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03.12.2018 | Controlling | Im Fokus | Onlineartikel

Banken fordern mehr Krisenprävention von Unternehmen

Autor:
Sylvia Meier

Wie krisenanfällig sind deutsche Unternehmen? Eine aktuelle Studie zeigt, dass viele Topmanager große Sorgen plagen. Auch Banken erhöhen den Druck und fordern mehr Maßnahmen zur Krisenfrüherkennung. 

Das Beratungsunternehmen Staufen hat für die Studie "Restrukturierung 2018" 244 Vorstände und Geschäftsführer mittelständischer Industrieunternehmen befragt. Die Ergebnisse der Erhebung sind ernüchternd: 

  • Nur jeder fünfte Manager schätzt seinen Betrieb als absolut krisenfest ein. 
  • Jeder dritte Studienteilnehmer hält das eigene Unternehmen für stark krisenanfällig. 

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Restrukturierung der betrieblichen Unternehmenskrise

Rund 26.000 Unternehmen haben 2013 in Deutschland Insolvenz angemeldet. Jedoch spielen sich die meisten Unternehmenskrisen außerhalb der amtlichen Statistik ab, die lediglich die gerichtlichen Insolvenzverfahren erfasst. 

Viele Manager scheinen also zu fürchten, dass dem eigenen Unternehmen schwere Zeiten bevorstehend. Noch immer ist unklar, welche Folgen das Brexit-Votum für die deutsche Industrie mit sich bringen wird. Handelskonflikte mit den USA sorgen für weitere Unsicherheiten. Und nicht zuletzt stellt auch der digitale Wandel viele Firmen momentan vor große Herausforderungen. 

"Die industrielle Revolution 4.0 ist in vollem Gange und längst nicht alle Betriebe sind aktuell dazu in der Lage, sich selbst neu zu erfinden", meint Restrukturierungsexperte Andreas Sticher, Partner bei der Unternehmensberatung Staufen. Er sieht vor allem den Maschinen- und Anlagenbau für krisengefährdet, da diese überdurchschnittlich stark von einzelnen Regionen oder Märkten abhängig sind. Viele Unternehmen versuchen bereits, sich auf eine mögliche Krise vorzubereiten. 59 Prozent der deutschen Industrieunternehmen spielen laut der Studie regelmäßig Krisenszenarien und mögliche Gegenmaßnahmen durch. 

Viele Unternehmen sind nicht auf Krisen vorbereitet 

Auch die Studie "Stronger, fitter, better: Crisis Management for the Resilient Enterprise" der Beratungsfirma Deloitte zeigt, dass Unternehmen Szenarien noch zu wenig proben und auf mögliche Krisen nicht ausreichend vorbereitet sind. Dabei können Unternehmen zahlreiche Instrumente zur Früherkennung einer Krise nutzen. 

Eine Schlüsselfunktion hat hier der Finanzbereich. Kennzahlen können bereits viele Aufschlüsse zur aktuellen Situation liefern. Ein regelmäßiges Bilanzcontrolling kann beispielsweise Liquiditätsschwierigkeiten durch ein unzureichendes Working Capital Management offenlegen. Doch in der Realität sind in vielen Unternehmen nur wenige Maßnahmen zur Früherkennung einer Krise vorhanden. Es scheint noch an der Sensibilisierung zu mangeln. 

Krisen sind oft hausgemacht  

Die häufigsten Gründe für schwere Unternehmenskrisen sind laut der Staufen-Studie

  • Konjunktureinbrüche (33 Prozent),
  • verschärfter Preiskampf (29 Prozent),
  • mangelnde Markt- oder Kundenorientierung (26 Prozent), 
  • Managementfehler (25 Prozent), 
  • Vertriebsschwäche (22 Prozent) und 
  • strategische Fehlentscheidungen (22 Prozent).

Viele Sanierungsfälle scheinen also hausgemacht zu sein. Sticher weist darauf hin, dass Unternehmen mehr tun müssen und einen Mentalitätswandel brauchen. Er fordert Firmen dazu auf, künftig nicht erst auf eine Krise zu reagieren, wenn es eventuell schon zu spät ist, sondern Frühindikatoren rechtzeitig zu erkennen und entsprechend schnell darauf zu reagieren. 

Eine Unternehmenskrise kann dazu führen, dass ein Bankkredit nicht mehr bedient werden kann. Krisenprävention wird deshalb zunehmend auch von Geldgebern vorausgesetzt. Die Bank selbst versucht ihrerseits bereits im Vorfeld abzuklären, ob die Kreditvergabe an ein Unternehmen problematisch sein könnte, weil es möglicherweise bereits krisengefährdet ist. Springer-Autor Klaus Knobel stellt "Konzepte zur Früherkennung von Problemkrediten" vor. Demnach orientiert sich die Bank an  

  • Informationen der Hausbank über die Kontoführung,
  • der Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse (wie dem Jahresabschluss),
  • Kundengesprächen,
  • Sicherheitsprüfungen und
  • dem internen Unternehmensrating.

Der Erfolg einer Restrukturierung ist messbar 

Ist die Krise dennoch eingetreten, können Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet werden. Doch viele Manager zeigen sich pessimistisch. Die Staufen-Studie zeigt, dass 71 Prozent der Manager nicht einmal die Hälfte der Restrukturierungen als nachhaltig erfolgreich erachten. Und jeder fünfte Studienteilnehmer geht davon aus, dass die Erfolgsquote für Restrukturierungen bei unter 25 Prozent liegt. Eine Restrukturierung kann tatsächlich eine große Chance für Unternehmen bieten. Ob die Maßnahmen erfolgreich waren oder nicht, kann laut der Studie das Controlling vor allem mithilfe der Kennzahlen Liquidität und Umsatzrendite ermitteln. 

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Quelle:
Lean Management

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Working Capital Management

(Strategische Managementkonzepte)
Quelle:
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