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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Einleitung

Zusammenfassung
Die moderne Stadt ist hin und her gerissen zwischen der Perspektive einer Arbeitsstadt und derjenigen einer Wohnstadt. Aller Voraussicht nach wird sich keine der beiden durchsetzen. Aber ein Kompromiß ist nicht in Sicht, solange sich Arbeiten und Wohnen als getrennte Nutzungen gegenüberstehen. Diese Trennung war einmal eine Antwort auf die Probleme der Industriegesellschaft. Die Frage ist, ob die Probleme einer postindustriellen Gesellschaft nicht andere Antworten erfordern und ermöglichen. Aktuelle Fragen der Stadtentwicklung dürften sich kaum beantworten lassen ohne eine neuartige Auseinandersetzung mit der Konzeption der modernen Stadt, welche jene Trennung fixiert hat. Eine solche Auseinandersetzung kann indes nicht in der Absicht geführt werden, pfannenfertige Lösungen zu finden. Es kann nicht darum gehen, das eine (moderne) Konzept durch ein anderes (nachmodernes) zu ersetzen. Vielmehr gilt es, Freiheitsgrade der Entwicklung zu identifizieren, welche eine öffentliche (und nicht: eine technokratisch verkürzte) Auseinandersetzung um die Stadt der Zukunft ermöglichen.
Gregor Dürrenberger, Huib Ernste, Franco Furger, Carlo Jaeger, Dieter Steiner, Bernhard Truffer

Die Entstehung der modernen Stadt

1. Die Entmischung der Stadt

Zusammenfassung
Die großräumige Trennung zwischen Arbeiten und Wohnen ist das städtebauliche Erbe der Modernisierung. Die Auseinandersetzung mit diesem Erbe ist keine leichte Aufgabe, wenn wir uns vor Augen halten, wie tief diese Trennung letztlich in sozialen Strukturen und kulturellen Mustern wurzelt. Dabei geht es zunächst um ein historisches Verstehen dieser Wurzeln. Dazu wenden wir uns im ersten Abschnitt dieses Kapitels der Entwicklung eines bürgerlichen Lebensstils in den Städten des letzten Jahrhunderts zu.
Gregor Dürrenberger, Huib Ernste, Franco Furger, Carlo Jaeger, Dieter Steiner, Bernhard Truffer

2. Privatleben, Öffentlichkeit und Beruf

Zusammenfassung
Bisher haben wir Entmischungsprozesse erörtert, welche für die Entwicklung der modernen Stadt charakteristisch sind. Doch was genau wird dabei entmischt? In ökonomischer Hinsicht handelt es sich zunächst um beliebige Bodennutzungen, bei denen unterschiedliche Wirtschaftsaktivitäten unterschiedliche Güter und Dienst-leistungen — von Industriegütern zu Finanzdienstleistungen, von Mietwohnungen zu Freizeitvergnügungen — erzeugen. In planerischer Hinsicht handelt es sich um Bodennutzungen, die durch geeignete juristische Kategorien — wie Wohnanteil, Gebäudehöhe, Umweltimmissionen — voneinander abgegrenzt werden. In sozialer Hinsicht handelt es sich um Bevölkerungsgruppen wie soziale Schichten, ethnische Milieus etc. Es ist versucht worden, gegenüber dieser Vielfalt von Phänomenen, die von Entmischungsprozessen betroffen sein können, einen übergeordneten Gesichtspunkt einzuführen, indem ‘Grundfunktionen’ des menschlichen Daseins unterschieden wurden. Von den Urbanisten, die die Konzeption der modernen Stadt entwarfen, wurden drei solcher Grundfunktionen benannt: wohnen, arbeiten, sich erholen.
Gregor Dürrenberger, Huib Ernste, Franco Furger, Carlo Jaeger, Dieter Steiner, Bernhard Truffer

Das Dilemma der modernen Stadt

3. Eine verselbständigte Welt der Arbeit

Zusammenfassung
Wir haben die moderne Stadt charakterisiert als eine Siedlungsform, in der Arbeiten und Wohnen territorial großräumig getrennt sind. Nicht diese moderne Trennung von beruflichen (Arbeiten) und privaten (Wohnen) Territorien, wohl aber die grundsätzliche Differenzierung zwischen ihnen haben wir dabei als ein Ergebnis kultureller Evolution dargestellt. Sie geht zurück auf die neuzeitliche Ausdifferenzierung des Berufslebens aus dem privaten (familiären) Kontext. Sodann haben wir die moderne Stadt durch etwas zweites charakterisiert: durch den Verfall der öffentlichen Territorien. Öffentliche Territorien sind historisch viel älter als berufliche. Die soziale Unterscheidung zwischen öffentlichen und anderen Angelegenheiten geht auf die frühen Hochkulturen und damit auf die Entstehung der ersten Städte überhaupt zurück. Während sich also das Leben in den klassischen Städten zwischen den zwei Polen Privatheit und Öffentlichkeit, Familie und Politik, Haus und Versammlungsplatz entfaltete, wird der öffentliche Raum in der Lebenswelt des modernen Städters zusehends unwichtiger, zum bloßen Zubringer, den es mit der industriellen Technik möglichst schnell zu überwinden gilt.1
Gregor Dürrenberger, Huib Ernste, Franco Furger, Carlo Jaeger, Dieter Steiner, Bernhard Truffer

4. Auf dem Weg zum autistischen Wohnen

Zusammenfassung
Bisher haben wir uns auf Entwicklungen im Bereich der Arbeitsplätze konzentriert; nun wenden wir uns dem Bereich der Wohnungen und der Beziehung zwischen Wohnen und Arbeiten zu. Arbeitsplätze lassen sich als berufliche Territorien begreifen, Wohnungen als private. In menschlichen Lebensläufen werden diese Territorien zu den vielfältigen Mustern räumlicher Mobilität — insbesondere Pendelbewegungen und Migrationen — verknüpft. Das geht nicht immer gut: manche Lebensläufe werden dabei zerrißen. Wenn wir nun Prozesse der räumlichen Mobilität im Raum Zürich erörtern, sollte dies nicht vergessen werden. Moderne Städte sind Orte, an denen Lebensläufe entworfen werden. Junge Leute gehen in die Großstadt, lernen dort einen Beruf und finden eine Partnerin oder einen Partner‘für’s Leben’. Etwas ältere Berufstätige ziehen in die Stadt und ergreifen damit Chancen des sozialen Aufstiegs.
Gregor Dürrenberger, Huib Ernste, Franco Furger, Carlo Jaeger, Dieter Steiner, Bernhard Truffer

Die Zukunft der modernen Stadt

5. Polarisierung oder neue Urbanität?

Zusammenfassung
Wie hängen die im letzten Kapitel diskutierten Tendenzen im Bereich des Wohnens mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel zusammen, den wir in Kapitel 3 betrachtet haben? Ein wichtiges Bindeglied besteht in der Problematik persönlicher Identitätsbildung, auf die wir im zweiten Kapitel zu sprechen kamen. Wir kontrastierten dort mit den Figuren von Wilhelm Meister und von Faust zwei Typen von Identitätsbildung im Kontext einer ökonomischen Gesellschaft. Der erste Typus, dem die Bildung einer reichhaltigen persönlicher Identität gelingt, ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Berufsethik; der zweite Typus, bei dem wiederholte Anläufe zur Bildung einer persönlichen Identität in verschiedene Formen der Verzweiflung führen, zeichnet sich aus durch eine ins Heroische gesteigerte Arbeitsmoral. Narzißmus und Psychologismus, die wir als Hintergrund zur Entwicklung zunehmend autistischer Wohnformen erörtert haben, können dabei als Folgeschäden beschädigter Identitätsbildung nach dem Muster Fausts — wenn auch in weniger grandioser Form — begriffen werden. Demnach müßten wir davon ausgehen, daß in der Vergangenheit die Rolle der Berufsethik in Prozessen der Identitätsbildung in erheblichem Ausmaß durch eine forcierte Arbeitsmoral beein-trächtigt wurde.
Gregor Dürrenberger, Huib Ernste, Franco Furger, Carlo Jaeger, Dieter Steiner, Bernhard Truffer

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