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Ein Hauch von Luxus im DS N°8

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Die Nummer Acht der Franzosen ist ein großes BEV mit Ambitionen. Im Test die DS N°8 FWD Long Range in der Ausstattung Étoile.

DS N°8 FWD Long Range Étoile


Die DS N°8 ist eine durchaus ungewöhnliche Erscheinung: Auf den relativ kurzen Vorderwagen folgt eine Fahrgastzelle mit einem flachen und langgezogenen Heck. Das flache, nach vorne weisende Design wird durch in die C-Säulen integrierten Öffner der hinteren Türen und die schwarze Plastikbeplankung im unteren Bereich verstärkt. Die flächig gehaltene Karosserie ist zudem kantig gezeichnet, vorne zeigt der große Franzose senkrecht angeordnete Tagfahrleuchten, die Matrix-LED-Scheinwerfer bestehen aus drei horizontalen Modulen. Zudem ist der Kühlergrill ab der "Étoile"-Ausstattung beleuchtet ("DS Luminascreen"). Die Räder sind 21" groß. Auch das Heck ziert eine vertikale Lichtsignatur. 

Das BEV ist 4,82 m lang, 1,90 m breit und 1,58 m hoch. Der Radstand beträgt 2,90 m. Platz ist im Fahrzeug der oberen Mittelklasse reichlich vorhanden: Der Gepäckraum hinter der elektrischen Klappe bietet bis zu 620 l Volumen. Wenn man die Fondsitze umklappt, sind es 1.553 l. Ein Fach unterhalb beherbergt die Ladekabel. Einen "Frunk" gibt es allerdings nicht. Die Basis für den Premium-Franzosen liefert die Stellantis-Plattform STLA Medium.

Interieur 

Erster Eindruck: Viel Platz und durchaus eine edle Anmutung mit Klavierlack, schimmernden Metalldekors und einem großen, schmalen Touchscreen. Die bequemen Sitze sind mit auffällig abgenähtem Nappaleder ausgekleidet. Im oberen Teil des Cockpits ist alles weich abgepolstert. Dafür fällt der mit einer sternförmigen Grafik dauerhaft weiß beleuchtete Steg der Mittelkonsole ab, der aus billig anmutendem Kunststoff besteht. Ein Teil der Ambientebeleuchtung wird mit vertikalen Lichtleisten gebildet, die das Lichtdesign des Exterieurs wieder aufgreifen. Sie sind im Bereich der Außenspiegel platziert und erschweren selbst bei geringster Stufe aufgrund ihrer Helligkeit den Blick in die Spiegel. Immerhin kann man diesen Teil der Beleuchtung auch einzeln abschalten.

Zurück zum Cockpit: Die Sitzposition ist relativ hoch, hier kommen die SUV-Gene des Crossovers zum Tragen. Das Highlight ist das fast ovale Lenkrad mit den X-förmigen Speichen: Es fasst sich erstaunlich gut an, allein die Halbtouch-Tasten sind nicht besonders gut bedienbar, auch könnte die Höhenverstellung größer ausfallen. Die vorhandenen Knöpfe und Schalter im DS sind unkonventionell, in diesem Fall oft rautenförmig gestaltet. Allerdings wird der Stil nicht konsequent durchgehalten, es gibt auch Knöpfe und Schalter aus dem ehemaligen FCA-Regal. Die Spiegelverstellung findet man nach etwas Suchen links am Armaturenbrett.

DS N°8 FWD Long Range Étoile


Das Fahrerdisplay ist 10,25" groß, aber die Anzeigen sind etwas zu kleinteilig, das gilt für alle einstellbaren Ansichten. Dafür steht zusätzlich das "DS Extended Head up Display" mit Augmented Reality zur Verfügung. Nicht erschrecken, wenn sich etwas bewegt: Der Streckenverlauf wird dort quasi in Echtzeit mit beweglichen Kurven angezeigt. 

Die Vordersitze weisen integrierte Kopfstützen auf und bieten Massage-, Kühl- und Heizfunktion. Neben den einstellbaren Seitenwagen verfügen die Sitze auch über einen Nackenwärmer. Hier bietet DS in seinem Crossover einen Mehrwert, den man sonst in der Klasse selten findet. Die beheiz- und belüftbaren Rücksitze sind um bis zu 30° neigbar sowie im Verhältnis 40:20:40 umlegbar. Aufgrund des tiefen Dachverlaufs sind die Kopfstützen hinten nicht verstellbar und die Rundumsicht ist nicht gut. Das Panoramadach lässt viel Licht in den Innenraum und besteht aus mehrschichtigem Verbundglas mit Low-E-Beschichtung. 

Antrieb + Fahrwerk

Die DS N°8 ist in drei Leistungsstufen von 169 kW (230 PS) bis 257 kW (350 PS) erhältlich. Die getestete Frontantriebsversion mit 180 kW (245 PS) Leistung bietet eine Long-Range-Batterie mit einer Nettokapazität von 97,2 kWh. Bereits mit diesem Antrieb ist die DS ausreichend motorisiert: Das maximale Drehmoment liegt bei 343 Nm, in unter 8 s werden aus dem Stand 100 km/h erreicht. Mit einer Taste unterhalb der Gangwahltasten auf der Mittelkonsole lässt sich der One-Pedal-Drive aktivieren. Alternativ kann die Rekuperation mit Lenkradwippen verstellt werden.

Das Fahrverhalten ist gemessen am Anspruch eines luxuriösen Topmodells sehr gut: Weich und komfortabel gleitet die DS selbst über schlechte Straßen, im Innenraum geht dank guter Verarbeitung und der Akustikverglasung sehr leise zu. Da kommt die Focal-Hifi-Anlage mit 14 Lautsprechern gut zur Geltung (im "Absolute Comfort Pack"). Trotz der feinfühligen Federung ist das Fahrverhalten nicht schwammig. Dafür sorgt die kamerabasierte, adaptive Fahrwerkstechnik "DS Active Scan Suspension". Eilige Naturen werden mit der Nummer 8 nicht glücklich werden: Die große DS muss etwas in die Kurven gedrückt werden, das ist bei einem Gewicht von gut 2,2 t und der Ausrichtung auf Komfort nicht außergewöhnlich. Die DS Nummer acht lässt sich am besten als elektrische Reiselimousine charakterisieren und entfaltet vor allem auf längeren Strecken eine entspannte Wohlfühlatmosphäre.

Der Verbrauch lag bei 23,4 kWh im Schnitt, nach einer Vollladung lag die anzeigte Reichweite bei einstelligen Temperaturen bei 645 km (im Eco-Modus sogar bei 677 km). Laut Datenblatt soll die Reichweite bei 714 km liegen. Mittels EV-Routing wird die Batterie automatisch vorkonditioniert, wenn eine Ladestation als Ziel eingegeben wird. Unter dem Menüpunkt "Energie" kann dies auch manuell erfolgen. Die DS bietet allerdings nur durchschnittliche 400-V-Technik: Die maximale Ladeleistung wird mit 160 kW angegeben, sodass in 27 min von 20 auf 80 % SoC aufgeladen werden kann. Im Test wurden maximal 124 kW erreicht, die Ladedauer betrug 30 min. Übrigens vermeldete das Cockpit "Laden unterbrochen", geladen wurde aber trotzdem. Der Onboard-Charger integriert auch eine V2L-Funktion.

Elektronik + Fahrerassistenz

Der 16" große Touchscreen auf der zweiteiligen Mittelkonsole ist relativ weit weg, nicht zum Fahrer geneigt und reagiert nicht immer sensibel. So bleibt der Fahrer auch mit langen Armen immer in Bewegung. Das Infotainmentsystem "DS Iris" bietet in der jetzt zweiten Generation eine Fülle an Informationen, sodass ein Studium zunächst im Stand erfolgen sollte. Zudem kann eine Personalisierung nicht schaden. Das ist zwar ein etwas mühsames Unterfangen, zur Belohnung hat man dann eine individuell passende Ansicht mit den Widgets, die man benötigt. Unterhalb sind ein paar Kurzwahltasten angebracht, sodass man etwa schnell an die Einstellungen für die Assistenzsysteme kommt. Trotzdem bleibt die Bedienung komplex, da die Menüs verschachtelt sind und man sowohl touchen als auch horizontal und vertikal wischen kann/muss. Die Steuerung kann auch per Spracherkennung über ChatGPT erfolgen, was leidlich funktioniert.

Das Fahrerassistenzsystem "DS Drive Assist" ("Absolute Tech Pack") arbeitet auf Level 2 und bietet unter anderem einen intelligenten Tempomaten mit Stop&Go-Funktion und halbautomatische Spurwechsel. Die Verkehrszeichenerkennung fiel mit einer durchschnittlichen Leistung auf, sie schnappte sich auf der Autobahn bei Tempo 110 aber auch mal ein 40er-Schild und bremste ab. Die Nachtsichtfunktion im Cockpit ist Luxus und nice-to-have, die Darstellung wurde aber als zu dunkel empfunden, als das ein echter Mehrwert geboten würde. 

Ein Bug beim Einparken sorgte öfter für eine Schrecksekunden: Die Parksensoren warnten mit schrillem Dauerton, wenn man das Lenkrad komplett eingeschlagen wurde, auch wenn sich gar kein Hindernis in der Nähe befand. Auf die 360°-Kamera kann man sich dafür verlassen. Auch die in der Étoile-Ausstattung enthaltenen Matrix-LED-Scheinwerfer funktionieren sehr gut und schneiden andere Verkehrsteilnehmer zuverlässig aus.

Fazit DS N°8 

Die N°8 ist ein Hingucker: Vor allem bei der Gestaltung zeigt sich das Fahrzeug durchaus unkonventionell. Auch wenn das Premium-Elektroauto technisch keinen Quantensprung darstellt, ist die DS N°8 dabei sehr gut ausgestattet und bietet einige luxuriöse Komfortfeatures. Diese passen sehr gut zum flüsterleisten Antrieb und dem seidigen Fahrverhalten. Auch die Reichweite kann sich sehen lassen, beim schnellen Laden ist das 400-V-Auto allerdings etwas limitiert. Weniger gefallen haben die teilweise fehlerhaften Assistenzsysteme und die Bedienung des verschachtelten Infotainmentsystems. Die getestete FWD Long Range-Version Étoile ist zu einem Preis ab 71.000 Euro zu haben, doch mit den Extras "Absolute Tech Pack" mit teilautonomem Fahren und Night Vision sowie dem "Absolute Comfort Pack" mit Hifi-System, beheizbaren Sitzen rundum und Nackenheizung vorne kommt der Testwagen auf einen stolzen Preis von 80.130 Euro. Dafür kann man auch etwas Luxus erwarten.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Antriebe

In den über 100 Jahren des Gebrauchs von Kraftfahrzeugen hat sich der Hubkolben-Verbrennungsmotor mit einem Drehzahl-/Drehmomentwandler und einer Anfahr-/Schaltkupplung als bevorzugtes Antriebskonzept durchgesetzt und behauptet. Im Spannungsfeld zwischen immer strikteren Emissionsgrenzwerten und steigenden Anforderungen bezüglich des Treibhausgasausstoßes findet aktuell allerdings wieder eine Diversifizierung des Antriebsstranges statt.

Elektromobilität in Deutschland

Der Verkehrssektor ist für 25 % der Kohlendioxydemissionen in der EU und für 20 % in Deutschland verantwortlich. Der Verkehr verursacht daneben vor allem Stickoxid- und Feinstaub-Emissionen und insbesondere durch Verbrennungsmotoren auch viel Lärm. Außerdem sind der Flächenverbrauch und die Flächenversiegelung für Straßen und Infrastruktur von Relevanz.

    Bildnachweise
    DS N°8 FWD Long Range Étoile/© Patrick Schäfer | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, AVL List GmbH/© AVL List GmbH, dSpace, BorgWarner, Smalley, FEV, Xometry Europe GmbH/© Xometry Europe GmbH, The MathWorks Deutschland GmbH/© The MathWorks Deutschland GmbH, HORIBA/© HORIBA, Outokumpu/© Outokumpu, Gentex GmbH/© Gentex GmbH, Ansys, Yokogawa GmbH/© Yokogawa GmbH, Softing Automotive Electronics GmbH/© Softing Automotive Electronics GmbH, measX GmbH & Co. KG, Hirose Electric GmbH/© Hirose Electric GmbH