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29.04.2019 | Controlling | Im Fokus | Onlineartikel

Die elf wichtigsten Kennzahlen für Unternehmen

Autor:
Sylvia Meier

Eine Vielzahl von Kennzahlen spielen im Controlling eine große Rolle. Mit ihnen lässt sich die Entwicklung der einzelnen Bereiche sowie die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens messen. Welche Kennzahlen sind am aussagekräftigsten?

Durch zahlreiche aufgearbeitete Informationen zu den wirtschaftlichen Daten im Unternehmen, die das Controlling liefert, kann das Management beurteilen, ob die Prozesse bei Produktion, Vertrieb oder in der Personalentwicklung auch auf die anvisierten Ziele steuern. Kennzahlen sind hierbei von entscheidender Bedeutung. Springer-Autorin Gunhild Posselt verdeutlicht in ihrem Buchkapitel "Funktion von Kennzahlen in einer Organisation" (Seite 15): 

Kennzahlen und betriebswirtschaftliche Auswertungen sind für die Steuerung eines Unternehmens existenziell notwendig. Kein Unternehmen, und sei es noch so klein, kann darauf verzichten." 

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Gründe für die hohe Kennzahlenorientierung

Kennzahlen sind Fluch und Segen zugleich. Sie bilden ein Unternehmen detailliert ab und lassen vermuten, dass man durch sie das Unternehmen steuern sowie die Entscheidungsqualität verbessern könnte. 


Kennzahlen geben zum Beispiel Aufschluss über die Liquidität eines Unternehmens. Dennoch wird in der Praxis das Management mangels Analysen nicht selten von einer Zahlungsunfähigkeit überrascht. Die Springer-Autoren Vinzenth Wieser-Linhart und Bernd Heesen erklären in ihrem Buchkapitel "Insolvenzrecht kompakt" (Seite 2): "Letztendlich bricht eine Insolvenz nicht einfach über ein Unternehmen herein. Meist baut sich die Krise im Vorfeld der Insolvenz systematisch auf und ist deutlich früher in den "Zahlen" zu erkennen. Allerdings achtet das Management häufig nicht auf derartige Aspekte (obwohl es deren gesetzliche Pflicht ist), oder es mangelt ihm einfach an Kompetenz." Zugleich betont Heesen in seinem Buch "Bilanzanalyse und Kennzahlen" (Seite 55): "Eine Kennzahl alleine sagt gar nichts und erst recht nicht, wenn wir sie nur für eine Periode berechnen können." Die Kunst liegt in der Analyse und Interpretation von Kennzahlen. 

Die Analyse wichtige Daten ist also mehr als eine Pflichtübung und sollte zum Unternehmensalltag zählen, nicht nur im Konzerncontrolling. Auch kleine und mittelständische Unternehmen müssen Kennzahlen berechnen und werden daran gemessen, beispielsweise bei der Bank, wenn es um einen neuen Kredit geht. Allerdings: Die Datenmengen in den Unternehmen steigen und mit ihnen die Analysemöglichkeiten. Wilde Berechnungen ohne System helfen dabei allerdings nicht. 

Nicht im Zahlenmeer versinken 

Ein Unternehmen kann eine ganze Flut von Kennzahlen definieren. Welche Kennzahl wirklich wichtig ist, ist jedoch eine individuelle Entscheidung des Managements und hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. In dem Buchkapitel "Die elf wichtigsten Kennzahlen" stellt Springer-Autorin Professor Claudia Ossola-Haring die Kennzahlen für Unternehmen vor, die aus ihrer persönlichen Sicht besonders erfolgreich im Einsatz sind, auch wenn sich das nicht pauschal auf jedes Unternehmen übertragen lässt. 

Die elf wichtigsten Kennzahlen laut  Claudia Ossola-Haring:Formel/Ermittlung

Produktive Gewinnverwendung I (in Prozent)

Gewinnanteil verwendet für Investitionen in Anlagevermögen ×100: Gesamtgewinn

Produktive Gewinnverwendung II (in Prozent)

Gewinnanteil verwendet für Investitionen in Umlaufvermögen ×100: Gesamtgewinn

Unproduktive Gewinnverwendung (in Prozent)

Gewinnanteil verwendet für unproduktive Zwecke ×100: Gesamtgewinn

Performance (für ein Jahr)

(Wert der Beteiligung am Ende der Periode – Wert der Beteiligung am Anfang der Periode+Ausschüttungen) ×100: Wert der Beteiligung am Anfang der Periode

Market Value added (MAV)

Marktwert des Unternehmens – Unternehmensvermögen (= Aktivseite der Bilanz abzüglich der Schulden)

Economic Value added (EVA)

(Geschäftsergebnis – Kapitalkosten): Investiertes Gesamtkapital

EBIT/EBITDA

Jahresüberschuss bereinigt um einen außerordentlichen Ertrag oder Aufwand und vor dem Zinsaufwand/-ergebnis, vor Steueraufwand zuzüglich der Abschreibungen auf Sachanlagen und Amortisation auf immaterielle Anlagen

Return on Invested Capital (ROIC)

EBIT×Steuersatz: Bilanzsumme minus Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung

Forschung und Entwicklung
(Beginn Produktion/Markteintritt – Beginn Produktentwicklung): Gesamtzeiteinheit (Jahr, Quartal, Monat…)

Personal: Altersstruktur qualifizierter Mitarbeiter

Alter der qualifizierten Mitarbeiter: Anzahl der qualifizierten Mitarbeiter

Personal: Fluktuation qualifizierter Mitarbeiter (in Prozent)

Anzahl der qualifizierten Mitarbeiter, die in dem Berichtszeitraum gekündigt haben×100: Gesamtzahl der qualifizierten Mitarbeiter

Kennzahlen sind kein Selbstzweck  

Ein zentraler Prüfpunkt aus Sicht der Autorin ist jedoch die Gewinnverwendung. Häufig kommt es vor allem bei Mittelständlern in zweiter oder dritter Generation dazu, dass zu viele Entnahmen vorgenommen werden. Aus Gewohnheit erwächst so ein hausgemachtes Problem. Dass sich ein Betrieb vielleicht hohe Entnahmen nicht mehr leisten kann, wird dabei ignoriert. Häufig kommt es dann bei den Finanzen zu Engpässen. Ossola-Haring warnt deshalb (Seite 260): "Wird das Unternehmen ausgeblutet, wird es über kurz oder lang nicht mehr lebensfähig sein."

Die Autorin beschreibt die jeweiligen Kennzahlen deshalb nicht nur ausführlich, sondern erläutert auch, warum sie sich im Einzelfall auch verschlechtern können. Zudem räumt sie mit typischen Irrtümern auf und gibt Tipps, mit welchen Mitteln sich Kennzahlen verbessern lassen. 

Einen wichtigen Aspekt stellen hier aktuelle Entwicklungen wie etwa die Digitalisierung dar. Gerade wenn Unternehmen mit Hilfe einer digitalen Strategie ihre technologische Infrastruktur und die hiervon betroffenen Prozesse transformieren wollen, benötigen sie spezielle Kennzahlen, mit denen sich die korrekte Umsetzung prüfen sowie die Steigerung der Wertschöpfung durch die digitalen Veränderungen nachweisen lässt. 

In diesem Zusammenhang ermöglichen es insbesondere wertorientierte Kennzahlen, wie beispielsweise der Return on Capital Employed, der Economic Value Added, der Cash Value Added, der Shareholder Value oder der Cash Flow Return on Investment, die gegenwärtige und zukünftige Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des betroffenen Unternehmens darzustellen", sagen die Springer-Autoren Wolfgang Becker und Matthias Nolte in Buchkapitel "Die Rolle des Controllings im Rahmen der Digitalisierung – Funktionen, Aufgaben und Instrumente" auf Seite 84.

Unternehmen sollten daher Kennzahlen nicht willkürlich einsetzen, sondern kritisch hinterfragen, welche Ziele erreicht und Strategien verfolgt werden. Auf diese Kennzahlen sollten sich das Management fokussieren. 

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