Zum Inhalt

"Erfolgreiche Krisengewinner sind Kämpfer und Macher"

Aktivieren Sie unsere intelligente Suche, um passende Fachinhalte oder Patente zu finden.

search-config
loading …
Interviewt wurde:
Dr. Katja Nagel

Katja Nagel ist Gründerin und Geschäftsführerin des Global Organizational Integrity Institutes (GOII) in München.

Trotz der dramatischen Situation können Unternehmen die Corona-Krise bewältigen, so Katja Nagel, die Firmen in Extremsituationen berät. Manager müssten dafür jetzt handeln: schnell, konsequent, transparent und fair.

Unternehmen müssen sich in der Corona-Krise reorganisieren oder sogar komplett neu aufstellen. Was sind jetzt die ersten wichtigen Schritte, um wirtschaftlich zu überleben?

Das Top-Management muss eine Situationsanalyse vornehmen und in Szenarien denken: Was kommt nun konkret auf uns zu? Wie könnten erste Lösungsansätze aussehen? Dafür sollte eine Performante Task Force gegründet werden, die tägliche Radar Meetings koordiniert, in denen die krisenbedingte Lage fortwährend durchgesprochen wird. Parallel dazu muss umgehend die IT-Infrastruktur so aufgestellt werden, dass ein reibungsloses Arbeiten im Homeoffice gewährleistet ist und keine Produktivitätsfallen auftreten. 

Empfehlung der Redaktion

2016 | Buch

Task Force Management

Leitfaden für Manager

Der Leitfaden erklärt, was Task Force-Management ist und wie es funktioniert. Diese Managementmethode dient zur Bewältigung gravierender und akuter Probleme in unterschiedlichsten Unternehmen und Organisationen. Eine Task Force wird eingesetzt, um spezielle Herausforderungen zu meistern, die außerhalb des Daily Business liegen.

Wie sieht es mit der Kommunikation aus?

Gleiches gilt für die Kommunikationsstruktur. In sehr kurzer Zeit sollte eine klare und wenig interpretationsbedürftige, permanente Kommunikation mit dem Team möglich sein. Um den Unsicherheiten der Mitarbeiter im Arbeitsalltag entgegenzuwirken, müssen die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Unternehmen, die einzelnen Unternehmensbereiche, die Geschäftsziele und Ergebnisprognose in aller Deutlichkeit für alle transparent gemacht werden. Sind erste Auswirkungen der Krise zu spüren, bedarf es einer konsequenten Evaluierung und Umsetzung von Maßnahmen. Etwa Investitionsstopps, Kostenkontrolle, Einsparmaßnahmen, Reorganisation oder Restrukturierung entlang der Szenarien. Das schließt die ständige Kontrolle der Maßnahmenwirkung mit ein.

Welche Risiken bringt eine solche Reorganisation mit sich?

Zeichnen sich große wirtschaftliche Implikationen ab, ist das Umsortieren von Aufgaben und Prozessen entlang der Organisationsstrukturen unumgänglich. Das größere Risiko wäre es, nichts zu tun. Ein gesunder Zweckpessimismus, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten, gehört in dieser Phase zur Umsichtigkeit professioneller Führung dazu. Natürlich verunsichert ein solches Vorgehen die Mitarbeiter sowie die Kunden und Anteilseigner, natürlich kommen Ängste auf. Aber das sind Herausforderungen, die Führungskräfte durch eine leistungsfähige Kommunikation nach innen und außen managen müssen. Ein weiteres Risiko besteht darin, nicht schnell genug zu sein. Insofern ist Durchsetzungsstärke, Souveränität und beherztes Handeln gefragt. In der Analyse und in den Entscheidungen. Das ist nicht immer einfach. Schlimmer wäre es aber, die Realität auszublenden.

Was bringt das Corona-Krisen-Paket der Bundesregierung Unternehmen hier? Was kann es leisten, was sollten Unternehmen unbedingt nutzen, wo sind die Grenzen? 

Gegenwärtig ist das Paket sicher eine Unterstützung. Gleichwohl zielen die Unterstützungsmaßnahmen in drei Richtungen: Kurzarbeit, um Entlassungen zu vermeiden. Kredite, um Liquidität zu gewährleisten und Steuererleichterungen. Diese Marschroute kann aber langfristig nicht verhindern, dass es auch in Zukunft Unternehmen geben wird, die sich substanziell verschulden werden. Und die in einer Krisensituation, wie der aktuellen, keine Normalität ausstrahlen können. Natürlich können die Unternehmen die Hilfsangebote der Politik annehmen. Es darf sie aber nicht daran hindern, die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen aufzusetzen, die sie möglicherweise die Zukunftsfähigkeit kosten könnten. Alles hat seinen Preis, auch ein Hilfspaket. Ein Unternehmen muss gesund bleiben und darf sich nicht dem Prinzip Hoffnung ergeben. Das Führungsteam muss Treiber des Geschehens bleiben.

Welche arbeitsrechtlichen Probleme bringen Veränderungen in der Krise mit sich? Worauf müssen Unternehmen achten?

Ein großer Teil der Kosten geht auf das Personal zurück, keine Frage. Ein Unternehmen kann diese eigentlich nur mit Kurzarbeit senken. Alternativ können betriebsbedingte Entlassungen mit Sozialauswahl, Aufhebungsverträge, Sabbaticals oder Gehaltsverzicht Abhilfe schaffen. Generell sollten Unternehmen – neben der fundierten Beratung durch erfahrene und kompetente Rechtsexperten – darauf achten, dass alle Maßnahmen von der Belegschaft als gerecht empfunden werden. Ist die Phase der Kurzarbeit erstmal vorbei, sollte schnellstmöglich wieder Regelbetrieb vorherrschen. Kommt es in der kritischen Phase zu Unstimmigkeiten, ist es im Nachhinein umso schwieriger, motivierte Mitarbeiter vorzufinden. Das heißt im Klartext: Führungskräfte müssen zu jeder Zeit Fairness und Integrität demonstrieren. Zudem sollten sie mit gutem Beispiel vorangehen, bei den Einschnitten keine Ausnahme machen und dies auch so kommunizieren. Jeder muss seinen Beitrag leisten. Nicht die Maßnahmen sind unsozial, sondern derjenige, der sich ihnen im reinen Eigeninteresse verschließen will.

Welche Chancen ergeben sich für Unternehmen gegebenenfalls aus der Krise?

Eine Krise bedeutet immer, dass alle Regeln, Annahmen und Routinen auf den Kopf gestellt werden. Sprich: Alles wird in Frage gestellt. In einer solchen Situation kann sich ein Unternehmen im positiven Sinne neu denken und viel radikaler handeln. Im besten Fall wirkt es als eine Art Befreiungsschlag. Für den Einzelnen ist es die Chance, mehr über sich selbst zu erfahren. Zu lernen und seine Umwelt besser kennenzulernen. In Extremsituationen lernt der Mensch am meisten. Diese Situation wird mit Sicherheit einigen Menschen Demut und Dankbarkeit lehren.

Aus der Krise zum Erfolg. Das wünschen sich jetzt viele … Was machen erfolgreiche Krisengewinner Ihrer Erfahrung nach anders als andere Unternehmen?  

Erfolgreiche Krisengewinner sind Kämpfer und Macher. Nicht die perfekte Analyse gewinnt, sondern die konsequente Umsetzung. Häufig haben solche Persönlichkeiten auch ein Händchen für ihre Umgebung, können Einsicht in die Notwendigkeiten erzeugen, sind nah dran an ihren Kollegen und bekommen das, was es jetzt am meisten braucht: das Vertrauen in die Führung.

Viel hängt an den Chefs. Was brauchen Mitarbeiter jetzt von Ihren Vorgesetzten?

Die inhaltliche Interpretation der Ereignisse durch den Vorgesetzten dominiert auch die eigene Interpretation. Darüber hinaus reflektieren Mitarbeiter größtenteils die Stimmungslage ihrer Vorgesetzen. Geht es dem Chef schlecht, geht es auch dem Mitarbeiter schlechter. Viele Menschen befinden sich zurzeit in einer für sie persönlich schwierigen Extremsituation. Das macht sie wachsamer, nervöser, angestrengter. Führungskräfte müssen das abfedern und auffangen – und dürfen dabei auch selbst menschlich bleiben. Solange sie ihre eigenen Bedürfnisse etwas zurückstellen können und auch auf sich selbst achten. Die Fürsorgepflicht umfasst nicht nur die anderen, sondern auch das eigene Ich.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Prognosen, Projektionen und Szenarien

Gesellschaft, Politik und Wirtschaft müssen für die Zukunftsplanung und -gestaltung versuchen, künftige Entwicklungen vorauszuschauen. Dabei erwarten sie insbesondere wissenschaftlich begründete, d.h. theoretisch, empirisch fundierte und …

Die Organisation eines Task Force Projektes

Ein Projekt ist ein zielgerichtetes und singuläres oder neues Vorhaben, das im Wesentlichen gekennzeichnet ist durch eine definierte Laufzeit, also Anfangs- und Endtermin, durch den Einsatz von Ressourcen wie etwa Geld, Personal, Maschinen, und der Q

Einflussfaktoren der Führung auf die Produktivität

Dieses erste Hauptkapitel des Buches setzt sich mit den Einflussfaktoren einer Führungskraft auf die Produktivität der geführten Einheit auseinander und beginnt mit der notwendigen Ausbildung von Führungskräften. Anschließend werden die …

Kommunikation in der Krise

Unternehmerische Krisensituationen sind oftmals geprägt durch kommunikative Beeinflussungen. Unterstellungen, Hetzkampagnen, Gegendarstellungen, Dementis und Verniedlichungen sind unter anderem Elemente der Kommunikationsprozesse. Gerade in einem …

Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen

Eine Unternehmenssanierung funktioniert leider nicht durch die alleinige Anwendung von „Sanierungstools“ wie Stundungen, Entlassungen etc. Denn jede Sanierung ist mit Veränderungen verbunden, ist ein inhaltlich komplexes Change Managementprojekt …

Führungskräfte(kommunikation) als Schlüssel erfolgreicher Interner Kommunikation

Führungskräften aller Ebenen kommt im Rahmen Interner Kommunikationsprozesse eine besondere Rolle zu: Obwohl sie selbst Beteiligte und Betroffene strategischer Entscheidungen sind, ist es zugleich ihre Aufgabe, diese Strategien im Alltag mit Leben …

Bewältigung von Liquiditätskrisen

Unternehmen können sich aus vielfältigen Gründen in einer finanziellen Krisensituation befinden. In grober Unterscheidung ist eine Systematisierung typischer Krisenursachen nach Dauer und Herkunft denkbar. Von einer Krise ist auszugehen, wenn sich …

Der Kündigungsschutz und die gerichtliche Praxis

Während die gerichtliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses gemäß § 9 KSchG Gegenstand einer Vielzahl von Abhandlungen in der arbeitsrechtlichen Literatur ist, scheint sie gemessen an der überschaubaren Zahl veröffentlichter gerichtlicher …

Die Krise als Chance nutzen

  • Human Resources

Krisenzeiten bzw. Marktumbruchzeiten bieten Unternehmensführern die idealen Voraussetzungen, um in ihren Organisationen die nötigen Veränderungen zu realisieren. Denn in ihnen ist für alle Betroffenen einsichtig: "Es muss etwas geschehen, sonst …"

Aus der Krise an die Spitze: Wie machen es erfolgreiche Krisengewinner?

Zahlreiche empirische Ergebnisse zeigen auf, wie Unternehmen aus Krisen zum Erfolg geführt werden und welche Wege es mit geringerer Wahrscheinlichkeit schaffen. Ist das übliche Downsizing wirklich so erfolgreich? Wie werden Kostensenkungs- und Wachstumsstrategie aufeinander abgestimmt? Zahlreiche, empirisch belegte Wege zeigen die erfolgreichen und die wenig erfolgreichen Wege auf.

Umsetzung (Teil 2): Faires Führen in wichtigen Anwendungsfeldern

Faires Führungsverhalten zeigt sich im konkreten Handeln. In diesem Kapitel wird analysiert, wie faires Führen in der Anwendung konkret aussehen kann. Entlang typischer Handlungsfelder aus dem Berufsalltag von Führungskräften werden die …

Integre Führung – konkret

Das Konzept von IL Integrity Leadership ist anspruchsvoll. Es geht von der Persönlichkeit der Führungskraft aus, von ihren Werten, Haltungen und gelebten Tugenden. Es geht um bewusstes Führungshandeln. Hierzu gehört eine regelmäßige Reflexion über …

    ADVERTORIAL

    KI ohne Großprojekt und Risiko starten

    Mit freundlicher Unterstützung von:
    • ​​​​​​​Dell Technologies, Intel und Microsoft.
    Bildnachweise
    Katja Nagel/© cetacea GmbH, Schmalkalden/© Schmalkalden, NTT Data/© NTT Data, Verlagsgruppe Beltz/© Verlagsgruppe Beltz, ibo Software GmbH/© ibo Software GmbH, Sovero/© Sovero, Axians Infoma GmbH/© Axians Infoma GmbH, Prosoz Herten GmbH/© Prosoz Herten GmbH, Stormshield/© Stormshield, MACH AG/© MACH AG, OEDIV KG/© OEDIV KG, Rundstedt & Partner GmbH/© Rundstedt & Partner GmbH, Doxee AT GmbH/© Doxee AT GmbH , Governikus GmbH & Co. KG/© Governikus GmbH & Co. KG, Vendosoft/© Vendosoft, Conceptboard Cloud Service GmbH/© Vendosoft, Matrix42 GmbH/© Matrix42 GmbH, Videocast 1: Standbild/© Springer Fachmedien Wiesbaden, givve Bezahlkarte - digitale Effizienz trifft menschliche Nähe/© givve