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09.10.2018 | Compliance | Im Fokus | Onlineartikel

Erfolg von Compliance-Maßnahmen messen

Autor:
Dr. Sebastian Rick

Complianceprogramme verursachen Kosten, aber bringen sie auch etwas? Der Erfolg lässt sich nur schwer messen. Er stellt sich zumeist mit zeitlicher Verzögerung ein, und die Wirkung einzelner Maßnahmen ist oft nicht ersichtlich, schreibt Sebastian Rick in einem Gastbeitrag.


Unternehmen geben viel Geld aus, um in Sachen Compliance nur nichts falsch zu machen. So haben insbesondere Banken in den letzten Jahren umfangreiche Complianceprogramme eingeführt, die darauf abzielen, Fehlverhalten zu verhindern und zu reduzieren. Beispielsweise gibt es: 

  1. formale Ethik- oder Verhaltenskodizes, welche die Erwartungen einer Organisation in Bezug auf ethische Standards darstellen,
  2. Ethik- oder Compliance-Kommissionen, deren Auftrag darin besteht, Richtlinien zu erarbeiten, Handlungen von Mitarbeitern oder Dritten zu evaluieren und Verstöße zu untersuchen beziehungsweise über diese zu urteilen,
  3. Kommunikationssysteme, zum Beispiel Telefon-Hotlines, Websiten oder Apps, mit deren Hilfe Mitarbeiter Verstöße melden oder sich beraten lassen können, 
  4. einen Compliance-Officer, dessen Aufgabe in der Koordination von Maßnahmen, der Weiterbildung der Mitarbeiter und der Untersuchung von Verdachtsfällen besteht, 
  5. Schulungsmaßnahmen, die Mitarbeitern helfen sollen, ethische und rechtliche Probleme zu erkennen und auf diese zu reagieren sowie 
  6. Disziplinarverfahren zur Ahndung unethischen oder rechtswidrigen Verhaltens. 

Die Wirkungen dieser Maßnahmen können sehr vielfältig sein, und irgendwie kann jede dieser Maßnahmen positive Effekte auf das Verhalten der Mitarbeiter haben. Solange die genaue Wirkungsweise der Maßnahmen jedoch nicht nachweisbar ist, können diese Effekte nicht gemessen und belegt werden. Ziel muss es daher sein, aufzuzeigen, wie die Maßnahmen zum Erfolg beitragen.

Empfehlung der Redaktion

2018 | Buch

Das Compliance-Index-Modell

Wie der Wertbeitrag von Compliance aufgezeigt werden kann

Dieses Buch zeigt auf, wie der Wertbeitrag von Compliance mit Hilfe des Compliance-Index-Modells messbar, quantifizierbar und damit vergleichbar gemacht werden kann. 


Maß für gelebte Compliance

Unterstützt wird dieses Ziel durch das Compliance-Index-Modell. Es ist das Ergebnis zweier empirischer Studien, die an der Frankfurt University of Applied Sciences mit Unterstützung des Frankfurter Instituts für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) durchgeführt wurden. 

Es zeigt auf, mit welchen Maßnahmen die Mitarbeitercompliance wirksam verbessert werden kann. Im Prinzip umfasst das Modell eine Reihe statistischer Verfahren zur Untersuchung komplexer Beziehungsstrukturen zwischen Maßnahmen und Mitarbeiterverhalten und ermöglicht die quantitative Abschätzung der Wirkungszusammenhänge.

Das Ergebnis ist ein Complianceindex (KPI), anhand dessen der Erfolg der Maßnahmen innerhalb der Organisation gemessen, gesteuert und überwacht werden kann. Die auf Basis einer Mitarbeiterbefragung errechnete Kennzahl fasst verschiedene Aspekte der Mitarbeitercompliance, wie etwa das Bewusstsein für Compliance, in einem Index zusammen.

Darüber hinaus ist der Index auch in Einzelkomponenten zerlegbar. Er stellt somit ein aussagekräftiges Analyseinstrument dar und ist ein hilfreiches Controllinginstrument für das Compliancemanagement eines Unternehmens. Der Compliance-Index wird genutzt, um Stärken und Schwächen im Compliancemanagement zu identifizieren und daraus, falls notwendig, konkrete Maßnahmen zur Verbesserung abzuleiten. 

Dazu können modellgestützt konkrete, datengetriebene Handlungsportfolios aufgebaut werden, auf die man sich konzentrieren sollte, um bestehende Ressourcen, wie etwa Budget, Zeit, Personal, effektiv einzusetzen. Durch wiederkehrende Messungen auf Basis des Compliance-Index-Modells, kann die Effektivität abgeleiteter Maßnahmen zur Verbesserung der Mitarbeitercompliance im Zeitablauf aufgezeigt werden. 

Was können Unternehmen konkret durch das Modell gewinnen?

Durch das Compliance-Index-Modell

  • gewinnen Unternehmen Einblicke in die Einstellungen und Verhaltensweisen ihrer Mitarbeiter,
  • unterstreichen Unternehmen die Bedeutung von Compliance,
  • können wichtige und wertvolle Informationen zur Verbesserung von Maßnahmen und Programmen generiert werden,
  • wird die Effektivität von Maßnahmen und Programmen überwacht,
  • wird ein Bewusstsein für Compliance im Unternehmen geschaffen, 
  • erhalten Unternehmen Ergebnisse, die sich durch ein hohes Maß an Objektivität und Vergleichbarkeit auszeichnen,
  • kommt ein empirisch fundiertes, praxiserprobtes quantitatives Modell zum Einsatz,
  • werden Kosten und Zeitaufwand gering gehalten, ohne das dabei individuelle Bedürfnisse und Erfordernisse aus dem Blick verloren werden. 

Fazit: Für Unternehmen ist es wichtig, die Mitarbeitercompliance in regelmäßigen Abständen zu messen, um auf diese Weise die Effektivität des Complianceprogramms kontinuierlich zu verbessern. Da die mit Hilfe des Compliance-Index-Modells erzielten Ergebnisse zwischen verschiedenen Mitarbeitergruppen oder Bereichen im Unternehmen vergleichbar sind, können gezielt Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet und die Ergebnisse als Controllinginstrument auf vielfältige Weise für den Unternehmenserfolg genutzt werden.

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