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2022 | Buch

Corona und Korruption

Gesellschaftswissenschaftliche Analysen

herausgegeben von: Prof. Dr. Sebastian Wolf, Prof. Dr. Peter Graeff

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Über dieses Buch

Der Sammelband analysiert aus einer interdisziplinären Perspektive Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Korruptionsformen, Korruptionsbekämpfung und Korruptionsforschung. So werden insbesondere spezifische Korruptionsgefahren durch die weitreichenden staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und ihrer Folgen in den Blick genommen. Theoretische und überblicksartige Erörterungen werden ergänzt durch empirische Fallstudien zu Brasilien und Deutschland. Ein Beitrag thematisiert Gemeinsamkeiten von COVID-19 und Korruption hinsichtlich der Erhebung von Umfragedaten. Der Band versammelt vor allem politikwissenschaftliche, soziologische und rechtswissenschaftliche Untersuchungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
COVID-19 als Herausforderung für Korruptionsbekämpfung und Korruptionsforschung
Zusammenfassung
Der Beitrag gibt einen einführenden Forschungsüberblick zum Verhältnis zwischen COVID-19 und Korruption. In den bisherigen Veröffentlichungen zu dieser Thematik lassen sich im Wesentlichen zwei Wirkungsmechanismen oder Erklärungsrichtungen ausmachen: es wird angenommen, dass sich entweder Korruption nachteilig auf die Eindämmung der Pandemie auswirkt, oder dass bestimmte Merkmale der Pandemiebekämpfung verschiedene Formen devianten Handelns bis hin zur Korruption begünstigen. Korruptionsrelevante Auswirkungen von Maßnahmen zur Seucheneindämmung auf Demokratie und Zivilgesellschaft sind ebenfalls öfters Thema einschlägiger Publikationen. Die Einführung schließt mit einer kurzen Vorstellung der weiteren Beiträge des Sammelbands.
Sebastian Wolf
Corona als Türöffner für Korruption? Eine theoretische Diskussion
Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert aus einer theoretischen Perspektive die Relevanz der Betrachtung von Korruption im Kontext der Covid 19-Pandemie. Die Verknüpfung von Effekten der Pandemie mit Erklärungsmustern zur Entstehung von Korruption macht deutlich, dass die Corona-Krise einen fruchtbaren Nährboden für Korruption bildet. Zentrale Bezugspunkte sind dabei strukturelle Faktoren, die eine effektive Kontrolle behindern, sowie personenbezogene Faktoren, welche das individuelle Verhalten beeinflussen. Das Ergebnis der Untersuchung dient als Grundlage und Ausgangspunkt für weiterführende Analysen korruptionsrelevanter Aspekte der Covid 19-Pandemie.
Sabine Fütterer-Akili
Die Covid-19-Pandemie aus dem Blickwinkel von Korruptionsvorsorge und Verwaltungskontrolle – eine Standortbestimmung
Zusammenfassung
Die Lagebilder zur Korruption in Deutschland und zum EU-Finanzbetrug waren bereits vor Beginn der Corona-Krise von steigenden Fallzahlen bestimmt. Anlass zur Sorge bereitet, dass bei krisenbedingt vermutlich größerem Dunkelfeld und höherer Bereitschaft, zur Erlangung öffentlicher Aufträge oder Subventionen zu korrumpieren, gleichzeitig das Entdeckungsrisiko herabgesetzt wurde, weil der regulative Rahmen abgeschwächt wurde und die verwaltungsinterne Kontrolle nur eingeschränkt agieren kann. Auch die Thematisierung von Korruption in Presse und parlamentarischem Raum ist zurückgegangen, politische Ankündigungen in Punkto Transparenz und Compliance bleiben im Vagen. Neuer Schub für die Verwaltungskontrolle und Korruptionsprävention wäre wünschenswert, derzeit gibt es dahin gehend aber nur wenige positive Signale.
Ingo Sorgatz
Privilegien begünstigen Korruption auch in der Pandemie
Zusammenfassung
Unionsabgeordnete haben während der Corona-Pandemie Möglichkeiten genutzt, um sich in korrupt anmutender Weise persönlich zu bereichern. Der dadurch ausgelöste Skandal führte zu strengeren Antikorruptionsregelungen für Abgeordnete, verweist aber auch auf Regelungsdefizite, die schon lange vor COVID-19 bestanden. Mangels entsprechender öffentlichkeitswirksamer Skandale werden korruptionsbegünstigende Regelungen beispielsweise in den Bereichen Diätenversorgung und Wahlrecht auch nach der Pandemie weiterbestehen.
Hans Herbert von Arnim
Betrug, Korruption und Misswirtschaft in der deutschen Pandemiebekämpfung
Zusammenfassung
Der Beitrag gibt einen Überblick über bekannt gewordene Fälle von Betrug, Korruption und politisch-administrativer Misswirtschaft in der Corona-Pandemie geordnet nach den Themengebieten Beschaffung von Atemschutzmasken, COVID-19-Schutzimpfungen, Corona-Tests und Wirtschaftshilfen. Außerdem werden einige korruptionsrelevante Auswirkungen der Pandemie auf Demokratie und Zivilgesellschaft in der Bundesrepublik erörtert. Im Zentrum der Schlussbetrachtung steht die Anwendung eines theoretischen Ansatzes aus der politischen Ökonomie auf die zuvor skizzierten Fälle.
Sebastian Wolf
A case study of systemic corruption in the state health bureaucracy
Abstract
In 2020, Rio de Janeiro’s governor Wilson Witzel, a former judge, was suspended on charges of malfeasance in state contracts to fight the coronavirus pandemic. Investigative procedures, recorded as text and video sources, comprise an unprecedented dataset that enable an empirical investigation of COVID-related corruption to be conducted. On the basis of this case study, we are asking what are the continuities and changes related to public procurement graft uncovered in Rio de Janeiro? Our findings provide further insight on the interplay between politicians and businesspeople around electoral financing as well as disputes between technical and political staff at the state's health secretariat, advancing a definition of systemic corruption.
Maria Eugenia Trombini, Mario H. Jorge, Elizangela Valarini, Markus Pohlmann
Korruption und Corona. Mögliche Gemeinsamkeiten zweier Befragungsthemen
Zusammenfassung
Der Beitrag gibt einen Überblick über mögliche Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Erhebung von Umfragedaten in den Themenbereichen Korruption sowie COVID-19. Anhand einer Gegenüberstellung wird verdeutlicht, dass auf dem Weg zu einer (möglichst) unverzerrten Datenerhebung ähnliche Hürden zu bewältigen sind und beide Befragungsthemen nennenswerte Parallelen zeigen. Als zentrale Gemeinsamkeit stellt sich heraus, dass beide Themenbereiche als sensitiv kategorisiert werden können. Daher wird die Verwendung spezifischer Umfragemethoden für sensitive Inhalte (z. B. von sogenannten List Experimenten) als sinnvoll herausgestellt.
Franziska Dunkelmann
Corona und Korruption: eine negative interdisziplinäre Bilanz an der Schwelle eines Paradigmenwechsels
Zusammenfassung
Die durch die COVID-19-Pandemie veränderten Lebensumstände haben einen Einfluss auf die Entstehungs- und Durchführungsbedingungen von Korruption. Es wurden neue Gelegenheitsstrukturen geschaffen, gleichzeitig aber nicht die Mechanismen und Abläufe außer Kraft gesetzt, die Korruption hemmen oder fördern. Diese Pandemie bringt Schwächen in der Korruptionsbekämpfung zutage, die prinzipiell auch bei anderen Katastrophen (oder exogenen Schocks) auftreten können, und vermittelt damit Lehren für die Zukunft. Insbesondere zeigen ihre Konsequenzen für das soziale Phänomen der Korruption, dass gleichzeitig ablaufende gesellschaftliche Entwicklungen (wie die Digitalisierung) weiter verstärkende (oder senkende) Kräfte sind.
Peter Graeff
Metadaten
Titel
Corona und Korruption
herausgegeben von
Prof. Dr. Sebastian Wolf
Prof. Dr. Peter Graeff
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-35664-4
Print ISBN
978-3-658-35663-7
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-35664-4

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