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22.01.2020 | Corporate Finance | Im Fokus | Onlineartikel

Zukunftsfonds für Start-ups duldet keinen Aufschub

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
5 Min. Lesedauer

Die Forderungen nach einer schnellen Einführung eines Dachfonds zur Finanzierung von Jungunternehmen werden lauter. Dieser soll Deutschland als Innovationsstandort sichern helfen. Davon profitieren könnten auch private Anleger und Versicherte.

"Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, brauchen Start-ups in der Wachstumsphase eine gute Kapitalausstattung. Daran mangelt es aber in Europa, insbesondere im Vergleich zu konkurrierenden Weltregionen wie den USA oder China", postulierte die Friedrich-Ebert-Stiftung bereits im Juli vergangenen Jahres. Gerade deutsche Jungunternehmer erhalten in der wichtigen Expansionsphase, der sogenannten Later Stage, die benötigten Finanzierungen in erster Linie von ausländischen Investoren. 

Große Finanzierungsrunden in der Hand internationaler Investoren

Zu diesem Ergebnis kommt auch EY im aktuellen Start-up-Barometer. Das Beratungshaus hat darin ermittelt, dass 2019 Kapital in Höhe von 6,2 Milliarden Euro an deutsche Start-ups ging, allein rund 60 Prozent flossen in den Raum Berlin. "Um die ersten, kleineren Runden von überwiegend deutschen Kapitalgebern finanziert zu bekommen, müssen die jungen Unternehmen von Anfang an ein Geschäftsmodell betreiben, das potenziell auch international erfolgreich sein kann. Anschließend können sie mit internationalen Geldgebern in die großen Runden gehen", erläutert EY-Partner Peter Lennartz. 

Vor allem finanzstarke, international tätige Investoren aus den USA, Großbritannien sowie Asien seien an den sehr großen Transaktionen interessiert. Der Grund: Die im Vergleich zum Silicon Valley noch günstigen Bewertungen in Europa. Umso wichtiger sei es also, ein starkes Zeichen für Innovationen am Zukunftsstandort Deutschland zu setzen.

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Ziel dieses Kapitels ist es, dem Leser einen Überblick über die Finanzierungsinstrumente der Later-Stage, der Expansions- oder Wachstumsphase, eines Unternehmens zu geben. 

Zukunftsfonds sieht eine staatlich-private Finanzierung vor

Hierzu soll der von der Bundesregierung geplante Zukunftsfonds für Tech-Gründungen möglichst schnell umgesetzt werden. Das fordert auch der Digitalverband Bitkom in einem aktuellen Positionspapier. Forciert wird ein Modell nach dänischem Vorbild. Dabei statten den Dachfonds unter anderem Versicherer, Pensionskassen und private Vermögensverwaltungen mit Kapital aus. Der Staat übernimmt für seine Mittel ein erhöhtes Risiko. Das heißt, er kommt bei Zahlungsunfähigkeit für Verluste auf. Im Fall eines Exits, etwa beim Übergang der Innovation oder des gesamten Start-ups in ein größeres Unternehmen sowie beim Börsengang, kassiert er dafür auch mehr Rendite. Über Details wird derzeit in Berlin noch verhandelt.

"Ein solcher Fonds würde die Finanzierungssituation für deutsche Start-ups deutlich verbessern und ihnen neue Wachstumschancen eröffnen", argumentiert Bitkom-Präsident Achim Berg. Zugleich erleichtere dieser deutschen institutionellen Anlegern, sich an den Jungunternehmen zu beteiligen. Über diesen Weg käme der wirtschaftliche Erfolg der Tech-Branche auch deren Kunden und Mitgliedern zugute, also Privatanlegern und Versicherten.

Zukunftsfonds erleichtert Innovationen

"Der Hightech-Gründerfonds ist ein gutes Instrument, das bereits eine Hemmschwelle nimmt: die initiale Finanzierung", meint auch Ramin Assadollahi im Buchkapitel "Unternehmensentwicklung aus Sicht von Start-ups und Gründern" (Seite 186). Der Springer-Autor hatte sich bereits früh entschieden, nicht nur zu forschen, sondern seine wissenschaftlichen Ergebnisse in Produkte umzuwandeln. Der erste Anlauf des Computerlinguisten scheiterte zunächst an der fehlenden Venture Capital (VC)-Finanzierung. Deshalb spricht sich Assadollahi auch für mehr Unterstützung der Start-ups aus. Er schreibt: 

Gesellschaftlich wird diese Form der Agilität dringend benötigt, um der hohen Veränderungsgeschwindigkeit der Welt Rechnung zu tragen."

Dennoch beteiligen sich institutionelle Anleger in Deutschland trotz der Wachstumsmöglichkeiten junger Unternehmen und der anhaltend niedrigen Zinsen kaum oder gar nicht am Markt der Tech-Gründungen und überlassen das Geschäft ausländischen VC-Gesellschaften. Dieser Umstand macht den Handlungsbedarf laut Digitalverband so dringend.

Übersicht zum Bitkom-Positionspapiers

Eine schnelle Umsetzung des Zukunftsfonds ist erforderlich

Vorrang des Wasserfallmodells, bei dem der Staat in frühen Phasen und die institutionellen Investoren vorrangig in spätere Phasen investieren.

Die jährlich zugesagten Mittel von einer Milliarde Euro sollten ausschließlich zur Finanzierung des Zukunftsfonds verwendet werden. Für eine Verbesserung der Finanzierungssituation in späten Entwicklungsphase, sollten die VC-Fonds, in die der Dachfonds investiert, über gewisse Mindestvolumina oder einen Later-Stage-Fokus verfügen.

Institutionellen Investoren brauchen ein ausgewogenes Verhältnis von Risiko und Rendite. Dafür ist ein Fondsmanagement erforderlich, das ausschließlich nach privatwirtschaftlichen Maßstäben und frei von politischem Einfluss investiert.

Möglichkeit für weitere Finanzierungsinstrumente mit staatlicher Beteiligung schaffen, etwa die Öffnung für neue Investorengruppen wie Family Offices richten oder einer Erleichterung bei den beihilferechtlichen Vorgaben.

Die Bundesregierung sollte sich in Brüssel dafür einsetzen, dass Modellen zur Förderung von Zukunftstechnologien unter staatlicher Beteiligung zukünftig mehr Handlungsfreiheit für eine schnelle Umsetzung und attraktive Gestaltung eingeräumt wird.

Quelle: Bitkom, "Ein Zukunftsfonds für Deutschlands Wachstumsunternehmen"

Positive Vorbilder aus Europa

"Frankreich ist vorangegangen und hat gezeigt, welche Dynamik entfacht werden kann, wenn der Staat sich aktiver einbringt und eine breite Unterstützung für die innovative und digitale Start-up-Szene mobilisiert", lobt EY-Experte Lennartz. Auch in Dänemark und Belgien gebe es Kapitalsammeltöpfe in Form eines Dachfonds, "die breit gestreut in den Markt investieren", erläutert Regina Hodits, Vorstandssprecherin des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) im Bankmagazin-Interview (Ausgabe 7-8 | 2019). Die BVK-Chefin würde einen solchen Dachfonds in Deutschland begrüßen. "Dieser hätte eine Risikoabsicherung, so dass die Start-ups einen Teil der Mittel als besicherten Kredit aufnehmen können. Diese Struktur macht es dann auch für konservativere Anleger möglich, in Venture Capital zu investieren."

Und wie gut etwa Dänemark mit seinem "Dansk Vaekskapital I" (DVK I) fährt, berichten die Forscher der Friedrich-Ebert-Stiftung Paul Wolter und Robert Philipps. Der Dachfonds sei im Januar 2011 aufgelegt worden und habe 2015 erstmals mit einem positiven Ergebnis geschlossen. Ab diesem Zeitpunkt habe dieser ununterbrochen Wertzuwächse verzeichnet. Laut Geschäftsbericht für das Jahr 2017 sei ein kulminierter Wertzuwachs von 984,7 Millionen dänischen Kronen, rund 131,8 Millionen Euro, ausgewiesen worden. "Der DVK I hat damit bisher eine Initial Rate of Return von netto 14,5 Prozent erwirtschaftet. Diese ist aus Performance-Perspektive die wichtigste Kennziffer und zeigt, dass sich die Initiative Dänemarks, zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt, gelohnt hat."

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