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16.12.2015 | Controlling | Interview | Onlineartikel

"Fortschrittliche Planungsinstrumente sollten schlank und flexibel sein"

Autor:
Sylvia Meier

Unternehmensplanungen sind aufwendig und leider nicht immer effizient. Springer-Autor Igor Barkalov erklärt im Interview, woran man überhaupt erkennt, dass eine Unternehmensplanung effizient war.

Springer für Professionals: Was verstehen Sie unter einem „ganzheitlichen Planungsprozess“ und was macht diesen Ansatz so interessant?

Igor Barkalov: Die Effektivität einer Unternehmensplanung wird durch drei Kriterien entscheidend mitbestimmt: Sie muss 1. integriert, 2. abgestimmt und 3. fokussiert sein. Gelingt es, zwischen diesen drei Elementen eine Balance herzustellen, können wir von einem ganzheitlichen Planungsprozess sprechen. Für das Gleichgewicht mitverantwortlich ist in besonderem Maß die Fokussierung: Nur die wichtigsten Treiber dürfen miteinander verknüpft werden, damit die Effektivität nicht durch einen Mangel an Effizienz geschmälert wird. Durch kluge Integration der wesentlichsten Einflussfaktoren in die Planungsprozesse sowie durch ein abgestimmtes Vorgehen kommt man - auf wirtschaftlichem Weg - zu den notwendigen Ergebnissen und Entscheidungen.

Aktuelle Studien zeigen, dass viele Unternehmen eine sehr lange Planungsdauer zu beklagen haben. Woran liegt das Ihrer Ansicht nach?

Der internationale Durchschnitt der Planungsdauer liegt, abhängig von der Branche, zwischen 129 Arbeitstagen bei Life-Sciences-Unternehmen und 210 Arbeitstagen in der Konsumgüterindustrie bzw. dem Handel. Am längsten geplant wird in den USA, weil dort aufgrund regulatorischer Anforderungen und Krisen-Erfahrungen ein hoher Detailgrad abgestrebt wird. Als besonders aufwändig erweist sich die Jahres- und Mittelfristplanung, weil hier zumeist eine besonders hohe Zahl von Abstimmschleifen erforderlich ist.

Woran erkennt ein Unternehmen, dass die Mühe sich gelohnt hat? Sprich: Woran erkennt man, ob eine Unternehmensplanung effizient ist/war?

Die Unternehmensplanung kann als effizient bezeichnet werden, wenn der Aufwand für Administration, Datenaufbereitung und Abstimmung gering bleibt. Dies ist in der Regel auch an den Kosten abzulesen: je niedriger, desto effizienter. Eine effiziente Planung begrenzt aber auch den Detaillierungsgrad auf ein möglichst optimales Maß. Dazu sollte auf die wesentlichen Geschäftstreiber fokussiert werden, auf die Bewertung und Analyse der Planungsergebnisse sowie auf die Ableitung von Maßnahmen. Die Integration der Teilpläne ist dabei eine wichtige Voraussetzung. Neben der Effizienz ist gleichzeitig aber die Effektivität der Planung zu bewerten: Sie zeigt sich in der Steuerungsrelevanz und Prognosefähigkeit der Planung, zum Beispiel in der Möglichkeit, Planungssimulationen vor dem Hintergrund unterschiedlicher Geschäftsentwicklungsszenarien vorzunehmen. Eine effektive Planung berücksichtigt darüber hinaus vermehrt dynamische Elemente wie eine rollierende Prognose oder eine rein operative Prognose, sie basiert auf unternehmensweit gültigen Annahmen, arbeitet mit klaren, skalierten Vorgaben und verwendet ein Planungsmodell.

Welche Anforderungen müssen die Instrumente, die zur Unternehmensplanung eingesetzt werden, erfüllen?

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen den Standard-Planungsarten, die in wohl jedem Unternehmen etabliert sind, und den business-orientierten Planungsarten. Erstere folgen einer vorgegebenen Routine und lassen deshalb Flexibilität und Anpassungsfähigkeit vermissen, dazu gehören vor allem die Jahres- und Mittelfristplanung. Standard-Instrumente sind in der Regel schwerfällig und unübersichtlich, auch weil sie historische Datenbestände aufbauen. Fortschrittliche Planungsinstrumente dagegen sollten schlank und flexibel sein, unter anderem weil sie die Aufgabe erfüllen müssen, aktuelle Initiativen und Programme zu überwachen und zu steuern. Genau diese Eigenschaften treffen auf business-orientierte Planungsarten zu: beispielsweise auf den rollierenden finanziellen Forecast und den rollierenden operativen Forecast.

Welche Rolle spielt Business Analytics bei der Unternehmensplanung?

In Ländern wie den USA, Großbritannien oder den Niederlanden haben Business Analytics schon hohe Anerkennung gefunden, auch im Zusammenhang mit der Unternehmensplanung. In Deutschland dagegen herrscht gegenüber Business Analytics noch verbreitete Skepsis. Zu Unrecht. Mit Business Analytics wird es zum Beispiel möglich, für die Unternehmensplanung Korrelationen von auch externen Einflussfaktoren und Zielgrößen festzustellen. Aus den Ergebnissen lassen sich die wesentlichen Treiber – interne und externe – für das jeweilige Unternehmen ableiten. Basierend auf den Treibern wiederum können die Variablen für verwendete Planungsmodelle definiert werden. Vor allem die Szenarienmodellierung wird von Big Data und Business Analytics extrem profitieren. Da dieses Verfahren mit sehr großen Datenvolumina beziehungsweise mit langen Zeitreihen arbeitet, ist eine zuverlässige Analyse mit hoher Genauigkeit erzielbar. Allerdings verlangt die Beherrschung von Big Data und Business Analytics nach völlig neuen Fähigkeiten, die bisher äußerst selten in einem Unternehmen anzutreffen sind.

Weitere Infos zur Person

Igor Barkalov ist als Principal bei Capgemini Consulting spezialisiert auf die Beratung bei der Unternehmenssteuerung, Unternehmensplanung und der Optimierung von Planungsprozessen.

Weitere Infos und ein Video zum Buch: https://www.de.capgemini-consulting.com/effiziente-unternehmensplanung

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