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03.07.2024 | Corporate Social Responsibility | Gastbeitrag | Online-Artikel

Nachhaltigkeit und Profit sind kein Widerspruch

verfasst von: Carolin Waldner

4 Min. Lesedauer

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Das Streben nach sozial-ökologischen und ökonomischen Zielen führt zu Spannungen in Unternehmen. Führungskräfte können diese als Quelle für Innovation und Produktivität nutzen.

Nachhaltigkeit in Unternehmenspraktiken zu integrieren ist seit langem kein Nischenthema mehr. Dabei stehen Führungskräfte vor der großen Herausforderung, parallel sozial-ökologische und ökonomische Ziele zu erfüllen, wobei das Streben nach Nachhaltigkeit wie etwa eine faire Entlohnung oder die Einsparung von Emissionen häufig im Gegensatz zum Unternehmensprofit wie beispielsweise der Reduktion der Produktionskosten steht. Diese gegensätzlichen Ziele gehen mit unterschiedlichen, teils in Konflikt stehenden Stakeholder-Erwartungen einher und erschweren es Führungskräften, Entscheidungen zu treffen. Die Akteure stehen also in einem Spannungsfeld, welches Zeit, Ressourcen und nicht zuletzt kognitive Kapazitäten beansprucht.

Spannungen zwischen Nachhaltigkeit und Profit angehen

In der aktuellen Managementliteratur werden solche Spannungsfelder unter Betracht der Paradoxtheorie untersucht, welche auf der Annahme basiert, dass sich widersprechende Spannungen, welche zwischen zwei gegensätzlichen, dennoch voneinander abhängigen Elementen dauerhaft existieren, bei einem richtigen, proaktiven Umgang zu mehr Produktivität und unternehmerischer Innovation führen können. Spannungen können also Energie freisetzen, die Führungskräfte und ihre Mitarbeitenden dazu befähigt, kreativ zu werden und sich neu zu sortieren, um die zugrundeliegenden gegensätzlichen Elemente zu verknüpfen.

Da sich der Konflikt zwischen zwei Elementen häufig nicht komplett lösen lässt und somit schlimmstenfalls dauerhaft Stress verursacht, versuchen viele Führungskräfte diese Art von Spannungen zu ignorieren oder zu unterdrücken. So ein passives Verhalten kann allerdings die betroffenen Personen und damit die Aktivitäten des Unternehmens lähmen. Greenwashing-Maßnahmen und Inauthentizität können die Folge sein. Um dies zu vermeiden und im Gegenzug disruptive Energie freizusetzen, ist es essenziell, dass Spannungen nicht unterdrückt, sondern proaktiv adressiert werden.

Erster Schritt: Die Spannung akzeptieren

Ein proaktiver Umgang beginnt dabei stets mit der Erkenntnis, dass Spannungsfelder existieren und ein normaler Bestandteil des Unternehmensalltags sind. Dies kann beispielsweise die Akzeptanz der Tatsache sein, dass mit der steigenden Nachfrage nach unternehmerischer Nachhaltigkeit neue Ziele in den Vordergrund rücken, die zuvor vernachlässigt wurden. Die Anerkennung der Spannung und damit auch der zugrundeliegenden konfligierenden Elemente ist also der erste Schritt, um proaktiv damit umzugehen.  

Zweiter Schritt: Die passende Strategie finden

Sobald die Spannung akzeptiert und die Konfliktherde erkannt wurden, können konkrete Strategien entwickelt werden, mit denen Führungskräfte sich kognitive Erleichterung verschaffen und im besten Fall auch Innovationskraft und Produktivität der Mitarbeitenden steigern. Dabei variiert die passende Strategie je nach Spannung und Kontext. Eine Strategie ist beispielsweise die zeitliche oder räumliche Trennung der konfligierenden Elemente voneinander - eine Praxis, die in größeren Unternehmen bereits häufig in Form von Nachhaltigkeitsabteilungen umgesetzt wird. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass die Elemente nicht nur nebeneinander existieren, sondern dass Schnittpunkte gefördert werden, so dass auch Abteilungen, die rein ökonomische Ziele verfolgen in regelmäßigem Kontakt mit Nachhaltigkeitsabteilungen stehen und deren Ziele als Teil der Unternehmensstrategie ansehen.

Auf individueller Ebene kann Konfrontation eine Strategie zum Umgang mit widerstreitenden Parteien sein, wobei Führungskräfte den Konflikt kritisch mit allen beteiligten Mitarbeitenden diskutieren. Dabei hilft etwa ein Gedankenspiel, bei dem alle Beteiligten zunächst nur Lösungen für eins der beiden Ziele sammeln, frei nach dem Motto: Wo steht die Firma in 20 Jahren, wenn wir Profit komplett über Nachhaltigkeit priorisieren - und andersherum?

Dies erlaubt es Führungskräften und ihren Teams, die eigenen Werte und Ziele zu reflektieren und komplementäre Lösungen herauszuarbeiten. Zudem fördert die Konfrontationsstrategie die Partizipation und vermeidet, dass Spannungen auf der Ebene der Mitarbeitenden unbeachtet bleiben. Darüber hinaus ist für Führungskräfte, die in einem Spannungsfeld stehen, der Austausch mit unternehmensexternen Personen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, hilfreich. Es lohnt sich also, die Problematik in Netzwerken oder Freundeskreisen mit Gleichgesinnten zu teilen. Im Umgang mit Mitarbeitenden bietet auch Humor eine Möglichkeit, mit Spannungen umzugehen. Es ist also ratsam, dass Führungskräfte darauf achten, insbesondere Meetings in denen Streitpunkte thematisiert werden, mit Leichtigkeit zu leiten.

Entwicklung eines Paradox-Mindsets

Bei einem ganzheitlichen und proaktiven Umgang mit Konflikten wird in der Literatur auch von einem Sowohl-als auch-Ansatz gesprochen, welcher anerkennt, dass die scheinbar widersprüchlichen Ziele bei einer nachhaltigen Wirtschaftsweise existieren können und müssen. Im Gegensatz Entweder-oder-Ansatz zeichnet sich der "Sowohl-als auch-Ansatz dadurch aus, dass die Spannung nicht zu Trade-off Entscheidungen zwischen den Elementen führt, sondern die Integration beider Elemente gleichermaßen fördert. 

Natürlich erfordert diese Herangehensweise eine höhere kognitive Kapazität der Führungskraft. Die Fähigkeiten hierfür lassen sich dabei erlernen. So gibt es beispielsweise diverse Bücher, Kursangebote und online verfügbare Materialien, die das sogenannte Paradox-Mindset (also die Fähigkeit, mit Spannungen umzugehen und sie in disruptive Energie umzuwandeln) schulen und weiterentwickeln.

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