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06.11.2020 | Corporate Governance | Im Fokus | Onlineartikel

Warum Aufsichtsräte Talentfanatiker brauchen

Autor:
Anne Steinbach
3 Min. Lesedauer

Der Frauenanteil in Vorständen steigt mit der Personalkompetenz im Aufsichtsrat, zeigt eine Studie. Sind Aufsichtsräte Talentfanatiker und gibt es eine Frauenquote, scheinen die Chancen auf einen Posten im Top-Management für weibliche Führungskräfte besonders gut.

Die Kernfrage der Studie "Talentmanagement-Kompetenz in Aufsichtsräten" befasst sich damit, warum der Anteil von Frauen in Vorständen börsengelisteter Unternehmen nur schleppend steigt, obwohl bereits viele Aufsichtsräte der gesetzlich vorgegebenen Frauenquote unterliegen und demnach der Anteil weiblicher Mandatsträger festgelegt ist. Ein Gesetz macht die größten Unternehmen des Landes offenbar nicht weiblicher, so das Ergebnis. Doch was bringt dann mehr Vielfalt? Dieser Frage ist der Bonner Diplompsychologen Harald Ackerschott auf den Grund gegangen.

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Miriam Neidig untersucht das Zusammenspiel zwischen internen und externen Einflussgrößen auf Aufsichtsräte und überprüft, ob Umweltfaktoren zu einem Wandel der Aufsichtsratstätigkeit führen, weg vom Überwachungsorgan hin zu einem stärker beratenden Organ und in der damit in der Folge verbundenen Erfordernis von neuen HR-Kompetenzen.

So steigt der der Anteil von Frauen in den Vorständen börsennotierter Unternehmen signifikant, wenn in den entsprechenden Aufsichtsräten Talentmanagement-Kompetenz vorhanden ist. Und je höher die Personalkompetenz im Aufsichtsrat, desto größer auch der Frauenanteil in den Führungsetagen.

Frauenanteil und Talentmanagement-Kompetenzen in Dax, M-Dax und S-Dax

Dax 30:

  • In nur elf Aufsichtsgremien sind nachweislich Talentmanagement-Kompetenzen bei den Mandatsträgerinnen und -trägern vorhanden. 
  • Durchschnittlicher Anteil von Frauen in den Vorständen: 18,7 Prozent

M-Dax:

  • 35 von 60 Aufsichtsräten weisen keinerlei Talentmanagement-Kompetenz nach.
  • Durchschnittlicher Anteil von Frauen in den Vorständen: 6,4 Prozent

S-Dax:

  • In 15 von 70 Unternehmen hat mindestens ein Mitglied Talentmanagement-Expertise.
  • Durchschnittlicher Anteil von Frauen in den Vorständen: 7,9 Prozent

Quelle: Studie "Talentmanagement-Kompetenz in Aufsichtsräten"

Auffällig in allen Unternehmen ist, dass meist auf die herausragende Finanz- und Kapitalmarktexpertise der Mandatsträger in den Aufsichtsräten hingewiesen wird, nicht jedoch auf spezielle HR-Kompetenzen. "Ohne fachlich fundierte Personalkompetenz aber lassen sich vorhandene Entwicklungspotenziale aufseiten geeigneter Kandidatinnen nicht erkennen", so Studienleiter Harald Ackerschott.

Frauenquote + Talentmanagement-Kompetenz = Erfolg

Aus der Analyse geht hervor, dass es ausgeklügelte HR-Kompetenzen braucht, um vor allem männlich dominierte Kandidatenpools zu sichten. Gleichzeitig ist das jedoch nicht der einzige Weg. Es müsse zudem darauf geachtet werden, dass auch die gesetzlich geregelte Frauenquote von Deutschlands größten Unternehmen umgesetzt wird.

"Mit dem Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst hat die Politik einen ordnungspolitischen Impuls gesetzt und das Instrument der Frauenquote auf den Weg gebracht. Die Frauenquote bietet somit einen neuen Anlass in der langen Geschichte der Initiativen zur Gleichberechtigung von Mann und Frau, sich mit dem Thema auseinander zu setzen", erklärt Springer-Autor Jörg Wittenberg im Buchkapitel "Der Weg zur höheren Frauenquote: Ein Gesamtkonzept für die Frauenförderung aus Unternehmenssicht". (Seite 183)

Doch das ist nicht der einzige Schlüssel zum Erfolg: Wenn zum einen die Frauenquote von 30 Prozent nicht nur erfüllt, sondern auch überstiegen wird und zum anderen gleichzeitig noch Talentmanagement-Kompetenzen vorhanden sind, werden durchschnittlich mehr Frauen in wichtigen Positionen landen.

Die ständige Herausforderung

Harald Ackerschott: "Die Besetzung von Vorstandspositionen mit Frauen ist und bleibt eine große Herausforderung für die Unternehmen. Aber es ist ja nicht die einzige. In den Aufsichtsräten werden die wichtigen Personalentscheidungen getroffen. Aber nicht überall scheint es die dafür notwendige Expertise zu geben."

Der Lösungsansatz ist für Springer-Autorin Kerstin Fischer im Buchkapitel "Führung. Digitales Mi[e]nenfeld": "Gestalten-statt-Verwalten ist der richtige und notwendige Schritt. Gute Führungskräfte sind Talentfanatiker, haben Freude daran, Talente zu entdecken, zu entwickeln, zu fördern. Sie reißen Barrieren ein, erfinden die Welt neu, bilden keinen Kommunikations- oder Datenstau, sondern lassen Informationen ungehindert fließen, statt diese verschlüsselt in ihrem E-Mail-Postfach ungelesen zu horten. Sie verabschieden sich von altem Denken gemäß dem Motto: 'Das Problem ist nicht, neue, innovative Gedanken hereinzulassen, sondern sich von alten zu verabschieden'" (Seite 97).

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