schaffen, Wissen zu vermitteln und persönliche Erfahrungen zu teilen. Denn nur Offenheit und gegenseitiger Respekt kann dazu dienen, China zu verstehen, besonders aus deutscher Sicht. Mit Beiträgen von: Anno Dederichs, Hubertus Domschke, Hans-Peter Friedrich, Madeleine Genzsch, Sinja Hahn, Julia Henningsen, Alexandra Hildebrandt, Bill Holler, Anastasia Lauterbach, Li Dunrui, Helmut Merkel, Marcel Münch, Stefanie Liliane Meyer, Stefan Piech, Alexandra Stefanov, Johanna Stepan-Meyer, Peter Tichauer, Miriam Theobald, Thomas Cherico Wanger, Kevin Wörner, Jörg Wuttke und Mingqi Xie.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Einleitung
Zusammenfassung
Kennen wir China wirklich? Verstehen wir die chinesische Gesellschaft, die Menschen und die Wirtschaft? Wie konnte es China gelingen, so einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg zu schaffen? Was ist das Erfolgsrezept, was ist die Basis und wo liegen die Gründe?
Tobias Loitsch
Kommt das Trojanische Pferd Europas? Der Wettbewerb um die Marktdominanz Künstlicher Intelligenz ist noch längst nicht entschieden – eine „Präkonstruktion“ künftiger Entwicklungen
Zusammenfassung
Die Deutschen irren, wenn sie Industrie 4.0 für die Vokabel der Zukunft halten. China investiert in den nächsten Jahren ein Vielfaches des deutschen Budgets in Künstliche Intelligenz (KI). Seit 2017 arbeitet das Land konsequent an einem Plan für die nächste Generation der KI-Technologien, unter anderem mit einer Bildungsoffensive. Währenddessen wächst an deutschen Schulen die nächste Generation digitaler Analphabeten heran. Zudem werden Koryphäen der internationalen KI-Szene mit Topgehältern ins Land des Lächelns gelockt. Chinas Vorsprung ist schon jetzt uneinholbar. Die Verschmelzung von Staat und privater Wirtschaft, die Mühen der Demokratie und der Datenschutz sind schwache Ausreden, warum Europa nicht Schritt halten könne. Hierzulande fehlt es derzeit nicht nur an Geld, sondern auch an Innovationskultur. Der technologische „Kalte Krieg“ zwischen China und den USA wird die chinesische Forschung und Entwicklung sowie Investitionen in KI-Soft- und Hardware intensivieren und die Lieferungs- und Wertschöpfungsketten globaler Unternehmen von der einseitigen US-Dominanz entkoppeln. Internationale Konzerne werden künftig gleichermaßen amerikanische und chinesische Standards bedienen müssen, um in den wichtigsten Märkten mithalten zu können. Gibt es in dem Konflikt zwischen China und USA noch irgendeine Chance für eine positive technologische Zukunft für Europa? Sicher: Bürgerbeteiligung, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung könnten durch intelligent genutzte Daten positiv gestärkt werden. Eine gezielte Regulierung könnte entsprechende technologische Entwicklungen beschleunigen. Ob in der Forschung oder im Bereich Cyber-Security – deutsche und europäische Unternehmen müssen dafür jedoch dringend eine Strategie dafür entwickeln, was sie zu der künftigen KI-Welt beitragen wollen. Denn diese Zukunft hat schon begonnen.
Anastassia Lauterbach
Seidenstraße – Chance oder Risiko für Europa? Ich entscheide mich für die Chance!
Zusammenfassung
Die Globalisierung und der zunehmende Wettbewerb zwischen Industrienationen und Kontinenten stehen vor der Herausforderung des chinesischen Projekts der Neuen Seidenstraße. Während früher die Globalisierung vor allem den klassischen Industrienationen USA und Europa diente, hat die Belt and Road Initiative des chinesischen Präsidenten Xi Jinping die Industriestaaten vor neue internationale Herausforderungen gestellt. Durch diese neuen Handelsverbindungen entsteht neuer Wettbewerb; aber es entstehen auch neue Absatzchancen im weltgrößten Binnenmarkt China. So wie auch vor mehr als 2000 Jahren die Seidenstraße den Handel in beiden Richtungen zwischen China und Europa ermöglichte, wird nach Ansicht des Autors dies mit deren modernen Variante auch wiederum neue Chancen für Europa bringen. Bill Holler schildert seine persönlichen Eindrücke und authentischen Erlebnisse als Experte mit fundierten Erfahrungen in China, um damit eine objektivere Beurteilung der Chancen und Risiken dieses Projekts zu ermöglichen.
Bill Holler
Jenseits der Prominenz Alibabas und Co.: Wie drei chinesische Tech-Innovatoren ihre Branchen disruptieren
Zusammenfassung
Der 2006 veröffentlichte „Mittel- bis Langfristige Entwicklungsplan für Wissenschaft und Technologie (2006–2020)“ gilt als entscheidender Wendepunkt für die Weiterentwicklung des chinesischen Innovationsökosystems. Die Förderung eigenständiger Innovationskapazitäten wurde priorisiert, entsprechende Strukturen und Rahmenbedingungen wurden geschaffen. Seitdem hat sich im Reich der Mitte einiges getan, zum Beispiel in Peking. Immer mehr Einhörner – junge Unternehmen mit einem Wert von über einer Milliarde US-Dollar – kommen aus der chinesischen Hauptstadt, womit sich Peking als würdiger Konkurrent von San Francisco erwiesen hat. Es ist demnach nicht verwunderlich, dass Pekings Innovationszentrum Zhongguancun, die Heimat von unter anderem Baidu, Sina und Lenovo, gerne auch als „Chinas Silicon Valley“ bezeichnet wird. Chinesische Innovatoren machen in den letzten Jahren vermehrt auf sich aufmerksam, die Namen von Tech-Titanen wie Baidu, Alibaba oder Tencent sind schon lange in aller Munde. Aber auch jenseits dieser Prominenz gibt es einige nennenswerte chinesische Innovatoren, die sehr erfolgreich in ihren jeweiligen Branchen sind.
Sinja Hahn
Wer das 21. Jahrhundert verstehen will, muss China verstehen. Ein Land auf dem Weg zurück zur Weltspitze
Zusammenfassung
China ist auf dem Weg, die führende Nation des 21. Jahrhunderts zu werden. Diese Entwicklung können wir nicht aufhalten. Wohin die Reise genau gehen wird, ist derzeit nicht absehbar. Jedoch sollte darüber Einigkeit herrschen, China ernst zu nehmen und die EU im Wettbewerb stark zu positionieren, um eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Aufgrund fehlender Kenntnisse zur chinesischen Gesellschaft tun sich Beobachter aus Deutschland recht schwer. Für China ist es eine Rückkehr an die Weltspitze, um das zu verstehen, lohnt ein Blick in die Geschichte des Landes.
Tobias Loitsch
China – Versuch einer pragmatischen Annäherung
Zusammenfassung
Dieser Beitrag versucht „China“ aus verschiedenen Aspekten, aber vor allem aus der Perspektive des langjährigen Bundestagsabgeordneten Dr. Hans-Peter Friedrich zu beleuchten. Zwischen Transatlantischer Überzeugung und China-Verbundenheit schreibt Dr. Friedrich: Vor über 20 Jahren war ich als neu gewählter Bundestagsabgeordneter mit meinem damaligen Landesgruppenvorsitzenden Michael Glos das erste Mal in China. Der erste Besuch in Peking in der „Großen Halle des Volkes“ und anschließend in der „Verbotenen Stadt“ bleibt mir in unvergesslicher Erinnerung. Diese Stadt stand und steht seit vielen Jahrzehnten für den Machtanspruch, das Selbstbewusstsein und das Potential Chinas.“ Auf den ersten Besuch sind viele weitere gefolgt und spiegeln sich in den zahlreichen Erfahrungen wider. Von diesen Erfahrungen berichtet Herr Dr. Friedrich und beginnt bei Chinas großer Geschichte, der Wissbegier vom Westen zu lernen, der Kommunistischen Partei Chinas und beschreibt die Erfolge und Herausforderungen, vor denen China steht, um seine Position in der Welt zu finden.
Hans-Peter Friedrich
Horizontwandel konkret – ChinaForum Tübingen als Modell
Zusammenfassung
Im Zuge einer Neuformierung des Chinawissens in Wissenschaft und Wirtschaft, in Unternehmen und Projekten, argumentiert der Beitrag für die Notwendigkeit einer China-Kompetenz, die die Ambivalenz und Vielfalt Chinas ernst nimmt, die Selbstwahrnehmung Deutschlands und die Fremdwahrnehmung Chinas kritisch reflektiert und so zu einem Horizontwandel beiträgt. Vor dem Hintergrund der historischen Dimension wird eine Neuformierung des Chinawissens in Wissenschaft, Wirtschaft, Unternehmen und Projekten skizziert, und anhand des Tübinger Modellprojektes ChinaForum werden konkrete Möglichkeiten der Umsetzung aufgezeigt.
Anno Dederichs
China – ein Erlebnis
Zusammenfassung
Das erste Mal in China – in den Provinzen Shangdong und Heilongjiang…! Die Fülle der positiven Eindrücke überrascht, weil man ja ständig automatisch mit der Heimat, mit Deutschland und Europa vergleicht, wenn man das erste Mal in dieses riesige fernöstliche Land reist: Man erlebt eine komplette funktionale Infrastruktur mit modernen Flughäfen, Bahnhöfen, pünktlichem Nah- und Fernverkehr auf Tausenden Kilometer neuer Trassen, gebaut in nur zehn Jahren. Überall funktionierendes WLAN, ob in Bus, Bahn, Hotel oder Restaurants. Auffällig für uns die Sauberkeit im öffentlichen Raum, kein Unrat, Papier und keine Zigarettenkippen in den Anlagen, keine Schmierereien an Häusern und an den Haltepunkten. Dies vielleicht nicht nur aufgrund der asiatischen Mentalität der Bewohner, sondern sicher auch dank der flächendeckenden Videoüberwachung.
Hubertus Domschke
The Geographical Characteristics of China’s Opening-up in the Past 40 Years and the New Realm in the Future
Abstract
The development of openness has profound geoeconomic implications. It means that regions and populations are gradually integrated into the global divisions of the labor and trade system and the modern economic and social system, as well as the continuous improvement of the environment for economic upgrading and innovation. In the past 40 years since reform and opening up, from the establishment of special economic zones to the launching of “the belt and road initiative”, China has shaped the geoeconomic pattern that adapts to open development, showing a geoeconomic logic of “point-line-surface” integration, breaking through continuously at international and domestic prospects. It has made brilliant economic achievements and created deep-seated economic changes and broad prospects for international cooperation. Today, with the globalization of economic interests, China needs to continue to push forward the development of openness in breadth and depth and to strive to form a new geo-economic layout at a higher level to reach a new state of open development. That is, to actively create new geoeconomic opportunities in the march towards a “powerful socialist modernization country”. We will create a new pattern of opening up in the construction of “the belt and road initiative”. In building a modern economic system, we should create a new environment for opening up to the outside world. In participating in global economic governance, we should practice the new concept of “promoting the construction of a community of human destiny”.
Li Dunrui
Warum nicht in den Osten blicken?
Zusammenfassung
Mit der Corona-Pandemie sind Deutschland und China sehr unterschiedlich umgegangen. Zögerndem Handeln in Deutschland steht konsequentes Agieren in China gegenüber. Während in Deutschland scheinbar das Recht auf individuelle Freiheit das Handeln bestimmt, hat in China der Schutz der gesamten Gesellschaft Vorrang. Priorität hat eine Null-Covid-Strategie. Infektionscluster werden gezielt verfolgt und mit einer schnellen und unbürokratischen Teststrategie wird sichergestellt, dass potenzielle Infektionen umgehend erkannt werden. Anstatt sich aber an Strategien in China zu orientieren, wird dem Land vorgeworfen, nicht rechtzeitig vor der sich anbahnenden Pandemie zu warnen. Dabei wird vergessen, dass die von China Ende Januar/Anfang Februar 2020 ergriffenen und zum Teil sehr drastischen Maßnahmen, wozu auch der komplette Lockdown von Wuhan und anderen Städte gehörte, in den westlichen Ländern als übertrieben belächelt wurden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte Deutschland mit gezielten Kontrollen an den Grenzen reagieren müssen.
Peter Tichauer
Die Neugestaltung der Globalisierung. Chinas Konzept einer ökologischen Zivilisation
Zusammenfassung
Der Beitrag widmet sich Chinas Neudefinition der Spielregeln für den internationalen Wettbewerb und dem Konzept einer ökologischen Zivilisation. Zudem wird gezeigt, dass Europa nur zu neuer Stärke finden kann, wenn sich Unternehmen intensiv mit dem chinesischen Markt beschäftigen und mit der Grundhaltung Chinas auseinandersetzen.
Alexandra Hildebrandt
Hat die Globalisierung Zukunft? Die Zukunft der Globalisierung
Zusammenfassung
Europa muss verstehen, dass die Globalisierung, wie wir sie kennen, ein Auslaufmodell ist. Der Wohlstand, den Europa durch die Globalisierung zwischen 1980 bis 2018 erfahren hat, beläuft sich auf errechnete 10,488 Billionen EUR. Diese Position ist durch die protektionistische Politik einiger Länder seit der Finanzkrise und durch die jüngste Einführung von Handelshemmnissen in Gefahr. Die Covid-19-Pandemie hat die Globalisierung noch weiter abgebremst. Die Industriestaaten haben jedoch aufgrund ihrer früher bereits getätigten Direktinvestitionen im Ausland (FDI) die Möglichkeit, diese Basis für eine neue industrielle Revolution zu nutzen und die Globalisierung auf eine andere Ebene zu heben. Nach der ersten industriellen Revolution mit der betrieblichen und internationalen Arbeitsteilung, der zweiten eher schleichenden Entwicklung der volkswirtschaftlichen Arbeitsteilung hin zur Spezialisierung, steht in der jetzt beginnenden Phase die „virtuelle Arbeitsteilung“ an. Die Mobilität, einem Merkmal der bisherigen Globalisierung, wird durch Virtualität ersetzt werden können. Die technischen Möglichkeiten der Robotisierung/KI/Automatisierung, des Information Sharings, des 3-D-Drucks, der Blockchain-Technologie usw. sind sämtlich vorhanden. Mehr Marktnähe, eine Robotisierung bestehender Produktionszentren, die Verkürzung und Reduktion der Wertschöpfungsketten sowie die Zurückverlagerung von Produktion wird technisch möglich. Eine Systemdiskussion mit China ist nicht zielführend, jedoch sind Maßnahmen zu ergreifen, um im Wettbewerb mit China gleiche Bedingungen zu schaffen. Das größte Hindernis für Europa ist die geringe Geschwindigkeit bei politischen Entscheidungsprozessen, die in der Umsetzung einen klaren Nachteil im Vergleich zur Umsetzungsgeschwindigkeit in Chinas Wirtschaft bedeutet. Dabei schafft auch das neue RCEP-Foreign Trade Agreement der 15 Pacific-Länder (ohne USA) neue Fakten. Europa muss die vorhandene Ausgangsposition durch die bisherige Globalisierung und durch die Technologieposition im Manufacturing nutzen. Der schnelle Umbau der Wirtschaft in eine „Smart Economy“ hilft, weitere Wettbewerbsvorteile zu realisieren und den Wohlstand zu sichern.
Helmut Merkel
Chinas komplexe Digitalwelt – Ein Überblick von Alibaba bis Zhihu
Zusammenfassung
Mit 58.990 Patenten überholte China im Jahr 2019 zum ersten Mal die USA bei der Anzahl der Anmeldungen und gelang an die Spitze des Welt-Rankings (DPMA 10.11.2020). Von der Werkbank der Welt verwandelt sich China zunehmend in ein innovatives Technologieland mit fast einer Milliarde Mobile-Only Internetnutzern. Das digitale Mindset und die Offenheit der Bevölkerung für neue Technologien, gepaart mit einer pragmatischen Mentalität und Flexibilität, führen dazu, dass China über ein eigenes digitales Plattform-Ökosystem verfügt und nach und nach auch unsere digitale Zukunft mitgestaltet. Mit den Tech-Giganten Baidu 百度, Alibaba 阿里巴巴, Tencent 腾讯 und ByteDance 字节跳动, der sogenannten BAT(+B)-Konstellation, macht China große Fortschritte in Bereichen wie 5G, Künstliche Intelligenz (KI), autonomes Fahren, digitale Bildung und E-Health. Doch die Verschlechterung der chinesisch-amerikanischen und chinesisch-europäischen Beziehungen bewirkt eine Spaltung des chinesischen und westlichen Internets und führt zu einem ausgeprägten Tech-Nationalismus in China. Umso wichtiger ist es in diesem Zusammenhang, die chinesische Digitalwelt und die Mentalität dahinter zu verstehen und China nicht zu unterschätzen.
Alexandra Stefanov
Joint Venture in China: Ein Auslaufmodell oder Kooperationsform der Zukunft?
Zusammenfassung
Agilität und schnelle Entscheidungen sind in der aktuellen Zeit des digitalen Wandels die Voraussetzungen, um wettbewerbsfähig und erfolgreich zu sein. Joint-Venture-Unternehmen hingegen eilt der Ruf voraus, aufgrund schwieriger Abstimmungsprozesse oder gemeinsamen Managementteams, die sich stärker dem jeweiligen Joint-Venture-Partner als dem Erfolg des Gemeinschaftsunternehmens verpflichtet fühlen, kompliziert, langsam und somit nicht mehr zeitgemäß zu sein. Hinzu kommt, dass sich der chinesische Markt für ausländische Investitionen in den vergangenen Jahren weiter geöffnet und der Joint-Venture-Zwang sukzessive abgenommen hat. Vor diesem Hintergrund stellt sich ausländischen Unternehmen zurecht die Frage, ob ein Joint Venture mit einem chinesischen Partner eine zu empfehlende Kooperationsform oder, sofern rechtlich möglich, zu vermeiden ist und soll im folgenden Beitrag diskutiert werden. Ein Joint Venture (Gemeinschaftsunternehmen) in China ist eine Kooperationsform, bei der zwei oder mehrere Unternehmen eine gemeinsame Gesellschaft gründen und führen, wobei eines der Partnerunternehmen aus China stammt.
Johanna Stepan-Meyer
China im Jahr 2050
Zusammenfassung
Über die letzten hundert Jahre hat sich China von einem Kaiserreich in eine Republik entwickelt und selbst seit 1912 noch weiter verändert. Deng Xiaoping’s Reform- und Öffnungspolitik, welche offiziell im Jahr 1978 der Kulturrevolution unter Mao Zedong folgte, war entscheidend in der rasanten Entwicklung Chinas. Seit den 1980er-Jahren hat sich China extrem verwandelt und rasant entwickelt. Die Frage, wie China in der Zukunft aussehen wird, wird daher oft gestellt, ist jedoch nicht leicht zu beantworten. In den nachfolgenden Abschnitten möchte ich verschiedene Aspekte (z. B. Innovation, Belt and Road, Klimawandel, Ausblick) erläutern und der Frage auf den Grund gehen, wie China im Jahr 2050 aussehen könnte und welche entscheidenden Trends die Entwicklung des Landes beeinflussen werden.
Stefan Piech
Chancen und Herausforderungen für europäische Start-ups in China
Zusammenfassung
3,627 Mrd. US$ erlösten die Top 10 chinesischen Start-ups bei ihren Börsengängen in Shanghai, New York und Hongkong innerhalb der letzten zwei Jahre. Die CEOs waren in allen zehn Fällen chinesisch. Woran liegt das? Wir beleuchten einen Teilaspekt der Antwort – den früh-phasigen Expansions- und Entstehungsprozess europäischer Startups in China. Hierbei wollen wir vor allem die Chancen und Herausforderungen für europäische Gründer in China herausarbeiten.
Kevin Wörner
Chinas Hightech-Sieg über Covid-19: Chancen einer neuen Normalität
Was Unternehmen über Chinas Post-Corona Realität wissen (müssen)
Zusammenfassung
2020 wird immer das Jahr bleiben, das der Welt die Corona-Pandemie brachte – und mit dem Virus eine beispiellose Zäsur in ihrem wirtschaftlichen, aber auch gesellschaftlichen Leben. Erstes Epizentrum war China. Zugleich war das Land eine der ersten Volkswirtschaften, die den Lockdown aufhoben und 2020 bereits im zweiten Quartal ein Wachstum vermelden konnten. Folglich ist China in politischen, wirtschaftlichen, aber auch privaten Debatten präsenter denn je. Was können und wollen wir von Chinas Krisenmanagement lernen? Wie entscheidend sind der technologische und zeitliche Vorsprung des Landes? Selbst Unternehmen, die nie in den chinesischen Markt eintreten werden, ist zu raten, in China tätige BranchenmitstreiterInnen anzuhören. Ich lasse (neben meiner Kollegin) fünf weibliche und fünf männliche Stimmen aus dem B2B- und B2C-Geschäft sowie aus der Politik und den Medien in China zu Wort kommen: die kanadische Präsidentin eines börsennotierten Chemieunternehmens, das deutsche Vorstandsmitglied einer Züricher Aktiengesellschaft, die chinesische Generalbevollmächtigte der größten deutschen Fluggesellschaft, den deutschen CEO eines inhabergeführten Pionierunternehmens in China, die schwedische Gründerin einer aufstrebenden Luxusmodemarke, den amerikanischen Gastronomie-Lebemann, die Marketingspezialistin eines schwäbischen Schokoladenherstellers, den neuseeländischen Gründer der ersten chinesischen Ginmarke, die deutsche Konsulin in China und den China-Auslandskorrespondenten einer überregionalen deutschen Tageszeitung.
Julia Henningsen
Vom Königreich der Fahrräder zur Share Economy und warum die Generation der Millennials ein entscheidender Faktor ist
Wie Technologie und Share Economy als Chance für Chinas Gesellschaft und Wirtschaft angenommen werden
Zusammenfassung
Fahrräder spielten in China seit ihrer Erfindung eine große Rolle. Eines zu besitzen war der Inbegriff eines modernen Lebens in einer aufstrebenden Gesellschaft. Heute sind Fahrräder zu digitalen Geräten geworden, sie sind Teil einer Share Economy geworden. Besonders in China hat sich diese Form des Teilens von Gütern stark entwickelt. Der chinesische Präsident Xi Jinping, lobte die Expansion der Sharing Economy als „neue treibende Kraft für die Wirtschaft“. Durch Technologie wird die Share Economy die chinesische Gesellschaft weiter vorantreiben. Es werden neue Wege der Ressourcennutzung entstehen und Ressourcenschonung tritt in den Blickpunkt.
Tobias Loitsch
Interkulturelle Bildung zur Stärkung der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit
Zusammenfassung
Kulturelle Besonderheiten beeinflussen Geschäftsbeziehungen und Initiativen zwischen China und Deutschland. Die Unterschiede in den formellen und informellen Institutionen zwischen den beiden Kulturräumen sind teilweise so stark, dass sie gemeinsame Projekte in Forschung oder Wirtschaft sowie die Ausrichtung auf den chinesischen Markt erheblich erschweren. Auch werden auf Grundlage der deutschen kulturellen Prägung in China getroffene Entscheidungen bewertet – mit Fragen bisweilen Kritik. Das chinesische Wertesystem beinhaltet wiederum, dass in nationale Entwicklungen nicht von anderen Ländern eingegriffen werden sollte. Die Erwartungshaltungen des jeweiligen Landes an den anderen Kulturraum führen damit regelmäßig zu Spannungsfeldern. Deshalb Kooperationen mit chinesischen Organisationen oder das Erreichen einer chinesischen Zielgruppe möglichst zu umgehen, ist für Deutschland jedoch eine weniger nachhaltige Lösung, als sich aktiv mit dem Land zu beschäftigen und passende Strategien vorzubereiten und zu verfolgen. Des Weiteren kann Deutschland Chancen in der kulturübergreifenden Zusammenarbeit erkennen und fördern. Sich gegenseitig zu verstehen und praktikable Wege zu finden, um mit kulturellen Differenzen umzugehen, stellen eine Basis dar, um sich gemeinsam auf globale Entwicklungen wie Umweltschutz oder Künstliche Intelligenz zu konzentrieren. Dafür notwendige China-Kompetenz und kulturelle Intelligenz in Deutschland können gestärkt werden: durch das Wissen über die kulturellen Unterschiede zwischen den Ländern und den Willen, die zugrunde liegenden Annahmen und Herangehensweisen Chinas überhaupt zu verstehen.
Stefanie Liliane Meyer
„The Battle of Giants“ ‒ wie das Paradigma der Digitalisierung am Beispiel der Luxus-Fashion-Industrie in China entschieden wird
Zusammenfassung
Chinas Innovationskapazität zeichnet sich durch die schnelle, marktnahe Entwicklung und Implementierung von neuen Technologien in innovativen und kreativen digitalen Geschäftsmodellen aus. Zu Zeiten einer Pandemie ist diese Kompetenz für alle Industrien vital, um relevant zu bleiben und zu überleben. Digitalisierung wird zum Paradigma, doch um welchen Preis? Wie gestaltet man kundenzentrierte Geschäftsmodelle, die zukunftsfähig sind? Anhand der Luxusindustrie zeigt sich das Dilemma in besonderem Maße, denn die inhärente Exklusivität der persönlichen Luxuserfahrung liegt in der DNA des Luxuskonsums. Bis zuletzt war die Luxusbranche daher wenig vom Paradigma der Digitalisierung betroffen. Umso härter treffen die Industrie die abrupten weltweiten Einschränkungen im Einzelhandel.
Miriam Theobald, Marcel Münch
A western view on Westlake University’s way to reform China’s education system
Zusammenfassung
In weniger als 40 Jahren hat China einen Wandel vom Entwicklungsland zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt vollzogen und seine Türen für die wirtschaftliche Globalisierung geöffnet. China hat in den letzten Jahren eine noch stärker global-vernetzte Vision beispielsweise durch großangelegte Infrastrukturprojekte propagiert, zu deren Umsetzung gut ausgebildete menschliche Talente ein entscheidender Erfolgsfaktor sind. Nach der erfolgreichen Durchführung von internationaler Talentakquise wird die Etablierung eines zeitgemäßen Bildungssystems, das auf der Ausbildung „eigener Talente“ fußt, in den kommenden Jahren immer wichtiger werden. Daher wurde 2018 in Hangzhou die Westlake Universität gegründet, eine neue gemeinnützige und private Universität, die amerikanischen Eliteuniversitäten nachempfunden ist, um die nächste Generation von Innovatoren auszubilden und Weltklasseforschung zu machen. In diesem Kapitel geben wir einen kurzen Überblick über das chinesische Bildungssystem und stellen dann die Westlake Universität und ihre Vision vor, eine wesentliche „Brücke“ zwischen China und dem Westen zu werden. Wir analysieren die Chancen und Herausforderungen, die sich ergeben, wenn eine neu entstandene „Westlake-Philosophie“ auf Chinas traditionelles, durch eine lange Geschichte und Kultur geprägtes Bildungssystem trifft. Am Ende stellen wir unsere eigene Sichtweise auf das Westlake-Universitäts Konzept vor.
Thomas-Cherico Wanger, Mingqi Xie
Harmonie durch Kontrolle? Chinas Sozialkreditsystem
Zusammenfassung
Das beispiellose Wirtschaftswachstum der vergangenen 40 Jahre hat seine Spuren hinterlassen und stellt die Volksrepublik vor komplexe Aufgaben. Neben verheerenden ökologischen Schattenseiten konnten wichtige strukturelle Aspekte des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens dem Tempo nicht standhalten. Darüber hinaus brachte der „amerikanische Traum“ den Hunger nach Status, schürte Ungleichheit und Rücksichtslosigkeit in der Bevölkerung, mit folgenreichen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen. Um auf Erfolgskurs zu bleiben und die Stabilität des Landes zu wahren, besinnt sich die chinesische Regierung mit ihrer Vision einer harmonischen Gesellschaft zurück auf alte, konfuzianische Werte. Ein Sozialkreditsystem soll die Vertrauens- und Aufrichtigkeitskultur fördern und alle gesellschaftlichen Akteure über Anreiz- und Lenkungsmechanismen zu ökologischem und sozialem Verhalten motivieren. Mit Chinas wirtschaftlichem Aufstieg geht eine signifikante wirtschaftliche wie geopolitische Machtverlagerung einher. Zeigt die Volksrepublik angesichts der globalen ökonomischen, ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit neue Wege auf?
Madeleine Genzsch
Historische Ereignisse Chinas auf dem Weg in das 21. Jahrhundert
Zusammenfassung
2. Jh. v. u. Z. Erfindung des Papiers.
Tobias Loitsch
Metadaten
Titel
China im Blickpunkt des 21. Jahrhunderts
herausgegeben von
Tobias Loitsch
Copyright-Jahr
2021
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-63378-6
Print ISBN
978-3-662-63377-9
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-63378-6