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Über dieses Buch

Das Interview ist ein wichtiger Bestandteil journalistischer Arbeit. Inter­ views dienen vielen Zielen, sie reichen von der aktuellen Information zu einer politischen Entscheidung über das Studiogespräch bis zur Talkshow. Was der Journalist mitbringen muß, ist vor allem seine Neugierde auf die Antworten des Befragten, ebenso die Fähigkeit, zuzuhören, auf grund seiner Recherche gute Fragen zu stellen und die Antworten mit den zuvor recher­ chierten Informationen zu vergleichen. Interviewen ist keine Kunst, sondern zunächst einmal ein Handwer- erlernbar wie die Klempnerei. Hier wie dort gibt es bessere und schlechtere Klempnerarbeit. Dieses Buch soll das Handwerk vermitteln, ergänzt um viele gute Ratschläge. Entstanden ist das Buch aufgrund praktischer Erfahrungen. Seit zwan­ zig Jahren trainieren wir Journalisten in Seminaren zum Interview (und gelegentlich zur Recherche). Es sind überwiegend Seminare für Journali­ sten der ARD und des ZDF, die von der Zentralen Fortbildung Programm­ mitarbeiter ARD/ZDF (ZFP) , Wiesbaden und Hannover, organisiert wer­ den, aber auch Seminare im ZDF, in einzelnen Anstalten der ARD und in der Akademie für Publizistik, Hamburg. In den Seminaren analysieren wir jeweils rund 40 Interviews, die mit eingeladenen Gesprächspartnern ge­ führt werden. Ferner waren es Seminare mit Interviews zur Person (zu­ sammen mit Franz Wördemann) und zur Talkshow (zusammen mit Micha­ el Geyer). In den Text sind auch die Erfahrungen eingegangen aus eigenen Interviews, die wir geführt oder gegeben haben, nicht zuletzt die Analyse von Interviews in Hörfunk und Fernsehen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung

Zusammenfassung
Stellen Sie sich folgendes vor: Sie sollen in einer Stunde ein vier-minütiges Interview führen, live und vor Studio-Publikum. Die Redakteurin hat (warum?) eine Dame eingeladen, die anderen Menschen das Telefonieren beibringt. Andere Menschen: das sind meistens Mitarbeiter von Dienstleistern, vor allem Mitarbeiter von Banken, die wiederum andere Menschen anrufen und von günstigen Geldanlagen überzeugen wollen. Sie wissen auch, d. h. die Redakteurin hat es Ihnen gesagt, daß die Gesprächspartnerin, Frau Huber, auch Grundsätzliches zur Kommunikation am Telefon erzählen kann. Was ist zu tun?
Jürgen Friedrichs, Ulrich Schwinges

Grundlagen

Zusammenfassung
Das größte Problem des Interviews liegt vor dem eigentlichen Interview: ein Konzept zu erstellen. Dazu gehören vier Schritte, die wir im folgenden behandeln wollen:
1
das Problem analytisch zu durchdringen: Worum geht es genau?,
 
2
den Handlungsablauf der Sache zu analysieren,
 
3
zu fragen, welches die an einem Konflikt beteiligten Personen oder Parteien sind und welche Ansichten sie zu dem Problem vertreten,
 
4
schließlich und vor allem: eine heroische Beschränkung des Themas.
 
Im Einzelfall werden nicht alle Schritte erforderlich sein, mit Gewißheit jedoch die heroische Beschränkung. Ferner werden Sie bei sehr vielen Themen zu einem guten Konzept gelangen, wenn Sie die Fragen am Handlungsablauf orientieren.
Jürgen Friedrichs, Ulrich Schwinges

Aufbauendes

Zusammenfassung
Am Abend eines harten (Seminar)-Tages erholen wir, die beiden Trainer, uns auch heute in einem italienischen Restaurant. Am viersitzigen Nachbartisch, durch den Gang von uns getrennt, sitzen drei Menschen. Auf der einen Bank allein ein älterer Herr, Mitte sechzig, kurze weiße Haare, eher klein und schlank, mit Goldrandbrille, im kleinkarierten blauen Sakko mit Goldknöpfen, in grauer Hose, weißem Hemd mit Krawatte und Doppelmanschette mit goldigen Knöpfen, konservativer Asket. Ihm gegenüber auf der anderen Bank ein etwas massigerer, etwa fünfzigjähriger Mann und eine gleich alte Frau. Er, lässiger gekleidet (dunkles Sakko mit Rollkragenpullover), sie im dezent-farbigen Kleid, ein Friseurbesuch am Nachmittag ist wahrscheinlich.
Jürgen Friedrichs, Ulrich Schwinges

Interviews zur Person

Zusammenfassung
Der folgende Text gilt für kurze Interviews mit Alltagspersonen von etwa acht Minuten Länge. Befragt werden Alltagspersonen, z.B. eine Krankenschwester, der Fahrer eines Müllabfuhrwagens, der Besitzer eines Bestattungsinstituts, eine Sozialhilfeempfangerin auf der Behörde, ein Postbote, ein Bettler. Gute Beispiele sind die auf Interviews beruhenden Berichte in dem Buch “Working” von Studs Terkel (1975), eine wenig überzeugende deutsche Kopie ist der Band “Arbeit. Fünfzig deutsche Karrieren” (Federspiel und Weiss, 1990). Es werden Berufe/Rollen durch Personen, die sie ausüben, vorgestellt: Berufs- oder Tätigkeitsbilder. Es sind demnach Interviews zur Person und zur Sache.
Jürgen Friedrichs, Ulrich Schwinges

Nachwort: Wie jetzt?

Zusammenfassung
Wir hoffen, die Leserinnen und Leser des Buches kritischer gemacht zu haben, wenn sie Interviews hören und sehen. Der Kritik wollten wir auch eine Sprache geben, ein Handwerkszeug, um Interviews zu beurteilen. An die Stelle von „Fand ich gut“ oder „Versendet sich sowieso“ sollten genauere Urteile möglich sein, nämlich: Was ist „gut“, was „schlecht“? Warum ist es gut oder schlecht? Warum haben wir zu wenig erfahren? Was hätte man besser machen können?
Jürgen Friedrichs, Ulrich Schwinges

Backmatter

Weitere Informationen