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Wie Unternehmen nachhaltiger werden

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CO2-Emissionen, Diversitätsquoten und der Anteil erneuerbarer Energien: Dies sind laut einer Studie die üblichsten Kennzahlen zur nachhaltigen Unternehmenssteuerung. An der Datengrundlage hapert es aber oft.

Die Nachhaltigkeitstransformation ist für viele Unternehmen hürdenreich. Doch sie ist alternativlos.


Nachhaltigkeit ist für die Wirtschaft ein sehr wichtiger Faktor geworden. Zum einen wegen zunehmender gesetzlicher Auflagen. Zum anderen, weil sich die Erkenntnis durchsetzt, dass Nachhaltigkeit Unternehmen zukunftsfähig macht. Wer in den drei Nachhaltigkeitsdimensionen, die Michael Wühle in dem Buchkapitel “Nachhaltigkeit messbar machen skizziert (Seite 147), schnelle Fortschritte vorweist, sichert sich Wettbewerbsvorteile:

  • Ökonomische Dimension: Reduzierung von Kosten (Energie, Rohstoffe, Zeit), krisensichere Lieferkette 
  • Ökologische Dimension: Weniger Schadstoffe, Reduzierung des Ressourcenverbrauchs und Verringerung von CO2-Emissionen 
  • Soziale Dimension: Erhöhung der Kundenzufriedenheit, Verringerung der Mitarbeiterfluktuation

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Allerdings führt das alleinige Umsetzen gesetzlicher Vorgaben, wie etwa die des neuen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes oder der künftig geltenden Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) (als Ersatz für die bislang geltende Non-financial Reporting Directive) nicht zwangsläufig zu wirklich nachhaltigeren Unternehmen.

Nachhaltigkeitsmanagement als Querschnittsfunktion

"Erst wenn Nachhaltigkeit zur Querschnittsfunktion in sämtlichen Bereichen der Unternehmung wird, kann sie wesentlicher Treiber von Entscheidungen sein. Ziel muss es daher sein, ein strukturiertes Nachhaltigkeitsmanagement zu organisieren, welches es erlaubt, interne wie externe Anforderungen in klare zielgerichtete Handlungsanweisungen für den Unternehmensalltag zu übersetzen", erklärt Dr. Sven Jung, Head of Economic Intelligence beim Handelsblatt Research Institute. Stefani Rahmel, Partnerin beim Beratungsunternehmen BearingPoint merkt zudem an, dass bei vielen Unternehmen die enge Verzahnung von Unternehmensstrategie und -steuerung fehle und folglich keine zielgerichtete Maßnahmenumsetzung stattfinde.

Mit ihren Äußerungen beziehen sich die beiden Experten auf die Ergebnisse der gemeinsamen Studie "Nachhaltigkeit als Gegenstand der Unternehmenssteuerung". Darin sind BearingPoint und das Handelsblatt Research Institute der Frage nachgegangen, worauf es ankommt, um ein Unternehmen nachhaltig zu führen. Hierfür wurde im Dezember 2022 eine Umfrage bei den Presseabteilungen der Dax-40-Unternehmen durchgeführt. Daran beteiligten sich 21 Konzerne, wobei 18 alle Fragen beantworteten.

Vorstandsvergütung ist an Nachhaltigkeitsziele gekoppelt

Die Ergebnisse belegen, dass für die DAX-40-Unternehmen Nachhaltigkeit offensichtlich ein Top-Thema ist: 16 von 18 Befragten gaben an, dass die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen bei der Vorstandsvergütung eine Rolle spiele. Zudem wird der Erhebung zufolge in 20 von 21 Konzernen Nachhaltigkeit im Controlling bei der Unternehmenssteuerung berücksichtigt. Für die meisten Befragten sind dabei die CO2-Emmissionen die wichtigste Nachhaltigkeitskennzahl.

KMU fehlt oft die Datengrundlage

Gut Dreiviertel der Umfrageteilnehmer erklärten, die Hauptverantwortung für das Thema Nachhaltigkeit liege in ihrem Unternehmen in einer eigenen Nachhaltigkeitsabteilung. Eine wichtige Aufgabe der für das Thema Verantwortlichen ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung, für die vielfältige Daten zusammengestellt werden müssen. Zwar verfügen die Konzerne vor allem wegen der Finanzberichterstattung über zahlreiche Kennzahlen (Key Performance Indicators/KPI), doch rund um die Nachhaltigkeit wird die Datenlage dünner – erst recht bei kleinen und mittelständischen Firmen.

Es gilt, relevante Kennzahlen zu identifizieren, deren Erstellung zu automatisieren und sie in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Erst dadurch kann Nachhaltigkeit sinnvoll in die Steuerungsprozesse des Unternehmens integriert werden." Stefani Rahmel, Partnerin beim Beratungsunternehmen BearingPoint

Wesentlichkeitsanalyse für KPIs durchführen

Welche KPIs für ein Unternehmen relevant sind, muss laut Springer-Autor Michale Wühle jede Organisation für sich selbst herausarbeiten. Er empfiehlt für die KPI-Bestimmung eine Wesentlichkeitsanalyse gemäß den Standards der Global Reporting Initiative (GRI).

Zudem müssten Unternehmen für die KPI-Bestimmung das Rad auch nicht neu erfinden. “Die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) hat unter der Bezeichnung ‘KPIs for ESG‘ Schlüsselkriterien für die wichtigsten Branchen (Sektoren) entwickelt. Eine Auswahl davon kann im ersten Schritt für Ihr Kennzahlen-System erfahrungsgemäß gut verwendet werden“, schreibt er auf Seite 145.

Direkte und indirekte Verantwortlichkeiten berücksichtigen

Hilfreich bei der Definition der Kennzahlen ist Wühle zufolge auch das System der “Scopes“ aus dem Greenhouse Gas Protocol (GHG). Es bezieht sich zwar auf die Zuordnung der Verantwortung von CO2-Emissionen, doch die zugrundeliegende Logik der direkten und indirekten Verantwortlichkeit könne sehr gut auch auf alle anderen KPIs übertragen werden (Seite 147).

Scopes im Greenhouse Gas Protocol

Messbare Kennzahlen, z.B.

KPIs, die direkt und unmittelbar im eigenen Verantwortungsbereich liegen

Energieverbrauch und Ressourcenverbrauch in Entwicklung und Produktion, zum Teil auch des späteren Produkts

Energiebezogene KPIs im indirekten Verantwortungsbereich

zugekaufte elektrische Energie, Dampf, Wärme und Kälte

KPIs, die primär im Verantwortungsbereich der Zulieferer liegen, aber indirekt gesteuert werden können (sustainable supply chain)

Energie- und Ressoucenverbrauch bei der Herstellung der Vorprodukte und bezogenen Materialien, Transport, Abfall

KPIs der Lieferanten im indirekten Verantwortungsbereich

Energie- und Ressourcenverbrauch, Abfall- und Recycling-Quote in der gesamten Lieferkette

Kategorisierung ermöglicht präzise Auswertung

Der Springer-Autor rät dazu, aus allen Dimensionen der Nachhaltigkeit möglichst gleich viele KPIs auszuwählen, damit ein ausgewogenes Bild des Unternehmens zum Grad der Nachhaltigkeit entsteht.

Nach der Definition der Nachhaltigkeitsziele und Bestimmung der KPIs werden die Kennzahlen schließlich verschiedenen Kategorien zugeordnet, die eine möglichst präzise Auswertung der unterschiedlichen Einflussfaktoren sicherstellen sollen:

  • Input-KPIs (z.B. CO2-Emission eines Vorprodukts)
  • Steuerungs-KPIs (z.B. Abfall) und Störungs-KPIs (z.B. Mitarbeiterfluktuation)
  • Output-KPIs, wobei zwischen Effizienz-KPIs (z.B. Herstellungs- und Materialkosten) und Effektivitäts-KPIs (z.B. Reklamationsquote) unterschieden wird.

Fazit

Der Aufwand für die Ermittlung der KPIs ist nicht unerheblich. Doch nur mithilfe von Daten lässt sich der Nachhaltigkeitsprozess aktiv steuern. Immerhin werden die Kennzahlen an vielen Stellen benötigt, wie etwa der Ökobilanz, dem CO2-Fußabdruck sowie als Material für den Nachhaltigkeitsbericht.

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