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Über dieses Buch

Dieses Buch gibt einen weitreichenden Überblick des Themenfeldes CSR im Bundesland Hessen. Hessen ist das erste Bundesland, das Nachhaltigkeit in die Landesverfassung aufnahm. Das Werk vermittelt aktuelle Impulse aus Bildung, Gesellschaft, Kultur, Luft- und Raumfahrt, Politik und Wirtschaft. Praxiserprobte Beispiele geben Orientierung, motivieren, machen Mut. Sie bringen Ergebnisse und zeigen zukunftsfähige Wege auf. Mit Schwarmintelligenz können wir die Gegenwart in Lösung und Wirkung von der Zukunft aus denken und heute schon handeln. Zukunft braucht Mut und jeder Beitrag zählt.
Langfristige und zukunftsfähige Ziele in ökonomischer, ökologischer, kultureller und gesellschaftlicher Nachhaltigkeit erreichen wir außerhalb unserer Komfortzone: In Kooperation, Vernetzung und intergenerativem Dialog gelingen interdisziplinäre Lösungen und echte Innovation. Wir überwinden Gegensätze, entwickeln neue Geschäftsmodelle zum Werterhalt von Unternehmen, mit positiver Wirkung für Umwelt und Gesellschaft. Nachhaltigkeit – und damit Zukunftsfähigkeit – erreichen wir nur gemeinsam.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Impulse aus Bildung, Weiterbildung, Wissenschaft und Kultur

Frontmatter

Die hessischen Umweltschulen – Ein Bildungsnetzwerk für nachhaltige Entwicklung

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist Schlüssel und Triebfeder für eine gesellschaftliche Transformation zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung. Sie stellt die Fragen nach der Zukunftsfähigkeit unseres Handelns ins Zentrum ihrer Lernprozesse. Die Lernenden entwickeln Kompetenzen – also Wissen, Fähigkeiten und Haltungen –, die ihnen einen zukunftsfähigen Lebensstil ermöglichen. Die schulische Umsetzung von BNE bedeutet für Lehrkräfte und Schulleitungen eine besondere Herausforderung angesichts der Komplexität der Themenfelder, der erforderlichen Verbindung von Unterricht und Schulleben, und der bisher noch nicht flächendeckenden Verankerung von BNE in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung. Schulen brauchen für die besondere Bildungs- und Erziehungsaufgabe BNE Unterstützungsangebote und Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten mit anderen Schulen. Das Netzwerk der Hessischen Umweltschulen bietet den teilnehmenden Schulen fachliche Expertise durch externe Bildungspartner, Vernetzung und Austausch durch regelmäßige Treffen sowie Anerkennung für ihre BNE-Arbeit durch eine Auszeichnung verliehen durch zwei Landesministerien. Durch den Zugang über die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit öffnen sich die Schulen für einen mehrdimensionalen Bildungsansatz für eine nachhaltige Entwicklung und eine Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.

Silke Bell

Neue Wege in der Mitarbeitergewinnung entdecken

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt

Das Praktikumsjahr soll Unternehmen helfen, nachhaltig junge Talente zu finden und Schulabgänger bei der Berufsentscheidung zu unterstützen. In diesem Kapitel zeigt Johannes Feik auf, wie er auf die Idee gekommen ist und welche Beobachtungen er auf seinem Weg gemacht hat. Es soll Ihnen die Sicht auf die Gewinnung von Schulabgängern von einem Botschafter seiner Generation zeigen. Zu diesem Hintergrund ist es wichtig, unter welchen Verhältnissen er groß geworden ist. Johannes Feik ist in einer Familie der oberen Mittelschicht aufgewachsen und besuchte nach seiner Grundschulzeit eine Privatschule und machte neben seiner Ausbildung sein Fachabitur.

Johannes Feik

Segel setzen auf Kurs Nachhaltigkeit – Azubis bei der Huhle Stahl- und Metallbau GmbH starten durch

„Wenn Nachhaltigkeit ein natürliches Verhalten wird, dann haben wir es geschafft!“ – Dies möchte die Huhle Stahl- und Metallbau GmbH erreichen und glaubt daran, dass es der richtige Weg ist, bei den Auszubildenden anzusetzen. Sie bezieht diese aktiv mit ein, um die Firma kontinuierlich nachhaltiger und somit zukunftsfähig zu gestalten. Aus der ursprünglichen Teilnahme an einem Nachhaltigkeitsprojekt mit der TU Darmstadt heraus, beschäftigen sich die Auszubildenden nun regelmäßig damit, wie im Betrieb Ressourcen eingespart, Abläufe verbessert oder ergonomischer gearbeitet werden kann. Dabei geht es nicht nur darum, Potenziale aufzudecken, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen für nachhaltiges Verhalten zu sensibilisieren. Der Beitrag ist ein Rückblick auf Erfahrungen und Motive, auf Chancen und Herausforderungen bei der Implementierung von Nachhaltigkeit als eine Selbstverständlichkeit. Und er gibt einen Ausblick, wie das Unternehmen weiterhin die Segel auf „Kurs Nachhaltigkeit“ setzen möchte.

Malena Pfeiffer, Günter Huhle

Events als unterstützende Maßnahme zur Mitarbeitereinbindung in das Nachhaltigkeitsmanagement

Impulse für das Wozu? Was? und Wie?

Begrifflichkeiten wie Nachhaltigkeit und CSR sind in der Öffentlichkeit angekommen, Umsetzung und Integration entsprechender Prozesse haben in der globalen Diskussion und in Unternehmen bereits ordentlich an Fahrt aufgenommen und stellen eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung dar.Die Notwendigkeit für Unternehmen, sich auf den Weg in eine nachhaltige Zukunft zu machen, wird dringlicher. Bei Veränderungsprozessen wie diesem stellt die Akzeptanz durch die Mitarbeiter häufig eine große Hürde dar, deshalb ist ihre Einbindung in das Nachhaltigkeitsmanagement sehr wichtig.Faktoren wie Unsicherheiten, Angst vor Unwissenheit und Verzicht spielen hier eine große Rolle. Das Ganze sollte daher konkret und erlebbar gemacht werden. Eine gute Plattform zur umfassenden Vermittlung, der Verbindung zwischen dem eigenen Verhalten und dessen Auswirkungen sowie Sensibilisierung der Mitarbeiter, bieten Mitarbeiterevents unter Zuhilfenahme der Sustainable Development Goals (SDGs) als Referenzrahmen.

Sabine Böhling

Marketing & Nachhaltigkeit in Hessen studieren

Akademische Bildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Der Beitrag beleuchtet narrativ einen Ansatz zur akademischen Bildung im Spannungsfeld zwischen Marketing und Nachhaltigkeit in Hessen und liefert einen Einblick in die Konzeption der Qualifikationsziele, Intention, die curriculare Struktur sowie das didaktische Konzept. Ausgangspunkt ist die Qualifikation einer neuen Generation an Führungskräften im Marketingumfeld, die dazu befähigt werden, selbstreflektiert zu handeln und ethische Maßstäbe in Unternehmensführung und Marketingkonzeption einbringen können. Das Masterprogramm versetzt junge Menschen in die Lage, an der gesellschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Transformation mitzuwirken und Nachhaltigkeit im unternehmerischen Kontext zu verankern. Durch den didaktischen Ansatz des erfahrungsraumbasierten Lernens werden die Kompetenzfelder im Verlauf des Studiums geprägt. Im Rahmen eines Erfahrungsberichtes einer Alumni wird der konzeptionelle Bildungsansatz kritisch evaluiert.

Dennis Lotter, Sabrina Horch

CR-Unternehmensengagement im Spannungsfeld von Bildung und Transformation

Zukunftsfitte Unternehmen verstehen bereits heute Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) als integralen Bestandteil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, der Corporate Responsibility (CR) (Im Artikel wird die umfassendere Begrifflichkeit „Corporate Responsibility“ (CR) verwendet, die alle Verantwortungsbereiche eines Unternehmens mit einbezieht.). Dies ist in den letzten Jahren notwendig geworden durch die grundlegenden Veränderungen durch die Digitalisierung und die Nachhaltigkeitsthematik des beruflichen Alltags Hinzu kommt, dass komplexe gesellschaftliche Transformationsprozesse, wie etwa der Klimawandel oder die digitale Transformation, nicht nur einen technologischen Forschritt, sondern vor allem neue und agile Handlungsprofile und Mindsets in der Wirtschaft erfordern. Mit Blick auf die Zukunft rücken Unternehmen als Bildungsakteure im Zuge ihrer gesellschaftlichen Verantwortung daher immer stärker in den Fokus. Dieser Artikel zeigt grundlegende Thesen und potenzielle Erfolgstreiber zum CR-Bildungsengagement als Business Case auf, welche unter anderem auf den Erkenntnissen des hessischen Leuchtturmprojektes „BNE-Zukunftsdialog“ und aktuellen Umfrageergebnissen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung beruhen.

Katharina Knoll

Uni Kassel gründet Zentrum für nachhaltige Transformation: Interview mit Prof. Dr. Finkeldey

17 Ziele – 17 Professuren für eine nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeit und Idealismus war gestern. Pragmatischer Einsatz für gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Ziele im Sinne der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen ist Alltag, Gegenwart und sichert die Zukunftsfähigkeit. Bildung ist der Schlüssel dazu und Hochschulen haben Vorbildfunktion für die Umsetzung und sind Multiplikator. Die Universität Kassel zeigt, wie es gehen kann. Das neue Zentrum für nachhaltige Transformation wird Forschungs- und Lehrkompetenzen zur gesamten thematischen Breite der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) bündeln (Uni Kassel 2020b). Der Senat folgte damit dem von Universitätspräsident Prof. Dr. Reiner Finkeldey im Herbst 2019 gemachten Vorschlag, der in der Universität breit diskutiert wurde. Im Gespräch stellt er das Zentrum vor. Das Interview führte Beate Hentschel. Beate Hentschel leitet seit März 2014 die Stabsstelle Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Universität Kassel. Sie war zuvor seit 1999 stellvertretende Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Universität Göttingen. Beate Hentschel leitet seit März 2014 die Stabsstelle Kommunikation, Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Universität Kassel. Sie war zuvor seit 1999 stellvertretende Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Universität Göttingen.

Beate Hentschel, Anke Trischler

Herausforderungen des Klimawandels für die Weinbranche

Oftmals wird die Weinbranche in nördlichen Weinanbaugebieten, wie in Hessen der Rheingau und die Hessische Bergstraße, als pauschaler Gewinner des Klimawandels dargestellt. Durch den Klimawandel aber ist die Weinbranche auch in kühleren Regionen zunehmend vor eine Reihe von unterschiedlichsten Herausforderungen gestellt.Nicht nur steigende Durchschnittstemperaturen, sondern auch zunehmende Wetterextreme und die Veränderung der Niederschlagsverteilung, haben einen weitreichenden Einfluss auf den Weinbau und die nachfolgende Weinbereitung.Diese verschiedenen klimatischen Veränderungen beeinflussen jedes Jahr in unterschiedlicher Weise den Weinbau und die Weinproduktion. Im folgenden Kapitel soll anhand verschiedener Beispiele der hessischen Weinanbaugebiete dargelegt werden, warum der Klimawandel kein Selbstläufer für die dortige Weinbranche ist, und warum man zukünftig weitere innovative sowie vernetzte Handlungskonzepte entlang der Weinproduktion braucht, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen, um weiterhin jedes Jahr Weine von hoher Qualität produzieren zu können.

Matthias Schmitt

Zukunftsfähige Industrie in Hessen gestalten

Industrie als zentraler Bestandteil des Innovationsökosystems in Hessen

Hessen ist nicht nur in Deutschland, sondern auch europaweit ein Top-Wirtschaftsstandort mit einer über 150 Jahre alten Industrietradition, insbesondere im Pharma- und Chemiesektor. Seit 1863 ist der Industriepark Höchst ein Beispiel für Innovation und Transformation. Doch welche Faktoren entscheiden über Erfolg und Misserfolg von Industriestandorten? Und welche Rolle kann die Industrie bei der Umsetzung des Themas Nachhaltigkeit spielen? Dieser Artikel betont die Bedeutung funktionierender Wissenskreisläufe für die Entwicklung der Industrie. Diese Wissenskreisläufe sind themenspezifisch zu gestalten und umfassen Akteure unterschiedlicher Sektoren – Vertreter anderer Branchen, akademische Einrichtungen, der öffentlichen Hand und der Zivilgesellschaft. Durch eine themenspezifische Entwicklung solcher innovativer Ökosysteme kann eine zukunftsfähige Industrie, die sich durch Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Nachhaltigkeit auszeichnet – auch in Hessen gestaltet werden.

Hannes Utikal, Carolin Hendrys

Beschäftigungsorientierte CSR-Aktivitäten in der chemischen Industrie Hessens

Dieser Beitrag widmet sich der unternehmerischen Verantwortung in Bezug auf Nachhaltigkeit. Dabei fokussieren sich die Autoren auf die chemische und pharmazeutische Industrie als eine der großen Industriebranchen in Hessen. Betrachtet man das Thema Nachhaltigkeit und Unternehmen, so geht es meist um CSR-Management. In ihrem Beitrag plädieren die Autoren dafür, die Beschäftigten sowohl als Betroffene als auch als Katalysatoren stärker in den strategischen Fokus zu nehmen und dazu vor allem in der Berufsbildung anzusetzen. Dies stärke die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und ermögliche glaubwürdige CSR-Politik. Im Beitrag werden mehrere beschäftigungsorientierte Nachhaltigkeitsinitiativen der chemischen Industrie in Hessen sowie das Modellprojekt ANLIN vorgestellt.

Klaus-Dieter Mertineit, Karsten Rudolf, Marny Schröder

CSR in Hessen: Ein Impuls aus der Kultur

Divers sind die Gegebenheiten der vielen unterschiedlich großen Kultur-Institutionen, die sich zum „Kulturbetrieb“ in Deutschland (in Hessen) zusammenfassen lassen. Sind Kultur-Initiativen, -Institutionen, -Betriebe überhaupt Unternehmen und – falls ja – müssen alle in gleichem Maß wirtschaften? „Kultur“ wird in Deutschland geschützt, die Freiheit der Kunst ist im Grundgesetz verankert (Art. 5 Abs. 3 GG) und der Kulturbetrieb wird von Bund, Ländern und – maßgeblich – von den Kommunen subventioniert. Kultur zählt somit zu den meritorischen Gütern, bei welchen der Staat mittels finanzieller Förderung (Subvention) des Anbieters preissenkend in die Nachfrage eingreift. Nach dem Zweiten Weltkrieg, beflügelt durch das „Wirtschaftswunder“, wollte die junge Bundesrepublik den Genuss von Kulturveranstaltungen möglichst allen Teilen der Gesellschaft – nicht nur den Wohlhabenden – zugänglich machen. Im Beitrag wird die Bedeutung von Kunst und Kultur auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft und Wirtschaftsweise entwickelt.

Gerhard Schulz

Cultural Social Responsibility – Die Bedeutung von Kunst und Kultur für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft am Beispiel ausgewählter hessischer Kulturbetriebe

Staatliche Förderung oder gesellschaftliches Engagement – Was erhält Kunst und Kultur nachhaltig am Leben?

Ein offenes und nachhaltiges Handeln und Kommunizieren wird im Kontext der Corporate Social Responsibility (CSR) als die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen verstanden. Hierbei werden überwiegend die ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte betrachtet. Die Bedeutung von Kunst und Kultur wird bei der Betrachtung nachhaltigen Handelns oft vernachlässigt. Dabei spielt die kulturelle Dimension besonders dann eine Rolle, wenn wir die Verantwortung, die Kunst und Kultur für zukünftige Generationen zu bewahren und aufzubereiten, betrachten und den Erhalt sowie die Entwicklung von kulturellem Erbe als wichtiges Fundament verstehen. Dieses wird benötigt, um Reflexion und Weiterentwicklung innerhalb einer Gesellschaft zu ermöglichen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Jahr 2020 haben gezeigt, welche nachhaltige Bedeutung der Zugang und die Nutzung von Kunst, Kultur und die dadurch entstandene Solidarität für die Gesellschaft hat. Die globale Krise brachte Veränderungen mit sich, die nicht nur das Arbeitsumfeld, sondern im Besonderen den persönlichen Alltag betroffen haben. Hierdurch entwickelte die Gesellschaft aber auch besonders ein kulturelles Verständnis, welches auf Belastbarkeit, Solidarität, kollektivem Wohlergehen und einer fairen Gesellschaft aufbaut (CAE 2020). Im folgenden Beitrag werden die Autoren besonders die Notwendigkeit des Wechselspiels zwischen der Gesellschaft und Kunst und Kultur als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen betrachten. Aus einer unternehmerischen Verantwortung, wie sie durch CSR beschrieben wird, wird eine Cultural Social Responsibility, die die Gesellschaft selbst tragen und fördern sowie fordern muss.

Maxi Schneider, Christopher Feld

Impulse vom „Gateway to Sustainability“: Luft- und Raumfahrt, Finanzwelt und der Climate Factor

Starten, landen, konkret helfen: Zukunft spenden

Alles was wir tun, wird ein Teil von uns. (Afrikanisches Sprichwort)

Cargo Human Care e. V. (CHC) ist ein humanitäres und medizinisches Hilfsprojekt, das 2007 von Mitarbeitern der Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo AG zusammen mit Ärzten aus Deutschland ins Leben gerufen wurde. In Kooperation mit lokalen medizinischen Einrichtungen und örtlichen karitativen Trägern setzt CHC gezielt dort an, wo Hilfe dringend benötigt wird. Dabei konzentriert sich CHC auf Projekte in der ländlichen Umgebung Nairobis sowie im Norden Kenias. Die Koordinationsarbeit in Deutschland und die medizinische Behandlung und soziale Betreuung vor Ort werden ehrenamtlich geleistet. Kern des Engagements ist es, direkte medizinische Hilfe zu leisten und mittellosen Waisenkindern und Jugendlichen ein Zuhause und eine Perspektive auf eine gute Zukunft zu geben. Der Mittelbedarf für die Aktivitäten wird aus privaten Spendengeldern finanziert. Lufthansa Cargo unterstützt organisatorisch, finanziell und logistisch. „CSR“ kann hier auch übersetzt werden mit Cargo Solidarity and Rescue.

Vasco Garcia

Klimaschutzmaßnahmen der Fraport AG am Flughafen Frankfurt

Der Luftverkehr leistet mit rund drei Prozent einen vergleichsweise geringen Beitrag zu den weltweiten CO2-Emissionen. Aufgrund seiner Klimawirkungen in der höheren Atmosphäre und seines starken Wachstums vor der Coronavirus-Pandemie steht er aber unter besonderer Beobachtung. Für Flughafenbetreiber wie die Fraport AG liegt der Fokus beim Klimaschutz naturgemäß weniger auf der Luftfahrt an sich als auf den Emissionen in ihrem direkten Verantwortungsbereich. Fraport sieht sich seit jeher in der Pflicht, die vom Flughafenbetrieb ausgehenden ökologischen Anforderungen angemessen zu berücksichtigen und hat konkrete Maßnahmen und Ziele für den Klimaschutz formuliert.

Eva Janka

CSR und SDGs im All-Tag der ESA-Forschung. Interview mit Dr. Thomas Reiter, European Space Agency

Für Ideen gibt es keine Grenzen. Menschen haben unendlich viele Möglichkeiten, Innovationen zu entwickeln und verantwortungsvoll einzusetzen. Satelliten ermöglichen ein immer besseres Verstehen der dem Klimawandel zugrunde liegenden Prozesse. Die Forschung an Bord der Internationalen Raumstation ISS öffnet neue Möglichkeiten der Erkenntnisgewinnung. Dieses Wissen ist auch die Grundlage für die Entwicklung technischer Innovationen, die nachhaltig sind. Neben den interessanten hochwissenschaftlichen Aufgaben an Bord war Thomas Reiter bei seinen beiden Missionen – zur russischen Raumstation MIR und der internationalen Raumstation ISS – insbesondere von dem überwältigenden Anblick des Planeten Erde beeindruckt. Der zentrale Fokus von Innovation und Forschung muss sein und bleiben, die Natur auf unserem Planeten für die Generationen nach uns zu bewahren. Im Interview mit Dr. Thomas Reiter, bis Mai 2021 ESA-Koordinator internationale Agenturen und Berater des Generaldirektors (ESA o. J.a). Das Interview wurde geführt im Juni 2020.

Hans-Jürgen Loss, Anke Trischler

Transparenz und Vertrauen – warum das Prinzip der Nachhaltigkeit als Kommunikationsgrundlage krisengeeignet ist

Krisen fordern von Kommunikationsverantwortlichen eine direkte Reaktionsfähigkeit, da im Ausnahmezustand das Krisenmanagement Abläufe und Kommunikation meist vollkommen umstrukturiert. Problematisch ist dabei insbesondere, dass sich Krisen im gegenwärtig digitalen und volatilen Zeitalter häufen – daraus resultiert, dass die Kommunikationsmanager ihre ursprünglichen Kommunikationsabsichten immer wieder neu entsprechend der permanent evaluierten Risiken ausrichten und an Maßnahmen für Behörden und Unternehmen neu anpassen müssen. Eine Lösung von massiven organisatorischen und strategischen Umstrukturierungen kann die Nachhaltigkeit und die ihr angeschlossene Nachhaltigkeitskommunikation als Teil der Corporate Social Responsibility bieten. Sie ist mit gutem Grund seit Jahren Trendbegriff in der Kommunikation. Denn so, wie die Nachhaltigkeitskommunikation organisatorisch aufgehängt ist sowie durch ihre kommunikative Wirkung zeigt sich, dass sie die Werte „Transparenz“ und „Vertrauen“ generiert. Beides Werte, die nicht nur von der breiten Öffentlichkeit im 21. Jahrhundert von Kommunikationsverantwortlichen gefordert werden, sondern die auch die Zielgrößen der krisenfesten Kommunikation abbilden und hinfällig machen, dass die Öffentlichkeitsarbeit ständig umgerüstet werden muss.

Valerie Apell, Thorsten Schulte

Drei Dekaden Nachhaltigkeitsverständnis – Der Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden (FHL): Umfeld – Entwicklung – Wirkung – Grenzen – Weiterführung

Aristoteles unterschied zwischen Geld als Tauschmittel und Geld als Geldkapital und folgerte, dass sich aus der Rolle des Geldes als Kapital eine ganz bestimmte Wirtschaftsweise ergibt, nämlich Kapitalismus. Ganz im Sinne seines Schöpfungsglaubens vertrat Thomas von Aquin die Ansicht, dass die Menschen die Welt von Gott als Lehen erhalten haben, damit alle einen hinreichenden Anteil am Gemeingut Erde zum Gebrauch bekommen. Im Grunde spiegelt sich diese Grundauffassung auch im Konzept vom Geld in einer sozialen Marktwirtschaft wider: Geld ist danach eine soziale Institution von der Regierung eines Staatswesens, bei uns der EU, geprägt und von der Arbeitsleistung vieler in seinem Wert erhalten. Welche Folgerungen ergeben sich für den Umgang mit Geld? Dieser Frage folgte die Forschungsgruppe Ethisch-Ökologisches Rating. Sie entwickelte ethisch-ökologische Kriterien zur Bewertung von Unternehmen und Kapitalanlagen; geprägt von der Hoffnung, dass mit der Annahme und der Anwendung der ethisch-ökologischen Kriterien on the long run die Entwicklung einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft erreicht werden könnte. Die Autoren beschreiben die Entstehung des Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens, das Umfeld, die Grenzen bis hin zum Übergang in das Corporate Responsibility Rating und darüber hinaus: Eine Weiterentwicklung, die am Anfang nicht vorstellbar war, erhält nach rund drei Jahrzehnten unermüdlicher Forschung außerordentliche Wirkung und Aktualität am Weltfinanzmarkt.

Johannes Hoffmann, Benedikt Hoffmann

Nachhaltigkeitsbanken – Ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell

Die hessische Metropole Frankfurt ist einer der großen Finanzplätze in Europa. In den letzten Jahren hat auch für Banken und damit dem Finanzplatz das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung gewonnen. Als Beispiel ist die Frankfurter Erklärung, eine Nachhaltigkeitsinitiative der Deutschen Börse aus dem Mai 2017, zu nennen. Aus dieser und dem Green Finance Cluster, welches im November 2017 gegründet wurde, ging das Green and Sustainable Finance Cluster Germany im April 2018 in Frankfurt hervor. Frankfurt verfügt jedoch über eine lange Tradition des nachhaltigen Bankings. Die erste Alternativ-Bank war die Ökobank eG, die im März 1984 in Frankfurt gegründet wurde. Diese wurde 2003 von der GLS Bank eG übernommen und als Filiale der in Bochum ansässigen Bank weitergeführt. Im Dezember 2009 startete die deutsche Niederlassung von Europas führender Nachhaltigkeitsbank, der Triodos Bank N.V., ihr Geschäft in Frankfurt. Es zeigt sich immer mehr, dass Nachhaltigkeit ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Zukunftsfähigkeit von Banken ist. Finanzdienstleister müssen ein glaubwürdiges, nachhaltiges Angebot zur Verfügung stellen, um den Ansprüchen von Kunden gerecht zu werden. Nur mit einer überzeugenden Nachhaltigkeitsstrategie können Banken die notwendige Widerstandsfähigkeit sicherstellen, um heutigen und zukünftigen Krisen zu begegnen. Das Beispiel der in Frankfurt beheimateten Triodos Bank zeigt, dass Transparenz eine wesentliche Säule eines glaubwürdigen, nachhaltigen Geschäftsmodells ist. Glaubwürdig ist man nur dann, wenn man nicht-nachhaltige Geschäfte ausschließt. Mit einem Marktanteil von 5 % befindet sich die nachhaltige Geldanlage noch in einer Nische, weist aber in den letzten Jahren starke Wachstumszahlen auf. Das Potenzial ist demnach vorhanden, um wie in anderen Segmenten des nachhaltigen Konsums einen Marktanteil von 20 % bis 25 % zu erreichen.

Georg Schürmann

Handeln statt reden! Geht doch

Die Naspa auf dem Weg vom Gemeinwohl zur Nachhaltigkeit

Die Nassauische Sparkasse (Naspa) in Wiesbaden ist eine dem gemeinen Nutzen dienende Anstalt öffentlichen Rechts. Der öffentliche Auftrag ist im hessischen Sparkassengesetz niedergelegt und prägt das Geschäftsmodell wie das Verständnis vom Bankgeschäft: Die Sparkasse setzt auf langfristigen Werterhalt und verfolgt eine risikobewusste, langfristig orientierte Geschäftspolitik. Interview mit Daniela Gramlich, Pressesprecherin und Nachhaltigkeitsbeauftragte, zu mehr als 180 Jahre Verbundenheit mit der Region, aktuellen Herausforderungen und Umsetzung von Corporate Social Responsibility im Bankwesen.

Anke Trischler

Klimaschutz durch Banken? Die GLS Bank macht es vor

Banken kommt in der sozial-ökologischen Transformation der Wirtschaft eine Schlüsselrolle zu. Dafür bedarf es einer präzisen Messung der Wirkung von Kapitalströmen. Dann können gezielt nachhaltige Strategien für Finanzierung, Investments und Anlagen getroffen werden. Die GLS Bank, das Frankfurter Unternehmen right. based on science und das Wuppertal Institut haben ein entsprechendes Modell vorgelegt.

Julian Mertens, Laura Mervelskemper, Theresa Pleye

Nachhaltigkeit 2.0: Von der Krisenbewältigung zur Resilienz

Im März 2020 erlebte die Welt Land für Land wegen der Ausbreitung des Coronavirus einen nie da gewesenen Shutdown. Unabhängig von der weiteren Entwicklung der Pandemie kann nach der ersten Welle bereits festgehalten werden, dass der Verlauf der Corona-Infektionskurve von der Angemessenheit und Rechtzeitigkeit der Reaktion auf die wissenschaftliche Tatsache des Virus und seiner klinischen Merkmale abhängt – eine Abhängigkeit, die auch im Hinblick auf unseren Umgang mit dem Klimawandel und seinen weiteren Verlauf besteht. Die aktuelle Coronakrise bietet eine historische Chance, die kollektive Risikowahrnehmung zu schärfen, Erfahrungen im Risikomanagement zu sammeln und zu verstehen, dass wir die zukünftigen Risiken auf heute diskontieren müssen, um einer Marathon-Herausforderung wie dem Klimawandel und seinen Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik, Gesundheitswesen, Wirtschaft und Finanzsystem effektiv zu begegnen. In Deutschland ist der Finanzplatz Hessen als Wirtschaftsstandort und Wiege einer wachsenden Anzahl innovationstreibender Start-ups dabei ein entscheidender Baustein.

Hannah Helmke, Sonja Honigmann

Impulse aus der Unternehmenspraxis

Frontmatter

Nachhaltigkeit bei B. Braun: Gelebte Verantwortung eines Familienkonzerns

B. Braun zählt mit 64.000 Mitarbeiter*innen in 64 Ländern zu den weltweiten führenden Anbietern für den Gesundheitsmarkt. Seit über 180 Jahren ist Nachhaltigkeit ein Unternehmenswert des Familienkonzerns und Grundlage für sein Tun. B. Braun steht für nachhaltige Entwicklung, für stetig wachsende Wirtschaftskraft, für seine Mitarbeiter*innen und für die Regionen, in denen es tätig ist. Dies umfasst langfristigen wirtschaftlichen Erfolg ebenso wie die Übernahme ökologischer und sozialer Verantwortung. Ein besonderes Augenmerk legt B. Braun darauf, Nachhaltigkeit auf vielfältige Weise mit Leben zu füllen. Dabei hält das Unternehmen sein Ziel im Blick: die Gesundheit von Menschen auf der ganzen Welt zu schützen und zu verbessern.

Anne Katrin Wehrmann-Scherle, Marc Diegelmann

Entfaltung einer nachhaltigkeitsorientierten Unternehmenskultur – ein Transformationsprozess in sozialer Verantwortung

Die Behindertenhilfe ist Ausdruck der sozialen Nachhaltigkeit der deutschen Gesellschaft. Der Gemeinnützige Verein für Behindertenhilfe Wiesbaden und Rheingau-Taunus-Kreis e. V. setzt sich für die berufliche und soziale Integration von Menschen mit Behinderung und benachteiligten Gruppen ein. In einem dynamischen Prozess, der seit Jahren ein Ausdruck der politisch-sozialen Entwicklungen in der Branche ist, entwickeln Werkstätten für Menschen mit Behinderung neue Referenzrahmen und Angebote. Maßgeblich ist dabei die Frage, ob diese eine nachhaltige Entwicklung fördern oder behindern. Der Verein entschied sich, über die Mitgestaltung der Zukunft hinaus, auch ein Vorbild in diesem Transformationsprozess zu sein. Dabei stellt er seine gesellschaftlichen Grundlagen und Aufgaben in den Kontext globaler, fachlicher Konzepte, wie die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der UN. Die Entfaltung der Unternehmenskultur findet ihren Ausdruck bereits in der Wandlung des Markennamens.

Simeon Ries, Friederike Remiorz

biokaiser – Ein Weg von der Öko-Marke zu der sozialethischen Markierung

Der 45-jährige Weg einer Bäckerei aus dem alternativen Milieu in eines der regional größten Biobäckerunternehmen wird hier als Prozess beispielhaft beschrieben. Im Spannungsfeld von Ideen und Werten mit sich verändernden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen entwickelt sich ein Unternehmen als Konkretisierung einer Utopie mit all den dazugehörigen Schwächen. Verschiedene Betrachtungen in und aus der Wirtschaft sowie eine phänomenologische Beschreibung einer Unternehmensführung werden zusammengefasst und sind immer wieder in der Konkretisierung und in Fragmenten der Umsetzung zu finden. Der Weg führt aus dem Alternativmilieu durch eine wirtschaftliche Krise hindurch zur Erfolgsgeschichte. Der Weg führt vom Ökounternehmen zur sozialethischen Marke. Dies alles geschieht aktualisiert im Kontext der Corona-Pandemie.

Volker Schmidt-Sköries

Das Start-up MANIOR – Nachhaltigkeit als Unternehmenszweck. Interview mit Gabriele Acker-Bialek

„Für meine Möbel sollen keine weiteren Bäume gefällt werden.“ (Gabriele Acker-Bialek)

Den Blick aufs Ganze behalten und stets erweitern, Vorhandenem einen neuen Sinn geben, eigene Kompetenzen einbringen und sich neue Erfahrungen zutrauen – das macht Unternehmertum aus. Aus dem eigenen Umfeld neue Schlüsse ziehen und sich dann auf den Weg machen. Mit Mut und dem Willen, ein Teil der Lösung zu sein, machen sich Gründerinnen und Gründer auf den Weg, Unternehmertum neu zu leben. Im Beispiel von MANIOR, dem Start-up von Gabriele Acker-Bialek, sind Nachhaltigkeit und Zeitgeist keine Widersprüche, sondern ein gewachsenes Maß für Zukunftsfähigkeit.

Sabine Böhling

Nur wer nachhaltig agiert, erhält von seinen Kunden eine „Licence to operate“

Verbraucher hinterfragen Kosmetikprodukte heute deutlich kritischer als in der Vergangenheit. Stichworte wie „natürliche Inhaltsstoffe“, „tierversuchsfrei“, „fair produziert“ und „umweltverträgliche Verpackungen“ sind wichtige Aspekte bei der Kaufentscheidung. Dies bedeutet für ein Kosmetikunternehmen wie cosnova, dass wir uns fragen, auf welchen Gebieten wir Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft tragen und wie wir diese aktiv gestalten möchten. Denn auf dem Weg zu einem nachhaltigen Unternehmen warten etliche Fragezeichen, Hürden und unerwartete Herausforderungen, die jedes Unternehmen auf seine eigene Weise beantworten muss. Die grundlegende Transformation berührt alle Geschäftsbereiche, ist anstrengend – bietet aber wahnsinnige Chancen für Menschen, Umwelt und das Unternehmen selbst.

Silvia Steinert

Kohlenstoffarme Kreislaufwirtschaft – eine komplexe Aufgabe von großer Tragweite

Wenn wir in einigen Jahren auf das Jahr 2020 zurückblicken, werden wir feststellen, dass es in vielen Bereichen massive Veränderungen eingeleitet hat. Auch die durch das COVID-19-Virus ausgelöste Pandemie hat dazu beigetragen. Sie hat uns nebenbei erkennen lassen, welche Auswirkungen unser Konsum auf die Abfallmenge und unsere Mobilität auf das Klima haben. Einen knallblauen Himmel ohne die winzigste Spur eines Kondensstreifens – wann haben wir das zuletzt gesehen? Wir neigen dazu, Themen im Kleinen anzugehen, meistens da, wo es nicht weh tut. Durch die Fülle an Details verlieren wir jedoch manchmal die Zusammenhänge aus den Augen. Das Klima ist ein Ergebnis vielzähliger zusammenwirkender Faktoren. Mobilität und Konsum, aber auch Abfall gehören zu diesen Faktoren, die wir zudem beeinflussen können. Mit anderen Worten: Wir haben die Mittel zur Verfügung, das Klima zu schützen. Dazu ist es erforderlich, dass wir uns die Zusammenhänge bewusst machen und handeln.

Heike Schiffler

Wenn Magnete Konflikte anziehen: CSR-Risiko „Seltene Erden“

Nachhaltige Lieferketten im mittelständischen Unternehmen: Schritt für Schritt

Metalle der Seltenen Erden sind Schlüsselressource wichtiger Technologien des 21. Jahrhunderts. Der Abbau der Rohstoffe, welcher überwiegend in der Volksrepublik China stattfindet, stellt für Unternehmen ein erhebliches CSR-Risiko dar. Neben der umweltschädigenden Förderung der Metalle wird auch immer wieder von Menschenrechtsverletzungen berichtet. In Form von Permanentmagneten findet das Seltenerdmetall Neodym auch Anwendung in vielen Produkten des Wiesbadener Unternehmens Haas Magnettechnik. Seit 2011 beschäftigt sich das kleine mittelständische Unternehmen mit der eigenen Verantwortung entlang der Lieferkette und lebt seitdem vor, was bald Gesetz werden soll. Der bundesweit gefragte Gesprächspartner zum Thema „Nachhaltige Lieferketten“ gibt einen Einblick in die Problematik „Seltene Erden“ und macht anhand der eigenen Fallstudie den Themenkomplex CSR für den Mittelstand greifbar.

Christopher Haas, Lukas Glöckner

Mehr als fair – besser als bio: CSR als Markenkern

Die Wertschöpfungskette von Kakao und Schokolade bei PERÚ PURO

Die Wertschöpfungskette von Kakao und Schokolade nimmt ihren Anfang in den Regenwaldregionen tropischer Länder. Außerhalb der Tropen kann Kakao nicht angebaut werden. Tropenwaldländer sind geprägt von hoher Biodiversität, einer starken Abhängigkeit der Bevölkerung von den darauf basierenden Ökosystemleistungen und einer großen Bedrohung durch den Klimawandel. In den Hauptproduktionsländern wird Kakao hauptsächlich innerhalb kleinbäuerlicher Strukturen produziert und damit von Menschen, die manchmal kaum (Land-)Rechte besitzen oder aber nicht in der Lage sind, diese und andere verbriefte Rechte (Arbeitnehmer- und Umweltrechte) einzufordern. Weil die Rechtskonformität in diesen Staaten oft schwach ausgeprägt ist, spielt gerade in den Wertschöpfungsketten tropischer Rohstoffe und Nahrungsmittel CSR auf der Abnehmerseite, also bei den Unternehmen, die von Industriestaaten aus agieren, eine besonders wichtige Rolle. Die konventionelle Lieferkette von Kakao ist durch eine große Zahl von Zwischenhändlern charakterisiert, die ihre Gewinnmargen vom Weltmarktpreis abziehen. Die kleinbäuerlichen Produzenten können weder Einfluss auf den Verkaufspreis ihrer Ware nehmen noch schnell auf sich ändernde Marktanforderungen oder volatile Weltmarktpreise reagieren. Dies führt dazu, dass die meisten Kakaobauern unterhalb der Armutsgrenze leben. Die PERÚ PURO GmbH ist das Beispiel eines Unternehmens im Kakao- und Schokoladensektor, bei dem CSR nicht nur ein wichtiges Handlungsfeld, sondern zentraler Inhalt der Unternehmensgründung war und der Unternehmensführung ist. In allen sozialen und ökologischen Belangen und die Qualität der Produkte setzt PERÚ PURO Maßstäbe. Dabei wäre die Skalierung des fairen, ökologischen Ansatzes von PERÚ PURO möglich, was die Wertschöpfungskette von Kakao revolutionieren würde.

Frauke Fischer

Nachhaltige Smartphones aus Nordhessen – SHIFTPHONES

SHIFT mit Sitz in Falkenberg in Nordhessen baut das erste deutsche Smartphone. Das Alleinstellungsmerkmal von SHIFT sind modular aufgebaute Smartphones. Die einzelnen Module sind so gesteckt und geschraubt, dass Kunden selbst und ohne Garantieverlust Reparaturen vornehmen können. Das ist in der Branche neu. Ziel des Unternehmens ist die Vermeidung von Elektroschrott, der längst zu einer zentralen Herausforderung der Digitalisierung geworden ist. Mit einer eigenen Endfertigung mit fairen Arbeitsbedingungen setzt SHIFT ein Zeichen gegen ausbeuterische Beschäftigungsverhältnisse im Produktionsland China. Als Social Business gegründet, ist CSR für SHIFT kein Thema, das nach und nach in das Kerngeschäft integriert werden muss, sondern die DNA eines Unternehmens.

Jonathan Linker, Samuel Waldeck, Carsten Waldeck

Arbeitsrechte in globalen Lieferketten – Impulse des Entwicklungspolitischen Netzwerks Hessen

Das Entwicklungspolitische Netzwerk Hessen e. V. (EPN Hessen) beschäftigt sich als Dachverband von mehr als 100 entwicklungspolitischen Organisationen und Initiativen seit seiner Gründung mit Arbeitsrechten in globalen Wertschöpfungsketten. Während es in diesem Kontext üblich ist, dass auf freiwillige Unternehmensverantwortung (CSR) als Lösungsstrategie verwiesen wird, stellt das EPN Hessen die Wirksamkeit solcher rein auf Freiwilligkeit beruhenden CSR-Aktivitäten angesichts der weiterhin stark auf der Ausbeutung von Mensch und Umwelt beruhenden Lieferketten grundlegend infrage. Aus dieser Perspektive beschreibt dieser Beitrag den Stand der Diskussion zu einer verbindlichen Regelung menschenrechtlicher Sorgfalt auf internationaler und nationaler Ebene und geht auf häufige Vorbehalte gegenüber dem angekündigten Sorgfaltspflichtengesetz für deutsche Unternehmen ein. Außerdem wird das EPN Hessen in seinem Engagement für einen Wandel hin zu mehr Gerechtigkeit und einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Lebensweise beschrieben. Durch Bildungs- und Informationsarbeit sowie Beratung, Vernetzungsangebote sowie politisches Engagement regt das Netzwerk Veränderungen hin zu einer global gerechten Welt an. Das EPN Hessen unterstützt deshalb auch die Forderungen des Bündnisses „Initiative Lieferkettengesetz“ für ein wirksames Sorgfaltspflichtengesetz und ermutigt auch hessische Unternehmen, die Erfüllung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten als lohnende Herausforderung anzunehmen und ihre Gestaltungsmacht für eine Welt einzusetzen, in der wir alle gut leben können.

Maria Tech, Andrea Jung

Druckerei Lokay e. K. – Höchste Öko-Effektivität in der Medienproduktion. Interview mit Ralf Lokay

Tradition und Zukunftsfähigkeit sind miteinander vereinbar. Die Druckerei Lokay e. K. beweist, dass eine konsequente Weiterentwicklung zur Umweltdruckerei machbar ist, Wertschöpfung leistet und Ressourcen schont, einfach Sinn macht. Tempo und Druck in diese Entwicklung kamen 1991. In diesem Jahr kommt Astrid und Ralf Lokays erste Tochter Elisa als Frühchen zur Welt und die junge Familie streicht umwelt- und gesundheitsschädliche Produkte aus ihrem Leben. Es folgen zahlreiche Schritte, die Erfolge stellen sich ein. Ralf Lokay ist konsequent. Seine Botschaft ist deutlich: Jede und jeder kann mit täglichem Handeln aktiv dazu beitragen, die natürlichen Ressourcen zu schützen. Ralf Lokay ist täglich im Einsatz und arbeitet weiter an der Umsetzung des Leitmotivs Nachhaltigkeit – aus tiefster Überzeugung und mit großer Leidenschaft.

Anke Trischler

Sustainability in Unternehmen am Beispiel der Promerit AG

Nachhaltigkeit als Alleinstellungsmerkmal nach innen und außen

Für Beratungsunternehmen ist Nachhaltigkeit eine Herausforderung – der Umgang mit Ressourcen und Mitarbeitern oft wenig schonend. Flugreisen, Hotelübernachtungen und Dauerstress machen das Thema zur Herausforderung. Getrieben von der eigenen Überzeugung der Gründer und veränderten Präferenzen bei Mitarbeiter und Kunden hat sich die Promerit AG auf den Weg gemacht, den scheinbaren Branchengesetzen zum Trotz ein ganzheitliches Nachhaltigkeitsmodell zu implementieren. Entscheidend ist dabei die Ausdehnung der Nachhaltigkeitsdefinition auf die Mitarbeiter: People Sustainability, also der langfristig und nachhaltig ausgerichtete Umgang mit den Mitarbeitern, spielt schon seit der Gründung eine große Rolle beim Erfolg des Unternehmens. 2019 wurde eine Initiative gestartet, die die bereits strukturell existierenden, aber häufig aus isolierten Fragestellungen heraus entstandenen nachhaltigen Ansätze in ein konsistentes Modell bringen sollte. Das Modell, das gemeinsam mit den Mitarbeitern partizipativ organisiert ist, hat bereits erste Maßnahmen und Erfolge hervorgebracht. Die Covid-19-Krise hat den Fokus zwar etwas verändert, sie hatte jedoch aber auch die Chance, als Beschleuniger für die Zukunftsziele der Promerit AG zu fungieren.

Kai Anderson, Michael Eger, Mark-Olaf Schmitz

Nachhaltigkeit im Eventbetrieb

Nachhaltigkeit im Eventbetrieb ist möglich, notwendig und wirtschaftlich tragfähig. Sowohl in der inneren Organisation eines Eventdienstleisters als auch in der Durchführung von Veranstaltungen besteht viel Handlungsbedarf. Dieser ist aber unter Anwendung von organisatorischen Hilfsmitteln von Initiativen, Normen und Umweltmanagement praxisnah zu bewältigen und ermöglicht die Bilanzierung und Darstellung der Nachhaltigkeitsleistung von Veranstaltungen. Wichtig in der Durchführung ist die Authentizität der beteiligten Firmen und die Anwendung von Leitlinien im gesamten Verlauf einer Eventorganisation. Eine Klimabilanzierung kann Aufschluss geben über die Umweltwirkungen der Veranstaltung.

Marcus Stadler

CSR im Veranstaltungsbereich – ohne Inklusion läuft nichts

Obwohl Veranstaltungen im Zusammenhang mit Corporate Social Responsibility CSR als häufig eingesetztes Kommunikationsinstrument eine wichtige Rolle spielen, werden in der Planung und Umsetzung von Events noch zu selten barrierefreie Aspekte berücksichtigt. Diese sind aber grundlegende Voraussetzung zur Umsetzung von Inklusion im Veranstaltungsbereich. Ein Zustand, der durch die Entwicklung von barrierefreien Standards und frühzeitiger Einbindung in die Prozesskette von Veranstaltungen sehr einfach aufgebrochen werden kann. Die Autorinnen geben in diesem Kapitel einen kompakten Einblick in die Bedeutung von inklusiven Veranstaltungen für das Thema CSR und in die dafür erforderliche Einbindung barrierefreier Aspekte.

Kerstin Hoffmann-Wagner, Gudrun Jostes

Nachhaltigkeit in hessischen Hotels mit GreenSign

Nachhaltigkeit in der Hotellerie

Nachhaltigkeit hat in der Hotellerie eine wichtige Bedeutung angenommen, denn neben gesellschaftlichen und politischen Anforderungen werden Hoteliers auch vermehrt mit den veränderten Erwartungen ihrer Gäste herausgefordert. Einige Hotels im Bundesland Hessen haben sich dieser Thematik angenommen und ihr ökologisches, soziales und wirtschaftliches Engagement mit dem Nachhaltigkeitssiegel GreenSign auszeichnen lassen. Was genau dieses Siegel besagt, wie Hoteliers nachhaltig werden können und welche Hotels Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit in Hessen sind, wird im folgenden Kapitel erläutert.

Suzann Heinemann, Darlene Schwabroch, Anja Engel

PIERspektiven – Visionen, Chancen und Risiken für kleine Nachhaltigkeitsunternehmen am Beispiel des „Frankfurter Zukunftshafens“ PIER F

Die Geschichte des Zentrums PIER F – Zukunftshafen Frankfurt steht exemplarisch für die Visionen und Ziele, mit denen kleinere Nachhaltigkeitsunternehmen an den Start gehen, für die Chancen ihrer primär von Idealismus getriebenen Arbeit, aber auch für die Probleme und Risiken, mit denen sich die Macher häufig konfrontiert sehen. Anschaulich und lebendig erzählt das Autorenduo von zündenden Ideen und spannenden Kooperationen, von glücklichen Zufällen und großem Teamgeist, aber auch von bürokratischen Hürden, unberechenbaren Partnern und herben Rückschlägen. Nicht zuletzt die Erfahrungen der Corona-Pandemie unterstreichen, dass man sich auch als Nachhaltigkeitsakteur immer wieder neu erfinden muss.

Susanne Petry, Michael Behrendt

Impulse aus Kommunen, Politik, Zivilgesellschaft

Frontmatter

Zusammenhalt in Zeiten der Krise: Perspektiven auf „Civic Social Responsibility“ in hessischen Kommunen

Mit der Aufnahme des nachhaltigen Prinzips in die Verfassung 2018 hat Hessen bundesweit eine Vorreiterrolle inne. Gerade während der Coronakrise zeigte sich besonders deutlich: Die Schlüsselrolle haben die Kommunen als Multiplikatoren von Nachhaltigkeit. So wurden für diesen Beitrag verschiedene Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik geführt, um unterschiedliche Perspektiven auf zivilgesellschaftliche Verantwortungsübernahme, „Civic Social Responsibility“, in hessischen Kommunen in Zeiten der Krise darstellen zu können. Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier kommt zu Wort. Dieser Beitrag erzählt Geschichten des Machens und des Gelingens, von Menschen in Entscheidungspositionen und aus der Zivilgesellschaft. Sie machen deutlich: Erfolgsfaktoren für eine krisenresiliente Stadtgesellschaft und nachhaltige Entscheidungen waren ehrliche und erklärende Kommunikation durch die Entscheidungsträger, neue Formen der Verantwortungsübernahme, das Nutzen von bestehenden Kooperationen und Netzwerken sowie Raum für Beteiligung und Engagement der Jugend.

Christina Kunkel

Aktivieren der Stadtgesellschaft – Nachhaltige Stadtentwicklung in Eltville am Rhein

Eltville am Rhein ist die größte und älteste Stadt im Rheingau. Begünstigt durch die Nähe zu den Rhein-Main-Zentren Wiesbaden, Mainz und Frankfurt am Main zählt Eltville zu den attraktivsten Wirtschafts- und Dienstleistungsstandorten in der Region. Eingebettet in die Weinbaulandschaften des Rheingaus bietet die Stadt ihren rund 18.000 Einwohnerinnen und Einwohnern eine außerordentlich hohe Wohn- und Lebensqualität. Die hessische Wein-, Sekt- und Rosenstadt Eltville am Rhein erarbeitete bereits 2011 in einem partizipativen Prozess ihre „Vision Eltville 2030“. Trotz angespannter Haushaltslage konnte diese, auch mit Unterstützung beispielsweise durch das Programm „Global Nachhaltige Kommune“ der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW), stetig weiterentwickelt und schrittweise verwirklicht werden. Eltville versteht sich als „Soziale Stadt“ und „FamilienStadt“ und verfügt – auch dank vielfältigen ehrenamtlichen Engagements – über ein beachtliches Portfolio sozialraumorientierter, niedrigschwelliger und generationenübergreifender Angebote. Ermöglichungsstrukturen aktivieren Mitbestimmung und Kreativität. Beim halbjährlichen Eltviller WirtschaftsDialog erarbeitet die Kommune vor allem mit Unternehmerinnen und Unternehmern Empfehlungen für die regionale Wirtschaft und den lokalen Handel. Der kürzlich gestartete CSR-Prozess soll zudem systematisch Eltviller Unternehmen mit zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren vernetzen, soziale und nachhaltige Start-ups werden im Rahmen der kommunalen Wirtschaftsförderung unterstützt.

Barbara Lilje, Julia Übelhör

Kooperationen für Nachhaltigkeit in der hessischen Landeshauptstadt – die Beispiele „ÖKOPROFIT Wiesbaden“ und „Wiesbaden Engagiert!“

CSR wird zum wichtigen Handlungsfeld für Kommunen, wenn sie die Wirtschaft als zentralen Partner für Nachhaltigkeit ansprechen möchten. In Wiesbaden ist es gelungen, frühzeitig und mit bis dahin neuartigen Konzepten und Ansätzen auf die Wirtschaft zuzugehen und gemeinsam mit den Unternehmen innovative Wege für mehr Nachhaltigkeit zu beschreiten. Zwei Beispiele gelebter Praxis und aktiver Kooperatioin sind „ÖKOPROFIT Wiesbaden“ und „Wiesbaden Engagiert!“.

Evelyne Wickop, Karoline Deissner

Blue Community Marburg

Eine Stadt trinkt Leitungswasser für den Klimaschutz

Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen zunehmend auch die deutsche Wasserwirtschaft. Extreme Wetterlagen wie Starkregen oder anhaltende Dürre haben die Bedeutung der kommunalen Wasserversorgung in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Seit 2018 ist die Universitätsstadt Marburg eine zertifizierte Blue Community. Sie zählt damit neben Berlin und München zu den ersten Städten in Deutschland, die sich dieser internationalen Bewegung angeschlossen haben. Eine Blue Community erkennt das weltweite Menschenrecht auf Zugang zu sauberem Wasser und zu sanitärer Grundversorgung an, belässt Wasserdienstleistungen in öffentlicher Hand, fördert das Trinken von Leitungswasser und pflegt internationale Partnerschaften. In der Blue Community Marburg hat sich seither ein breit aufgestelltes Netzwerk etabliert mit dem Ziel, die lebenswichtige und zu schützende Ressource Wasser und ihren Wert stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Karin Brahms

Die HOMEberger – Nordhessen nachhaltig erkunden

Hessen ist ein vielfältiges Bundesland, das seine Vielfalt noch nicht überall als Stärke entdeckt hat. Der Süden betont gerne seine Geschäftigkeit und der Norden seine Ruhe. Die Erzählungen der Regionen vergessen, dass zu einem lebenswerten Land beides gehört. Aktuelle Zahlen zeigen eine zunehmende Stadtflucht, wofür vor allem steigende Mietpreise verantwortlich gemacht werden. Die Entwicklung ist aber ganzheitlicher: Es gibt eine wachsende Sehnsucht nach neuen Lebens- und Arbeitsmodellen, die sich zwischen Stadt und Land bewegen. Ermöglicht werden sie von der Digitalisierung. Höchste Zeit also, ein Bild von Hessen zu zeichnen, das alte Grenzen überwindet und Nähe schafft. Die HOMEberger sind ein Netzwerk von 24 Unternehmerinnen und Unternehmern aus Nordhessen, die es als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung sehen, ihre Heimatregion für diese Entwicklung zu öffnen.

Jonathan Linker

Mit einem CleanUp beginnt CSR vor der eigenen Haustür – Interview mit Tanja Methien, CleanupWiesbaden

Zivilisationsphänomen Plastik: Es ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, denn Plastikprodukte erleichtern vieles. Aber sie überhäufen den Planeten mit Müll und gefährden die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt. Müll ist überall dort, wo auch Menschen sind. Es gibt Menschen, denen das ganz und gar nicht egal ist. Ihr Motto: „Es ist nicht mein Müll, aber es ist mein Planet. Der Ozean beginnt vor meiner Haustür.“ Zivilgesellschaftliches Engagement zeichnet sie aus. Und ebenso die Überzeugung, dass jede und jeder ein Teil der Lösung ist. Im Interview spricht Tanja Methien über ihre Motivation als Umweltaktivistin und interpretiert CSR ganz im globalen Sinn und der SDG.

Anke Trischler

Von der Anti-Establishment-Bewegung zur globalen Umwelt-Partnerschaft

Earth Day 22. April – ein Baustein der internationalen Umweltbewegung seit 1970 in den USA und seit 1994 in Deutschland – weltweit in 192 Ländern der Erde

Aus einer Idee wird eine Bewegung – aus einer Bewegung wird ein fester Bestandteil einer Gesellschaft. Earth Day entstand 1970 in den USA als spontane Studentenbewegung. Ziel war es, dem Washingtoner Establishment und der Öffentlichkeit zu demonstrieren, dass es in Nordamerika eine Umweltbewegung gab und dass die Natur ab jetzt über eine starke Lobby verfügen wird. Der 22. April ist seitdem der weltweit begangene Earth Day. Begründet wurde die Volksaktion von dem sozial engagierten US-Senator Gaylord Nelson. In Kanada wie in vielen anderen Ländern der Erde ist die Earth-Day-Idee eng mit der nationalen Umweltpolitik verwoben. Ziel dieser alle Nationen berührenden Kampagne ist es, die Bürger und insbesondere die jungen Menschen in ein kreatives Umweltprojekt einzubinden. Bis heute blieben die Earth Days stets neutral, geben Hilfestellung, vernetzen, schaffen Medienpräsenz für die vielen Umweltinitiativen vor Ort.

Tamara Dannenmann, Thomas Dannenmann

Prinzip Zukunft mit Verfassungsrang

Mit Artikel 26c verankert Hessen das Prinzip der Nachhaltigkeit in seiner Verfassung

Nachdem das Land Hessen schon seit 2008 eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt, wurde per Volksabstimmung am 29.10.2018 das Prinzip der Nachhaltigkeit in die Verfassung des Landes Hessen aufgenommen. Artikel 26c zeigt direkte und indirekte Auswirkungen, begründet aber auch Perspektiven für Städte und Gemeinden, Wirtschaft, Konsumenten, Bildung sowie Kunst und Kultur. Nachhaltigkeit mit Verfassungsrang kann oder sollte die Funktion als Leitbild für politisches Handeln einnehmen. In dieser Hinsicht wird sich das Land bei jeder Entscheidung und Handlung auf das Staatsziel Nachhaltigkeit beziehen müssen. Gleichermaßen sind Bildung, Kunst und Kultur elementar für die Entwicklung zu einer nachhaltig agierenden Gesellschaft, denn sie schließen ein, grenzen nicht aus, sondern offenbaren, stellen dar, verbinden und stärken. Sie sind Grundlage für das Verstehen: Nachhaltiges Handeln im Sinne einer Corporate, Cultural, aber auch Civil Responsibility bedeutet, gemeinsam die Zukunft zu gestalten.

Lisa Seyffardt

Könnte, müsste? Machen! Europa braucht uns alle – Interview mit Dr. Daniel Röder, Pulse of Europe

Der Erhalt eines vereinten Europas und seine zukunftsfähige Gestaltung sind wichtiger denn je. Die Engagierten von Pulse of Europe stellen sich den destruktiven und zerstörerischen Stimmen entgegen und sind überzeugt von der Reformierbarkeit und dem Willen zur Weiterentwicklung der Europäischen Union. Sie sagen: „Der europäische Pulsschlag muss spürbar sein! Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die gemeinsame Zukunft und um die Frage, in welcher Welt wir leben möchten. Wir Europäer müssen unser Schicksal beherzt in die Hand nehmen. Jetzt ist die Zeit, sich einzubringen und aktiv zu werden – nicht gegen, sondern für etwas. … Es ist die Zeit, für die Grundlagen unserer Wertegemeinschaft im positiven Sinne einzustehen.“ Und dafür bringen sie so viele Menschen wie möglich an so vielen Orten wie möglich zusammen im Sinne von Civic Social Responsibility. Interview mit Dr. Daniel Röder.

Anke Trischler

Impulse aus Kooperation, Netzwerken und Verbänden

Frontmatter

Lust auf besser leben: Nachhaltiger Konsum und nachhaltiges Wirtschaften als zwei Seiten einer Medaille

Die Lust auf besser leben gGmbH verfolgt das Ziel, die „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen (Agenda 2030) in Hessen alltagstauglich zu machen. Nachhaltigem Konsum und nachhaltigem Wirtschaften schreiben wir dabei eine Schlüsselrolle zu. Deshalb fördern wir als gemeinnütziges Unternehmen nachhaltiges Handeln in Wirtschaft und Gesellschaft – unabhängig und lokal verwurzelt in Frankfurt. Aber wie entscheiden wir über unser Projekt- und Dienstleistungsangebot? Wie können wir die größte Wirkung im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erzielen? Im ersten Abschnitt erläutern wir, mit welcher theoretischen Hintergrundfolie wir das Programmportfolio und Aufgabenspektrum von Lust auf besser leben definieren, um in den Folgeabschnitten aufzuzeigen, wie wir diese Theorie in die Praxis umsetzen.

Alexandra von Winning, Marlene Haas

Wie aus Kaufmännern Ehrbare Kaufleute wurden

Impulse der IHK Wiesbaden zu den SDGs und nachhaltigem Wirtschaften

Vom Ehrbaren Kaufmann zu den Ehrbaren Kaufleuten, vom Mittelalter ins 21. Jahrhundert: Am Beispiel der Industrie- und Handelskammer (IHK) Wiesbaden zeigt sich, woran Unternehmen in der stark vom Mittelstand geprägten Wirtschaftsregion ihr Handeln ausrichten. „Ein Handschlag gilt“ aus dem Mittelalter spielt nach wie vor eine Rolle. Ebenso orientieren sich Unternehmen aber auch an neuen Werten. Dazu gehört ein klares Bekenntnis zur Demokratie – und, dass sich die vielen ehrenamtlich in der IHK engagierten „Kauffrauen“ vom „Kaufmann“ nicht repräsentiert fühlen. Die Unternehmen der Region Wiesbaden haben deshalb im Jahr 2014 ein eigenes „Leitbild Ehrbarer Kaufleute“ entwickelt und dieses im Jahr 2019 fortgeschrieben. Es braucht starke Netzwerke und neue Formen der Kommunikation, um die Haltung dahinter in die Breite zu tragen – dafür lassen die Landeshauptstadt Wiesbaden und die IHK sogar die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen auf Bierdeckel drucken.

Sabine Meder, Melanie Dietz

Die nachhaltige Transformation braucht gutes Design und Designer mit Haltung und Mut

Design bzw. die damit verbundene Denkmethodik ist in der Lage, komplexe Aufgabenstellungen bei der Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen zu bewältigen und immer wieder Neues zu denken und zu gestalten. Die Entdeckung des Nutzwertes durch Design brachte in den 1980er- und 1990er-Jahren einen enormen Wachstumsschub. Viele Produkte wurden durch Design für den Nutzer verbessert, vereinfacht, komfortabler und stylischer gemacht. In Verbindung mit technologischen Innovationen hat Design dafür gesorgt, dass immer schneller, immer neue Produkte auf den Markt gebracht und damit eine Wachstumsspirale angekurbelt wurde, die uns heute vor enorme, vor allem ökologische Probleme stellt. Deshalb brauchen wir ein neues Designdenken, das komplexe, nachhaltige und soziale Faktoren in die Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Wertschöpfungsmodelle einfließen lässt und das nachhaltiges, verantwortliches Verhalten fördert und einen zukunftsfähigen Wohlstand ermöglicht.

Joe Kaiser

Der Hessische Innovationskongress als CSR-Instrument der Wirtschaftsförderung

CSR ist im Sinne des Schutzes der menschlichen Lebensgrundlagen gleichermaßen durch Unternehmen und staatliche Akteure zu übernehmen. Die landeseigene Agentur Hessen Trade & Invest nimmt diese Verantwortung auch wahr, indem sie seit 2017 jährlich den Hessischen Innovationskongress veranstaltet. Dolores Reisenauer gestaltet den Kongress als Projektleiterin und gewährt Einblicke in ihr Denken und Handeln. Der HIK2019 wurde im Rahmen eines Studienprojekts hinsichtlich seiner Nachhaltigkeit untersucht. Hieraus sind einerseits allgemeine Handlungsempfehlungen für Veranstaltungen abzuleiten. Andererseits wird der Begriff der Congress Social Responsibility definiert. Bedingt durch die Sars-CoV-2-Pandemie wurde der Kongress im Jahr 2020 unter dem Titel HIK2020DIGITAL als rein digitales Format durchgeführt. Darüber hinaus sah sich die Veranstaltungsbranche mit existenzbedrohenden Regelungen zu Kontaktbeschränkungen konfrontiert, wodurch viele Events nicht oder stark modifiziert in Form hybrider oder digitaler Events durchgeführt werden konnten. Diese Formate bieten zahlreiche Chancen und Potenziale, um Verantwortung im Rahmen von CSR zu übernehmen. Sie müssen zusätzlich als Instrument für die nachhaltige Transformation der Veranstaltungsbranche begriffen werden.

Sophie-Therese Rieke

Deutscher Nachhaltigkeitskodex: Orientierung, Unterstützung und Navigation für zukunftsfähiges Wirtschaften – Interview mit Florian Harrlandt

Unternehmerische Sorgfalt für globale Lieferketten

Transformation zur Nachhaltigkeit ist kein Sprint, sondern vielmehr ein Marathon auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft und Gesellschaft. Der Weg beginnt auch hier mit dem ersten Schritt. Die CSR-Berichtspflicht betrifft unmittelbar Unternehmen einer relevanten Größe, indirekt auch ihre Lieferanten und Dienstleister. Für Unternehmen und Organisationen aller Größenordnungen stellt der Rat für Nachhaltige Entwicklung ein Berichts- und Managementtool zur Verfügung: Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK). Der DNK gibt Orientierung und Navigation. Das Netzwerk an DNK-Schulungspartnerinnen und -partner bietet Unterstützung. Auch für zu erwartende zukünftige Anforderungen wie ein mögliches Sorgfaltspflichtengesetz besteht Anschlussfähigkeit. Der DNK ist international anerkannt.

Anke Trischler

Vielfalt gestalten – nicht Einfalt

Der Beitrag der Kirchen zum Gemeinwohl aus evangelischer Sicht

Der Vertrag der hessischen Landeskirchen mit dem Land Hessen bekräftigt in seinen einleitenden Sätzen das gemeinsame Festhalten am „Öffentlichkeitsauftrag der Kirchen“ und fixiert diese Überzeugung mit den Worten: „Die Kirchen, die Kirchengemeinden und die aus ihnen gebildeten Verbände sind Körperschaften des öffentlichen Rechts; ihr Dienst ist öffentlicher Dienst“. Was trägt die Kirche zum Gemeinwohl bei? Besteht der „Öffentlichkeitsauftrag“ der Kirchen bzw. ihr „öffentlicher Dienst“ nur im Blick auf einen eng beschränkten Bereich des Lebens in der Traditionslinie Kaiser Wilhelms II. – Zuständigkeit für die Seelen der Gemeinden und die Nächstenliebe? Oder gibt es darüber hinaus auch eine Verpflichtung des Glaubens zum sozialen Handeln und zur Verantwortung in der Gesellschaft, wie es das Godesberger Programm der SPD unterstellt? Was es mit dem Beitrag der Kirchen zum Gemeinwohl auf sich hat, versteht sich nicht von selbst. Man muss darüber reden.

Ralf Stroh
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