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06.05.2022 | Compliance | Gastbeitrag | Online-Artikel

Compliance Management wird zunehmend komplexer

verfasst von: Kai Leisering

4:30 Min. Lesedauer
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Compliance-Anforderungen in Unternehmen umzusetzen, ist eine herausforderndes Unterfangen, denn die EU greift immer stärker regulierend ein. Die Verantwortung von Compliance-Fachkräften steigt, aber auch der Personalbedarf.  

Unternehmen sind immer wieder in schwerwiegende Compliance-Skandale verwickelt, dazu zählen der Wirecard-Skandal oder die Affäre um die Qualitätsmängel bei Boeing. Bei ungefähr einem Drittel der Unternehmen in Deutschland kommt es zu derartigen Missständen: Dies zeigt der Whistleblowing-Report der EQS Group, für dem mehr als 1.200 Unternehmen zu internen Meldekanälen für Hinweisgebende befragt wurden. 

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Vor dem Hintergrund einer stetig wachsenden Anzahl regulatorischer Anforderungen gilt die Sicherstellung der Compliance von Geschäftsprozessen nicht nur als komplexe technische Herausforderung, sondern auch als kostenintensive Aufgabe. 

Nicht selten werden Verstöße durch Whistleblower bekannt, was zu Rufschäden sowie empfindlichen Strafen führen kann. Abhilfe schaffen dabei Compliance-Maßnahmen wie die Implementierung anonymer Meldekanäle, damit Personen sensible Informationen über Missstände abgeben können.

Vielfältige Compliance-Herausforderungen

Für die Umsetzung solcher Maßnahmen sind Compliance-Fachkräfte verantwortlich. Ihr Aufgabenfeld wird zunehmend komplexer, nicht zuletzt durch anstehende Gesetze. Was der Bereich des Compliance Managements umfasst und welche Herausforderungen Firmen erwarten, soll in diesem Beitrag skizziert werden.

Um unethisches beziehungsweise gesetzwidriges Verhalten in Unternehmen und Behörden zu bekämpfen und zu regulieren, steht eine Reihe von Gesetzen an. Darunter fallen das Hinweisgeberschutzgesetz, das eigentlich bis zum 17. Dezember 2021 in nationale Gesetze gegossen werden musste, sowie das Lieferkettengesetz. Wie aus dem Whistleblowing Report 2021 hervorgeht, sind viele Unternehmen darauf noch nicht ausreichend vorbereitet, obwohl diese und weitere Regulierungen bereits beschlossen sind.

Zunehmende Komplexität des Berufsfeldes

Die zunehmende Digitalisierung, wodurch Datenschutz und -sicherheit sowie IT-Wissen an Relevanz gewinnen, eröffnen neue Aufgabenbereiche mit Blick auf Compliance, heißt es in einer Berufsfeldstudie des Zentrums für Weiterbildung und Wissenstransfer (ZWW) der Universität Augsburg. Zwar stehen immer noch klassische Compliance-Themen, wie die Identifizierung und Bewertung von Compliance-Risiken, im Fokus, dennoch hat sich der Beruf durch die wachsende Komplexität erheblich verändert. 

Noch vor einigen Jahren waren Compliance Manager vor allem als Generalisten gefragt – heute müssen sie sich spezialisieren. Auch die Future of Compliance-Studie 2021 von Deloitte weist die zunehmende Komplexität der Branche auf: Aus ihr geht hervor, dass über die Hälfte der befragten Verantwortlichen mit Auswirkungen auf ihre Tätigkeit durch das kommende Lieferkettengesetz rechnen.

Die Vielfalt der Aufgaben von Compliance Managern wächst und wird nur mit technologischer Innovation und einer Erweiterung personeller Ressourcen zu bewältigen sein. Auch die Studie Future of Compliance bestätigt dies: 59 Prozent der befragten Compliance-Verantwortlichen sehen einen Personalmangel in ihrer Branche. Eine Analyse der Jobplattform Indeed in Zusammenarbeit mit der EQS Group hat ermittelt, dass von Oktober 2020 bis Oktober 2021 der Anteil an Stellenausschreibungen mit Compliance-Bezug im Jobtitel mit 37 Prozent signifikant angestiegen ist. Daraus kann geschlossen werden, dass Unternehmen sich der wachsenden Relevanz von Compliance bewusst werden.

Große Verantwortung für Compliance Manager

Compliance Manager tragen große Verantwortung und ihr Berufsstand hat sich in den letzten Jahren zunehmend professionalisiert: Über 50 Prozent der Compliance Manager bringen mehrjährige Erfahrung mit. Zudem sind in vielen Unternehmen eigenständige Organisationseinheiten für Compliance Management entstanden. Mehr als die Hälfte der Compliance Manager haben einen Master-Abschluss, 13 Prozent weisen sogar eine abgeschlossene Promotion vor. Compliance Management ist also fest in den Strukturen zahlreicher Unternehmen etabliert, die Ausführenden gut ausgebildet und erfahren.

Bewusstsein für Compliance-Management-Rolle

Der Status quo zeigt, dass Compliance Management bereits eine signifikante Rolle spielt. 60 Prozent der 1.239 befragten Unternehmen in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Großbritannien haben eine Meldestelle, wie aus dem Whistleblower Report 2021 hervorgeht. Laut der Future of Compliance-Studie verfügen sogar 92 Prozent der Unternehmen über ein Hinweisgebersystem und ungefähr 96 Prozent über sonstige anonyme Meldekanäle. Ergänzend dazu zeigt eine Studie des Aalener Instituts für Unternehmensführung, Institut für Finanzdienstleistungen, dass Compliance Management für mehr als die Hälfte der Firmen eine hohe Bedeutung hat.

Zivil- und strafrechtliche Verantwortlichkeit

In Arbeitsverträgen wird das Haftungsrisiko von Compliance Managern häufig nicht berücksichtigt und trotz der Dringlichkeit von Compliance-Maßnahmen fehlen oft personelle Ressourcen für deren Umsetzung. Der Wunsch nach einer Minderung von persönlichem Haftungsrisiko ist bei Compliance Managern jedoch im großen Maße vorhanden: Für 42 Prozent sind die Schutzmaßnahmen nicht ausreichend und über 60 Prozent der Teilnehmer der Studie empfinden die Haftung als unklar geregelt. 

Durch die Gesetzgebung wird der Schutz von Compliance-Ausführenden im Rahmen des Zivil- und Strafrechts noch nicht berücksichtigt, daher kann das Haftungsrisiko nur in individuellen Arbeitsverträgen festgehalten werden. Dies widerspricht der Professionalisierung des Berufs, da der fehlende rechtliche Schutz für Compliance Manager selbst einer Art Compliance-Verstoß gleichkommt.

Compliance wird zu etabliertem Berufsfeld

Durch neue Gesetze, fortschreitende Digitalisierung und steigende Anforderungen an den Schutz von Daten können sich Unternehmen in einem Compliance-Dschungel wiederfinden. Daher ist es unabdingbar, Compliance-Fachkräfte einzustellen, denn die zahlreichen Hürden sind nur durch fachkundiges Personal zu bewerkstelligen. Dies tun Unternehmen bereits vermehrt, wie die Ergebnisse der Studie der EQS Group und Indeed belegen. Es herrscht also ein großer Personal- und Expertisebedarf, der in den kommenden Jahren zunehmen wird. Compliance hat sich also zu einem Berufsfeld etabliert, das nicht mehr wegzudenken ist. 

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