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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung und Ausgangspunkte

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Controlling und begrenzte kognitive Fähigkeiten: Ausgangspunkte und Grundfragen

Die in diesem Band enthaltenen Beiträge beschäftigen sich mit einer wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsperspektive, die darauf abzielt, das Handlungsmodell des Homo oeconomicus problemabhängig um kognitive Aspekte zu erweitern. Diese Perspektive basiert damit auf der Annahme, dass menschliche Akteure kognitiv begrenzt sindund eigeninteressiert – d.h. auch potenziell opportunistisch – handeln („integratives Akteursmodell“ oder kurz „Akteursmodell“). Ein derartiger Ansatz bietet die Möglichkeit, zwei Forschungsströmungen zu integrieren, die auch in der jüngeren Diskussion der Betriebswirtschaftslehre eine prominente Rolle eingenommen haben: (1) die Neue Institutionenökonomik mit ihrem Fokus auf die Gestaltung anreizkompatibler institutioneller Rahmenbedingungen und (2) die Behavioral- Economics-Forschung mit der Betonung begrenzter kognitiver Fähigkeiten. Auch wenn der Anwendungsbereich eines derartigen Ansatzes grundsätzlich sehr weit ist, werden die sich in diesem Zusammenhang stellenden Fragen in diesem Buch vorrangig anhand von Fragestellungen des Controllings und des Rechnungswesens diskutiert. In diesem Sinne adressieren die in diesem Band versammelten Beiträge Grundfragen eines Behavioral Controlling bzw. Accounting.
Matthias Meyer

Genese des Akteursmodells – oder: warum sich ein Controlling-Lehrstuhl mit Grundfragen ökonomischer Modellierung beschäftigt

Das vorliegende Buch gibt einen Überblick über den Stand unserer Bemühungen, kognitiven Begrenzungen von Akteuren einen angemessenen Platz in der Modellierung ökonomischer Probleme einzuräumen, gleichberechtigt neben den heute stark betonten individuellen, opportunismusgefährdeten Zielen. Ein solches Bemühen entsteht nicht zufällig. Den Ursprung und den Entwicklungsweg an meinem Lehrstuhl nachzuzeichnen, ist ebenso Gegenstand dieses einführenden Beitrags wie eine Einschätzung der Bedeutung entsprechender Überlegungen für die Weiterentwicklung der betriebswirtschaftlichen Disziplin Controlling.
h.c. Jürgen Weber

Motivation und Einordnung des „Akteursmodells“: Überlegungen zur Integration von Anreizen und Kognition in der betriebswirtschaftlichen Forschung

Im Windschatten der momentan zunehmend an Einfluss gewinnenden Behavioral-Economics- Forschung wird gegenwärtig in der betriebswirtschaftlichen Forschung wieder vermehrt eine breitere verhaltenswissenschaftliche Perspektive eingenommen. Neben reinen Anreizproblemen werden damit zunehmend auch Phänomene betrachtet, die auf die begrenzten kognitiven Fähigkeiten ökonomischer Akteure zurückgeführt werden können. Parallel hierzu wurde als ein Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhls für Controlling und Telekommunikation an der WHU in den letzten Jahren ein spezifisches Führungsverständnis entwickelt, dessen Kernbaustein ein auf ähnlichen Ideen basierendes Akteursmodell2 darstellt. Dieses nimmt Begrenzungen im Können und Wollen als grundlegenden Ausgangspunkt. Aktuell gilt es, die am Lehrstuhl entwickelten Ideen in die allgemeinen theoretischen Entwicklungen einzuordnen und die bestehenden Arbeiten zu konsolidieren. Dies ist das Ziel dieses Beitrags.
Matthias Meyer, Bernd-O Heine

Akteursmodell und ökonomischer Ansatz: Eine Verhältnisbestimmung

Das im vorangegangenen Beitrag motivierte und eingeordnete Akteursmodell kann als eine methodologisch reflektierte Ausdifferenzierung traditioneller ökonomischer Ansätze, insbesondere auch der Neuen Institutionenökonomik verstanden werden. Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, ist eine Auseinandersetzung mit den Stärken und Grenzen bestehender Ansätze erforderlich. Vor diesem Hintergrund verfolgt dieser Beitrag das Ziel, eine Verhältnisbestimmung von Akteursmodell und ökonomischem Ansatz vorzunehmen. Nur auf Basis der Kenntnis der grundlegenden Erklärungsstrategie und zentraler Theoriebildungsentscheidungen des traditionellen ökonomischen Ansatzes ist eine methodologisch reflektierte Ausdifferenzierung zu erwarten („Man muss die Regeln lernen, um sie zu brechen.“).
Matthias Meyer

Methodologische und methodische Grundlagen

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Zur Modellierung ökonomischer Akteure mit begrenzten kognitiven Fähigkeiten: Anleitung zu einer problemspezifischen Ausdifferenzierung des Homo oeconomicus

Es scheint so, als lassen sich viele relevante wirtschaftswissenschaftliche Phänomene nur unzureichend mit dem neoklassischen Homo oeconomicus als handlungstheoretischer Basis erklären. So gibt es zum einen eine Reihe von Fragestellungen, bei denen sich ausgehend von einer derartigen, streng ökonomisch-rationalen Erklärungsperspektive lediglich einer, wenn auch oft wesentlicher, von mehreren Aspekten beleuchten lässt. Ein Beispiel hierfür wäre der häufig beobachtbare Planungsoptimismus in Unternehmen. Dieses Phänomen lässt sich nur zum Teil auf die Interessen der beteiligten Akteure (z.B. Ressourcenpräferenzen, Karriere etc.) und damit auf die übliche ökonomisch-rationale Erklärungsperspektive zurückführen. Überoptimistische Pläne können aber auch das Resultat „kognitiver Fehlleistungen“ sein, d.h. ihre Ursache ist ebenfalls in der unzureichenden Verarbeitung von Informationen durch die an der Planung beteiligten Akteure zu suchen. Zum anderen liegen inzwischen zahlreiche empirische Evidenzen für so genannte „Verhaltensanomalien“ in Bezug auf das neoklassische Handlungsmodell vor. Bekannt in diesem Zusammenhang sind die Arbeiten von Kahnem und Tversky, die prägend für die so genannte Behavioral-Economics-Forschung waren. Diese Ergebnisse dürften ebenfalls für die Analyse vieler Fragestellungen von Bedeutung sein.
Bernd-O. Heine, Bernhard Hirsch, Klaus Hufschlag, Marc Lesch, Matthias Meyer, Roman Müller, Anne Paefgen, Guido Pieroth

Eine generische Learning-Classifier-Bibliothek auf Basis objektorientierter Prinzipien: Grundlagen einer Umsetzung der Methode der abnehmenden Abstraktion „in silicio“

Learning-Classifier-Systeme (LCS) sind in der jüngeren Zeit sehr populär geworden. Das kann auch im Bereich der sozialwissenschaftlichen Simulation beobachtet werden. Insbesondere werden sie in diesem Gebiet gerne dazu verwendet, kognitive Prozesse darzustellen und Lernen zu modellieren. Exemplarische Beispiele der Anwendung von LCS in sozialwissenschaftlichen Simulationsmodellen sind Marengo (1992), der ein Holland-Classifier-System verwendet, um das Lernen von Agenten im Rahmen der Lösung eines kollektiven Entscheidungsproblems in einer Organisation zu modellieren, Vriend (1995), der die Selbstorganisation auf Märkten untersucht oder Welch/Reeves/Welch (1998), deren Modell das Entscheidungsverhalten von Wirtschaftsprüfern ebenfalls auf Basis eines LCS simuliert.
Matthias Meyer, Klaus Hufschlag

Anwendungen

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Nutzung der Methode der abnehmenden Abstraktion im Rahmen der Erklärung verspäteter Projektabbrüche in der F&E

Verspätete Projektabbrüche stellen in der betrieblichen Praxis ein wichtiges Problem dar - empirische Studien legen nahe, dass eine große Zahl von fehlschlagenden F&E-Projekten systematisch zu spät oder gar nicht abgebrochen wird. Entscheidern in der F&E wird zuweilen sogar “die Neigung, einmal begonnene Entwicklungsvorhaben bis zum mitunter bitteren Ende fortzusetzen“, nachgesagt. Offenbar reichen vorhandene Instrumente des Projektmanagements nicht aus, um den rechtzeitigen Abbruch von Projekten und damit eine effiziente Verwendung knapper Ressourcen in der F&E sicherzustellen. Während sich in der klassischen betriebswirtschaftlichen Literatur kein Ansatz finden lässt, der dieses Phänomen zufriedenstellend erklärt, wird in der psychologischen Literatur unter dem Begriff der „Escalation of Commitment“ seit längerem die Tendenz verantwortlicher Entscheider, fehlschlagende Projekte länger weiterzuführen, als es auf der Grundlage einer rationalen Beurteilung zu vertreten wäre, untersucht.
Eric Zayer

Die Methode der abnehmenden Abstraktion als Bindeglied zwischen theoretischer Analyse und empirischer Forschung am Beispiel einer Erhebung zur Eskalation risikoreicher Projekte

Unter dem Begriff Escalation of Commitment wird das Phänomen verstanden, dass Menschen dazu neigen an ihrem Vorgehen festzuhalten, auch wenn neue Informationen andeuten, dass die Vorgehensweise nicht zum gewünschten Ziel führt. So zeigen Forschungsergebnisse beispielsweise, dass die große Mehrzahl von schlecht laufenden Projekten deutlichzu spät abgebrochen wird. Der systematisch verspätete Abbruch scheiternder Projekte (Projekteskalation) wird in der Literatur auf mehrere Faktoren zurückgeführt. Weite Verbreitung hat beispielsweise die Taxonomie von Staw/Ross erlangt, die Projektfaktoren, psychologische/kognitive Faktoren, soziale Faktoren und organisationale Faktoren unterscheiden. Der Fokus der hier vorgestellten Studie liegt auf denkognitiven Faktoren im Rahmen der Projektsteuerung, d.h. den Schwierigkeiten, die Menschen damit haben, rationale Entscheidungen über den Ressourceneinsatz bei risikoreichen Projekten zu treffen und umzusetzen. Die im Folgenden skizzierte empirische Untersuchung nutzt als Analyserahmen eine stark vereinfachte und leicht modifizierte Version des Modells von Zayer.
Matthias Mahlendorf

Modellbasierte Erfassung konzeptioneller Informationsnutzung

Die Kostenrechnung wird von theoretischer Seite vielfach stark kritisiert, was jedoch der großen Bedeutung und der Gestaltung dieses Controllinginstruments in der Unternehmenspraxis entgegensteht. Dies sei laut Pfaff/Weber (1998) insbesondere darauf zurückzuführen, dass der Zweck der Kostenrechnung in einer verengten Sichtweise auf die Entscheidungsfundierung reduziert wird. Sie plädieren daher für eine umfassendere Sicht. Zur Ergänzung der verengten Sicht wurden in der durch den Artikel ausgelösten regen Diskussion besonders zwei Zwecke betont: Verhaltenssteuerung und die Schaffung einer Kommunikationsplattform bzw. eines gemeinsamen Verständnisses der Situation.
Bernd-Oliver Heine

Verhaltenswissenschaftliche Erklärungen für Implementierungsprobleme des wertorientierten Berichtswesens und Konsequenzen für die Theoriebildung des Controllings

Die wertorientierte Unternehmenssteuerung weist seit einigen Jahren eine besondere Relevanz für die betriebswirtschaftliche Diskussion, aber auch für die Unternehmenspraxis auf. Sie stellt ein Managementkonzept dar, dessen Implementierung in der täglichen Arbeit von Controllern seit einiger Zeit eine prominente Rolle einnimmt. Das Konzept der wertorientierten Unternehmenssteuerung definiert als zentrales Ziel der Unternehmensführung die Maximierung des Marktwertes des Eigenkapitals des Unternehmens.
Bernhard Hirsch, Andreas Scherm

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