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Comics - Bilder, Stories und Sequenzen in religiösen Deutungskulturen

  • 2015
  • Buch
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Über dieses Buch

Comics sind fester Bestandteil spätmoderner Text- und Zeichenwelten. Sie haben der Gegenwartskultur nicht nur Storys und Sagenkränze beschert, sondern auch Mythen, Ikonen und Helden. Dass die skizzierten Protagonisten bisweilen auch als Antihelden konstruiert werden – und sich die Erzählungen insofern auch als Antimythen aufstellen – bekräftigt im Grunde die These von einer comic-literarischen Heldenreise, auf deren Sinn und Funktion sowohl die Religions- als auch die Medienwissenschaften aufmerksam gemacht haben. Der Comic als Medium hat Rezeptionsgewohnheiten verändert und Reflexionsstrategien neu gestaltet. Populäre Erzählmuster sind von der Trivialität und Banalität der Strips und Cartoons ebenso beeinflusst worden wie die intellektuellen Diskurse von den metatextuellen Realitätskonstruktionen der Graphic Novel.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Comicwelten – Religionskulturen

    Zur Einführung Jörn Ahrens, Frank T. Brinkmann, Nathanael Riemer
    Zusammenfassung
    Es gab eine Zeit, da hießen Comics noch Heftchen. In Deutschland assoziierte man sie mit minderwertiger Schundliteratur, fokussierte Spurenelemente von Gewalt und Sexualität zu unterwertiger Lektüre und isolierte die Sprechblase als unzulängliches Textvolumen, während man in den Vereinigten Staaten von Amerika noch einen Schritt weiter ging, die Lineare Dyslexie als ein durch Comiclesen hervorgerufenes Krankheitsbild diagnostizierte und den Comic als Seduction oft the Innocent brandmarkte. Ziemlich genau zur gleichen Zeit, nämlich in den 1950er (und frähen 1960er) Jahren, galt Religion weitestgehend mit einer kirchlich vermittelten Praxis abgeglichen: die Kriterienapparate und Referenzwerke, die hinter den basiskategorialen Bestimmungsversuchen von Religiosität und Spiritualität aufgestellt waren, wurden vorrangig von den Theoriedesignern und Ausdrucksarchitekten des institutionalisierten Christentums geliefert.
  3. I (Spätmoderne Versuche zu) Messiasmetapher, Open-Source- Religion und Neomythos

    1. Frontmatter

    2. Neomythische Versuchung und retromythische Weisheit in Serge Le Tendres und Régis Loisels Comicerzählung Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit

      Linus Hauser
      Zusammenfassung
      Die beiden französischen Comickünstler Serge Le Tendre (*1946, Text) und Régis Loisel (*1951, Zeichnungen) publizieren zwischen 1983 und 1987 ein vierbändiges Werk in zunächst französischer Sprache, das dann unter dem deutschen Titel Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit (Bd. 1 Schatten über Akbar, Bd. 2 Der Tempel des Vergessens, Bd. 3 Grauwolfs letzter Kampf und Bd. 4 Das Ei der Finsternis) erscheint.
    3. the unwritten – Variationen über eine fleischlose Messias- Metapher, oder: Wie das junge Comicgenre LAF den postmodernen Religionsdiskurs bereichern kann

      Frank Thomas Brinkmann
      Zusammenfassung
      Das Comicbook und sein nachgesagt exklusives Superheldengenre, all die stilbildenden Mainstream-Protagonisten, typischen Schematismen und vereinfachten Moralia: darüber kann man sich durchaus niveauvoll unterhalten. Sicher bleiben Szenarien denkbar, in denen entsprechende Gesprächsauftakte und -beiträge als ungeschickte Bemühungen infantiler Kommunikationsdebütanten entlarvt werden müssen – oder sich eben die Auditorien selber den Settings jener intellektuell unterbestimmten Atmosphäre vorkritisch fügen, in der schon die betreffende Lektüre als bildungsschädlich oder sittenwidrig gilt.
    4. Cyberpunk und Open-Source-Religion

      Douglas Rushkoffs Testament Thomas Hausmanninger
      Zusammenfassung
      Auch Religion ist ein geschichtliches und evolutives Phänomen. Das wird nicht dadurch gemindert, dass sich die Religionsgemeinschaften der großen Weltreligionen gemeinhin auf ein fixes Korpus heiliger Texte verständigt haben und bestimmte Einsichten oder Regeln als unveränderlich betrachten. Tatsächlich treten die Religionen jeweils erst zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsgeschichte auf; diese sich weiter entwickelnde Geschichte geht zudem nicht spurlos an ihnen vorüber, ja sie selbst kennen eine interne Entwicklung, die im Austausch auch mit extern bleibenden oder als extern betrachteten historischen Entwicklungen geschieht.
  4. II New Concepts of Modern Mutants, Mortal Heroes and Mighty Gods

    1. Frontmatter

    2. Emergent Immanent Spiritualities in Ultimate X-Men

      Nathan Gibbard
      Zusammenfassung
      Since the mid-1970s the X-Men comics have offered one of the most diverse superhero teams in mainstream comics. By 1985 under the X-men umbrella, a Catholic, Jew, Goddess worshipper, Presbyterian, Native spirituality practitioner, and follower of Bushido – to name only those explicitly identified – all worked together. This variety was later increased to also include conscious Muslims, Hindus, and Buddhists, as well as atheists and humanists, into the wider community of X-men mutants. Depending upon the writer, the X-men have served as metaphors for ethnic and racial minorities, native-government relations, as well as LGBTQ interactions with wider society.
    3. Apotheosis of the Batman? Symbolism and Allegory in Batman: The Return of Bruce Wayne

      Danielle Reid
      Zusammenfassung
      At the end of Grant Morrison’s Batman: The Return of Bruce Wayne, the eponymous character spends two minutes frozen and clinically dead. At the start of the book, his friends had only just learned that he was still alive. Bruce emerges from this ordeal on the final page of the comic, grimly determined to resume his lifelong war on crime and corruption. He’s been brainwashed, killed a » god, « been catapulted into pre-history and then all the way to the end of the universe before returning to the present and spending two minutes on ice.
    4. Superheroes, Social Responsibility, and the Metaphor of Gods in Mark Waid and Alex Ross’s Kingdom Come

      Tim Lanzendörfer
      Zusammenfassung
      Some decades ago, Umberto Eco, in » The Myth of Superman, « pointed out the paradoxical nature of the all-powerful superhero. » Superman, « Eco notes, » is practically omnipotent; « consequently » one could expect the most bewildering political, economic, and technological upheavals in the world « from Superman – or any other › practically ‹ omnipotent superhero. But no such transformations occur in the narratives.
  5. III Islamische Kulturen, Helden, Codes und Comics

    1. Frontmatter

    2. Religiös inspirierte und religiöse Comics in islamischen Kulturen

      Nathanael Riemer
      Zusammenfassung
      Religiöse Comics in islamischen Kulturen? – Das klingt zunächst wie ein Oxymoron. Denn wer denkt bei diesem Titel nicht an » Bilderverbote « und Autoritäten traditioneller Kanones, die nur das geschriebene und gesprochene – höchstens noch das gemalte – Wort dulden wollen? Und selbst wenn Bildkulturen Bestandteile des religiösen Ausdrucks sein sollten, wird man Comics kaum mit religiöser Observanz und Frömmigkeit in Verbindung bringen, da sie nicht zuletzt aufgrund einiger anarchistischer Tendenzen sehr mit Darstellungen von Gewalt, Horror und Sexualität sowie einem schadenfrohen Humor assoziiert werden.
    3. The Notion of Comics in Iran

      Esfandiar Esfandi, Andisheh Ghaderi, Anoosheh Ghaderi
      Zusammenfassung
      We traditionally consider the birth of comics the 1st quarter of the 19th century. As we all know, at the very first steps, it had an entertaining function but » comics « has gradually gained its letter of nobility by becoming more social, even more political; comics burgeoned in 20th century following the popularity of caricatures. It had diverse audience and various political, social and entertaining functions which in a short while attracted Iranian intellectuals and authors. This medium has recently entered Iran.
    4. Superman in Mekka: Botschaften und Rezeption des islamischen Superhelden Comics

      Rocío A. Aúz García, Tobias Lotter
      Zusammenfassung
      In den letzten Jahren sind unterschiedliche Superhelden-Comics mit Protagonisten mit islamischem Hintergrund auf den internationalen Markt gekommen. Die Anzahl steigt, wenn wir neben Publikationen der Marktführer DC und Marvel auch kuweitische Produktionen, welche mittlerweile in englischer Übersetzung vorliegen, hinzuzählen. Die Welt der Superhelden-Editorials wird, wie Klaus Schikowsky aufzeigt, vor allem von zwei Verlagen beherrscht: » Grundsätzlich gesehen existieren zwei große Universen voller Helden, und diese sind auf zwei Verlagshäuser aufgeteilt: DC Comics, der Verlag, der Action Comics veröffentlichte, und Marvel Comics, die Heimat von Spider-Man. Beide Verlage dominieren bis heute die Verlagslandschaft und den Mainstreamcomic in Amerika «.
  6. IV Utopien, Heterotopien, Dystopien

    1. Frontmatter

    2. Krieg Gottes? Der Kampf der Engel und Dämonen in Ted McKeevers Metropol

      Jörn Ahrens
      Zusammenfassung
      Ted McKeevers Miniserie Metropol wurde erstmals zwischen 1991 und 1992 im US-amerikanischen Comic Magazin Epic publiziert. Eingebettet in die Landschaft einer anonymen, zerfallenden, urbanen Moderne, inszeniert sie den Kampf zwischen Engeln und Dämonen als Kampf zwischen Gut und Böse. Diese zunächst sehr basal anmutende Konstellation gilt es näher zu betrachten. Die Serie beginnt mit einem Traum. Ein Frachter durchpflügt einen Ozean, dockt an einem Hafen im Nirgendwo an, Fracht wird auf Trucks verladen, die davonfahren in die staubige Weite einer leeren Landschaft. Darüber liegt der voice-over des Hauptprotagonisten Jasper Notochord, der über diese Bilder nachrätselt, die ihn wiederholt einholen und die ihm fremd sind.
    3. Ausbrechen, Erbrechen, Zerbrechen, Zerkratzen: Spuren des Religiösen und des Heiligen in Manu Larcenets Blast

      Michael Cuntz
      Zusammenfassung
      Von allem Anfang an weiß man es besser: Am Ende wird Polza Mancini, monströser Fleischberg, psychisch instabiler Clochard, Personifikation der Andersartigkeit und Exklusion, als Verdächtiger in Untersuchungshaft landen. Der Protagonist von Manu Larcenets graphischem Serienroman Blast wird in Verhörräumen und in einer Zelle sitzen, in der ihm für den Leser zum ersten, tatsächlich aber zum letzten Mal ein Moai erscheint, eine der riesenhaften Statuen der Osterinsel Rapa Nui.
    4. Law and Society, Violence and Sacrifice in The Walking Dead: Robert Kirkman’s Meditation on Just Violence

      Anthony Santoro
      Zusammenfassung
      Zombies are everywhere. This is not the opening to a bad contribution to the everexpanding universe of zombie apocalypses, but rather an observation that as these visions of the end of society proliferate, the ways that they are analyzed are becoming more numerous as well. As Kelly J. Baker argues in The Zombies are Coming !, zombies are everywhere partly because of the flexibility that the monster offers and partly because of a latent element of American culture that lends itself to what Michael Barkun calls » pervasive millennialism. « Zombies, she shows, are the latest popular vehicle for exploring apocalypse in all of its ambivalent glory – as revelation, as a combination of dystopian fear and utopian longing, as social critique or imaginary reset button, and as expressions of fundamental conceptions of justice as the current world is destroyed, thus presenting the opportunity to build a new one in its place.
  7. Backmatter

Titel
Comics - Bilder, Stories und Sequenzen in religiösen Deutungskulturen
Herausgegeben von
Jörn Ahrens
Frank T. Brinkmann
Nathanael Riemer
Copyright-Jahr
2015
Electronic ISBN
978-3-658-01428-5
Print ISBN
978-3-658-01427-8
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-01428-5

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