Das Management der Kunden
Studien zur Soziologie des Shopping
- 2005
- Buch
- Herausgegeben von
- Kai-Uwe Hellmann
- Dominik Schrage
- Buchreihe
- Konsumsoziologie und Massenkultur
- Verlag
- VS Verlag für Sozialwissenschaften
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Inhaltsverzeichnis
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Soziologie des Shopping: Zur Einführung
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Soziologie des Shopping: Zur Einführung
Kai-Uwe HellmannZusammenfassungEinkaufen ist Arbeit, Shoppen macht Spaß. Wer sich mit dem Thema „Shopping“ näher befaßt, kommt an dieser Leitdifferenz nicht vorbei: auf der einen Seite die lästige Besorgung des Notwendigen, all der Güter und Dienste, die nötig sind, damit das normale Leben in geordneten Bahnen verläuft, auf der anderen Seite das schiere Vergnügen, das Bummeln und Flanieren, Anschauen, Betasten, Anprobieren, Ausprobieren, ohne jede Not, purer Zeitvertreib, Luxus in Reinkultur. Denn Luxus, so Werner Sombart (1996: 85), ist jeder Aufwand, der über das Notwendige hinausgeht, und davon bietet Shopping allemal genug. Kurzum: Shopping ist hybrid, geradezu janusköpfig, so könnte man sagen. Jedenfalls hat es eine Soziologie des Shopping mit einer Unterscheidung zu tun, bei der beide Seiten von Bedeutung sind, und wo es darauf ankommt, den genauen Unterschied zwischen den beiden Seiten dieser Unterscheidung zu verstehen.
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Kulturgeschichte(n) der Konsumbauten
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Gebaute Begehrlichkeit
Zur Architektursoziologie der Konsumgesellschaft in Deutschland Heike DelitzZusammenfassungDaß erst Bauten Orte schaffen, hat Martin Heidegger für eine Brücke beschrieben. Für die moderne Konsumgesellschaft sind andere Bauten zentral: die Warenhäuser und Mails. Zu beobachten wird sein, wie Konsumarchitektur „Himmel und Erde, die Göttlichen und die Sterblichen“ auf ganz eigene Weise versammelt (vgl. Heidegger 1954: 151). Zur Entfesselung der latenten und der Schaffung neuer Begehren in der „Konsumgesellschaft“ sind eine Fülle von Veränderungen in Denkweisen, Einstellungen, Lebensstandard und Verkaufstechniken nötig. Konsumbauten sind hier nicht nur an der Schaffung spezifischer Räume beteiligt — des städtischen Raums als einzigartig gedrängter Versammlung sozialer, nationaler, geschlechtlicher und altersmäßiger Gruppen -, sondern sie evozieren auch spezifische Wahrnehmungs- und Bewegungsweisen. Die Architektur spielt in der Herausbildung der Konsumgesellschaft und der Entwicklung zur Gesellschaft des „Massenkonsums“ eine kaum zu überschätzende Rolle. Sie ist Spiegel und Produzent, Ergebnis und Kultivierungsinstanz von Bedürfnissen. Mit ihrer Hilfe sollte und soll es gelingen, über die Bedarfsdeckung hinaus Passanten in Konsumenten zu verwandeln. Eine Reflexion auf die gegenwärtige Konsumkultur kann daher nicht unabhängig vom Blick auf deren architektonische Manifestationen geführt werden. -
Der Kampf um das Einkaufsparadies
Kaufhäuser in Rußland vor, während und nach der Sowjetzeit Elena MüllerZusammenfassungIn diesem Aufsatz soll die Rolle des Shopping bei der Entstehung und Weiterentwicklung der modernen, bürgerlich geprägten und konsumorientierten Gesellschaft reflektiert und nach dem „Sonderfall“ Rußland gefragt werden. Das Ziel ist herauszuarbeiten, inwieweit die Bedingungen des „real existierenden Sozialismus“ die gesellschaftliche Entwicklung in diesem Bereich beeinflußt haben. Daraus können auch Rückschlüsse gezogen werden auf die Geschichte des Shopping in der westlichen Welt, denn der Fall Rußland zeichnet sich insbesondere durch das Fehlen einer für die westlichen Länder charakteristischen Kontinuität aus.
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Logik und Praxis der Selbstbedienung
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Selbstbedienung: Die gesteuerte Kundensouveränität
Stephan VoswinkelZusammenfassungIn einer Marktwirtschaft gilt der Kunde als die Autorität, an der sich das Wirtschaftsgeschehen auszurichten hat. Er ist die personifizierte Nachfrage — oder begrifflich genauer: Der Kunde ist die für eine Organisation relevant werdende personifizierte Nachfrage. Nach seinen Präferenzen sollen sich, so das Ideal marktorientierten Handelns, die Anbieter von Gütern und Dienstleistungen richten, denn nur so erstellen sie Leistungen, die sich verkaufen lassen. -
Zwischenräume des Konsums
Überlegungen zur Praxis der Selbstbedienung Gerhard KeimZusammenfassungEinkaufen ist weitaus mehr als nur der bloße Warenerwerb. Einkaufen ist ein weitreichender und vielschichtiger Zusammenhang, in dem der eigentliche Kaufakt nur einen Bestandteil darstellt, der eingebettet ist in einen Verlauf mit zahlreichen Optionalitäten und möglichen anderen Verläufen. In der wissenschaftlichen Betrachtung und Analyse des Einkaufens werden diese Zusammenhänge gerne und oft reduziert betrachtet, bestimmte Dimensionen ganz ausgeblendet. Die Einschränkung des Blickes auf das Einkaufen geschieht meist im Interesse wirtschaftlich orientierter Sichtweisen, die weniger auf das alltagspraktische Verständnis des Einkaufens und die vielfältigen soziologischen Implikationen und alltagskulturellen Fertigkeiten und Praxen zielen als vielmehr auf Beeinflußbarkeit und Steuerbarkeit von Konsumenten. Hier geht es um Anschlußfahigkeit an betriebswirtschaftliche Blickwinkel und Zielsetzungen. Entsprechend wird in solchen Betrachtungen die Komplexität des Einkaufens eingeklappt, zurechtge-faltet auf die Vorstellungs- und Projektionsdimensionen wirtschaftlich inspirierter Verständnis- und Denkräume. Das ist nicht falsch, aber auch nicht richtig bzw. ausreichend, denn der Gegenstandsbereich „Einkaufen“ ist vielschichtiger.
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Planung und Nutzung von Shopping Malls
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Das Shopping-Center als inszenierte Konsumwelt
Andreas RieperZusammenfassungDas Einkaufszentrum oder Shopping-Center (SC) ist im Rahmen des alltäglichen Handlungssets „Shoppen“ — im Anschluß an die Theatermetaphorik von Erving Goffman (1980, 2001) zur Beschreibung alltäglicher Selbstdarstellungsmechanismen von Einzelpersonen und Gruppen — als Ort bzw. Raumkonstruktion verschiedener Vorder- und Hinterbühnen zu verstehen, die privat-wirtschaftlich etabliert und inszeniert (betrieben) werden und in denen Kauf- und Verkaufsakte als Alltagshandeln stattfinden. Dabei bezieht sich Goffman zur Beschreibung seines Ansatzes oft selbst auf Beispiele, die aus dem Einzelhandelsgeschehen bzw. aus der Verkäufer-Käufer-Interaktion entlehnt sind (vgl. Goffman 2001). -
Nutzerinnen und die Shoppingmall: Der dritte Raum im Visier
Ellen BareisZusammenfassungSich einer Mikrosoziologie der „Nutzung“ städtischer Einkaufszentren zuzuwenden, impliziert die Vorannahme einer spezifischen Trennung gesellschaftlicher Aktivitäten, daß nämlich die Tätigkeiten des Nutzens, Ge- und Verbrauchens und jene des Konzipierens, Produzierens und Betreibens als zwei unterschiedliche, voneinander geschiedene zu fassen sind und meist von unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteuren ausgeübt werden. Im Falle von Shoppingmalls1 betrifft dies besonders zwei Dimensionen sozialer Produktion und Konsumtion: jene von materiellen und immateriellen Gütern und jene von gesellschaftlichem Raum. Die mit der Trennung gesellschaftlicher Tätigkeit einhergehenden Macht-und Herrschaftseffekte verdichten sich aus diesem Grund in Einkaufszentren, insofern in ihnen Raum und Konsum oder genauer gesagt die Kontrolle über die Produktion gesellschaftlichen Raums wie über die Distribution von materiellen und immateriellen Gütern zusammen fallen. Auf diese Weise kulminieren in ihnen soziale, politische und ökonomische Ausschließungsprozesse.
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Virtualisierungen des Shopping
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Mediale Entgrenzungen im Supermarkt
Zur Standort- und Funktionsbestimmung des Instore-Radio Sven ThiermannZusammenfassungVersucht man, sich an die Einzelheiten des letzten Einkaufs im Supermarkt zu erinnern, so ist es durchaus möglich, daß man dabei eines Umstandes gewahr wird, dem man während des Besuches keine sonderliche Aufmerksamkeit geschenkt hat. Vielleicht gewöhnt an die Fülle der unverarbeitbaren akustischen Wahrnehmungsangebote einer Großstadt, gewöhnt auch an die Omnipräsenz von Musik innerhalb von Einkaufsumgebungen — vom Weihnachtsmarkt bis zum trendigen Kleidungsladen -, ist einem das Hörangebot des sogenannten Instore-Radio in seiner Spezifik möglicherweise entgangen. Dafür mag auch gesorgt haben, daß sein Musikteppich wie bei kommerziellen Privatradios durch zahlreiche Werbespots oder auch Nachrichten angereichert ist, so daß es durchaus schwer sein kann, das Instore-Radio als besonderes Medienformat überhaupt wahrzunehmen. -
Shopping im Internet
Anstöße für die kulturtheoretische Dimensionierung der Konsumsoziologie Jörn Lamla, Sven JacobZusammenfassungShopping online scheint etwas völlig Normales zu sein, folgt man der Werbung großer Provider oder betrachtet ihre Startseiten im Internet. Kommerzielle Anbieter sind daran interessiert, den Kundinnen und Kunden das Gefühl zu vermitteln, daß sie ihren Shopping-Bedürfnissen ohne Verlust im Cyberspace nachgehen können. Aber Shopping im Internet — ist das möglich? Die Antwort fallt abhängig von der kulturtheoretischen Perspektive sehr unterschiedlich aus. Kon-zeptualisieren wir das Shopping z.B. entlang der Bühnen- oder Theater-Metapher mit dem dramaturgischen Handlungsmodell von Erving Goffman (1969), so erfüllt der Einkauf im Worldwide Web kaum eine der für die Praxis des Shopping wesentlichen Bedingungen. Die Intuition, daß im virtuellen Handlungsraum einiges vorgeht, das der Welt des Shopping nicht fremd ist, weckt jedoch Zweifel, ob dieser Theorierahmen dem Untersuchungsgegenstand hinreichend adäquat ist. Die Frage eignet sich daher vorzüglich, um über die kulturtheoretische Dimensionierung der Konsumsoziologie genauer nachzudenken. -
Nachwort: Marktumgebungen und Kundenbewegungen
Dominik SchrageZusammenfassungUnter „Shopping“ wird sowohl im alltäglichen Sprachgebrauch als auch in der Fachliteratur ein reizvoll erscheinender Aufenthalt in Geschäften verstanden, der vom bloßen Einkauf im Sinne der Deckung eines vorab festgelegten Bedarfs unterschieden ist: Man kann beim „Shopping“ demnach zwischen Erlebniskauf und Zweckkauf unterscheiden, wie es Kai-Uwe Hellmann in seiner Einführung darstellt. Folgt man dieser Unterscheidung, so ist das Ausschlaggebende am Shopping nicht unbedingt die Tatsache, daß Kunden tatsächlich etwas erwerben — wenn dies auch in den meisten Fällen wohl das Ziel sowohl der Anbieter als auch der Kunden sein dürfte -, sondern zunächst die einfache Tatsache, daß sich potentielle Kunden in Geschäften aufhalten und ihre Aufmerksamkeit dem dort präsentierten Angebot widmen, daß sie bereit sind, sich neue Kaufoptionen nahebringen zu lassen, und dem Aufenthalt etwas abgewinnen können. Im folgenden soll ein Resümee der Beiträge dieses Bandes versucht werden, das von dieser doppelten Kennzeichnung des Phänomens Shopping ausgeht.
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Backmatter
- Titel
- Das Management der Kunden
- Herausgegeben von
-
Kai-Uwe Hellmann
Dominik Schrage
- Copyright-Jahr
- 2005
- Verlag
- VS Verlag für Sozialwissenschaften
- Electronic ISBN
- 978-3-322-80718-2
- Print ISBN
- 978-3-531-14571-6
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-322-80718-2
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