IT-Budgets dürfen nicht explodieren
- 03.07.2024
- Cloud Computing
- Gastbeitrag
- Online-Artikel
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Lange Zeit galt die Cloud als das Kostenwunder am IT-Himmel. Heute ist klar: Wer die hybride und komplexe Cloud-Landschaft nicht effektiv managt, zahlt drauf. FinOps soll das ändern.
Das Budget im Blick: Wer Cloud-Anwendungen einer konkreten Kostenstelle zuordnet, gewinnt eine ganzheitliche Sicht, die Anpassungen und Einsparungen ermöglicht.
HappyBall3692 / Stock.adobe.com
Das Wachstum der Cloud ist momentan eine der wenigen Konstanten in der IT. Während die Kosten weiter steigen und der Hype um Künstliche Intelligenz (KI) nach neuen Investitionen verlangt, setzt die Cloud unbeirrt das Wachstum der vergangenen Jahre fort. Nach dem State of the Cloud Report 2024 von Flexera liegt der Anteil an Unternehmen mit intensiver Cloud-Nutzung derzeit bei 71 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist das immerhin ein Sprung von 6 Prozent (2023: 65 Prozent). Der Mittelstand gehört dabei zu den größten Cloud-Anwendern: 61 Prozent der Workloads laufen in den Wolken, 60 Prozent der Daten werden dort gespeichert.
Der anhaltende Wachstumskurs der Cloud birgt aber auch Probleme – allen voran die enorme Komplexität von Cloud-Infrastrukturen. Die große Mehrheit der Unternehmen verfolgt einen hybriden Ansatz und nutzt sowohl Public als auch Private Clouds (73 Prozent). Zudem finden sich im Portfolio bei 89 Prozent mehrere Clouds von unterschiedlichen Anbietern, die verwaltet werden wollen. Angesichts dieser Vielschichtigkeit wundert es eigentlich nicht, dass die Kosten für die Cloud in vielen Unternehmen explodieren und die IT-Budgets regelmäßig überschreiten – im Durchschnitt um 15 Prozent.
Wie viel kostet die Cloud im Jahr tatsächlich? Bei 29 Prozent der Unternehmen erreichen die Ausgaben für die Public Cloud mehr als 12 Mio. US-Dollar. Die Zahl derer, die monatlich 1 Mio. US-Dollar oder mehr ins Cloud Computing investieren, ist um stattliche 21 Prozent gestiegen. Selbst in kleinen und mittelständischen Unternehmen entfallen bei rund einem Drittel (34 Prozent) mehr als 1,2 Mio. US-Dollar auf den Cloud-Haushalt.
Die Kosten zu verstehen und zu managen, geschweige denn sie zu optimieren und zu reduzieren, bleibt eine Herausforderung. Ein gutes Beispiel ist Software as a Service (SaaS): Ihr Anteil am IT-Budget hat im letzten Jahr ein neues Rekordhoch erreicht. Trotzdem tun sich viele Unternehmen sehr schwer damit, die Cloud-Anwendungen einer konkreten Kostenstelle zuzuordnen und so eine ganzheitliche Sicht zu gewinnen, die Anpassungen und Einsparungen ermöglicht.
Cloud-GenAI-Services stehen in den Startlöchern
Mit dem Trend um GenAI verschärft sich die Kostenkrise weiter. Es gibt wohl kaum einen Anbieter, der in den vergangenen Monaten keine neuen "intelligenten" Services, Features oder Tools auf den Markt gebracht hat. Auf Anwenderseite stoßen sie auf großes Interesse: So nutzt bereits ein Viertel der Unternehmen (25 Prozent) Cloud-GenAI-Services ausgiebig für das tägliche Arbeiten. Weitere 38 Prozent experimentieren bereits damit.
Dafür, dass GenAI vor knapp eineinhalb Jahren auf der Bildfläche erschienen ist, lassen diese Zahlen aufhorchen – zumal die Lösungen weitere Investitionen voraussetzen, deren Mehrwert längst noch nicht sicher ist. Da viele Anbieter planen, KI-Features in bestehende Produkte zu integrieren, ändern sich über kurz oder lang auch bestehende Lizenzverträge und Preismodelle. Wie alle IT-Assets müssen also auch ChatGPT, Microsoft Copilot und Co. gemanagt werden – einschließlich ihrer Kosten. Andernfalls stehen IT-Verantwortliche schon bald vor einer Variante der Schatten-IT, wenn nämlich GenAI-Services und -Tools an der IT vorbei ihren Weg auf die unternehmenseigenen Rechner finden.
Es gibt also gute Gründe, warum das Kostenmanagement von IT-Assets – und insbesondere der Cloud – in den Vordergrund rückt. Für die praktische Umsetzung etabliert sich hier zunehmend FinOps, das als Betriebsmodell der Cloud Finance und DevOps zusammenbringen soll. Die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent) verfügt bereits über ein dezidiertes FinOps-Team. Weitere 20 Prozent planen in den nächsten zwölf Monaten eine derartige Taskforce aufzubauen.
FinOps arbeitet eng mit dem IT-Asset-Management (ITAM) zusammen, um einen ganzheitlichen Einblick in die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO) zu gewinnen. Ziel ist es, die komplette Cloud-Infrastruktur an die tatsächlichen betriebswirtschaftlichen Anforderungen des Unternehmens auszurichten.
Das Modell ist in drei Phasen unterteilt
Informieren: Zunächst geht es darum, Transparenz im Cloud-Estate zu schaffen. Welcher Cloud-Service wird von welcher Abteilung in welchem Umfang genutzt? Welcher Mehrwert liefert dieses Cloud-Asset? Und wie hoch liegen die Kosten? Immer mehr Unternehmen (43 Prozent) setzen auf das Unit Economics-Modell, um diese Fragen zu beantworten (2023: 39 Prozent). Die Kosten-Nutzen-Analyse wird dabei auf jede einzelne, identifizierbare Einheit angewandt (z.B. Cloud-Instanz, SaaS). Das soll langfristig und nachvollziehbar den Cloud-RIO sicherstellen.
Optimieren: Die Transparenz hinsichtlich der Kostenstellen ermöglicht es im nächsten Schritt, Schraubstellen zu identifizieren und die Ausgaben zu reduzieren. Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Optimierung: Unternehmen fahren z.B. ihre Cloud-Nutzung herunter (etwa weniger Workloads nach Geschäftsende), entfernen unnötige Cloud-Assets (etwa überdimensionierte Instanzen) oder versuchen den Preis zu senken (etwa über Rabatte der Cloud-Anbieter).
Betreiben: Sind die Einsparungspotenziale erstmal identifiziert, müssen Unternehmen die Maßnahmen im laufenden IT- und Cloud-Betrieb kontinuierlich überprüfen und anpassen. Dabei lassen sich Best Practices aufstellen und Prozesse weiter automatisieren. Das Schöne an FinOps: Dank der eindeutigen Zuordnung der Kosten sehen Projektleiter und Führungskräfte sehr klar, welche Cloud-Asset sich im betriebswirtschaftlichen Sinn lohnen. Das macht es einfacher, Entscheidungen zu treffen und den eng bemessenen IT-Haushalt zu planen.
Dass FinOps nicht nur ein theoretisches Modell ist, sondern echte Resultate liefert, zeigt ebenfalls die Umfrage des State of the Cloud Reports: Unnötige Cloud-Ausgaben für Infrastructure as a Service (Iaas) und Platform as a Service (PaaS) sind – nach einem Rekordhoch von 32 Prozent im Jahre 2022 – tendenziell rückläufig (27 Prozent). FinOps wirkt also.