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13.11.2017 | Controlling | Interview | Onlineartikel

"Die Einführung einer Cloudlösung erfordert einen Paradigmenwechsel"

Autor:
Sylvia Meier
Interviewt wurden:
Dr. Marcus Pack

ist Partner bei der Beratungsgesellschaft Deloitte und schon seit 1993 im Consulting tätig.

Thomas Haugg

ist Senior Manager bei der Beratungsgesellschaft Deloitte. 

Die Zukunft der Finanzabteilung liegt in der Cloud, meinen Marcus Pack und Thomas Haugg im Interview. Dabei erklären sie, welche Vorteile die Cloud bietet und welche Hürden bei der Umstellung bewältigt werden müssen.

Springer Professional: Was spricht für die Cloud? 

Marcus Pack: Die Cloud ist nicht nur eine Software, sondern eine Philosophie, die auf unbegrenzter Skalierbarkeit basiert, verbunden mit "ich zahle nur, was ich nutze". Man kann also Lizenzen hoch- und herunterfahren nach Bedarf. Das ist kostenseitig sehr interessant und flexibel. Hinzu kommt der technologische Fortschritt. Manche Technologien entwickeln sich exponentiell und sehr schnell. Die Cloud ist die einzige Möglichkeit für Unternehmen, mit dem technologischen Fortschritt mitzuhalten. Das ist vor allem für mittelständische Unternehmen interessant. Bei einer Cloudlösung mit Software-as-a Service (SaaS) bekommen sie neue Releases. Automatisch sind also neue Entwicklungen bereits da und nutzbar, ohne dass ein Unternehmen investieren muss. Das ist kostengünstig, denn wenn ein Unternehmen sonst eine Software kauft und installiert, muss es sich selbst auch um Updates und vieles mehr kümmern. Der Kostenaspekt, die Flexibilität und die bereits gelieferte, immer aktuelle Technologie sind also die Haupttreiber.  

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Wie steht es um das Thema Sicherheit? Gerade bei sensiblen Daten, beispielsweise in der Finanzabteilung, spielt das doch eine große Rolle? 

Thomas Haugg: Vor einigen Jahren scheuten sich Unternehmen vor allem deshalb vor der Cloud, weil sie diese noch als nicht sicher wahrgenommen haben. Heute finde ich, dass vor allem das Thema Sicherheit ein Grund für die Cloud ist. Ein mittelständisches Unternehmen kann nicht Unmengen Kapital in das Thema Sicherheit investieren. Wenn man nun die großen Softwareanbieter betrachtet: Die Datencenter befinden sich in Hochsicherheitstrakts. Wenn da jemand reinkommt, kommt er überall rein. Das Thema Sicherheit spricht also gerade für die großen Softwareanbieter mit Cloudlösungen, wie beispielsweise Oracle. 

Marcus Pack: Das ist tatsächlich gerade eine interessante Entwicklung. Vor etwa zwei Jahren war die Stimmung beim Thema Cloud noch negativ. Jetzt kippt das gerade. Das liegt daran, dass die Bedrohung größer und komplexer ist. Auch die Angreifer arbeiten komplexer. Es gibt große Organisationen, die gezielte und professionelle Hackerangriffe verüben. Ein mittelständisches Unternehmen kann sich davor kaum schützen. Hier reicht ein einfacher Virenscanner nicht mehr aus. 

Thomas Haugg: Das spricht für die großen Cloud-Anbieter. Neben dem Thema Sicherheit stellt sich dann auch noch die Frage, wo der Standort der Cloud ist. Kleine Anbieter haben manchmal ihre Server nicht in Deutschland. Was heißt das dann für den Finanzbereich? Wie steht es um die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung? Das kann zu vielen Rückfragen führen und schnell wird es problematisch.

Welche Voraussetzungen sollte die IT eines Unternehmens erfüllen, um den Schritt in die Cloud zu gehen? 

Marcus Pack: Die Einführung einer Cloudlösung erfordert einen Paradigmenwechsel. In der alten Denkweise wurde eine Software angeschafft und dann angepasst für individuelle Zwecke. Das hat dann aber auch zu vielen Problemen geführt, beispielsweise allein mit traditionellen Updates. In der Cloud geht das gar nicht. Man ist automatisch in einem Standardprozess beziehungsweise einem Standardmodell. Mittlerweile hat ein Paradigmenwechel stattgefunden, sodass gerade Prozesse, wie Finanzen, die nicht erfolgskritisch für das Geschäftsmodell sind, auch standardisiert werden könnten. Denn Unternehmen differenzieren sich am Markt durch spezielle Produkte oder ein innovatives Marketing, aber selten durch die Finanzabteilung. Deshalb entscheiden sich heute viele, genau diesen Bereich zu standardisieren. Es ist einfach zu administrieren, extrem kostengünstig und alle Vorteile liegen in der Cloud. Aber es ist vor allem in vielen Unternehmen momentan ein Überzeugungsprozess.

Wie lange dauert die Umstellung im Durchschnitt Ihrer Erfahrung nach? 

Marcus Pack: Die Einführung geht häufig recht schnell. Wenn wir ein mittelständisches Unternehmen beraten, eine Standardlösung vorgestellt und entsprechende Anpassungen abgeklärt haben, dann hat die Einführung etwa vier Monate gedauert. Das hängt jedoch natürlich auch mit der Größe des Unternehmens zusammen. Wir beraten auch Banken, die zu den weltgrößten gehören, die gerade ebenfalls Cloud-Financials einführen. Das dauert wohl etwa ein Jahr. Nach meiner Erfahrung geht die Einführung einer Cloudlösung etwa vier Mal schneller als eine traditionelle Implementierung.

Was sind die größten Hürden? 

Marcus Pack: Vor allem die fehlende Akzeptanz kann eine Hürde sein. Die Frage ist also, ob von allen erkannt wird, welche Vorteile die Cloud bietet. Aber eine weitere Hürde ist sicherlich der Migrationspfad von der bestehenden Welt in die neue Welt. Das alte System wird praktisch komplett abgeschaltet. Es wird nicht lediglich optimiert, sondern man muss sich von alten Prozessen verabschieden. Dieser Übergang ist schwierig zu managen. Das dauert mehrere Jahre, bis man komplett in der Cloud ist. Aktuell ist jedoch die hybride Cloud noch der Standard. Das gilt aber nicht für den Finanzbereich. Hier gelingt es bereits, komplett in der Cloud zu arbeiten.  

Thomas Haugg: Gerade beispielsweise in der Produktion, in der Logistik kann es noch viele entwickelte Prozesse geben, an denen momentan noch festgehalten wird. Vor allem die customized Tools, also Tools, die man selbst aufgebaut hat, sind schwierig zu ersetzen. Es ist doch auch im Moment gar kein Muss, komplett in die Cloud zu gehen. Man muss bewerten, welche Lösung sinnvoll ist. Was ich jedoch in Bezug auf mögliche Hürden wichtig finde ist, die Mitarbeiter schnell mit dem System arbeiten zu lassen. Dann werden auch früh Berührungsängste abgebaut. Das vereinfacht die Implementierung insgesamt dann ungemein. 

Wie ist Ihre Einschätzung zu den IT-Kenntnissen der Finanzfachkräfte? Fällt diesen die Umstellung der Arbeitsweise leicht?

Thomas Haugg: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die IT-Kenntnisse in den Finanzabteilungen sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Wir reden bei den Cloudprodukten aber nicht von irgendwelchen Programmierkenntnissen, die benötigt werden. Es geht hier vielmehr um die Frage: Lass ich mich auf die neue Technologie ein oder nicht? Es geht nicht um die Frage, ob man etwas bereits kann oder nicht, sondern die Bereitschaft und persönliche Einstellung.

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