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11.02.2020 | Corporate Social Responsibility | Interview | Onlineartikel

"DIN EN ISO 50001:2018 hilft, Energieeinsparpotenziale aufzuspüren"

Autor:
Andrea Amerland
4 Min. Lesedauer
Interviewt wurden:
Simone Brugger-Gebhardt

berät Unternehmen in Qualitäts-, Umwelt- und Energiemanagementsystemen.

Günter Jungblut

ist Umweltgutachter für EMAS, Zertifizierungsauditor für ISO 14001 und ISO 50001.

Bis 21. Februar 2020 müssen Unternehmen auf die Energiemanagementnorm DIN EN ISO 50001:2018 vorbereitet sein. Was dabei zu beachten ist und welche Vorteile die Novelle bietet, erklären Simone Brugger-Gebhardt und Günter Jungblut im Interview.

springerprofessional.de: Für alle diejenigen, die davon noch nichts gehört haben: Was genau regelt die Norm ISO 50001:2018 in wenigen Sätzen formuliert?

Simone Brugger-Gebhardt: Die DIN EN ISO 50001:2018 hilft den Unternehmen, systematisch Energieeinsparpozentiale aufzuspüren und konsequent umzusetzen. Und zwar nicht nur einmalig, sondern kontinuierlich ab dem Zeitpunkt der Einführung. 

Ab nächstem Jahr gilt diese neue ISO-Norm für Energiemanagement. Was sind die wesentlichen Änderungen und Anforderungen für Energiemanagementsysteme beziehungsweise für die Zertifizierung?

Simone Brugger-Gebhardt: Mit der Revision der Norm wurde diese an die sogenannten High Level Structure, eine neue Grundstruktur für Managementsystemnormen, angepasst. Damit gilt jetzt auch für Energiemanagementsysteme, was bereits für Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme galt: Die Unternehmensleitung ist klar gesamtverantwortlich für das Managementsystem, es müssen der Kontext der Organisation und die interessierten Parteien ermittelt werden, es müssen Risiken und Chancen bestimmt werden.

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Günter Jungblut: Das bedeutet, das Umfeld - der Kontext - des Unternehmens muss untersucht und bewertet werden, um daraus frühzeitig Auswirkungen auf das Unternehmen zu erkennen und Reaktionen darauf zu überlegen.

Simone Brugger-Gebhardt: Eine weitere Änderung ist, dass die Anforderungen an die Energieplanung präzisiert wurden. Unternehmen müssen mehr Anstrengungen in die Dokumentation stecken, speziell in den Bereichen Energiemessung, Bestimmung der wesentlichen Verbraucher, der Einflussfaktoren für den Energieverbrauch, der Energieleistung anhand von Kennzahlen sowie energetischen Ausgangsbasen. Hier fordern die Zertifizierungsauditoren mehr Dokumentation als vor der Revision. 

Welche Chancen ergeben sich für Unternehmen durch die Norm ISO 50001:2018?

Günter Jungblut: Der wichtigste Effekt eines Energiemanagementsystems ist natürlich, kontinuierlich Energie und damit verbunden das Geld zu sparen. Mit diesen Effekten ist die Investition in ein Energiemanagementsystem in der Regel sehr schnell bezahlt. Vor allem auch deswegen, weil zuerst die tief hängenden und leicht zu erreichenden Früchte geerntet werden. Ein weiterer Vorteil, den das Unternehmen quasi nebenbei noch mitnehmen kann, ist eine gewisse Rechtssicherheit. Die energierelevanten Rechtsvorschriften müssen ermittelt und umgesetzt werden. Und die Anforderungen des Stromsteuergesetzes und der CSR-Richtlinie werden gleichzeitig umgesetzt, wobei natürlich mit dem Zertifizieren des Energiemanagementsystems eine zentrale Anforderung für Steuerentlastungen erfüllt wird.

Wie lässt sich Energiesparpotenzial in Unternehmen am besten ermitteln, um die Norm umzusetzen?

Simone Brugger-Gebhardt: Essentiell ist eine gute Datengrundlage, um die Einsparpotenziale objektiv bestimmen zu können. Daher beginnt ein Unternehmen am besten mit einer Bestandsaufnahme: Welche Daten sind schon vorhanden? Wie können größere Lücken geschlossen werden? Stehen die ersten Daten zur Verfügung, kann schon damit begonnen werden, die wesentlichen Verbraucher zu identifizieren. Damit ist dann möglich, die wirklich lohnenden Einsparpotenziale zu ermitteln. 

Welche Aufgaben hat die Unternehmensleitung im Rahmen des Energiemanagementsystems?

Simone Brugger-Gebhardt: Wer am Steuer sitzt, bestimmt den Kurs. Die Unternehmensleitung gibt die Richtung des Unternehmens vor, auch in Sachen Energie. Die Leitung muss hinter dem Ziel Energieeffizienz stehen. Außerdem muss die Leitung das Energiesparen im Unternehmen managen. Managen heißt nicht nur verwalten, sondern aktiv ermitteln und planen, im Unternehmen steuern und umsetzten, und dann die Effekte der ergriffenen Maßnahmen messen und bewerten.  

Günter Jungblut: Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Energiewende wie um das Energiepaket oder Fridays for future.

Wie sieht es mit Steuererstattungen, Befreiungen oder Förderungen für die Umsetzung aus?

Günter Jungblut: Die wichtigsten und umfangreichsten Steuererleichterungen werden gewährt aufgrund der Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung und dem Stromsteuergesetz sowie dem Energiesteuergesetz und dem Erneuerbaren Energien Gesetz. Hier ist ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 eine Voraussetzung für die Gewährung der Steuerrückzahlungen.

Es gibt eine unüberschaubare Vielzahl an Förderprogrammen rund um das Energiesparen. Die meisten Förderprogramme werden über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und die Kreditanstalt für Wiederaufbau abgewickelt. Es lohnt sich also, entweder, einen kompetenten Energieberater zu engagieren oder selbst auf den entsprechenden Webseiten zu recherchieren. Auch die IHKs können oft helfen und wertvoll Tipps geben.

Ganz aktuell ist übrigens eine Richtlinie der Bundesregierung zur Förderung von Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt, Stand: 30. Dezember 2019. Auch hier ist die Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Förderung ein Energiemanagementsystem.

Wie viel Zeit haben Unternehmen noch, die Norm umzusetzen? 

Simone Brugger-Gebhardt: Die Umstellungsfrist der Energiemanagementnorm DIN EN ISO 50001 läuft zwar offiziell bis zum 20.08.2021, jedoch dürfen die Zertifizierungsstellen ab dem 21. Februar 2020 nur noch nach der neuen Norm von 2018 prüfen. De facto muss als jedes Unternehmen ab dem 21. Februar 2020 Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudits umgestellt haben. 

Günter Jungblut: Das wurde so geregelt, damit Probleme, die bei der Umstellung auf die neue DIN EN ISO 9001 und 140001 entstanden sind, nicht auftreten. Damals schoben viele Unternehmen die Umstellung bis zum Ablauf der Frist nach drei Jahren.

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