Skip to main content
main-content

29.05.2019 | Controlling | Im Fokus | Onlineartikel

Digitalisierung der Finanzabteilung braucht Veränderungswillen

Autor:
Oleg Brodski
3 Min. Lesedauer

Die Digitalisierung bietet Unternehmen viele Möglichkeiten und Chancen, Tätigkeiten neu zu sortieren und Kapazitäten effizienter einzusetzen. Experte Oleg Brodski erklärt, wovon die digitale Transformation im Finanzbereich abhängt.

Die Anzahl von Projekten zur digitalen Transformation im Bereich Finance & Controlling hat in den letzten fünf Jahren erheblich zugenommen. Hierbei sind Themen, Instrumente und Methoden wie Robotic Process Automation (RPA), Predictive Analytics & Forecasting und Data Lake in fast jedem Konzeptpapier zu finden. Nicht erfolgreiche Digitalisierungsprojekte haben jedoch immer eines gemeinsam: eine mangelnde Veränderungsbereitschaft.

Empfehlung der Redaktion

2018 | Buch

Digitale Transformation von Geschäftsmodellen erfolgreich gestalten

Trends, Auswirkungen und Roadmap

Die Digitale Transformation hat längst begonnen und stellt Unternehmen einerseits vor neue Herausforderungen, bietet aber andererseits Unternehmen Möglichkeiten, ungenutzte Potenziale zu heben. Die Frage ist, welche (technologischen) Trends vorliegen, wie sich diese auf Unternehmen und insbesondere Geschäftsmodelle auswirken.


Für eine erfolgreiche Transformation sollte also in den folgenden drei Kategorien Veränderung zugelassen werden:

1. Intensivere Vernetzung mit dem operativen Geschäft

Digitalisierungsprojekte zeichnen sich durch ihren unternehmensübergreifenden Charakter sowie die Vernetzung innerhalb der Organisation aus. Alle Segmente sollen von der Digitalisierung profitieren. Aber nicht selten werden in einem Unternehmen parallel mehrere Projekte angestoßen. Eine besondere Rolle spielt hierbei der Finanzbereich, der einige Themen selbstständig umsetzen kann wie zum Beispiel die Automatisierung von Finanzprozessen durch RPA, neue Arbeitsmodelle und -verteilungen durch TOM (technische und organisatorische Maßnahme), RACI (Responsible, Accountable, Consulted und Informed) oder Activity Split.

Gleichzeitig verändert eine Digitalisierung auch das Front und Middle Office erheblich, was beinahe alle Stufen der Wertschöpfung betrifft. Ein konkretes Beispiel dafür sind produzierende Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell vom reinen Produktanbieter zu einem Managed Service Anbieter verändern. Diese Umstrukturierung hat weitreichende Konsequenzen für den Finanzbereich – sowohl auf das Steuerungsmodell, als auch die daraus abgeleiteten KPIs, Profitcenterstrukturen bis hin zum Reporting. Die Digitalisierung stellt die Weichen zwischen den einzelnen Organisationseinheiten, Strukturen und Segmenten. Der Finanzbereich sollte dabei stets in eine operative Transformation auf dem Weg in die digitale Zukunft eingebunden werden.

2. Rolle des CFO und der Finanzabteilung ändert sich

Die fortschreitende Vernetzung von Arbeitsabläufen, Prozessen und IT-Systemen verändert die Aufgaben des Finanzbereichs. Dies bezieht sich insbesondere auf Themen wie Transfer Pricing oder Planung. Das Transfer Pricing umfasst nicht mehr nur Compliance, sondern Unternehmenssteuerung und Gestaltung von operativen Prozessen. Die Planung ruft nun auch substantielle Fragen hervor, wie zum Beispiel eine am Markt und Wettbewerb orientierte Absatzplanung, Prescriptive Planning und Szenario Management sowie Simulation.

Diese Beispiele zeigen, dass der Finanzbereich und der CFO sich in Zukunft in ihrer eigenen Rolle und Mission innerhalb des Unternehmens neu aufstellen müssen. Die Bandbreite liegt dabei zwischen einem CFO als Operator einer Finanzfunktion bis hin zum CFO als Mit-Verwalter des Unternehmens. Durch die Digitalisierung wird sich der Finanzbereich stärker gliedern in Routine Tätigkeiten (RBA = Rool-based-activities) auf der einen Seite und Steuerungstätigkeiten (DBA = Decision-based-activities) auf der anderen. Dabei werden die RBA immer mehr durch moderne Technologien automatisiert. Für die DBA wird eine steigende Anzahl an qualifizierten Mitarbeitern mit analytischen Fähigkeiten, guten IT-Kenntnissen und Steuerkompetenzen gebraucht. Diese Veränderung bedingt ein neues Anforderungsprofil an Mitarbeiter im Finanzsektor sowie eine entsprechende Anpassung von Weiterbildungsprozessen.

3. Data Governance und Data Quality Management priorisieren

Die Themen Data Governance und Data Quality Management sind in der Vergangenheit oft zweitrangig behandelt worden. Mit der zunehmenden Vernetzung von IT-Systemen in operativen und Back-Office-Bereichen werden jedoch Data Quality sowie die dazugehörige Data Governance zunehmend relevant und gleichzeitig zu einer großen Herausforderung. Eine Digitalisierung scheitert in der Regel, wenn die Bereiche Data Quality, Master Data Management sowie Data Governance vernachlässigt und nicht an den aktuellen Stand angepasst werden.

Veraltete Denkmuster, in welchen die Verantwortung für die Datenqualität stets in andere Segmente fällt, zeugen von einer mangelnden Veränderungsbereitschaft und sollten unbedingt überdacht werden. Für die Digitalisierung von Finanzabteilungen gilt, dass bei einer signifikanten Veränderung des Umfelds nicht der Schnellste oder Stärkste gewinnt, sondern der Anpassungsfähigste.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

    Bildnachweise