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14.04.2016 | Compliance | Kommentar | Onlineartikel

Weshalb Briefkästen in Panama so gefährlich sind

Autor:
Andreas Nölting

Briefkastenfirmen mögen zwar üblich und (noch) legal sein. Doch die intransparenten Konstruktionen untergraben das Vertrauen in die Marktwirtschaft und die Gesetzestreue der Unternehmen, kommentiert Andreas Nölting.

Die alt ehrwürdige Berenberg Bank gehört zu den renommiertesten Privatbanken Deutschlands. Hier an der Hamburger Binnenalster haben vermögende Personen und Familienfirmen ihr Konto, die Wert auf Tradition, Solidität sowie Verschwiegenheit legen. Viele Jahre stand Berenberg für Vertrauen und gesetzeskonformes Handeln. Ihr Chef Hans-Walter Peters ist gerade zum Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Banken gewählt worden.

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Betrug und Korruption im Experiment

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Robert Holzmann richtet den Fokus seiner Untersuchungen auf Compliance als sozialen Problembereich und schlägt eine Brücke zwischen existierenden sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen zu ethischem Fehlverhalten und der betrieblichen Praxis. Auf


Panama Papers ziehen weite Kreise

Doch spätestens seit Veröffentlichung der sogenannten Panama Papers hat die Berenberg Bank ein Reputations-Problem. Laut "Süddeutscher Zeitung" haben mindestens 28 deutsche Banken bei dem panamaischen Dienstleister Mossack Fonseca mehr als 1.200 Briefkastenfirmen gegründet oder für ihre Kunden verwaltet. Auch die traditionsreiche Hamburger Privatbank soll bei der Vermittlung von Briefkastenfirmen ihren Kunden behilflich gewesen sein. "Alle unsere Geschäfte sind zu 100 Prozent sauber", wiegelt Berenberg-Chef Peters ab.

Wirklich? Warum gehen die Berenberg Bank und viele andere deutsche Finanzinstitute überhaupt das Risiko ein, dass ihre Kunden per Briefkastenfirmen Vermögen verstecken, Steuern hinterziehen oder Schwarzgelder waschen? Mit ihrer Geschäftspolitik erwecken sie den Eindruck, dass ihnen die Rendite aus dubiosen Geschäften wichtiger ist als das potenzielle Risiko, indirekt Geldwäschern und Steuerhinterziehern per Panama-Connection zu helfen. So wird das Vertrauen in die Marktwirtschaft und die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien (Compliance) untergraben und denen in die Hände gespielt, die dieses System bekämpfen und ablösen wollen. Nicht Briefkastenfirmen, die wichtige wirtschaftliche Zusammenhänge verschleiern, helfen den Unternehmen, sondern nur volle Transparenz und Gesetzestreue, die Reputation, Vertrauen und damit wahre Werte schaffen.

Die rechtskonformen Unternehmen werden die Gewinner sein

"Das gegenwärtige Misstrauensumfeld in wirtschaftende Institutionen bedeutet im Umkehrschluss entsprechend, dass eben jene Unternehmen, die glaubhaft ihre Regeltreue versichern, ein höheres Vertrauen genießen und sich folglich positiv gegenüber dem Wettbewerb abgrenzen“, schreibt Springer-Autor Robert Holzmann in der Einleitung seines Buches "Betrug und Korruption im Experiment“.

Richtig. Strenge Compliance-Richtlinien oder eine gute Unternehmenskontrolle (Corporate Governance) dürfen eben nicht nur aus betriebswirtschaftlichen Kosten- und Bürokratieaspekten beurteilt werden, sondern sollten von den verantwortlichen Führungskräften als willkommene Chance betrachtet werden, unnötige Risiken zu vermeiden und in der Gesellschaft Vertrauen zu schaffen.

Gerade im Zuge der Finanzkrise hat das Vertrauen in das freie Wirtschaften schwer gelitten. Die Panama-Enthüllungen liefern den Skeptikern weitere Munition. Die Führungskräfte der Unternehmen sollten dieses Ereignis nutzen, um endlich funktionierende Compliance- und Governance-Strukturen in den Unternehmen zu schaffen. Nur durch völlige Transparenz und Sanktionen gegenüber Fehlverhalten können Unternehmer glaubhaft machen, dass sie wirklich die Spielregeln der Marktwirtschaft einhalten wollen. 

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