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24.07.2019 | Cyber-Sicherheit | Im Fokus | Online-Artikel

Unternehmen vernachlässigen Cyberversicherungen

verfasst von: Swantje Francke

3 Min. Lesedauer
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Zu klein, zu speziell, zu gut geschützt: Im Angesicht von Cyberattacken auf deutsche Unternehmen wiegen sich noch immer zu viele Firmenentscheider in Sicherheit und verzichten auf eine entsprechende Versicherung.

Erst aktuell hat ein groß angelegter Hackerangriff die deutsche Wirtschaft getroffen, darunter auch sechs Dax-Unternehmen. Dies offenbaren Recherchen von Bayerischem und Norddeutschem Rundfunk (NDR) in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Ruhr-Uni Bochum. Laut Erkenntnissen des NDR handelt es sich bei den angegriffenen Unternehmen mutmaßlich um große Marktteilnehmer aus der Chemie- und Pharma-Branche (BASF, Covestro) ebenso wie Telekommunikationsunternehmen und den Technologiekonzern Siemens.

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Cyberdelikte gefährden jede Unternehmensgröße

Das Abgreifen sensibler Daten durch Hacker kann für Unternehmen jeder Größe existenzbedrohend sein. Patente, Konstruktionspläne, Geschäfts- und Kundendaten: Es gibt wenig, das sich in den Händen Krimineller nicht gewinnbringend ausschlachten lässt. Obwohl mittelständische Unternehmer sich der Gefahren der Cyberwelt bewusst sind, wähnt sich die Mehrheit aufgrund der Unternehmensgröße in ruhigem Fahrwasser.

Ein Trugschluss, denn gerade kleinere Betriebe weisen oftmals eine Spezialisierung auf, die durchaus attraktiv für Industrie- oder Wirtschaftsspionage sein kann. Sie greifen Cyberkriminelle selten gezielt an. Vielmehr streuen die Hacker ihre Schadsoftware auf eine hohe Anzahl von Unternehmen in der begründeten Annahme, irgendwo werde jemand unvorsichtig genug sein und verseuchte Email-Anhänge öffnen.

Stärker auf Cyberpolicen setzen

Die Schäden, die solche Angriffe nach sich ziehen können, können ernste finanzielle Konsequenzen für eine geschädigte Firm nach sich ziehen. Diese gilt es zu versichern. Wie aus einer Maklerumfrage des Marktforschungsinstituts Yougov im Auftrag der HDI Versicherungs AG vom März hervorgeht, sprechen rund zwei Drittel der Vermittler ihre Firmenkunden aktiv auf die Problematik sowie auf die Möglichkeit einer Cyberversicherung an. Im Gegenzug bringen mittelständische Unternehmer in kaum einem Gespräch die Risiken und Folgen von Hackerangriffen von sich selbst aus aufs Tapet.

Satte 84 Prozent der 200 befragten Vermittler gaben an, selten bis nie von ihren Kunden auf das Thema angesprochen zu werden. Aufgrund der Vernachlässigung des Themas auf Kundenseite sieht sich die Versicherungswirtschaft laut HDI in der Pflicht, die Gefahren von Cyberattacken auf Wirtschaftsunternehmen noch stärker als bisher in den Fokus zu rücken.

Mit KI gegen Internetkriminalität vorgehen

Wer sich mit Hackerangriffen auf seinen Betrieb beschäftigt, weiß, wie wertvoll die Vorbereitung auf den Ernstfall ist. Zum Rüstzeug kann neben der Cyberversicherung besonders eine gute Security-Expertise zählen, wie Dietmar Schnabel, Detlev Weise, Stefan Bösner, Christian Nern und Matthias Ems in der Zeitschrift Digitale Welt (2/2019) berichten. 

Ein wesentlicher Baustein ist dabei Künstliche Intelligenz, schreibt das Autoren-Team im Beitrag. Danach sollten Unternehmen nicht nur reaktiv auf Angriffe  antworten, sondern weitgehend proaktiv Angriffe voraussehen und abwehren. "Dies geschieht mittels KI-Analysesystemen, die prognostizieren, wie hoch in jedem Moment die Bedrohung durch welche Art von Cyberattacken ist. Basis solcher Prognosen sind Erkenntnisse darüber, wo zu einem beliebigen Zeitpunkt Angriffe welcher Art und nach welchen Mustern registriert werden." 

In einer solchen Zukunft werde der Kampf der – hoffentlich überlegenen – Unternehmens-KI gegen die KI von Cyberkriminellen womöglich gar nicht mehr nötig sein. "Dann schauen sich beide KI-Systeme nur einen Moment wie zwei wütende Wölfe an, wobei das unterlegene Tier seine Schwäche spürt und sich instinktiv zurückzieht", sind sich Schnabel, Weise, Bösner, Nern und Ems sicher. 


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