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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

I. Einführung und Überblick

Zusammenfassung
Verrückt erscheint es in der Tat, wie bereitwillig Menschen ihre Habe und ihre Arbeitskraft gegen nichts anderes als ein Versprechen eintauschen. Denn die Zahlen auf unserem Konto, das Papier und Metall in unserer Hand sind an sich wertlos. Wir vertrauen blind darauf, den durch sie dokumentierten Betrag jederzeit wieder gegen einen gleichwertigen Teil des Sozialprodukts eintauschen zu können. Aber das Geld, das so zentral ist für unsere Gesellschaft, das unsere arbeitsteilige Wirtschaft erst ermöglicht und sämtliche Bereiche koordiniert, ist nichts Reales. Geld ist ausschließlich ein fein gewobenes Netz gegenseitiger Ansprüche und Verpflichtungen, dokumentiert in unterschiedlichen Varianten und verwaltet durch mächtige Organisationen. Wie leicht dieses feine Netz zu erschüttern ist, zeigt die gegenwärtige Finanzkrise. Der Ausfall einiger Immobilienkredite in den USA führte zu einer Kettenreaktion. Ein Kollaps des gesamten Finanzsystems konnte vorerst durch weltweite Staatshilfen in Billionenhöhe verhindert werden. Diese Krise offenbarte jedoch nicht nur die Zerbrechlichkeit des Geldes, sondern auch wie sehr der gesellschaftliche Wandel es geprägt und verändert hatte. Mit Globalisierung, Liberalisierung und Virtualisierung wurde auch das Geldsystem immer schneller, komplexer und unberechenbarer.
Christian Thiel

II. Geld und Regionalgeld – eine theoretische und empirische Annäherung

Zusammenfassung
Jede wissenschaftliche Arbeit muss sich im Kontext der bestehenden theoretischen und empirischen Forschung verorten. Regionalgeld ist jedoch bislang kaum ein Thema in der wissenschaftlichen Forschung. Es finden sich weder große Forschungsprojekte, noch Veröffentlichungen in den führenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Nur eine Handvoll Abschlussarbeiten befasst sich mit dem Thema, meist aus den Bereichen Geographie, Regionalentwicklung und Raumplanung. Das Gros der sonstigen Publikationen wird herausgegeben von verschiedenen Institutionen, die sich alternativen Geldtheorien oder solidarischer Ökonomie verpflichtet fühlen.
Christian Thiel

III. Methodologische Grundlagen und methodisches Vorgehen

Zusammenfassung
Dieses Kapitel gliedert sich in vier Abschnitte: Als erstes wird die Entscheidung für ein qualitatives Vorgehen begründet. Der zweite Abschnitt stellt den methodologischen Rahmen dieser Studie dar, die sich als Ethnographie vor dem Hintergrund einer hermeneutischen Wissenssoziologie versteht. Im dritten Abschnitt werden die hier verwendeten Methoden der Datenerhebung und -auswertung quasi in idealtypischer Form vorgestellt. Abschließend folgt die Darstellung des konkreten Forschungsprozesses mit all seinen methodischen Abweichungen, Modifikationen, Grenzen und Problemen. Dieser vierte Abschnitt beinhaltet auch eine kritische Einschätzung des Vorgehens.
Christian Thiel

IV. Die Welt des ‚besseren’ Geldes – Ethnographie der Regionalwährungen

Zusammenfassung
Seit einigen Jahren wird in den Medien über das Phänomen Regionalwährung berichtet. Meist in den Rubriken ‚Vermischtes’ oder ‚Regionales’ schreiben Journalisten über „Lokalpatriotisches Geld“ (n-tv.de), „Bunte Blüten“ oder „Brüder des Euros“. Eigenes Geld zu drucken – das scheint den einen eine kuriose, „seltsam anachronistisch[e]“ Idee zu sein, die von „Alternativen“, „Globalisierungs-kritiker[n] und Bürgerinitiativen“ (handelsblatt.de) ausgebrütet wurde, um „gegen globale Ängste“ (dradio.de) anzutreten. Andere wiederum sehen das Ganze als einen marketingtechnischen Kniff, um „die heimische Wirtschaft zu stärken“ und so die „regionale Verödung“ zu stoppen. Ob hier nun ‚Weltverbesserer’ oder ‚Marketingstrategen’ am Werk sind, fest steht, dass das Phänomen Regionalwährung anscheinend im Trend liegt: Seit dem ersten (neueren) regionalen Geld, dem 2001 entstandenen Bremer Roland, haben sich deutschlandweit rasant Initiativen gebildet, von denen über 30 schon ihr eigenes Geld herausgeben.
Christian Thiel

V. „Ein bisserl ein moralischeres Geld“ – Eine Fallstudie zum Chiemgauer

Zusammenfassung
Regionalgeld irritiert. Man fragt sich, warum Menschen so etwas überhaupt benutzen. Gut, für die Aktivisten ist es eine Umsetzung ihrer Geld- und Gesellschaftsutopie, für die Geschäftsleute kann es eine Marketingmaßnahme sein. Aber warum sollte ein normaler Konsument zu den bunten Gutscheinen greifen? Schließlich kann er doch alles (und noch viel mehr) mit seinen Euros erledigen – auch jene Dinge, die das Regionalgeld sich auf die Fahne schreibt, seien es der Einkauf beim regionalen Produzenten oder Spenden an soziale Projekte. Welchen Sinn sehen die teilnehmenden Konsumenten also darin? Und weiter: Welche Bedeutung hat es für sie – ist es tatsächlich ein ‚besseres’ Geld oder ist es einfach nur ein ‚anderes’ Geld? Wie handeln sie konkret damit? Welche Auswirkungen hat es für sie selbst und auf ihre Beziehungen zu anderen Menschen?
Christian Thiel

VI. Rückblick und Ausblick

Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit wurde das vor wenigen Jahren entstandene Regionalgeld erforscht. Dieses bislang kaum untersuchte Phänomen stellt die häufig implizite Annahme infrage, es gäbe nur ein Geld im Sinne eines rein neutralen, einheitlichen Mediums, das dementsprechend auch ausschließlich spezifische (versachlichende, objektivierende, vergesellschaftende) Wirkungen habe. Mit seinem Anspruch, ein sozialeres, gemeinschaftlicheres Geld zu sein, wirft es verschiedene Fragen nach den grundlegenden Wirkungen von Geld im Alltagshandeln der Menschen und in sozialen Beziehungen auf.
Christian Thiel

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