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28.06.2024 | Cloud Computing | Interview | Online-Artikel

"Cloud ist nicht gleich Cloud"

verfasst von: Lea Sommerhäuser

5 Min. Lesedauer

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Im Interview betont Software-Experte Sridhar Iyengar, dass sich die Cloud mittlerweile zu einer tragenden Säule entwickelt hat, die aus der heutigen Geschäftswelt nicht mehr wegzudenken ist. Ihr volles Potenzial habe sie allerdings noch nicht ausgeschöpft.

springerprofessional.de: Herr Iyengar, wie beurteilen Sie die Entwicklung der Cloud – insbesondere mit Blick auf die vergangenen Krisen?

Sridhar Iyengar: Wir haben festgestellt, dass die Vielzahl der Krisen und ihre unmittelbaren Folgen für viele Unternehmen eine Art Weckruf darstellen. Dabei muss natürlich zwischen Regionen und Branchen unterschieden werden. Generell ist aber deutlich, dass die Folgen des Russland-Ukraine-Kriegs, aber auch unterbrochene Lieferketten im Zuge der Pandemie oder der anhaltende Fachkräftemangel in Deutschland viele Unternehmen vor große Herausforderungen stellen, die ein hohes Maß an Resilienz erfordern. Wer sich im Krisenfall nicht an neue Spielregeln anpassen kann, wird nicht lange wettbewerbsfähig bleiben. Hier hat sich die Cloud als zentraler Baustein für die notwendige Resilienz erwiesen, etwa durch höhere Flexibilität, bessere Kostenkontrolle und Automatisierungsfunktionen. Natürlich müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass die Cloud-Technologie kein Allheilmittel ist, aber sie hat sich zu einer tragenden Säule entwickelt, die aus der heutigen Geschäftswelt nicht mehr wegzudenken ist und ihr volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat.

Niedrige Kosten, Skalierbarkeit und eine bessere Zusammenarbeit zwischen verteilten Teams motivieren Unternehmen zum Gang in die Cloud. Aber kann die Cloud ihre Versprechen auch langfristig halten?

Hier müssen wir deutlich differenzieren: Zum einen ist Cloud nicht gleich Cloud, denn es gibt zahlreiche Anbieter, Lösungen und Strategien. Zum anderen kommt es auch immer darauf an, welche Entscheidungen Unternehmen treffen. Daten und Workloads in die Cloud zu migrieren und auf den großen Erfolg zu warten, wäre naiv. Vielmehr muss das Gesamtpaket stimmen, etwa eine ausgearbeitete Strategie mit definierten KPIs oder eine ausführliche Evaluationsphase für Anbieter und Lösungen. Darüber hinaus spielen Aspekte wie Change Management oder flexible Kostenmodelle eine große Rolle. Entscheidend ist meiner Meinung nach aber auch die Erkenntnis, dass die Cloud kein einmaliger Schritt mit einmaligen Investitionen ist, sondern ein Prozess, der immer wieder auf Evaluierung und Optimierung angewiesen ist. Mit der richtigen Strategie und den passenden Lösungen wird die Cloud nicht nur langfristig ihre Versprechen einhalten, sondern sich auch zum neuen Standard entwickeln – aber eben nur dann.

Worauf sollten Anwender achten, wenn sie sich für einen Cloud-Anbieter entscheiden?

Besonders mit Blick auf den Kosten-Nutzen-Faktor zeigt die aktuelle Entwicklung, dass sich Lösungen von Hyperscalern und Cloud-Anbietern ohne eigene Serverinfrastruktur immer öfter als unwirtschaftlich entpuppen. Die Gründe dafür sind ganz praktischer Natur – weil der wachsende Speicherplatzbedarf die Betriebskosten in die Höhe treibt, legen immer mehr Anbieter die anfallenden Kosten auf ihre Kunden um. Bei der Suche nach einer geeigneten Cloud-Lösung ist daher der Faktor einer eigenen, unabhängigen Infrastruktur ein entscheidender Aspekt. Anbieter, die eigene Rechenzentren betreiben, besitzen mehr Kontrolle über die Kosten und Lieferketten, was zu mehr Transparenz führt. Darüber hinaus sollten Unternehmen auch auf eine einsehbare Roadmap und zukünftige Ziele der Anbieter achten, denn schnelles Wachstum, Übernahmen oder der Wechsel des Bezahlmodells können direkte Auswirkungen auf die Kunden haben. Planen Anbieter bereits damit, sich auf lange Sicht aus dem Geschäftsbereich zurückzuziehen oder einschneidende Veränderungen vorzunehmen, sinkt das Vertrauen der Kunden immens. Es geht also um Transparenz, Planbarkeit und Vertrauen.

Welche Alternativen haben Unternehmen zu den Angeboten der Hyperscaler wie Amazon, Google und Microsoft?

Generell beobachten wir eine Marktentwicklung, die von Skepsis gegenüber den Angeboten der Hyperscaler zeugt. So haben sich prominente Namen wie Netflix oder Dropbox bereits von den Platzhirschen abgewandt und betreiben ihre Infrastruktur und Server selbst. Für die meisten Unternehmen ist das natürlich allein aus Kostengründen keine Alternative, muss es aber auch nicht. Der Markt hat bereits reagiert und es gibt Anbieter, die Cloud-Lösungen mit eigener, unabhängiger Infrastruktur für Unternehmen jeder Größe anbieten.

Eine Umfrage von Ihrem Unternehmen und Censuswide hat ergeben, dass von 300 deutschen Unternehmen jedes fünfte zu viel Geld in Cloud-Services investiert. Mit welcher Strategie lassen sich Kostenexplosionen verhindern?

Wie bei einem Hausbau kommt es dabei auf ein solides Fundament an, im Falle der Cloud also auf eine solide Implementierungsstrategie. Unternehmen, die vor Beginn der Migration ihre Hausaufgaben gemacht, Risiken aufgedeckt und technologische Funktionalitäten überprüft haben, sind bestens aufgestellt. Viele Unternehmen stolpern bei der Umsetzung über die fehlende Kompatibilität, was sich schnell in Datensilos und fehlender Kommunikation zwischen einzelnen Komponenten deutlich macht. Eine eingehende technische Analyse ist daher Pflicht. Bei der Wahl des passenden Anbieters geht es auch darum, ein Kostenmodell und eine Lösung zu finden, die sich an die eigenen Anforderungen anpassen und genau die Ressourcen zur Verfügung stellen, die das Unternehmen auch tatsächlich benötigt. Wichtig ist ebenfalls die einfache Skalierbarkeit und ein Überblick über entstehende Kosten, wenn das Unternehmen wächst und mehr Rechenleistung benötigt. Um hier keine unliebsamen Überraschungen zu erleben, sollten die Modalitäten direkt zu Beginn der Migration auf dem Tisch liegen.

Wie können Unternehmen sicherstellen, dass sie auch in Zukunft trotz schneller technologischer Veränderungen von den wirtschaftlichen Vorteilen der Cloud profitieren?

Neben der Auswahl des Cloud-Providers sind die regelmäßige Überprüfung und die Anpassung der Cloud-Nutzung entscheidend. Unternehmen sollten ihre Ausgaben kontinuierlich überwachen und optimieren, um unnötige Kosten zu vermeiden. Durch den Einsatz von Monitoring- und Management-Tools können sie Ressourcen besser steuern und Kosten transparent halten. Insgesamt sichert eine fundierte Strategie in Kombination mit einer flexiblen und kontinuierlichen Anpassung der Cloud-Nutzung die langfristige Wirtschaftlichkeit und verhindert Kostenexplosionen. Für ein langfristige Wettbewerbsfähigkeit spielen aber auch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) eine zentrale Rolle, um Automatisierungspotenziale zu erhöhen und die Effizienz zu steigern. Wer in die Cloud geht, sollte also sicherstellen, dass mit den Investitionen auch der Zugriff auf neue Tools und Features abgedeckt ist.

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