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28.08.2018 | Compliance | Kommentar | Onlineartikel

Wenn es sich falsch anfühlt, ist es falsch

Autor:
Ulvi Aydin

Werden Compliance-Regeln restriktiv gehandhabt, bremsen sie schlimmtenfalls den Unternehmenserfolg. Wie viel Regelwerk ist also sinnvoll?, fragt Gastkommentator Ulvi Aydin und plädiert dafür, den gesunden Menschenverstand nicht zu vergessen. 

Es gab eine Zeit, vor gut dreißig Jahren, da waren in einigen Branchen Bordellbesuche nach Geschäftstreffen üblich. Auch andere unmoralische Geschenke, wie teure Uhren, gehörten zur Pflege von Geschäftsbeziehungen. Was damals schon nicht mit den offiziellen ethischen Grundprinzipien der Unternehmen vereinbar war, wird heute gar nicht mehr praktiziert. Und das ist auch richtig so! Laut KPMG sehnen sich Unternehmen heute sogar nach ISO-Standards für Compliance-Richtlinien. Dabei sollte es doch eigentlich ausreichen, einfach mal seinen gesunden Menschenverstand zu nutzen.

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Sind strenge Regeln sinnvoll oder kafkaesk?

Eine Theateraufführung von Kafkas "Das Schloss" im Theater Bremen: Der Protagonist, der mit dem unüberwindbaren bürokratischen Apparat des Schlosses kämpft, steht auf einem Laufband. Egal, was er unternimmt und wie schnell er rennt – er kommt nicht vom Fleck. Zu viele Regeln machen es ihm unmöglich, zum zuständigen Beamten zu gelangen.

Compliance ist zwar wichtig und für Unternehmen wie Banken und Finanzdienstleister sogar überlebenswichtig. Zu viele Compliance-Regeln können sich aber auch selbst im Weg stehen. Ich habe schon Unternehmen erlebt, die sich aufgrund ihrer überregulatorischen Compliance-Politik einen schweren Bremsklotz ans Bein gehängt haben – und ähnlich wie der Protagonist von Kafka nicht vorankamen. Wie viel Regelwerk ist also gesund?

Im Zweifel zahl den Kaffee selbst!

Wichtig bei der Flut an überzogenen Richtlinien ist, neben Recht auch einfach den gesunden Menschenverstand einzusetzen. Habe ich ein Geschäftsessen mit einem Anbieter und weiß nicht, ob ich mich von ihm einladen lassen darf? Dann zahl ich eben selbst! Werde ich über meine Arbeit von einem Kunden zu einem Kongress eingeladen, der mir und meiner Frau Flug, Hotel und einen Chauffeur bezahlt – klingt das nicht komisch? Fühlt sich das richtig an? Ich bin ja nicht zum Urlaub auf dem Kongress.

Anstand und gesunder Menschenverstand sind auch beim Thema Compliance die wichtigsten Komponenten. Ist mein moralisches Wertegerüst intakt, denke ich nicht darüber nach, wie ich persönlich Profit aus Geschäftsbeziehungen schlagen kann. Vielmehr frage ich mich, wie ich zum Erfolg meines Arbeitgebers beitragen kann. Oder?

Der moralische Kompass

Geschenke für Kunden oder andere Stakeholder sind ein weiteres Beispiel. Ist es richtig, wenn ich vom Kunden eine 10.000 Euro teure Rolex erhalte? Wem hier nicht die Alarmglocken schrillen, der sollte die Nadel seines moralischen Kompasses einmal korrigieren lassen. Neben Kündigung können solche Geschenkannahmen nämlich vor allem eines zerstören: das eigene Image. Und Image ist das, was übrigbleibt, wenn man nicht mehr da ist.

Der Rechtsanwalt Sebastian Longrée gibt auf dem Blog seines Unternehmens noch einen nützlichen Tipp zum Thema Compliance und Geschenke: Wer weder Strafgesetze noch Compliance-Richtlinien verletzen möchte, sollte auf die Geschenke "Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und Respekt" setzen. Diese seien "gegenüber Mitarbeitern, Kollegen, Geschäftspartnern und sogar Amtsträgern unbedenklich."

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