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03.07.2017 | Corporate Governance | Im Fokus | Onlineartikel

Kein Pardon bei moralischen Verfehlungen der CEOs

Autor:
Annette Speck

Auf den Chefsesseln in der DACH-Region ist es 2016 ruhiger geworden. Die CEO-Fluktuationsrate sank hier auf 12,7 Prozent, weltweit lag sie bei 14,9 Prozent. Aber immer öfter führen ethische Fehltritte zur Entlassung.

Audi-Chef Rupert Stadler hatte bislang Glück. Trotz Zweifeln an seiner Erfolgsbilanz verlängerte der Aufsichtsrat seinen Vertrag kürzlich um fünf Jahre. Doch nach dem Rückruf von 24.000 Autos werde es nun eng, schrieb der Berliner Tagesspiegel Anfang Juni 2017. Das Problem: "Auffälligkeiten" bei den Stickoxidemmissionen. VW lässt grüßen. Ob sich Stadler wie geplant bis 2023 im Amt hält, scheint fraglich.

Das Beispiel passt zu den Ergebnissen der "2016 CEO Success Study" der Strategieberatung Strategy& von PwC, die regelmäßig die Veränderungen an der Spitze der 2.500 größten börsennotierten Unternehmen rund um den Globus untersucht. Die Studie stellt in den letzten Jahren einen massiven Anstieg außerplanmäßiger CEO-Demissionen aufgrund ethischer Verfehlungen fest.

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So stieg weltweit der Anteil der wegen moralischer Fehltritte geschassten CEOs von 3,9 Prozent (2007 bis 2011) auf 5,3 Prozent (2012 bis 2016). Westeuropa verzeichnet sogar einen Anstieg von 4,2 auf 5,9 Prozent. Die Studienautoren mutmaßen allerdings, dass diese Zahlen nicht gleichbedeutend mit einem erhöhten Fehlverhalten der Führungskräfte sind. "Vielmehr hat sich das Umfeld geändert, in dem CEOs agieren. Da ist die Öffentlichkeit, die Vorstandsvorsitzende spätestens seit der Finanzkrise viel kritischer beobachtet, was mittelfristig auch zu einer Verschärfung der Regularien führt, die für CEOs gelten", erklärt Peter Gassmann, Deutschlandchef von Strategy&.

Dass Unternehmen und ihre Führungskräfte zunehmend unter kritischer Beobachtung stehen, meinen auch Matthias Schmidt und Jan Hendrik Quandt. Insbesondere nach einem Skandal werde der Ruf nach mehr Moral und Ethik in der Wirtschaft Führung laut. "Doch in komplexen und pluralistischen Gesellschaften greifen einfache Antworten zu kurz", schreiben die Springer-Autoren in ihrem Beitrag "Einfache Antworten auf komplexe Fragen? Werteorientierte Führung im Netz konkurrierender gesellschaftlicher Ansprüche" (Seite 141).

Für Führungskräfte sei es wenig hilfreich, sich auf starre moralische Vorgaben oder unscharfe Tugenden zu beziehen. Stattdessen "sollte der Blick auf die diskursiven Prozesse gerichtet werden, auf die Debatten und Diskussionen, in die Führungskräfte und ihre Organisationen involviert sind", erklären sie auf Seite 147. Schließlich muss das Management in der Lage sein, seine Entscheidungen und Handlungen intern wie extern zu rechtfertigen und dabei auch konträre Haltungen zu verstehen und auszuhalten. Ein modernes, werteorientiertes Management bedeutet den Autoren zufolge, dass die Verantwortungsträger in Kenntnis all dessen auf ihr eigenes Wertesystem zurückgreifen und ihre Entscheidungen situationsadäquat daran ausrichten.

Führungsetagen der Top-Unternehmen sind Männerclubs

Insgesamt stellt die aktuelle CEO Success Study bei den 300 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine auf 7,8 Jahre gestiegene Verweildauer der CEOs fest (2015: 6,6 Jahre). Sehr unbeständig zeigten sich derweil die Schwellenländer Brasilien, Russland und Indien, wo 17,2 Prozent der Chefs im vergangenen Jahr ihre Posten räumen mussten.

Die Untersuchung belegt auch, dass die Führungsetagen der Top-Unternehmen weiterhin Männerclubs sind: Mit einem Anteil von 5,7 Prozent neu berufener, weiblicher CEOs sind die USA und Kanada im Regionenvergleich schon am fortschrittlichsten. Der globale Schnitt beträgt 3,6 Prozent. Die DACH-Region bildet mit drei Prozent neuer Chefinnen das Schusslicht.

Darüber hinaus wurde beleuchtet, wie international die CEOs aufgestellt sind. Das Ergebnis: Immerhin verfügen in der DACH-Region 57 Prozent der neuen Unternehmensführer über Arbeitserfahrungen im Ausland (globaler Durchschnitt: 24 Prozent). Jedoch stammen mehr als zwei Drittel der DACH-CEOs aus dem Land ihres Unternehmens und lediglich vier Prozent aus einer ganz anderen Weltregion.

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