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Über dieses Buch

In diesem Sammelband wird eine Welt- und Zeitreise in 21 Ländern auf nicht weniger als sechs Kontinente unternommen. So soll die globale Rezeption eines der bis dato größten Medienereignisse Kontur erhalten. Anhand der Berichterstattung über die erste bemannte Mondlandung kann so die Globalgeschichte im/des Kalten Krieges zu Zeiten des Space Racesowohl in ihren vielen unterschiedlichen lokalen Facetten als auch in ihrer weltweiten Vernetzung erzählt werden.

Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Bestrebungen diverser Länder, wieder auf den Mond zurückzukehren oder gleich eine Weltraumarmee zu gründen, wie auch in Anbetracht der überaus angespannten geopolitischen Lage, die bereits vielerorts als ‚Kalter Krieg 2.0‘ beschworen wird, scheint solch ein weltumspannender Blick zurück in die Zeit des ‚Kalten Krieges 1.0‘ durchaus von Relevanz, um Gegenwart und nahe Zukunft politischer (Medien-)Kulturen besser zu verstehen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Frontmatter

Viermal um die ganze Welt zur Einführung

Die erste bemannte Mondlandung als Medium einer Globalgeschichte im Kalten Krieg
Zusammenfassung
Es wird diskutiert, inwiefern die Berichterstattung über die erste bemannte Mondladung als Ausgangspunkt für eine globalgeschichtliche Betrachtung dienen kann. Vier unterschiedliche globalgeschichtliche Zugänge werden vorgestellt, die in diesem Zusammenhang besonders produktiv sind. Im Einzelnen handelt es sich um Globalgeschichte (1) als kommunikationstechnologische Globalisierung, (2) als transnationales und -kontinentales Additionsverfahren, (3) als komparatistische Unternehmung sowie (4) als reflexive Glokalisierung. Diese vier Zugriffe werden mit den Perspektiven, die die Beiträge des vorliegenden Sammelbandes entfalten, abgeglichen, veranschaulicht und so en passant vorgestellt, was der Leser und die Leserin in den jeweiligen Texten zu erwarten haben.
Sven Grampp

Deutschland (Ost/West)

Frontmatter

Bilder vom Mond

Die Berichterstattung im DDR-Fernsehen
Zusammenfassung
Bis zu der amerikanischen Mondlandung konnte sich die Sowjetunion ebenfalls mit spektakulären Erfolgsmeldungen in dem machtpolitischen Wettlauf um die wissenschaftliche, technologische und letztlich geostrategische Vorherrschaft im All gut behaupten. Die damit verbundenen Botschaften angeblich friedenssichernder Weltraumforschung, sozialistischer Leistungsfähigkeit und eines optimistischen Fortschrittsglaubens wurden im gesamten Einflussbereich als identitätsstiftende Narration nach innen wie nach außen verbreitet und in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben. Als zentrale Herrschaftsdiskurse konstruierten sie eine mental map Osteuropas. Galt es doch, ideologische, semantische und kulturelle Differenzen zu markieren und sich mit positiver Selbstbeschreibung von jener Phalanx pluralistischer Demokratien abzugrenzen, die Meinungsfreiheit und weitere Menschenrechte propagierten oder mit marktwirtschaftlicher Potenz und individuellem Lebensstil warben – und vielfach überzeugten. So bestimmten die extraterrestrischen Sphären auch zahlreiche genreübergreifende Angebote des DDR-Fernsehens als herausgehobene Medienevents: ‚Kosmovision‘ wurde zu einem der paradigmatischen ‚Generalthemen‘ wie der verinnerlichte Antifaschismus, die verklärte Arbeiterbewegung oder die Demonstration wirtschaftlicher und militärischer Stärke. Die darauf abgestimmten Sendungen lassen sich als ein sozialistisch codierter Fernsehauftrag deuten, der sich in den miteinander verbundenen ‚Volksdemokratien‘ auf die gleichen weltanschaulichen Prämissen stützte. Die Berichterstattung, Kommentierung und Aufarbeitung rund um die Weltraumaktivitäten und ihre Protagonisten durchzogen das Programm von Ende der 1950er bis in die 1970er Jahre umfangreich, nachhaltig und wirkmächtig. Die Funkmedien in Ostdeutschland taten sich hier besonders hervor. Denn die DDR lag als Transitland bei der internationalen Programmübertragung an der Nahtstelle der beiden Gesellschaftssysteme. Sie musste extern das ‚sozialistische Weltsystem‘ vertreten und intern ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber der westdeutschen Referenz- und Klassengesellschaft täglich unter Beweis stellen.
Thomas Beutelschmidt

„Das war jetzt Lunavision“

Die erste bemannte Mondlandung in der ARD
Zusammenfassung
Anlässlich der ersten bemannten Mondlandung am 20./21. Juli 1969 produzierte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) für die ARD eine fast 24 h dauernde Sondersendung, die heute Legendenstatus genießt. Im Unterschied zur Apollo 11-Berichterstattung vieler anderer Anstalten ist sie zu großen Teilen erhalten, ebenso wie der dazugehörige Schriftverkehr im WDR-Archiv. Auf Basis dieser Quellen stellt der vorliegende Aufsatz die Sendung in ihrer Genese, ihrer Struktur und ihrem Ablauf sowie ihrer zeitgenössischen Rezeption vor. Er zeigt, wie die Sendung mit drei einander häufig überlappenden Betrachtungsebenen operiert – einer wissenschaftlich-technischen, einer politischen und einer selbstreferenziellen – und dabei implizite und explizite Positionierungen vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs vornimmt. So wird im Modus der Wissenschaftsberichterstattung auf unkritische Weise eine deutsche Urheberschaft an der Mondlandung verhandelt. Diese Aneignung steht im Kontrast zur selbstreflektierten und betont ausgewogenen Beobachterposition, welche die Sendung bei der expliziten Behandlung politischer Fragestellungen herausstellt. In der wiederholten Thematisierung der Apollo-Berichterstattung in anderen Ländern mischen sich wiederum politische und selbstreferenzielle Momente. Für die Journalisten im Studio ist die Mondlandung in der Stunde ihrer Realisierung in erster Linie ein globales Medienereignis, die historisch-philosophische Einordnung wird prominenten Stimmen aus Kultur, Kirche sowie Geistes- und Sozialwissenschaften überlassen. Eine kurze Untersuchung der zeitgenössischen Sendungsrezeption zeigt, dass auch diverse Zuschauerreaktionen und Pressekommentare die technische und pädagogische Leistung des Fernsehens als mindestens gleichbedeutend mit der eigentlichen Raumfahrtunternehmung bewerteten. Wie singulär das Medienereignis Apollo 11 für die Raumfahrtberichterstattung im westdeutschen Fernsehen war, belegt der Vergleich mit den nachfolgenden Apollo-Übertragungen in der ARD und dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF).
Rainer Bobon

Tschechoslowakei

Frontmatter

Der Himmel über Prag, eine Intervision

Facetten, Formen und Funktionen der Berichterstattung über die erste bemannte Mondlandung in der Tschechoslowakei
Zusammenfassung
In vorliegendem Text soll zum einen die tschechische Presseberichterstattung über die erste bemannte Mondlandung untersucht werden. Insbesondre die unterschiedlichen Motive und Narrateme, die sich darin finden, werden systematisch vorgestellt. Zum andere soll deutlich gemacht werden, dass sich das tschechoslowakische Fernsehen während der Berichterstattung über die Apollo 11-Mission als Relaisstation (trans-)globaler Vernetzung und televisionärer Vergemeinschaftung über den Eisernen Vorhang hinweg in Szene setzte.
Sven Grampp

Jugoslawien & Rumänien

Das Ereignis des Jahrhunderts und die Erfindung des Jahrhunderts

Die Apollo 11-Übertragungen des jugoslawischen und des rumänischen Fernsehens im Spiegel der Presse
Zusammenfassung
Jugoslawien und Rumänien gehören zu denjenigen Staaten des östlichen Europas, in denen das Fernsehen die erste bemannte Mondlandung im Juli 1969 live übertrug. Sowohl das blockfreie Jugoslawien als auch Rumänien als Mitglied des Warschauer Pakts orientierten sich in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre politisch stark nach Westen. Das galt auch für die Fernsehanstalten beider Länder. Der Aufsatz zeichnet nach, in welchem Umfang und auf welche Weise das jugoslawische und das rumänische Fernsehen von der Mondmission Apollo 11 berichteten, und untersucht, welche gesellschaftlichen Selbstbeschreibungen angesichts der Mondlandung und ihrer Übertragung zutage treten. Da die Fernsehsendungen nicht erhalten sind, dienen vor allem zeitgenössische Zeitungen und Zeitschriften als Quelle. In der Presse beider Länder erweist sich eine vordergründig unpolitische Deutung der Mondlandung als wissenschaftlich-technische Errungenschaft der ganzen Menschheit als sehr prominent. Der Aufsatz zeigt jedoch, dass sich insbesondere in der Berichterstattung über die Fernsehübertragung durchaus unterschiedliche Auffassungen über den Charakter des Ereignisses manifestieren – und entsprechende Selbstbilder. Für die jugoslawische Presse ist die Mondlandung ein globales Medienereignis. Die Fernsehberichterstattung über Apollo 11 weist das Land als selbstverständlichen Teil einer globalen Kommunikationsgemeinschaft aus, der sich Länder wie die Sowjetunion und China bewusst entzögen. Die rumänische Presse blendet die mediale Dimension der Mondlandung weitgehend aus und stellt deren wissenschaftliche Bedeutung in den Vordergrund. Damit bindet sie das Geschehen im Weltraum an einen nach innen gerichteten Modernisierungsdiskurs an, dessen zentrale Bezugspunkte der Nationalstaat und Staatschef Nicolae Ceaușescu sind.
Rainer Bobon

Sowjetunion

Frontmatter

„Gloom and embarrassment over the landing of the United States astronauts…“

Die Mondlandung als sowjetisch-amerikanisches Medienereignis
Zusammenfassung
Der ‚Wettlauf zum Mond‘ und die amerikanische Mondlandung waren im Kalten Krieg bedeutende symbolische Medienereignisse, die über den Eisernen Vorhang hinweg synchrone, transnationale Kommunikationsräume schufen. Solche Medienereignisse verdichteten den Systemwettbewerb und machten ihn so für die Menschen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs wahrnehmbar und interpretierbar. Die Mondlandung lässt sich in einer mediengeschichtlichen Perspektive als eine Verflechtungsgeschichte des Kalten Krieges erzählen, weil sie eine Geschichte der gegenseitigen transnationalen Beobachtung war: die Beobachtung der Raumflüge von Apollo 11 und Luna 15 sowie der wechselseitigen Reaktionen auf die Beobachtungen der ‚Anderen‘. Anhand der Mondlandung untersucht der Beitrag daher, wie die politischen Blöcke die nationalen Öffentlichkeiten und ihre Diskurse unter den polarisierten Bedingungen des Kalten Krieges miteinander verflochten. Im Mittelpunkt stehen dabei die jeweiligen Auslandskorrespondenten, die im Sinne Niklas Luhmanns Vorstellungen über die jeweils andere Gesellschaft vermittelten. Es waren maßgeblich die Korrespondenten, die zur gegenseitigen Beobachtung beitrugen und über die jeweilige Fremdbeobachtung der ‚anderen‘ Seite berichteten. Daher wird gefragt, wie die Korrespondenten den Systemwettbewerb medial konstruierten, wie ihre Reportagen die Ereignisse durch die gegenseitige (Fremd-)Beobachtung politisierten, über die sich die ideologischen Blöcke annähern und abgrenzen konnten. Verdeutlicht werden soll, dass die öffentliche, grenz- und blocküberschreitende Kommunikation Ereignisse zum einen konstituierte und zum anderen in der spezifisch binären Kommunikationslogik des Kalten Krieges selbst zu einem Ereignis werden konnte. Dabei produzierten die wechselseitigen medialen Beobachtungen im Kalten Krieg konkurrierende Vorstellungen über den ‚Anderen‘. Sie aber stellten bei aller Konkurrenz auch Relationen und Verflechtungen her, die mitunter die binäre Logik des Kalten Krieges aufbrachen.
Kirsten Bönker

China

Frontmatter

Von Peenemünde bis Peking

Die VR China auf dem Langen Marsch in den Weltraum
Zusammenfassung
Der vorliegende Artikel beschreibt die Entstehung des chinesischen Raumfahrtprogramms, dessen Ursprng sich weniger des Mondfiebers in den späten 1960er Jahren als der transnationalen Vernetzung seiner Akteure verdankt. Eine zentrale Rolle in dem weltumspannenden Wissenstransfer in der Zeit des Kalten Kriegs spielte Qian Xuesen, der Vater des chinesischen Raumfahrtprogramms. Nach einer herausragenden Karriere in der amerikanischen Raketenentwicklung seit den 1940er Jahren wurde er in der McCarthy-Ära der Spionage verdächtigt und konnte nach diplomatischen Interventionen 1955 in die Volksrepublik China zurückkehren. Gefeiert für seine Leistungen bei Aufbau und Entwicklung des chinesischen Raumfahrtprogramms gilt er heute nicht nur als Nationalheld, sondern auch als zentraler Referenzpunkt im zeitgenössischen Mondfieber Chinas.
Marc Matten

Japan

Frontmatter

Japan im Weltraumfieber

Gagarins Japanbesuch und die Apollo-Mondlandung als Medienereignisse
Zusammenfassung
Der mit der Verbreitung der ersten medialen Bilder der Erde einhergegangenen Universalisierung und Globalisierung des Weltbildes soll in diesem Beitrag eine partikulare japanische Perspektive auf ein Phänomen, das gemeinhin als Space Race in die Geschichtsbücher eingegangen ist, an die Seite gestellt werden. Dazu wird die globale Mediatisierung dieser extraterrestrischen Ereignisse im soziopolitischen Zeitgeschehen der Nachkriegszeit in Japan verortet. Analysiert wird die geteilte Presseberichterstattung über den Japanbesuch Gagarins im Jahr 1962 und die Inszenierung der Apollo-Mondlandung durch das japanische Fernsehen. Ein besonderer Blick wird dabei auf techno-nationalistische Selbstbehauptungsdiskurse Japans auf dem Gebiet der Elektronikindustrie gelegt. Denn aus japanischer Sicht war das Space Race auch ein Camera Race, ein globaler ökonomischer Kampf um internationale Anerkennung für hochwertige japanische Kameratechnologie.
Fabian Schäfer

Australien

Frontmatter

Space Dish

Australiens Rolle bei der Mondlandung und der Blick in die eigene Vergangenheit
Zusammenfassung
Die astronomische Infrastruktur Australiens mit ihrer großen Zahl an Sende- und Trackinganlagen war zum Zeitpunkt der ersten bemannten Mondlandung bereits lange Teil der US-amerikanischen Raumfahrtbemühungen und schließlich für die Übertragung der Live-Bilder vom Mond am 21. Juni 1969 – und damit für den vorläufigen Sieg im Space Race – essenziell. In diesem Beitrag wird Australien daher unter zwei Gesichtspunkten betrachtet. Zum einen wird die Rolle Australiens für die Mondlandung als ein, wenn nicht sogar das, Medienereignis vor allem in ihrer Diskursivierung in den australischen Medien beleuchtet. Daran lässt sich zeigen, dass die technologische Ermöglichung der Wahrnehmung des Ereignisses bisweilen wichtiger scheint als die der Mondlandung selbst. Zum anderen wird betrachtet, inwiefern die Übertragung der ersten bemannten Mondlandung im Kontext des Kalten Krieges zur Findung einer nationalen Identität Australiens jenseits des Daseins als sprichwörtlicher Satellitenstaat der USA auch lange nach dem Kalten Krieg eine zentrale Rolle spielte und noch spielt. Insbesondere gilt daher das Augenmerk einerseits der Relevanz Australiens für die globale Wahrnehmbarmachung des Ereignisses und andererseits der Wichtigkeit dieser Rolle für die nationale Identität und das politische Selbstverständnis Australiens selbst. Dafür wird zunächst die Ausgangslage und die zeitgenössische Berichterstattung sowohl zum Wettlauf ins All selbst als auch vorwiegend zum australischen Beitrag zur Mondlandung und vor allem deren Übertragung betrachtet. Diese Betrachtungen werden anschließend ins Verhältnis gesetzt zur retrospektiven Verhandlung der Geschehnisse des Sommers 1969, die auf zweierlei Ebenen beleuchtet werden. Einerseits soll die Darstellung seitens öffentlicher Stellen und Einrichtungen Australiens und andererseits die Verhandlung der eigenen Rolle bei der Mondlandung im australischen Film The Dish aus dem Jahr 2000 untersucht werden.
Stephan Härle

Südafrika & Tansania & Äthiopien & Ägypten & Somalia

Afrika und der Wettlauf zum Mond

Pressestimmen und Erinnerungen an die bemannte Mondlandung 1969
Zusammenfassung
Wie erlebten Menschen in Afrika die bemannte Mondlandung? Welchen Zusammenhang stellten sie auf unterschiedlichen Ebenen zwischen diesem Ereignis und ihren eigenen Lebensumständen her? Anhand von Erinnerungen an und Pressemeldungen aus Äthiopien, Ägypten, Tansania und Südafrika über die Landung der ersten Menschen auf dem Mond gibt der Beitrag einen Einblick in das Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlich-technischem Fortschritt, Kaltem Krieg und Positionierung afrikanischer Staaten mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung. Äthiopien unter Kaiser Haile Selassie I strebte zwar eine enge Zusammenarbeit mit den USA an, die sich unter anderem in einer US-Nachrichtenstation auf äthiopischem Boden manifestierte, kooperierte allerdings auch mit der UdSSR. Die Mondlandung generierte folglich zum journalistischen Balanceakt. Ägypten, das sich unter Gamal Abdel Nasser stark an die Sowjetunion angelehnt hatte, befand sich auch aufgrund seiner sowjetischer Berater im Juli 1969 in einem der schwersten Konflikte mit Israel. Eine pro-sowjetische Haltung war demnach von vorn herein nicht zu erwarten. Tansania hatte begonnen unter der Führung seines charismatischen Präsidenten Julius Kambarage Nyerere ein egalitäres, antiimperialistisches Gesellschaftssystem aufzubauen. Die Presse nahm die Mondlandung zum Anlass eine harsche Kritik an der amerikanischen Außenpolitik, insbesondere dem Krieg in Vietnam, zu publizieren. In Südafrika wiederum, das versuchte durch eine strikte Abschottungspolitik nach außen sein Apartheid-System aufrecht zu erhalten, führte die bemannte Mondlandung zu einer ersten Überwindung der Informationssperre.
Katrin Bromber

Argentinien

Frontmatter

Medienverflechtungen in der amerikanischen Welt

US-amerikanische Bildpolitik und Erfahrungen der Mondlandung in Argentinien
Zusammenfassung
Anliegen des vorliegenden Beitrags ist es, Voraussetzungen und Themen der argentinischen Medienberichterstattung über die Mondlandung herauszuarbeiten. Der Beitrag betont insbesondere die Bedeutung transnationaler Verflechtungen und Abhängigkeiten zwischen nordamerikanischen Nachrichten- und Bildproduzenten einerseits und argentinischen Medien andererseits. Der Blick auf argentinische Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehkanäle zeigt dabei aber nicht nur ein hohes Maß an Ähnlichkeiten zwischen der nordamerikanischen und argentinischen Medienberichterstattung über die Mondlandung. Vielmehr werden auch spezifische argentinische Eigenerfahrungen, Deutungen und Rahmungen der Mondlandung deutlich.
Sönke Kunkel

USA & Kanada

Zeugen der Verschwörung

Die Mondlandung 1969 im Spiegel der US-amerikanischen Verdachtskultur
Zusammenfassung
Wie kaum ein anderes Medienereignis wird die erste bemannte Mondlandung von 1969 bis zum heutigen Tag von einem Halo an Verschwörungstheorien flankiert. Der Beitrag widmet sich den Anfängen der verschwörungstheoretischen Spekulationen über die Mondlandung in den USA und folgt ihrer Entwicklung bis zu aktuellen YouTube-Videos. Vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs, hatte sich in den Vereinigten Staaten schon seit den 1950er Jahren ein Klima des Verdachts ausgebreitet, das – gepaart mit einem stark in der Geschichte des Landes verwurzelten Misstrauen gegenüber der eigenen Regierung – den erforderlichen Nährboden für Verschwörungstheorien stiftete. Aus der Sicht von Konspirologen lässt die persuasive Wirkmacht der Monderoberungsbilder diese umso verdächtiger erscheinen, weshalb sie ihre ikonoklastischen Bemühungen gezielt gegen solche Bilder richten, die durch Ikonisierung bereits fest im kollektiven Gedächtnis verankert sind. Die damit einhergehende medienrhetorische Gegenstrategie wiederum fußt auf diversen Modellen von Zeugenschaft, welche die angeblich von den Verschwörern installierte, trügerische Zeichenoberfläche perforieren und den Blick auf vermeintlich dahinter verborgen liegende Wahrheiten preisgeben. Dass sich die Zweifel an der Mondlandung als derart langlebig erweisen, hat nicht zuletzt auch etwas mit einer gewandelten Medienkultur zu tun, wobei die Videoplattform YouTube nicht nur als Verbreitungskanal, sondern auch als Plattform einer observierenden Zeugenschaft für Verschwörungstheoretiker in Erscheinung tritt.
Carolin Lano

„Germans in the New World“

Die zeitgenössische Rezeption der ersten bemannten Mondlandung in deutschsprachigen Zeitungen der USA und Kanadas
Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag untersucht die zeitgenössische Rezeption und Darstellung der ersten bemannten Mondlandung in deutschsprachigen Zeitungen in Nordamerika. Die Auswertung von insgesamt 14 in deutscher Sprache verfassten Periodika aus den USA und Kanada zeigt ein ausgesprochen großes Interesse an den Ereignissen um die Weltraumfahrt. Eingebettet in den sowjetisch-amerikanischen Dualismus um die globale Hegemonie wurde die Mondlandung als einzigartiges welthistorisches Ereignis und Kulminationspunkt des Wettlaufs ins All (Space Race) wahrgenommen. Verschiedenen Journalisten nutzten sie außerdem, um die Bedeutung der deutsch-amerikanischen Bevölkerung für die USA in Erinnerung zu rufen. Die Autoren verwiesen auf eine deutsche Beteiligung am amerikanischen Weltraumprogramm in Form von der nach dem Zweiten Weltkrieg durch die USA in der Operation Overcast bzw. Operation Paperclip rekrutierten deutschen Raketenwissenschaftler und akzentuierten die Relevanz einer von ihnen postulierten kollektiven deutsch-amerikanischen Identität. Die in einer Zeit der soziokulturellen Marginalisierung artikulierten autoaffirmativen ethnokulturellen Bekenntnisse der deutschsprachigen Beiträge fanden einen pointierten Ausdruck in der Stilisierung Wernher von Brauns als Identifikations- und Vorbildfigur für die in zwei Welten verwurzelte deutsch-amerikanische Bevölkerung.
Ladislaus Ludescher

Frankreich

Frontmatter

Zwischen Kaltem Krieg und Popkultur

Die erste bemannte Mondlandung in den französischen Medien
Zusammenfassung
Frankreichs Rolle als Beobachter der Mondlandung war in zweifacher Hinsicht eine besondere: Zum einen verfolgte das Land schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg eigene Raumfahrtpläne und avancierte so zur dritten ‚Weltraumnation‘. Zum anderen war Frankreich gerade unter de Gaulle darauf bedacht, seine außenpolitische Unabhängigkeit unter Beweis zu stellen – nicht zuletzt gegenüber den USA. Hinzu kam, dass Frankreich über eine starke kommunistische Partei verfügte, die in den 60er Jahren rund ein Fünftel der Wählerschaft für sich mobilisierte. Zusammengenommen führte dies zu einer Berichterstattung, die über die 60er Jahre hinweg die sowjetischen genauso wie die amerikanischen Fortschritte im ‚Wettlauf zum Mond‘ eng begleitete. Der Beitrag fokussiert die französische Berichterstattung zur Mondlandung, verortet sie vor dem Hintergrund der Systemkonkurrenz zwischen USA und UdSSR sowie des technischen Fortschritts und ordnet die Raumfahrt schließlich in einen popkulturellen Kontext ein. Im Zentrum der Analyse stehen dabei die Presse- und die Fernsehberichterstattung, die jeweils eigene Fokusse im Umgang mit der Mondlandung setzten. Zudem wird gezeigt, dass die Spannbreite zwischen Technikbegeisterung und radikaler Skepsis gegenüber dem Nutzen des neuen Wissens über Mond und Erde für die Menschheit kaum hätte größer ausfallen können. Der Beitrag interpretiert die Mondlandung als Höhepunkt einer Mondbegeisterung, die bald wieder einem nüchterneren Blick auf die Verheißungen der Raumfahrt wich.
Carina Gabriel-Kinz, Jörg Requate

Großbritannien

Frontmatter

„All You Need Is Love“

Der Wettlauf ins All aus Sicht der British Broadcasting Company
Zusammenfassung
Der Beitrag verfolgt die Frage, inwiefern in der britischen Berichterstattung über den Wettlauf ins All eindeutige weltpolitische Stellungnahmen zu erkennen sind. Den Untersuchungsgegenstand bilden mehrere live stattgefundene sowie aufgezeichnete Sendungen der British Broadcasting Corporation (BBC), die im Umfeld der ersten bemannten Mondlandung entstanden sind. Dabei wird im televisuellen Bild nach einem Ausdruck dafür gesucht, wie das maßgeblich von den zwei Supermächten ausgetragene Space Race von der britischen Öffentlichkeit wahrgenommen und beurteilt wurde. Unter Berücksichtigung der Rolle des Vereinigten Königreichs als Raumfahrtnation sowie der geopolitischen Relevanz des einstigen British Empire wird geprüft, ob die Berichterstattung der traditionsreichen und international ausgerichteten Rundfunkanstalt die Interessen der zu dieser Zeit amerikanisch und sowjetisch dominierten Weltraumfahrt vertrat oder ob sie nicht viel eher dazu tendierte, eine durch Satellitenübertragung möglich werdende globale Vernetzung zu propagieren.
Alexander Becker

Norwegen

Frontmatter

Planning to Cover an Unpredictable Event

The Apollo 11 Moon Landing on Norwegian Television
Zusammenfassung
In all the Nordic countries national TV covered the moon landing in 1969, but this is the only study of how one of them actually did it. Norway’s public service broadcaster, the NRK, made their longest television broadcast to date, with their live coverage of Apollo 11’s landing on the surface of the moon. Even though the NRK based their coverage on the big, international satellite transmissions from NASA, it was plenty of time for their home made program coverage between them. Thus, Norwegian viewers experienced the moon landing through a mix where the NASA transmissions was combined with material that NRK thougth would be important. The result was that the US triumph on the moon was followed by four TV debates as well as interviews with famous Norwegian artists at the time as well as reports from foreign correspondents contradicting what Dayan and Katz sees as the most important characteristic of the live TV coverage of a media event: its loyalty to the ongoing event. The amount of ciritical comments on the live Norwegian TV coverage of the moon land is in fact surprisingly high. The study is based on a detailed work with all remaining sources from the broadcast, because the original broadcast has been lost to posterity in the NRK television archive. This is the first time that results from this study is presented for international readers in English.
Henrik G. Bastiansen

Deutschland (Ost)

Frontmatter

Landungen und Leitmotive

Zur Berichterstattung über die erste bemannte Mondlandung in den Printmedien der DDR
Zusammenfassung
Die DDR-Berichterstattung zur ersten bemannten Mondlandung bediente sich bestimmter Leitmotive, die bereits seit Beginn der Raumfahrt angewendet wurden. Ein wiederkehrendes Motiv war die Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Raumfahrtprogramm. Dieses wurde von Anfang an zum Antagonisten der sowjetischen Weltraumeroberung stilisiert und es war ein zentrales Thema der DDR-Berichterstattung, die sowjetische Raumfahrt von der US-amerikanischen abzugrenzen. Stand in den 1950er und 1960er Jahren die Vorreiterrolle der Sowjetunion im Vordergrund, wich diese Darstellung mit zunehmenden Raumfahrterfolgen der USA dem Narrativ der Ebenbürtigkeit. Diese beiden Ansätze kulminierten in der Berichterstattung rund um die erste bemannte Mondlandung: Zur gleichen Zeit als Apollo 11 auf dem Weg war, steuerte die unbemannte sowjetische Sonde Luna 15 ebenfalls den Mond an. Die sowjetische Mission wurde in der DDR-Presse als Erfolg und sozialistischer Meilenstein dargestellt, gleichzeitig beschränkte sich die Berichterstattung über die Apollo 11-Mission auf ein Minimum. Von Beginn der Raumfahrtberichterstattung an wurden die Erfolge der Sowjetunion im Weltraum auch als Erfolge der DDR ausgegeben. Da sich die DDR implizit auf jedem Gebiet in Konkurrenz zur angrenzenden Bundesrepublik – und damit zum kapitalistischen Gesellschaftssystem – befand, entwickelten sich die sozialistischen Raumfahrterfolge zu einem hervorgehobenen Distinktionsmerkmal gegenüber dem westdeutschen Staat. Der technische Fortschritt, mit dem die Weltraumeroberung konnotiert wurde, war gegenüber dem sogenannten Klassenfeind ein besonders prestigeträchtiger Kampfplatz. Der Beitrag zeichnet nach, welche unterschiedlichen Strategien in der Berichterstattung in der DDR angewendet wurden, um über die erste bemannte Mondlandung zu berichten und wie die Berichterstattung für den Sozialismus und gleichzeitig gegen sogenannte kapitalistische Gesellschaftssysteme agitierte. Im Fokus stehen nicht nur die Textbeiträge, sondern auch die Bildstrategien der Printberichterstattung in der DDR.
Elisabeth Schaber

Nachwort

Frontmatter

Ein kleiner Schritt zurück

Mediale Nachbilder zur Rückkehr auf den Mond
Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird diskutiert, welche Implikationen die gegenwärtigen Bestrebungen diverser Akteure zur Rückkehr von Menschen auf den Mond haben. Insbesondere die medialen Bildstrategien, die dabei zum Einsatz kommen, sind hier von Interesse. Es soll die These plausibel gemacht werden, dass diese Bildstrategien zentral auf Motive und Formen zurückgreifen, die sich mit und während des Space Race der 1950er und 1960er Jahre, mithin auf dem Weg zur ersten bemannten Mondlandung, etabliert haben.
Sven Grampp
Weitere Informationen