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07.06.2016 | Dächer | Im Fokus | Onlineartikel

Ein dünnes Betondach in Taschentuchform

Autor:
Christoph Berger

Auf dem nördlichen Vorplatz des Berliner Hauptbahnhofs entstanden für eine Haltestellenüberdachung zwei langgestreckte Dachkonstruktionen. Dabei konnte durch den Einsatz eines hochfesten Leichtbetons die Betondeckung im äußeren Schalenbereich auf sieben Zentimeter reduziert werden.

Die beiden symmetrisch angeordneten Dachschalen an der Tram-Station auf dem nördlichen Vorplatz des Berliner Hauptbahnhofs überdecken mit ihren 58 Metern Länge und sechs Metern Breite den gesamten Wartebereich. Zur Straße werden die Dachschalen von einzelnen Stahlträgern unterstützt, zu den Gleisen hin sind sie vollkommen geöffnet. Die Dachhöhe beträgt maximal knapp fünf Meter. In der Mitte der Bahnsteige ist sie aber deutlich geringer. Dort schützen auch Glasscheiben die Fahrgäste vor extremeren Witterungsbedingungen. Den Sockel der beiden Dachschalen bilden schließlich die zentralen Treppenschachtwände, die auch eine Verbindung zu einer unterirdisch angelegten S-Bahn schaffen.

Haltestellen für Straßenbahnen können in Seitenlage als Haltestellenkaps sowie in Mittellage mit Seitenbahnsteigen, Mittelbahnsteigen, angehobenen Fahrbahnen oder Zeitinseln angelegt werden. (aus dem Kapitel "Verkehrswesen" des Springer-Fachbuchs "Wendehorst Bautechnische Zahlentafeln")

Ein Taschentuch und eine geringe Schichtdicke

Das Berliner Architektenbüro Gruber + Popp hat die Haltestelle konzipiert und umgesetzt. Doris Gruber und Bernhard Popp lehnten ihren Entwurf dabei an die Bewegungen eines Taschentuchs an, mit dem gewunken wird – so sind Haltestellen Orte der Bewegung, des Ankommens und des Abschieds.

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An ein Taschentuch in Bewegung erinnert auch die geringe Schichtdicke. Im Projektbuch der Architekten heißt es dazu: "Um zudem das Eigengewicht der Schale zu minimieren, wurde für den äußeren, nur sieben Zentimeter dünnen Schalenbereich, eine nicht rostende Bewehrung gewählt. Dadurch kann die Betondeckung auf ein Minimum reduziert werden." Zum Einsatz kam dafür ein hochfester Leichtbeton – LC45/50 nach DIN EC 2 – mit Zuschlagsstoffen aus Leichtsanden und Blähton. So wurde nicht nur Gewicht, sondern auch Rohstoffe eingespart. Zudem ist der Beton laut den Architekten fester, er hat eine geringere Dichte und er ist widerstandfähiger gegen Wasser und Frost. Insgesamt wurden rund 300 Kubikmeter des Baustoffs verbaut. Entwickelt wurde der Beton von der Firma Liapor.

Laut Herstellerangaben sorgt der Blähton als leichte Gesteinskörnung mit seiner luftgefüllten Porenstruktur für eine Trockenrohdichte von 800 bis 2.000 Kilogramm pro Kubikmeter. Das entspricht genau den Angaben, die auch im Kapitel "Allgemeine Grundlagen" im Springer-Fachbuch "Handbuch für Bauingenieure" zu Leichtbeton gemacht werden. Die Festigkeiten des Leichtbetons liegen zwischen 12 und 100 N/mm2. Zudem gebe es individuell anpassbare Schütt- und Rohdichten sowie unterschiedliche Korngrößen, die ein breites Spektrum an Leichtbeton-Sorten ermöglichten und deren Rezepturen immer individuell an die jeweiligen Bauvorhaben angepasst werden könnten.

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