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01.04.2020 | Corona-Krise | Interview | Onlineartikel

"Erfolgreiche Krisengewinner sind Kämpfer und Macher"

Autor:
Andrea Amerland
5 Min. Lesedauer
Interviewt wurde:
Dr. Katja Nagel

Katja Nagel ist CEO der Unternehmensberatung cetacea und berät in dieser Funktion Top-Manager in Krisenzeiten.

Trotz der dramatischen Situation können Unternehmen die Corona-Krise bewältigen, so Katja Nagel, die Firmen in Extremsituationen berät. Manager müssten dafür jetzt handeln: schnell, konsequent, transparent und fair.

Unternehmen müssen sich in der Corona-Krise reorganisieren oder sogar komplett neu aufstellen. Was sind jetzt die ersten wichtigen Schritte, um wirtschaftlich zu überleben?

Das Top-Management muss eine Situationsanalyse vornehmen und in Szenarien denken: Was kommt nun konkret auf uns zu? Wie könnten erste Lösungsansätze aussehen? Dafür sollte eine Performante Task Force gegründet werden, die tägliche Radar Meetings koordiniert, in denen die krisenbedingte Lage fortwährend durchgesprochen wird. Parallel dazu muss umgehend die IT-Infrastruktur so aufgestellt werden, dass ein reibungsloses Arbeiten im Homeoffice gewährleistet ist und keine Produktivitätsfallen auftreten. 

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Wie sieht es mit der Kommunikation aus?

Gleiches gilt für die Kommunikationsstruktur. In sehr kurzer Zeit sollte eine klare und wenig interpretationsbedürftige, permanente Kommunikation mit dem Team möglich sein. Um den Unsicherheiten der Mitarbeiter im Arbeitsalltag entgegenzuwirken, müssen die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Unternehmen, die einzelnen Unternehmensbereiche, die Geschäftsziele und Ergebnisprognose in aller Deutlichkeit für alle transparent gemacht werden. Sind erste Auswirkungen der Krise zu spüren, bedarf es einer konsequenten Evaluierung und Umsetzung von Maßnahmen. Etwa Investitionsstopps, Kostenkontrolle, Einsparmaßnahmen, Reorganisation oder Restrukturierung entlang der Szenarien. Das schließt die ständige Kontrolle der Maßnahmenwirkung mit ein.

Welche Risiken bringt eine solche Reorganisation mit sich?

Zeichnen sich große wirtschaftliche Implikationen ab, ist das Umsortieren von Aufgaben und Prozessen entlang der Organisationsstrukturen unumgänglich. Das größere Risiko wäre es, nichts zu tun. Ein gesunder Zweckpessimismus, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten, gehört in dieser Phase zur Umsichtigkeit professioneller Führung dazu. Natürlich verunsichert ein solches Vorgehen die Mitarbeiter sowie die Kunden und Anteilseigner, natürlich kommen Ängste auf. Aber das sind Herausforderungen, die Führungskräfte durch eine leistungsfähige Kommunikation nach innen und außen managen müssen. Ein weiteres Risiko besteht darin, nicht schnell genug zu sein. Insofern ist Durchsetzungsstärke, Souveränität und beherztes Handeln gefragt. In der Analyse und in den Entscheidungen. Das ist nicht immer einfach. Schlimmer wäre es aber, die Realität auszublenden.

Was bringt das Corona-Krisen-Paket der Bundesregierung Unternehmen hier? Was kann es leisten, was sollten Unternehmen unbedingt nutzen, wo sind die Grenzen? 

Gegenwärtig ist das Paket sicher eine Unterstützung. Gleichwohl zielen die Unterstützungsmaßnahmen in drei Richtungen: Kurzarbeit, um Entlassungen zu vermeiden. Kredite, um Liquidität zu gewährleisten und Steuererleichterungen. Diese Marschroute kann aber langfristig nicht verhindern, dass es auch in Zukunft Unternehmen geben wird, die sich substanziell verschulden werden. Und die in einer Krisensituation, wie der aktuellen, keine Normalität ausstrahlen können. Natürlich können die Unternehmen die Hilfsangebote der Politik annehmen. Es darf sie aber nicht daran hindern, die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen aufzusetzen, die sie möglicherweise die Zukunftsfähigkeit kosten könnten. Alles hat seinen Preis, auch ein Hilfspaket. Ein Unternehmen muss gesund bleiben und darf sich nicht dem Prinzip Hoffnung ergeben. Das Führungsteam muss Treiber des Geschehens bleiben.

Welche arbeitsrechtlichen Probleme bringen Veränderungen in der Krise mit sich? Worauf müssen Unternehmen achten?

Ein großer Teil der Kosten geht auf das Personal zurück, keine Frage. Ein Unternehmen kann diese eigentlich nur mit Kurzarbeit senken. Alternativ können betriebsbedingte Entlassungen mit Sozialauswahl, Aufhebungsverträge, Sabbaticals oder Gehaltsverzicht Abhilfe schaffen. Generell sollten Unternehmen – neben der fundierten Beratung durch erfahrene und kompetente Rechtsexperten – darauf achten, dass alle Maßnahmen von der Belegschaft als gerecht empfunden werden. Ist die Phase der Kurzarbeit erstmal vorbei, sollte schnellstmöglich wieder Regelbetrieb vorherrschen. Kommt es in der kritischen Phase zu Unstimmigkeiten, ist es im Nachhinein umso schwieriger, motivierte Mitarbeiter vorzufinden. Das heißt im Klartext: Führungskräfte müssen zu jeder Zeit Fairness und Integrität demonstrieren. Zudem sollten sie mit gutem Beispiel vorangehen, bei den Einschnitten keine Ausnahme machen und dies auch so kommunizieren. Jeder muss seinen Beitrag leisten. Nicht die Maßnahmen sind unsozial, sondern derjenige, der sich ihnen im reinen Eigeninteresse verschließen will.

Welche Chancen ergeben sich für Unternehmen gegebenenfalls aus der Krise?

Eine Krise bedeutet immer, dass alle Regeln, Annahmen und Routinen auf den Kopf gestellt werden. Sprich: Alles wird in Frage gestellt. In einer solchen Situation kann sich ein Unternehmen im positiven Sinne neu denken und viel radikaler handeln. Im besten Fall wirkt es als eine Art Befreiungsschlag. Für den Einzelnen ist es die Chance, mehr über sich selbst zu erfahren. Zu lernen und seine Umwelt besser kennenzulernen. In Extremsituationen lernt der Mensch am meisten. Diese Situation wird mit Sicherheit einigen Menschen Demut und Dankbarkeit lehren.

Aus der Krise zum Erfolg. Das wünschen sich jetzt viele … Was machen erfolgreiche Krisengewinner Ihrer Erfahrung nach anders als andere Unternehmen?  

Erfolgreiche Krisengewinner sind Kämpfer und Macher. Nicht die perfekte Analyse gewinnt, sondern die konsequente Umsetzung. Häufig haben solche Persönlichkeiten auch ein Händchen für ihre Umgebung, können Einsicht in die Notwendigkeiten erzeugen, sind nah dran an ihren Kollegen und bekommen das, was es jetzt am meisten braucht: das Vertrauen in die Führung.

Viel hängt an den Chefs. Was brauchen Mitarbeiter jetzt von Ihren Vorgesetzten?

Die inhaltliche Interpretation der Ereignisse durch den Vorgesetzten dominiert auch die eigene Interpretation. Darüber hinaus reflektieren Mitarbeiter größtenteils die Stimmungslage ihrer Vorgesetzen. Geht es dem Chef schlecht, geht es auch dem Mitarbeiter schlechter. Viele Menschen befinden sich zurzeit in einer für sie persönlich schwierigen Extremsituation. Das macht sie wachsamer, nervöser, angestrengter. Führungskräfte müssen das abfedern und auffangen – und dürfen dabei auch selbst menschlich bleiben. Solange sie ihre eigenen Bedürfnisse etwas zurückstellen können und auch auf sich selbst achten. Die Fürsorgepflicht umfasst nicht nur die anderen, sondern auch das eigene Ich.

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