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2022 | Buch

Computer und Gesellschaft

Roboter und KI als soziale Herausforderung – Grundlagen der Technikethik Band 3

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Über dieses Buch

Welche Wirkungen haben Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) auf die Gesellschaft? Wie verändern Algorithmen und Machine Learning unser soziales Umfeld? Vor welchen ethischen Herausforderungen stehen wir? Vorliegendes Buch bietet zu diesen und weiteren Fragen systematische Analysen. Allgemeine und spezielle Roboterkonzepte von Androiden über Social Robots bis hin zu kollaborativen Industrierobotern werden vorgestellt. Hinzu treten Drohnen im militärischen und zivilen Einsatz sowie diverse Formen der Mensch-Maschine-, Tier-Maschine- und Pflanze-Maschine-Interaktion. Verschiedene Begriffe und Paradigmen der KI werden auch abseits der Informatik herausgearbeitet, reale und spekulative Entwicklungen eingeordnet. Vor diesem Hintergrund geraten ethisch-gesellschaftliche Brennpunkte in den Blick. Beispiele, Aufgaben, vertiefende Infos zu Hintergründen und Übersichten laden zum kritischen Weiterdenken ein. Es bildet den dritten, in sich abgerundeten Teil der Buchreihe Grundlagen der Technikethik.
Haben wir die Zukunft, die wir brauchen, und brauchen wir die Zukunft, die wir haben?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Was ist ein Roboter?
Zusammenfassung
Standen in den ersten beiden Bänden der Reihe Grundlagen der Technikethik die Begriffe, Prinzipien, Methoden und Verfahrensformen der Ethik im Mittelpunkt, so wendet sich vorliegender dritter Band einem in sich geschlossenen Themenfeld zu: Robotern und KI als soziale Herausforderungen. Voraussetzung ist ein möglichst klares Bild der zu besprechenden Technologien. Jedoch treten besonders bei Versuchen allgemeiner Roboterdefinitionen Schwierigkeiten durch unklare anthropomorphe Metaphern auf. Da es viele verschiedene Robotertechniken und Anwendungen gibt, fällt eine umfassende allgemeine Begriffsbestimmung schwer. Außerdem sind die Übergänge und Abgrenzungen zum Begriff des Computers oder der künstlichen Intelligenz fließend. Am ehesten gelingen spezielle Roboterdefinitionen, wie z. B. im Bereich der Industrierobotik oder von Cobots. Letztere werden weniger durch ihre Gestalt, Funktion oder ihren Nutzen definiert, sondern eher durch spezifische Interaktionsformen wie Kooperation oder Kollaboration. Sie stehen für neuere Entwicklungen der Robotik, in denen auch soziale Interaktionen jenseits industrieller Analgen zum Repertoire gehören. Vor diesem Hintergrund werden in vorliegendem Kapitel ausgewählte allgemeine und spezielle Definitionsvorschläge vorgestellt und in einen systematischen Zusammenhang gebracht.
Michael Funk
Kapitel 2. Roboterinteraktionen
Zusammenfassung
Allgemeine und spezielle Roboterdefinitionen werden meistens hinsichtlich Funktion, Gestalt oder Nutzen vorgenommen. Zunehmend gewinnt jedoch eine andere Kategorie an Bedeutung, die auch zu den Markenzeichen kollaborativer industrieller Roboter (Cobots) gehört: Interaktion. So lassen sich grob Mensch-, Tier-, und Pflanze-Roboter-Interaktionen unterscheiden. Im Bereich der Social Robots werden zwischenmenschliche, soziale Beziehungen designt, wodurch sich ein relationales Roboterkonzept ergibt. Es geht also nicht primär um die materiellen Dinge, sondern um die Beziehungen zu ihnen sowie die gesellschaftlichen Gestaltungskräfte interaktiver Maschinen im sozialen Alltag. Vor diesem Hintergrund werden verschiedene Arten der Roboterinteraktionen vorgestellt und übersichtlich als Sonderfälle der Mensch-Technik-Mensch-Interaktion identifiziert – da Roboter auch im Tier- oder Pflanzenreich von Menschen ausgedachte und hergestellte Mittel sind. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Konzepte der humanoiden, androiden, gynoiden, animaloiden oder plantoiden Roboter und Anwendungsbeispiele. Hinzu tritt der Begriff des Cyborg sowohl als robotische Ergänzung lebender Wesen als auch als Metapher für das Überwinden sozialer Stigmata. Exkurse in die Science Fiction sowie Tipps zur Roboterbestimmung runden das Kapitel ab.
Michael Funk
Kapitel 3. Was ist eine Drohne?
Zusammenfassung
Drohnen zählen heute weitläufig zu den Robotern oder Robotic Systems. Sie weisen häufig vergleichbare Teilgrade technischer Autonomie auf, verfügen über Sensoren und zumindest Aktuatoren zum Antrieb. Diverse standardisierte informationsverarbeitende oder mechatronische Komponenten werden in Drohnen wie auch in anderen Robotern verbaut. Am ehesten lassen sich Drohnen durch ihren unbemannten, ferngesteuerten Fahrzeugcharakter identifizieren. Durch verschiedene Klassifikationssysteme wird versucht, sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich eine möglichst einheitliche Nomenklatur zu finden. Dabei sind Drohnen nicht nur kleine Flugkörper aus dem Baumarkt (Multicopter) oder große, waffenfähige Gefechtssysteme (UCAV – „unmanned combat aircraft vehicle“). Auch ferngesteuerte unbemannte Fahrzeuge am Boden oder im maritimen Einsatz zählen dazu. Neuere Systeme, etwa der sogenannten „loitering munition“ oder Drohnenschwärme mit weiter führenden technischen Autonomiegraden zeigen einmal mehr dringenden Regulierungsbedarf auf. Vor diesem Hintergrund werden Schlüsselbegriffe und die Brisanz der begleitenden ethischen Reflexion im zivilen und militärischen Kontext vorgestellt.
Michael Funk
Kapitel 4. Was ist künstliche Intelligenz?
Zusammenfassung
Obwohl häufig von Robotik als „verkörperter KI“ gesprochen wird, meinen beide Begriffe nicht das Gleiche. KI stellt eine wesentliche Softwarekomponente im Betrieb von Robotern und Drohnen dar. Gleiches gilt für Computer, vom Businessnotebook bis hin zum privaten Smartphone. Aus technischer Sicht lassen sich diverse Verfahren unterscheiden und wiederum allgemein den beiden Konzepten klassischer top-down programmierter KI sowie neuerer Bottom-up-Ansätze des Machine Learning zuordnen. Für gesellschaftliche Auseinandersetzungen ist außerdem eine breitere Einordnung hilfreich. Gibt es „künstlich“ hervorgebrachte „Intelligenz“ nur in Computern, oder auch in gezüchteten Nutztieren oder synthetischen Organismen? Zur differenzierten technikethischen Bewertung wird zuerst ein grundlegendes Verständnis anhand der Übersetzungsvarianten des englischen „artificial intelligence“ entwickelt. Die systematische sprachkritische Analyse führt zur Unterscheidung von fünf Paradigmen sowie vier Bedeutungen. Schließlich folgt innerhalb des IT-Paradigmas die Eingrenzung kognitivistisch-symbolischer und konnektionistisch-subsymbolischer Ansätze. In einem technikethischen Problemaufriss lässt sich die Position des Menschen entsprechend der Kategorien Technologie, Pragmatismus, Bionik sowie Transhumanismus nachvollziehen.
Michael Funk
Kapitel 5. Fakt und Fiktion – „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!“
Zusammenfassung
Künstliche Intelligenz und Robotik laden in besonderem Maße zur Projektion von Hoffnungen und Zukunftsvisionen ein. Die Idee denkender Maschinen hat Generationen von Forscherinnen begeistert. Alan Turing formulierte hierfür eigens seinen berühmten Turing-Test. Auf der anderen Seite ist universelle KI bis heute nicht realisiert. Umso wichtiger ist es aus wissenschaftlicher Sicht, dem epistemischen Ökonomieprinzip folgend unnötige Spekulationen zu verhüten oder zumindest als solche klar sichtbar zu halten. Gerade dadurch wird rationales Thinktanking möglich. Mit Blick auf die Trennung von Fakt und Fiktion findet in vorliegendem Kapitel eine ideengeschichtliche Rekonstruktion des Konzepts starker KI statt, wohingegen die Realgeschichten dem Begriff der schwachen KI entsprechen. Die Unterscheidung „starker KI“ und „schwacher KI“ ist wiederum einer dritten Ebene zuzuordnen: der Begriffsgeschichte. Von Klassikern wie Turing oder Searle bis zum aktuellen Boom der Superintelligenz wird in die KI-Diskussion seit den 1950er-Jahren kritisch eingeführt. Exkurse zu historischen Vorgeschichten und in die Science Fiction runden die Darstellungen ab.
Michael Funk
Kapitel 6. Schwache KI – Realgeschichten
Zusammenfassung
Es herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass sich aktuelle Technologien wie Machine Learning oder Künstliche Neuronale Netzwerke der schwachen KI-These zuordnen lassen. Die Imitation universeller menschlicher Fähigkeiten oder gar deren allumfassende Übersteigerung entspricht nicht der (aktuell absehbaren) Realität. Vor diesem Hintergrund wird in das Konzept der Expertensysteme eingeführt, womit auch bei aktueller Bottom-up-KI problemorientierte Spezialanwendungen bezeichnet sind. Zentraler Gegenstand ist ein gereiftes Verständnis der gesellschaftlichen Tragweite von Algorithmen, die etwa zum Profiling eingesetzt werden. Neben einer systematischen Bestimmung des Algorithmusbegriffs stehen ethische Problemfelder der Stigmatisierung und Diskriminierung, Privatheit, Transparenz oder des Social Scoring. Anhand ausgewählter Beispiele werden Bezüge zur Digitalisierung der Bildung, Wirtschaft und Politik aufgezeigt. Nicht nur ihre Gegenstände, sondern schon das Konzept der KI-Ethik ist dabei ein kontroverses Problem. Sie sollte als freie, rationale Moralwissenschaft den gesellschaftlichen Umgang mit Computern begleiten und weder der Interessenvertretung dienen, noch auf das unhinterfragte Befolgen vorgeschriebener Guidelines reduziert sein.
Michael Funk
Backmatter
Metadaten
Titel
Computer und Gesellschaft
verfasst von
Michael Funk
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-39020-4
Print ISBN
978-3-658-39019-8
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-39020-4

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