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30.10.2017 | Corporate Governance | Im Fokus | Onlineartikel

DAX-Aufsichtsräte sollen mehr Haltung zeigen

Autor:
Dr. Michael Bürker

Was kennzeichnet einen exzellenten Aufsichtsrat? Dieser Frage ist die Hochschule Landshut in einer Studie nachgegangen. Ein Ergebnis: Kritik- und Konfliktbereitschaft sind besonders gefragt. Denn ein gut bezahlter Aufsichtsrat ist noch lange kein guter.

Aufsichtsräte von börsennotierten Unternehmen stehen seit Jahren in der Kritik. Medienberichte über Aufsichts- und Kontrollfunktionen, Nachfolgeregelungen, Frauenquote und Vergütung haben zu Forderungen nach einer weiteren Professionalisierung von Aufsichtsräten sowie Maßnahmen zur Sicherung der Qualität von Aufsichtsräten geführt.

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Vor diesem Hintergrund hat die Hochschule Landshut (HAW) eine empirische Studie zu Herausforderungen und Exzellenzkriterien für Aufsichtsräte in börsennotierten Aktiengesellschaften durchgeführt. Im Mittelpunkt stand die Frage: Was kennzeichnet einen exzellenten Aufsichtsrat? Dafür wurden Ansprüche und Qualitätswahrnehmung anhand von insgesamt 26 Kriterien aus der Perspektive von Aufsichtsräten und Vorständen erhoben und miteinander verglichen. An der Online-Befragung haben 124 Aufsichtsräte und 36 Vorstände von Unternehmen aus DAX30, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax teilgenommen.

Herausforderungen an Aufsichtsräte deutlich gestiegen

Die wichtigsten Veränderungen für die Tätigkeit von Aufsichtsräten in börsennotierten Aktiengesellschaften sind zunehmende Verantwortung und steigende Haftungsrisiken. Darin sind sich rund 95 Prozent der Aufsichtsräte und Vorstände in allen DAX-Unternehmen einig.

Die Bedeutung demographischer Faktoren wie Alter oder Geschlecht der Aufsichtsräte fällt demgegenüber zurück. Damit erweisen sich die in der Öffentlichkeit stark diskutierten Veränderungen in der Zusammensetzung von Aufsichtsräten als weniger relevant als vermutet.

Mehr Kritik- und Konfliktbereitschaft im Aufsichtsrat gefragt

Um die Exzellenzkriterien für Aufsichtsräte zu bestimmen, wurden im ersten Schritt die Ansprüche an Aufsichtsräte mit den höchsten Zustimmungswerten ausgewählt (Mittelwert größer als 2,4 auf einer Skala von 0-3). Aus der Sicht von Aufsichtsräten und Vorständen kommt es dabei vor allem auf die Kritik- und Konfliktfähigkeit an:  

AnsprücheAufsichtsräte (Median)
Vorstände (Median)
Bereitschaft, sich mit Problemen auseinanderzusetzen und kritische Fragen zu stellen
2,9
2,7
Unabhängigkeit und Konfliktbereitschaft
2,72,6
Unternehmensstrategie und -steuerung
2,62,6
Führung des Aufsichtsrats
2,6
2,4
Zusammenarbeit mit dem Vorstand und CEO
2,5
2,8
Umfangreiche berufliche Erfahrung
2,5
2,7
Vertrauensverhältnis zum Vorstand und CEO
2,5
2,6

Quelle: "Aufsichtsratstudie 2017"


Aufsichtsräte punkten mit Erfahrung

Die Gesamtqualität der Aufsichtsräte wird von über 80 Prozent der Aufsichtsräte und Vorstände als gut oder sehr gut beurteilt. Von den Kriterien, die Aufsichtsräten wie Vorständen besonders wichtig sind, haben nur die Zusammenarbeit und das Vertrauensverhältnis mit Vorstand und CEO hohe Zufriedenheitswerte erreicht (Mittelwert größer als 1,8):


Aufsichtsräte (Median)
Vorstände (Median)
Berufliche Erfahrung
2,22,1
Zusammenarbeit mit dem Vorstand und CEO
2,12,1
Professionelles Netzwerk
2,12,1
Vertrauensverhältnis zu Wirtschaftsprüfern
2,02,0
Vertrauensverhältnis zum Vorstand und CEO
2,01,9
Finanzierung und Rechnungslegung
2,01,7
Konzernerfahrung
1,92,0
Führungserfahrung
1,92,0

Quelle: "Aufsichtsratstudie 2017"

Im zweiten Schritt zur Bestimmung der Exzellenzkriterien wurde geprüft, bei welchen Kriterien die Zufriedenheit der Befragten am stärksten mit ihrem Urteil zur Gesamtqualität von Aufsichtsräten zusammenhängt (Korrelation r größer 0,3).

Hier unterscheiden sich die Ergebnisse für Aufsichtsräte und Vorstände deutlich. Während bei den Aufsichtsräten Branchen- und Marktkenntnisse, Unternehmensstrategie und -steuerung sowie 'Risikomanagement und interne Kontrolle vorne liegen, sind dies bei den Vorständen Finanzierung und Rechnungslegung sowie Vertrauensverhältnis zum Vorstand und CEO.

Bei Konfliktbereitschaft ist der Handlungsbedarf am größten

Der Handlungsbedarf zur Erhöhung der Qualität von Aufsichtsräten ist dort am größten, wo Ansprüche und Zufriedenheit am stärksten voneinander abweichen. Am größten sind die Unterschiede bei:

  • der Bereitschaft, sich mit Problemen auseinanderzusetzen und kritische Fragen zu stellen,
  • der Unabhängigkeit und Konfliktbereitschaft,
  • Verantwortung wird nicht an externe Berater oder Wirtschaftsprüfer weitergegeben,
  • Unternehmensstrategie und –steuerung,
  • Risikomanagement und interne Kontrolle,
  • Führung des Aufsichtsrats.

Weiterbildung soll mehr Qualität bringen

Bei der Frage nach geeigneten Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität von Aufsichtsräten setzen Aufsichtsräte wie Vorstände in erster Linie auf Weiterbildung. Weniger optimistisch sind sie bei Weiterbildungs-Zertifikaten, gesetzlichen Regelungen, einem höheren Frauenanteil und einer besseren Honorierung.

Die entscheidende Frage wird sein, wie insbesondere die Kritik- und Konfliktbereitschaft von Aufsichtsräten gefördert werden kann. Und dies in einer Situation, die von einer kritischen Öffentlichkeit und zunehmenden Haftungsrisiken geprägt ist und damit eher zu Vorsicht und Konfliktvermeidung führt.

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